04. Oktober 2019 Lesezeit: ~15 Minuten

ZEN$UR auf Instagram

„Warum regst Du Dich denn so auf? Es ist doch nur eine App.“ – Und die, die das zu mir sagen, haben Recht. Nur ist diese App, glaubt man den neuesten Zahlen, heutzutage eine Milliarde Accounts schwer und mit 500 Millionen täglich aktiven Mitgliedern die größte Social-Media-Plattform der Welt: Instagram. Und da breiten sich Ungerechtigkeiten aus wie Lauffeuer, genauso wie im echten Leben auch.

So sehr ich mir wünsche, nicht abhängig zu sein von dieser Plattform, so komme ich nicht drum herum, mich etwas ausgeliefert zu fühlen. Als freie Künstlerin, die leidenschaftlich ihre Kunst verfolgt und nichts weiter davon möchte, als sie für sich selbst zu betreiben, hätte ich wahrscheinlich das ganze Spiel längst verlassen. Zu oberflächlich, zu überlaufen von Werbung ist der einstige Ort der Inspiration geworden.

Als freiberufliche Fotografin und Künstlerin kann ich es mir aber nicht mehr leisten, kein Instagram zu haben. Zumindest ist das wahr, solange das auch diejenigen glauben, mit denen ich zusammenarbeite. Und so fängt der ganze Teufelskreis an.

Frau im Lichtschein

Ich habe Instagram eher als Nachzüglerin entdeckt. Als ich mich der App anschloss, wollte ich zu Beginn eigentlich nur meine neue Fotoseite auf Facebook bewerben – was nun ironischerweise sowieso dasselbe ist. Ich war begeistert. Die Beiträge erhielten sehr schnell viel mehr Likes als auf Facebook und schon bald bewarb ich mit Instagram nicht mehr meine Facebookseite, sondern ließ diese komplett vernachlässigt, um dem aufstrebenden Profil, das ich ohne Nachzudenken „paeulini“ getauft habe, Platz zu machen.

Ich fand recht schnell meinen Weg in die analoge Fotografie und Instagram vernetzte mich mit meinen heutigen Held*innen. Allen voran mit Ryan Muirhead, amerikanischer Fotograf und Künstler, der bis heute eine der authentischsten, transparentesten Persönlichkeiten ist, denen ich das Vergnügen habe zu „folgen“. Seine Aufrichtigkeit über sich, wie er die Welt sieht und insbesondere sein Kampf gegen die Zensur des weiblichen Körpers haben mich, gelinde gesagt, tief beeindruckt.

Frau mit zerrissenem Papier vor dem Körper

Er hatte wohl den stärksten Einfluss auf meine eigene Arbeit. Nicht so sehr bildinhaltlich gesprochen; mehr, wie ich mich als Person auf dieser Plattform zeigen möchte: erbarmungslos offen und ehrlich. Dies hatte insbesondere zwei Dinge zur Folge.

Die eine ist die wundervolle Seite dieser App, die es neben dem Business-Aspekt auch unglaublich schwer macht, zu gehen: Meine Arbeit und meine Worte, die mein Innerstes offenbarten, wurden regelrecht mit herzerwärmendem Feedback überflutet. Ich bekam eine überwältigende Menge Ermutigung, dass meine Arbeit etwas wert sei und dass ich – auch gegen einige Stimmen meiner Lehrkräfte – Kunst mache und nicht einfach nur so rumknipse.

Die Konsequenz daraus, die Schattenseite von Instagram, die sich erst nach und nach bemerkbar macht, ist gut getarnt. Sie wird ziemlich erfolgreich überdeckt von dem, was so laut und schillernd im Vordergrund steht. Man wird langsam in das Ganze eingesogen. Man steht schon tief im Treibsand, wenn man mal nach unten schaut.

Faru mit Farbklecks über dem Körper

Bild in Zusammenarbeit mit Jennifer Mildenberger

Die erste riesige Veränderung, die Instagram laut angekündigt hat, die mit den Konsequenzen der App zu tun hat, war die Einführung des berühmt-berüchtigten „Algorithmus“. Scheinbar, um den Mitgliedern zu helfen, indem nur das angezeigt wird, was uns wichtig sei, führt Instagram im Juni 2016 ein Werkzeug ein, um Milliarden zu verdienen.

Mit der Macht, selbst zu bestimmen, wann, was und wie es gezeigt wird, gibt sich Instagram die Möglichkeit, Werbung dazwischen zu schalten und sich für diese rigoros bezahlen zu lassen. Seither wurden unsere privaten Profile regelrecht bombardiert mit Werbung: Schleichwerbung, Influencer-Werbung, bezahlte Werbung. Dies allein empfand ich als Verunstaltung der App, doch was im April 2019 passierte, war wie ein Schlag ins Gesicht.

Mit den Jahren kam ich meiner Essenz und dem, was ich in der Fotografie machen möchte, immer näher. Die Stimmen, die mir sagten, dass ich nur Haut zeige, um Aufmerksamkeit zu erlangen, oder Selbstportraits mache, weil ich narzisstisch sei, waren schnell zum Schweigen gebracht durch die offensichtliche Unterstützung und Bestätigung tausender Menschen, die mir folgen. Ich wusste es besser. Und meine Follower auch.

Frau mit Händen über den Augen und Farbe auf den Brüsten

Bild in Zusammenarbeit mit Jennifer Mildenberger

Der weibliche Körper in all seiner Schönheit wurde zu oft, zu einseitig und zu oberflächlich verkauft, vermarktet und ausgebeutet. Ich fand in der Gesellschaft der Kreativen, denen ich folgte, Hoffnung und Inspiration, dass ich und alle anderen Frauen doch mehr sind und sein können. Ich fand eine Art Selbstbestimmung und ein Selbstbewusstsein, das nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat.

Und dann kamen die neuen Community Guidelines. Im schieren Wachstum der Nutzungszahlen und der Angst, Instagram könnte zur schlechten Pornoseite werden, verschärfte die App die Regeln zur Nacktheit auf ihrer Plattform. Was logisch klingt, passiert aber auf so korrupte Art und Weise, dass ich die Aufrichtigkeit der Absichten aus mehreren Gründen in Zweifel ziehe.

Hier sei angemerkt, dass die Diskussion um die Zensur des weiblichen Nippels schon älter ist. Die Grundregeln der App, die von Anfang an geltend gemacht wurden (inklusive des Verbots der Darstellung von Geschlechtsteilen, Gewalt oder Sex), erschienen mir, bis auf die einseitige Verbannung weiblicher Nippel, logisch und fair.

Zum anfänglichen Zeitpunkt hat es meine eigenen Bilder auch noch nicht annähernd betroffen, ich war einfach bereit, meine Idole zu unterstützen, weil ich die Zensur weiblicher Nippel für ihre Kunst als eine regelrechte Verunstaltung wahrnahm.

Frau mit Bildstörung vor dem körper

Dies änderte sich schlagartig, als Instagram nun auch das, was ich als meine Kunst mit den Menschen, die mir so treu gefolgt sind, teile, als „suggestiv“ und „sexuell“ einstufte, auch wenn man in meinem Schaffen unzensiert kaum einen Nippel sehen würde. Nicht, dass andere Arbeit zwingend suggestiv sein muss, weil man genannte Körperteile sieht. Dies möchte ich noch einmal betonen – ich bin überzeugt, dass die Sexualisierung des Körpers im Angesicht der Gesellschaft das Problem ist und nicht der Körper selbst.

Und auch meine Arbeit war nie und wird auch nie auf die Ebene der Erotik abzielen, in meinen Augen habe ich es sehr wohl geschafft, meine Arbeit das sprechen zu lassen. Ich bin jemand, der versucht, mit den altbekannten, vertrauten Inhalten des weiblichen Körpers, die unzählige Male für objektivierende Zwecke genutzt wurden, etwas gänzlich anderes zu schaffen. Ich mache mir meinen Körper zu eigen oder auf die Bilder, die ich mit anderen Frauen kreiere, bezogen: Ich erzähle die Geschichte der Frauen aus der Perspektive einer Frau.

Diese Überzeugungen sind der Inbegriff meiner Arbeit und als Instagram von heute auf morgen jegliche Form von Haut als suggestiv und sexuell einstufte und sich somit gegen ebendiese Überzeugungen stellte, verwandelte sich die Plattform von meiner größten Errungenschaft zu meinem persönlichen Feind.

Frau mit Schaufensterpuppe

Herausgefunden habe ich das alles nicht durch offizielle Kommunikation. Die Änderung sind nie offiziell kommuniziert worden. Weiter noch lässt Instagram im Januar 2019 in einem Beitrag auf Twitter verlauten, dass auch der sogenannte Shadowban nur Mythos sei. Die Realität sieht aber anders aus. Instagram lässt kein bisschen Haut mehr als „sicher“ durchgehen. Und zwar äußert sich dies in mehreren Bereichen.

Die Sichtbarkeit der Beiträge, die ohnehin schon sehr eingeschränkt ist – die Reichweite der Beiträge wird teilweise auf bis zu 10 % reduziert – wird nun noch weiter eingeschränkt. Denn wenn man etwas teilt, auf dem viel Haut zu sehen ist, erscheint dieser Beitrag nicht mehr in der Hashtag-Suche, nicht mehr auf der Explore-Seite und wird nur noch einem Bruchteil der überhaupt nur noch 10 % der Follower direkt gezeigt.

Das heißt konkret, dass Beiträge mit Nacktheit als künstlerische Intention zwar noch geteilt werden können, aber als Geisterbeiträge so weit unten in der Timeline sind, dass sie einfach untergehen in der überfluteten Instagramwelt. Der Shadowban ist eine sehr subtile Form der Zensur, mit der Instagram unterschwellig Weichen stellt, die aber ein tragisches Ausmaß annehmen könnten.

Es geht dabei nicht mehr nur um die Sexualisierung des Körpers, was nur eine Fortsetzung bestehender Werte darstellt, sondern mit dem Shadowban und der Macht über den Algorithmus können ganze Minderheiten oder Meinungen effektiv zum Schweigen gebracht werden.

Frauenakt mit Zensurschrift

Ein Computer entscheidet nun, ob ich Kunst mache oder nicht. Und ich sehe das Problem: Warum lasse ich mir von einer App diktieren, was ich als meine Kunst sehe oder nicht? Warum lasse ich mich davon limitieren?

Im Gefüge der Abhängigkeit dieser App habe ich nie selbst laufen gelernt. Ich habe keine Verbindungen in die Kunstwelt. Ich habe kein Geld für Ausstellungen. Ich habe keine bekannten Eltern oder auch nur gelernt, wie man sich in der Kunstwelt behauptet. Ich habe eben auch nie gedacht, dass ich überhaupt zu einem Punkt komme, an dem das zur Diskussion stehen würde.

Und hier ist sie nun, die größte Konsequenz, die ich daraus zu spüren bekomme, weil ich die kleine kultivierte Instagram-Galerie auf meinem Handy zu wichtig nahm, mein Herz hineingeschüttet habe und meine gesamten Bilder mit einer äußeren Validation als Kunst bezeichnen ließ.

Jetzt endlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Wenn das die Hauptform ist, wie ich meine Arbeit zeige und ihr keinen anderen Ort zum Existieren gebe, bleibt meine Kunst immer beschnitten von Regeln, die ich nicht selbst mache. Schlimmer noch: Ich zeige meine Kunst in Rahmenbedingungen, die sie schon im Prozess des Schaffens limitieren.

Sie spielen da mit meinem Kopf und eben nicht nur mit meinem. Nacktheit ist nur okay, wenn sie sagen, es ist okay. Und meine Arbeit würde zudem immer in genau den gleichen Rahmenbedingungen stecken. Und das würde mit Sicherheit ihr Untergang sein. Ich weiß noch nicht, wohin mich mein Weg führt, aber mit Sicherheit weit weg von dieser App.

Frau mit Männerbrust überlagert

Und trotzdem, ich gehe nicht ohne Krawall und Remmidemmi. Denn, wie kann es sein, dass unzählige Accounts gelöscht, zensiert und geshadowbanned werden für das kleinste bisschen Haut, das sie zeigen, aber eine Heidi Klum ihre Nippel doch posten darf? Warum kann der Playboy-Account reihenweise lüsterne Fotos von Frauen auf seinem Profil hochladen, inklusive Nahaufnahmen von unzensierten Gesäßen?

Warum soll ich glauben, Instagram würde einen „sicheren Ort“ für alle schaffen wollen mit der Verbannung von Nacktheit, wenn eine Kylie Jenner ihren komplett unbekleideten Körper präsentieren kann und mit einem winzigen, schwarzen Quadrat über ihrem Nippel davonkommt?

Warum sehe ich in meiner Explore-Seite doch noch Selfies von Männern ohne Shirt, wenn ein Frauenrücken als „suggestiv“ eingestuft wird? Warum können mir Nutzer privat Bilder ihres Geschlechtsteils schicken und danach noch existieren?

Ich folge keiner Seite wie Playboy oder irgendwelchen schillernden Blogger*innen. Alles, was ich jemals wollte, ist, mich in meiner eigenen Welt, in der ich mich bewege, mit meinen Held*innen zu vernetzen. Aber dann vor ein paar Wochen, schon tief in meinem Aufschrei über den Shadowban, hatte ich plötzlich einen Beitrag mit nacktem Po auf meiner Timeline.

Er gehört Cara Delevigne. Dem Supermodel folge ich, weil sie auch Klimaaktivistin ist und ich das unterstützen möchte. Das Foto ist Teil eines dreiteiligen Beitrags, in dem das Modell komplett nackt für Marie Claire posiert. Der Beitrag mit ihrem Po bekommt 1,5 Millionen Likes.

Ich rege mich auf. Mir wurde ein ähnliches Foto gelöscht, sogar weniger deutlich Po, mehr Formen wie Sanddünen, als das von Cara und ich teile es in meiner Story als Vergleich. Und nun wird es richtig absurd: Als ich das Foto ihres Pos in meiner Story reposte, wird es von Instagram gelöscht mit der Notiz, dass es gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstößt. Wenn ich aber nun das Originalfoto von Cara Delevigne melde, heißt es in der Überprüfung von Instagram: „We’ve reviewed caradelevigne’s photo and found that it deosn’t go against our Community Guidelines.“

Danke für die Aufklärung, Instagram, die Regeln gelten also nicht für Prominenz. Und hier fängt es an, richtig schwierig zu werden: Wenn schon vorher fast keine Transparenz geherrscht hat, verlassen meine Spekulationen nun sicheren Boden. Doch der einfache Fakt, dass die ganze Welt sich um diese eine Geschichte dreht, lässt es naheliegen, dass sich auch hier das Spiel wiederholt. Ich rede von der mächtigsten Erfindung der Menschheit überhaupt: Geld.

Der 13-jährige Nutzer mit dem iPhone, den die Community Guidelines versuchen, zu schützen, weiß schon lange, wie er Pornhub benutzt. Auf jeder Seite, auf der man versucht, seinen geliebten Disneyfilm noch einmal anzuschauen, erscheint Werbung für gewaltverherrlichende, pornografische Spiele. Das Internet ist voller Darstellungen der Frau oder generell Körpern, die verkauft und sexualisiert werden. Es ist schade (oder gewollt?), dass es mit all der Technologie nicht möglich ist, die Grenzen besser zu ziehen.

Collage von Körpern

Doch was die Werbetreibenden nicht wollen, wollen die Werbetreibenden nicht. Und die sind es, die das Geld in Instagram stecken und nach denen sich Instagram richtet. Nach ihnen und den verschobenen, verblendeten und manipulierten Meinungen der Massen, denen sie das, was die Werbetreibenden verkaufen, unterschieben wollen. Und am Ende macht Instagram es nur schlimmer, indem es glaubt, es wüsste, was wir hören möchten. Aber wie kann es sein, dass wir wissen, was wir hören möchten, wenn wir es noch gar nicht gehört haben?

In meinen Augen wäre die künstlerische Freiheit, sich mit dem eigenen Körper ausdrücken zu dürfen, eine positive Veränderung, eine Gegenstimme zu all dem Missbrauch. Junge Frauen hätten echte Vorbilder und einen anderen Zugang zu sich, als nur das, was uns verkauft wird.

Expression, Kunst und die Fähigkeit seine Emotionen auszudrücken, wäre etwas, das endlich zu einem ganzheitlichen Bild verholfen hätte. Es hätte ein Stück Normalität und Verhältnismäßigkeit zurück in unser Leben gebracht. Oder seit wann ist denn ein Foto eines 9-jährigen Jungen, der im Wasser spielt, etwas anderes als unschuldig?

Aber auch dieses Mal drückt die Stimme der Gesellschaft durch und sie ist immer noch gewillt, das Opfer zu zensieren und nicht den Täter. Ich sehe mich gezwungen, den Tatsachen wieder ins Auge zu sehen. Die Sexualisierung und Zensur von Körpern, insbesondere der Frau, ist ein Ausdruck davon, wie unsere Welt tickt und es ist eine traurige Wahrheit, aber: It’s a man’s world.

Auf Instagram ist die Schlacht verloren, ich werde diese Plattform nicht mehr zum zentralen Ankerpunkt meiner Arbeit machen. Die Regeln der Zensur kann man nicht ändern, wenn es das ist, was das Geld diktiert. Instagram wird sich so früher oder später das eigene Grab schaufeln, aber meine Kunst ist solange Kunst, bis ich das Gegenteil behaupte.

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34 Kommentare

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  1. Ein starker Artikel und noch stärkere Bilder. Danke dafür! Ich persönlich nutze wegen solcher Geschäftspraktiken keine „Sozialen Medien“, sondern fotografiere als Amateur eben nur fürs eigene Wohnzimmer. Als gewissermaßen Außenstehender frage ich mich allerdings, ob Instagrams Verfolgung von weiblicher Haut tatsächlich so viel mit „unserer“ Gesellschaft zu tun hat, oder ob ich das als eine Anpassung an Märkte außerhalb Europas und Nordamerikas verstehen muss. Facebook zeigte ja schon früher ein ähnliches Verhalten (Hasspostings hui, Nippel pfui), das als Rücksichtnahme auf Kundschaft in patriarchal-konservativen Ländern diskutiert wurde.

    • Man ist ja nicht aufs eigene Wohnzimmer beschränkt, nur weil man Facebook etc. nicht nutzt: Einfach eine eigene Webite erstellen.

      Instagrams Verfolgung von weiblicher Haut ist insbesondere von der Bekanntheit des postenden Accounts abhängig. Insofern spiegelt sich hier folgendes gesellschaftliche Problem: Geld regiert die Welt.

      Artikel von Jörg Colberg zum Thema „Your Post Has Been Deleted – Censorship on Instagram“:
      https://cphmag.com/ig-censorship/

  2. Vielen Dank für den Beitrag.
    Ich habe auch lange überlegt, mich auf Instagram zu engagieren. Allerdings gehe ich einen ganz anderen Weg. Ich verzichte komplett auf Social Media, lassen Postkarten drucken und lege sie überall aus, wo ich gerade bin.
    Wir geben diesen riesigen Plattformen viel zu viel Beachtung und ersaufen doch in ihr. Auf DAuer halte ich eine intelligente Vernetzung von Gleichgesinnten für wesentlich effektiver, vor allem unabhängig vom Wohlwollen anderer.
    Das Leben ist auf jeden Fall smarter ohne Social Media, weil diese enormen Stress verursachen und Zeit rauben, die besser kreativ eingesetzt wird.
    Ich werde Dich jedenfalls unzensiert in meine Blogempfehlungen aufnehmen.

  3. Vielen Dank!
    Ein Beitrag, aus dem mich besonders Ihre persönliche Betroffenheit beeindruckte und diese gut nachvollziehen konnte.
    Ich kann mir jetzt besser vorstellen, wie das wäre mit instagram.
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald einen guten Weg finden, Ihre eindrucksvollen Bilder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
    Ein Wunsch wäre von mir, wenn sie Ihren neu gefundenen Weg in einem folgenden Beitrag hier kund täten.
    Mit Grüßen von Jens

  4. Ich habe mich schon immer mit dem Begriff „Kunst“ schwergetan. Zu viele verfahren nach dem Motto: „Ist dein Bild der letzte Scheiß, nenn’es Kunst und mach’s schwarz-weiß“. (Alternativ vielleicht auch: „Nenn’es Kunst und sag, es sei mit einer analogen Mittelformatkamera gemacht worden.)

    Kunst braucht meiner Meinung nach unbedingt das Merkmal des Neuen, Anderen, De- und Rekonstruierenden, Provozierenden, bestehende Grenzen Überschreitenden und Transendierenden, und das ist hier tatsächlich der Fall, meine ich. Ich finde deine Bilder in diesem Sinne auch weit besser als die von Ryan Muirhead, den ich bislang gar nicht kannte, dessen Bilder im Instagram-Account ich aber ziemlich nichtssagend finde. Sie sind stylish (Portland style?), aber keine Kunst. Deine sind anders.

    Danke für’s Zeigen.

  5. Die beiden angesprochenen Platformen sind keine sozialen Netzwerke, sondern US-basierte Geschäftsmodelle, die nur einen Zweck haben: Profitmaximierung für den Eigentümer. Das geht in den USA nur unter Rücksichtnahme auf den herrschenden, bigotten Protestantismus und seine mittelalterlichen Moralvorstellungen. Ein Kunstdiskurs auf europäischem Niveau ist in dieser Gesellschaft illusorisch. Inhalte komplexerer Art verstören den Amerikaner – und wir haben lernen müssen America first!. Wir sollten auch lernen, ohne solche Dinge wie fb und Instagram zu leben.

    • danke, etwa das wollte ich auch schreiben, als ich den Post hier las.

      Ich hatte ab 1996 Bilder online, habe aber meine eigene Website gelöscht, weil es mir zu großer Aufwand war. Seit über 10 Jahren lade ich meine Bilder auf flickr und zahle dafür etwas. Mit Werbung werde ich dadurch nicht belästigt.
      Die (un)sozialen Medien kommen für mich nicht in Frage.

      Chantal, ich würde mich weitgehend selbstständig davon machen, dafür sollte deine Website aber erheblich besser gestaltet werden. Einfach nur die Bilder auf weißen Untergrund zu zeigen, bringt sie viel zu wenig zur Geltung. Du findest sicher jemanden, der dir dabei (professionell) hilft. Dazu gehört auch, dass die Seite so gestaltet wird, dass sie durch die „künstliche Intelligenz“ der Suchmaschinen auch gefunden wird.

      Nackt ist der natürliche Zustand von uns Lebewesen und lange und heute noch in natürlich lebenden Kulturen normal. In unserer Kultur haben die selbst ernannten „Tugendwächter“ der verschiedenen Glaubensrichtungen dies „verteufelt“ und den Menschen die Märchen erzählt, dass dies nicht sein darf. Diese Fantasie-Götter haben also den Menschen erschaffen, damit er eine Industrie für die Bekleidung entwickelt….

      Viel Glück, Chantal!

  6. Guter Artikel, schwacher Schluss mit einem reflexartigen „It’s a man’s world.“ Ohne ging’s wohl nicht? Dabei: Wäre es so, wären Nippel und nackte Frauen wohl kaum ein Problem. Weshalb muss eigentlich immer alles soweit gebogen werden, bis es ins eigene Weltbild passt?

  7. Tja, es lebe die künstliche Interlligenz. Und die ist dumm – aber sowas von dumm!

    Auf meinem Profil @dermannmitderlampe zeige ich „Portraits einer Stehlampe” und … wer hätte das gedacht, die künstliche „Intelligenz” hat auch hier zuviel Nacktheit erkannt. Logisch – die Farbe kommt schon ungefähr hin, es ist Hautfarbe.
    Als ich vor wenigen Tagen einige Bilder mit einer anderen Lampe postete, war ich wieder unter den Hashtags aufzufinden und dachte, es hätte sich etwas geändert. Denkste! Es war nur die etwas andere Farbe des Lampenschirms (orange statt Haut), die der Computer durchgehen lies.

    Und natürlich gibt es bei instagram/facebook keine Antwort auf meine Fragen. Nur eine automatische Antwort, man freue sich über mein Interesse und meine Frage wäre unter [Link zur Hilfeseite/FAQ] beantwortet.
    Ob das nun eine Standardmail ist, die JEDER bekommt, oder ob die künstliche „Intelligenz” auch bei der Beatwortung von eMails versagt, sei mal dahingestellt.

    PS: Auf einem anderen Profil beschäftige ich mich mit Entwürfen von Design-Wäscheklammern, allesamt aus hellem Kiefernholz gefertigt. Ich ahne fürchterliches …

  8. Gute Artikel mit vielen interessanten Gedanken. Leider zu interessant für Facebook, wollte ihn dort teilen und in jetzt 24 Stunden gesperrt, angeblich wegen weibliche Nacktheit (im Vorschaubild). Unterstreicht die Aussage des Artikel also voll und ganz… ;)

  9. Liebe Chantal Convertini,
    das ist ein sehr emotionaler Beitrag zur Nutzung von sogenannten Social-Media-Plattformen.
    Du beschreibst, was viele professionelle Fotografen umtreibt: man ist aus verschiedensten Gründen nicht gerne dort präsent, braucht aber gerade die Präsenz, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
    Ein grundlegendes Missverständnis von dir: ab 2016 habe Instagram „den berühmt-berüchtigten „Algorithmus eingeführt. Alle Plattformen haben immer mit Algorithmen gearbeitet. Suchmaschinen, Social-Media-Plattformen können nicht ohne Algorithmen sein, sonst würde dort nichts gefunden – auch deine künstlerischen Arbeiten nicht.

    Algorithmen sind erst einmal wertfrei. Der Begriff stammt aus der Mathematik und beschreibt eine Funktion, die ein-eindeutig ist, eine Endlichkeit und Terminierung hat und bei gleichen Voraussetzungen das gleiche Ergebnis liefert, z.B auch der Satz des Pythagoras oder – ganz im Alltag – ein Kochrezept (Ei in kochendes Wasser legen- abhängig von Größe x Minuten kochen – je nach Kochlänge pflaumenweich bis hartgekocht)

    Was du meinst, ist der Versuch von Instagram, seine Suche (seine Algorithmen) so anzupassen, dass sie dem Unternehmen möglichst viel Umsatz generiert (Traffic, Werbeschaltungen, Tags, usw).

    Es geht weder Instagram noch einer der anderen Plattformen um dein Portfolio, deinen Status, der Qualität deiner Bilder, sondern darum, welche Umsätze mit dem von dir geschaffenen und für dich, aber auch die Plattformen kostenfrei hochgeladenen Content erzielt werden.

    Um auf das Kochrezept zurückzukommen: Bild x wird 10.000 mal aufgerufen, geliked, weiterverbreitet = Zutat.
    Der Alogarithmus: kann ich mit 10.000 Gramm Mehl oder 10.000 Eiern was anfangen – was brauche ich noch (Traffic von wem, Werbung von wem, Tags von wem) um für mich das beste Gericht = Umsatz (Kuchen, Omlett, Quiche, Rührei…) zu kreieren? Was muss ich weglassen (weibliche Körper an sich, Brüste, Vulven, männliche Körper, Penise, Hoden usw…), um beste Ergebnisse bei umsatzstarken Werbepartnern zu erzielen?

    Natürlich gerätst du auch in den Strudel von Werbung, Empfehlungen – Adblogger, Privacy-Einstellungen im Browser, Spamfilter oder Benutzung alternativer Suchmaschinen wie Duckduck, Startpage o.ä. helfen schon weiter.

    Jedem, der „visuellen Content“ schafft und auf Facebook, Instagram, YouTube, usw. hochlädt, muss bewusst sein: Es hilft nicht, darüber zu jammern, sondern man muss sich mit den Geschäftsmodellen auseinandersetzen, die Risiken abwägen und evt. Nachteile in Kauf zu nehmen. Es war nie umsonst – vielleicht geldfrei – aber die Nutzung der Plattformen kostet schon immer, mindestens die Akzeptanz deren AGB (Weitergabe aller Rechte) und den Verlust der Kontrolle über das eigene Werk.

    • Liebe Sabine,

      hast Du den Text gelesen? Der Algorithmus von Instagram ist nicht wertfrei, wenn Inhalte abhängig von der Person herausgefiltert werden, die ihn eingestellt hat. „Wertvolle“ Menschen mit vielen Followern (=Geld) dürfen bei Instagram Bilder veröffentlichen, die bei anderen „wertlosen“ zensiert werden.

      Zudem ist fraglich, ob die von Dir genannten AGBs solcher Unternehmen mit Quasi-Monopol überhaupt wirksam sind.

      Das „Jammern“ hilft doch dabei solch asoziales Verhalten „sozialer Netzwerke“ bekannt zu machen. Vielleicht löscht der ein oder andere Facebooks Instagram. Den größten Gefallen tut man sich damit übrigens selbst.

  10. Super schöne Bilder ! Auch sprichst du mir teilweise aus dem Herzen.
    Es ist ein komplexes Thema ! Zur Zeit ist Instagram immer noch meine wichtigste Plattform. Es geht mir tatsächlich weniger um möglichst viele Likes sondern der Austausch mit befreundeten Fotografen und Modelle…
    Es ist Super einfach mit anderen ins Gespräch zu kommen.
    Allerdings stellt sich bei mir auch eine gewisse Frustration ein, mach dem mehrere Male Post von mir einfach gelöscht wurden und die Reichweite weiter singt. Einmal sogar das Profil gehäckt wurde ist natürlich der Wunsch einer Alternative da…
    Das Problem es gibt einfach keine wirklich ernstgemeinte Alternative :-( und als People Fotograf bin ich angewiesen auf ein Netzwerk was gut funktioniert.

  11. An sich ein guter Artikel welchem ich in einigen Punkten
    voll und ganz zustimmen kann.

    Aber dann der Schluss……
    „It’s a man’s world.“ Wäre „It’s a old white man’s world.“ nicht noch besser gewesen?
    Lächerlich….Als ob die Plattform nur weibliche Künstler „diskriminiert.
    Aber damit hat die Autorin ja schön einfach eine Gruppe gefunden die ihr die
    Follower und Likes verwehrt.

  12. Danke für diesen Artikel!
    Du sprichst mir aus der Seele!
    Diese App und das dahinter stehende Facebook greifen tief in die Freiheit der Kunst ein. Oft unmerklich und subtil, manchmal schroff und ungerecht. Du hast das gut beschrieben, ich erlebe es genau so.

    Das Absurde dabei ist, dass diese Praktiken sich bereits auf die Arbeit von Fotografen auswirken.
    Immer öfter beobachte ich, dass auch auf Seiten, wo Haut und Körper unzensiert gezeigt werden können, Nippel etc. retuschiert werden. Dass Balken, Pixel oder andere Dinge in die Bilder gebastelt werden.
    Ich frage mich immer: wozu betreiben wir den Aufwand ein ästhetisches Bild zu erschaffen, wenn wir es nachher selbst wieder zerstören? Warum agieren manche selbst da, wo sie es nicht müssen, im vorauseilendem Gehorsam?
    Ich betrachte diesen Trend mit Sorge.
    Und hoffe, dass die Leute irgendwann aufwachen und nicht mehr wie die Lemminge dem Strom folgen.

  13. Es gibt ein Leben ohne Insta und FB. Wirklich. Wozu soll man sich auch an dieser importierten amerikanischen Heuchel-Prüderie beteiligen?
    Macht Euch unabhängig von diesem Scheiß.

    • Warum?
      Stumm mitmarschieren ist ja auch keine Alternative.
      Im Restaurant beschwer ich mich auch, wenn mir was nicht passt. Und geh dennoch wieder hin, wenn man entsprechend damit umgeht und es ansonsten in Ordnung ist.

      • @Rafael
        Eben, das Problem liegt auch darin, dass die „Künstler“ wohl mehr „selbstständige Fotografen“ als Künstler sind – schlicht, es geht ums Geld. Ansonsten sollte man den zugegebenermaßen menschlichen Drang nach Mitteilung und Aufmerksamkeit stets kritisch hinterfragen.

        [Mit anderen Worten: Würde sich ein Künstler auf IG herumtreiben?]

    • Das ergibt sogar sehr viel Sinn, da diese Netzwerke insbesondere aufgrund ihrer Reichweite eine Medienöffentlichkeit herstellen, die es zu regeln gilt. Die von Instagram abn den Tag gelegte Willkür bei der Zensur von Inhalten darf man eben nicht einfach so akzeptieren.

    • Sich dem Social-Media zu verweigern ist für den einzelnen sicher eine Alternative.
      Aber wie ich weiter oben schon schrieb, hat das Gehabe dieser Seiten auch Einfluss darüber hinaus.
      Ich erlebe es leider immer öfter, dass Bilder auch auf Seiten, wo es nicht sein muss (z.B. MK, flickr), zensiert hochgeladen werden.
      Und das tangiert dann auch die, die bei Insta gar nicht angemeldet sind. Ich bin ja u.a. auch dort, weil ich keine Balken sehen will ;-)
      Sicher wäre es ein Statement, wenn sich ALLE, die etwas mit Altfotografie zu tun haben, abmelden oder einen Uploadboykott durchziehen. Aber ich halte es für illusorisch, dass das funktioniert. Dafür ist das System zu inhomogen.
      Und zu viele arrangieren sich halt mit den Spielregeln, weil sie von diesen Medien profitieren, oder zumindest glauben, es zu tun.
      Ich halte eine kritische Herangehensweise daher für sinnvoll.

  14. oh the irony: wollte es auf fb teilen und gleich die meldung bekommen, dass es nicht gepostet wird, weil es den gemeinschaftsstandards zu nacktdarstellungen und sexuellen inhalten wiederspreche … ich nehme an wegen des titelbildes. mal schauen, was deren prüfung bringt.