18. September 2019 Lesezeit: ~7 Minuten

Im Test: Sofortbildkamera instax mini LiPlay

Als Fujifilm instax eine neue Hybridkamera ankündigte, habe ich mich sehr gefreut. Denn zwar gibt es mit der instax SQUARE SQ10 und der instax SQ20 bereits Hybridmodelle von Fujifilm, jedoch hat mir bei ihnen eine wichtige Funktion gefehlt: Die Möglichkeit, die Kamera mit dem Smartphone zu verbinden und so auch Handyaufnahmen drucken zu können. Das verspricht nun die neue instax mini LiPlay .

Zunächst eine kurze Erklärung, was es mit dem Begriff Hybrid in diesem Zusammenhang auf sich hat: Bei den Instaxkameras handelt es sich um Sofortbildkameras, ähnlich den Polaroidkameras von früher. Macht man ein Foto, kann man es direkt im Anschluss in den Händen halten und bei der Entwicklung zusehen. Eigentlich. Denn die Hybridkameras sind gleichzeitig auch Digitalkameras, mit denen man die Bilder vorher auf einem Display ansehen und erst dann entscheiden kann, ob man sie wirklich drucken möchte.

Kind und Baby kuscheln

Aufnahme mit der instax LiPlay; man kann bis zu 10 cm nah ans Motiv herangehen!

Der Vorteil liegt auf der Hand: Man vermeidet fehlerhafte Aufnahmen und spart Geld. Denn auch wenn die Fuji instax-Filme mit 14 € für 20 Bilder günstig im Vergleich zu anderen Anbietern sind, kostet ein Bild umgerechnet dennoch etwa 0,70 €. Der Nachteil des Hybridmodus ist, dass der Überraschungsmoment und das analoge Gefühl ein wenig fehlen. Ein Bild ist kein Unikat mehr, sondern beliebig oft druckbar.

Aber gerade weil diese Kameras digital sind, war es für mich völlig unverständlich, warum man nicht schon früher eine Bluetooth-Funktion eingebaut hat, um die Kamera auch als Smartphonedrucker nutzen zu können. Vielleicht wollte man dem eigenen Produkt Instax Share keine Konkurrenz machen? Wer weiß. Jetzt endlich gibt es die Möglichkeit also.

Sonnenblumen unter blauem Himmel

Aufnahme mit der instax LiPlay

Sonnenblumen unter blauem Himmel

Aufnahme mit dem Samsung Galaxy s8 , Druck mit der instax LiPlay

Das Verbinden funktioniert über eine eigene App auf dem Handy. Mit einem Klick kann ich alle Bilder auf meinem Handy ansehen und eines zum Drucken auswählen. Die Bedienung ist sowohl an der Kamera, als auch in der App sehr intuitiv und schnell zu verstehen.

Auch die Bildergebnisse können sich sehen lassen. Das verbaute Objektiv ist ein 28 mm f/2.0. Die Verschlusszeit (1/4 s bis 1/8000 s) sowie Aufnahmeempfindlichkeit (ISO 100 bis 1600) stellen sich automatisch ein. Ich war sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Selbst eine Aufnahme, die ich mit meiner DSLR gemacht und mit einem Bildbearbeitungsprogramm optimiert habe, sieht in dem kleinen Format super aus!

Frau im Ruderboot unter einer Weide

Aufnahme mit der Canon 5D Mark III , Druck mit der instax LiPlay

Frau im Ruderboot unter einer Weide

Originalaufname

Generell mag ich die instax-Filme sehr, denn sie sind nicht fehleranfällig, haben aber dennoch eine analoge Anmutung wie die alten Polaroidbilder. Für den Test hat mir Fujifilm die Kamera mit einem Farbfilm geschickt. Ich habe mir zudem noch einen Schwarzweißfilm gekauft, der ein klein wenig teurer ist. Er hat einen leichten Grünstich, aber ich bin dennoch zufrieden damit. Im Nachhinein habe ich dann auch gesehen, dass es einen Schwarzweißfilter gibt.

Warum dann nicht ein Smartphonedrucker?

Hier kommt der Grund, warum mich die instax LiPlay am Ende nicht überzeugen konnte: Grundsätzlich gehe ich viel lieber mit Kamera zum Fotografieren. Einfach für das Gefühl und auch weil Menschen auf eine Kamera offener reagieren als auf ein Smartphone. Es kann viel mehr Spaß machen, mit der Kamera zu arbeiten, da nichts vom Fotografieren ablenkt. Der LiPlay fehlt es aber an einigen mir wichtigen Optionen, so dass ich beim Test am Ende doch immer wieder zum Handy gegriffen habe, um ein Foto des Moments zu machen und es anschließend einfach mit der Kamera zu drucken.

Zum einen fehlt der Kamera ein Stativanschluss. Es wäre so schön gewesen, denn schließlich hat die Kamera die Möglichkeit einer Auslöseverzögerung von 2 oder 10 Sekunden. Man kann sogar mit dem Smartphone auslösen! Das wäre ideal für Gruppen- oder Selbstportraits. Ohne Stativ ist das jedoch eine verschenkte Möglichkeit.

Die Kamera hat sechs integrierte Filter und zehn Designs. Die Designs sprechen mich persönlich nicht so an, aber das ist einfach Geschmackssache. Und je nach Nutzung machen Sprechblasen und andere witzige Effekte durchaus Sinn, zum Beispiel für Gästebücher bei Hochzeiten, Geburtstagen und Ähnlichem. Die Filter hingegen finde ich schon spannender und nutze solche auch hin und wieder am Smartphone. Das Problem: Sie lassen sich nicht nachträglich auf das Bild anwenden, sondern man muss sich vor der Aufnahme entscheiden, welchen Filter man nutzen möchte. Auf dem Display sieht man beim Vorschaubild leider kaum einen Unterschied und kann den Effekt nicht richtig einschätzen.

Frau mit Sonnenblumen

Aufnahmen mit der instax LiPlay

Sonnenblumen in einer Vase am Fenster

In der Kamera selbst lassen sich 45 Bilder speichern. Erweitern lässt sich der Speicher mit einer Micro-SD-Karte. Laut Angaben lassen sich so je 1 GB weitere 850 Bilder speichern! Das Problem: Man sieht die Bilder in der Kamera nicht in einer Übersicht, kann sie nicht kategorisieren oder gar gezielt nach einem Bild suchen. Man muss sie nach und nach durchklicken. Das nervt schon bei 45 Aufnahmen ziemlich.

Das klingt jetzt vielleicht etwas negativ, aber ich sehe großes Potenzial. Fuji instax ist mittlerweile Vorreiter in der Sofortbildtechnologie und probiert immer wieder neue Dinge aus. Auch wenn ich aktuell eher dazu neige, mir direkt den Sofortbilddrucker Instax Share zu kaufen oder die hübsche Instax Mini 90 Neo Classic . Beide sind zudem mit 110 € aktuell wesentlich günstiger als die LiPlay mit 156 €.

Sonnenblumen

Aufnahme mit der instax LiPlay, beachtet QR-Code und den schönen Blendenfleck!

Sound an!

Ein Beispiel für spannende Neuerungen von Fuji instax ist dieses Feature: Ton auf Sofortbildern! Mit der neuen LiPlay kann man nicht nur Bilder aufnehmen, sondern auch Ton. Gelöst wird dies über einen QR-Code auf dem Bild selbst. Ich mag die Idee ein Bild mit Sound zu verbinden sehr gern, denn dadurch gewinnen Erinnerungen noch etwas Besonderes dazu. Leider ist so ein QR-Code nicht besonders schön. Vielleicht schafft es Fuji ja noch, den Code nicht ins Bild zu drucken, sondern an den Rand oder vielleicht sogar auf die Rückseite?

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich die Sofortbildtechnologie in Zukunft noch entwickeln wird. Und es ist so schön, das zu schreiben, denn schließlich schien sie noch vor wenigen Jahren tot. Da stört es mich auch gar nicht mehr so sehr, wenn die kleine LiPlay mich nicht komplett überzeugt und ich teste mich weiter durch den mittlerweile sehr groß gewordenen Markt.

Spannend ist die neue Kamera sicher für erwähnte Hochzeitsevents und andere Partys. Ich kann mir auch gut vorstellen, die Bilder als Visitenkarten zu nutzen. Wie großartig wäre es, wenn Bands direkt ein Musikbeispiel auf den Code legen! Oder man könnte sie als Postkarte mit persönlichen Grüßen verschicken! Was meint Ihr? Seht Ihr im Ton auf Sofortbildern einen Gewinn oder bleibt Ihr lieber bei den klassischen Sofortbildern ohne weitere Funktionen?

Ähnliche Artikel

5 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Ich habe schon einige Jahre die Instax Mini, und ich liebe es, dass sie eben komplett analog ist.
    Für unsere Kinder haben wir ein eigenes Instax-Album angelegt und regelmäßig, vielleicht zweimal im Jahr, machen wir 10 Bilder in schwarz-weiß mit der Instax Mini. Da ist das Geld dann nicht zuviel, MAssen fotografiert man nicht. Aber es bleibt diese Spontanität und die positiv gesehene fehlende Möglichkeit, nachzubearbeiten oder zu verändern.
    Sofortbild-Kamera-eben, genau den Augenblick festhalten. Was ich mir aber wirklich wünschen würde, ist ein Tipp, diese Minis perfekt scannen zu können. Also ein Instax-Scanner von Fuji, der könnte mein Glück mit der Instax Neo perfekt machen.