11. April 2019 Lesezeit: ~10 Minuten

Welche Fotos lassen sich gut verkaufen?

Ich habe kürzlich beschlossen, einige meiner Fotos auch zum Verkauf anzubieten. Die Auswahl fiel mir jedoch gar nicht so leicht, denn natürlich möchte ich Bilder wählen, die auch Potenzial haben. Aber welche Bilder verkaufen sich eigentlich besser als andere? Welche Motive hängt sich mein Nachbar über sein Sofa oder meine Ärztin in ihre Praxis?

Und dann kam mir der Gedanke, dass Euch diese Fragen sicher genauso interessieren und bat Photocircle , die Plattform meiner Wahl, um ein kleines Interview. Thomas, der Gründer, hat sich Zeit genommen und mir meine Fragen beantwortet:

Fangen wir doch direkt mit der Hauptfrage an: Wonach suchen die Leute beim Kauf von Bildern? Worauf sollte man beim Verkauf achten?

Die Frage ist so allgemein gar nicht so leicht zu beantworten, denn die Bilder, die gekauft werden, sind sehr unterschiedlich. Wir haben ca. 10.000 Motive bei uns und auch wir werden hier und da immer noch von der Kundschaft überrascht. Da gibt es Bilder, in denen wir sehr großes Potenzial gesehen haben, die sich aber am Ende kaum verkaufen und wieder andere, bei denen wir positiv überrascht werden, was die Verkäufe angeht.

Aber ganz generell kann man sagen, dass abstrakte Motive, besonders Mitzieher und minimalistische Meer- und Strandmotive, besonders beliebt sind. Auch Architektur funktioniert sehr gut. Portraits und Straßenfotografie mit Menschen laufen in der Regel nicht ganz so gut. Es gibt einfach nur wenige Menschen, die sich fremde Gesichter in groß über die Wohnzimmercouch hängen möchten.

Auf Eurer Startseite bekommt man die Bilder nach Beliebtheit sortiert angezeigt. Da sehe ich diese Mitziehereffekte auf jeden Fall sehr häufig, aber auch eine Kuh mit wirrer Frisur.

Ja, die Kuh kommt von Dominic Lars, der auf Instagram sehr bekannt ist. Ein absoluter Bestseller, den die Leute lustig finden und der sehr gut funktioniert.

Spannend finde ich, dass dann aber auch schnell Kinder auf der Straße angezeigt werden. Das solche Bilder funktionieren, hätte ich jetzt nicht gedacht.

Die Sortierung nach Bestsellern ist natürlich auch davon beeinflusst, wie lange die Bilder bereits bei uns im Katalog sind. Bilder, die seit unserem Start mit dabei sind, haben somit bessere Chancen, vorn aufzutauchen. Im Sinne der Chancengleichheit möchten wir möglichst bald neben der Sortierung nach Neuheiten und Bestsellern auch eine zufällige Sortierung einführen.

Muss ich als Künstler*in bereits bekannt sein, um bei Euch erfolgreich Bilder zu verkaufen, oder werden auch Bilder unabhängig von meinem Bekanntheitsgrad verkauft?

Es hält sich die Waage. Klar haben wir auch einige sehr reichweitenstarke Kreative bei uns. Wenn die ihre Galerie über Instagram promoten, dann ist das natürlich gut für die Verkäufe. Es ist auf jeden Fall vorteilhaft, bekannter zu sein. Aber auf der anderen Seite ist es für Menschen, die durch Google oder Ähnliches durch unsere Galerie stöbern, völlig egal, wie bekannt die Person ist, die ihr Lieblingsbild aufgenommen hat.

Bleiben wir mal bei Instagram. Da gibt es ja ein bestimmtes Motiv, das immer sehr gut funktioniert: Landschaften mit einer kleinen Person irgendwo im Bild, um die Größe zu verdeutlichen. Alles in sehr leuchtenden Farben gehalten. Funktioniert so etwas nur auf Instagram oder werden solche Aufnahmen auch als Drucke gewünscht?

Ich bin der Meinung, dass so etwas tatsächlich eher auf Instagram funktioniert. Wir haben viele Motive, die in diese Richtung gehen, aber bei uns funktionieren reine Landschaften besser, als wenn da noch eine Person irgendwo auf einem Felsen steht.

Gibt es abseits vom Motiv Vorlieben bezüglich des Materials oder der Größe bei den Verkäufen?

Am meisten werden tatsächlich auf Grund des Preises Poster bestellt und da auch häufig eher kleinere Formate. Wobei ich das Gefühl habe, dass wir auch sehr große Bilder verhältnismäßig häufig verkaufen, denn wir können sehr große Drucke anbieten. Es gibt wenige Firmen, die so große Panoramen von etwa 300 x 100 cm hinter Acrylglas fertigen können. Aber preisbedingt sind die Bestseller eher kleinere und mittelgroße Formate. Zur besseren Einordnung: der durchschnittliche Warenkorb liegt bei 110 €.

Gibt es eine Veränderung oder Entwicklung über die vergangenen Jahre in den Vorlieben der Menschen?

Wir haben neu Illustrationen und Design im Angebot, aber Fotografien sind nach wie vor am gefragtesten. Eine wirkliche Veränderung sehe ich nicht bei den Vorlieben der Kundschaft, aber die Bilder im Katalog verändern sich durch technische Neuerungen und Moden.

Die Pixelanzahl von Kameras wird zum Beispiel immer größer, aber wir können oft die Bilder dennoch nicht riesig anbieten, weil viele Kreative ihre Bilder auch viel stärker als früher bearbeiten und starke Filter und Texturen verwenden, vielleicht geschuldet durch Instagram.

Luftbildaufnahmen kamen in den letzten Jahren durch die technische Entwicklung der Drohnenfotografie häufiger auf und sind auch sehr beliebt. Wir können sie jedoch nicht so groß anbieten, da die Auflösungen der Kameras teilweise noch nicht so super sind.

Wie wählt Ihr Bilder und Kreative für Eure Seite aus?

Früher waren wir komplett offen. Wir hatten zwar schon immer eine Bildredaktion, aber alle konnten erst einmal Bilder bei uns hochladen. Leider konnten wir nur etwa 5 % der Einreichungen auch annehmen, was für beide Seiten frustrierend war. Wir konnten auch nicht immer Begründungen mitliefern, warum einige Bilder jetzt nicht angenommen wurden, was für die Kreativen sehr ärgerlich war, weshalb wir jetzt nur noch mit Einladungen arbeiten, bzw. sich Künstler*innen vorher bei uns bewerben können. Wenn das Portfolio passt, dann erst schalten wir den Account frei und man kann Bilder hochladen. Auch hier gibt es aber eine Auswahl und Bildredaktion.

Helft Ihr dann auch bei der Bildauswahl, wenn man sich unsicher ist?

Ja, da unterstützen wir gern und geben Feedback, welches Motiv unserer Meinung nach besser funktioniert. Wir haben auch die Möglichkeit einer privaten Galerie. Manche Motive werden nicht direkt über unsere Suche gefunden, sondern können nur auf der jeweiligen Profilseite gekauft werden.

Das haben wir gemacht, weil teilweise die gleichen oder sehr ähnlichen Motive von vielen unterschiedlichen Kreativen eingereicht wurden. Da mussten wir eine Auswahl treffen, damit es nicht inflationär aussieht und wenn man nach etwas sucht, nicht 30 Mal ein ähnliches Bild auftaucht. Das würde zur Verunsicherung und Überforderung bei der Kundschaft führen. Wir wollten andererseits aber nicht den Künstler*innen sagen, dass das Motiv nicht geht, weil es ja technisch einwandfrei ist. Da waren private Galerien für uns ein guter Mittelweg.

Das Problem erinnert mich ein wenig an den Instagram-Account @insta_repeat. Hier sammelt eine Künstlerin sehr ähnliche Motive und stellt diese als Collagen zusammen, um zu zeigen, wie beliebig Instagram auch sein kann. Da sind dann häufig beliebte Reisemotive dabei.

Ja, ich denke, viele suchen ihre Reiseziele über Instagram aus und werden durch solche Bilder zu eigenen Bildern motiviert. Der berühmte Felsen Preikestolen in Norwegen wird zum Beispiel häufig eingereicht oder auch der Eibsee in den bayrischen Alpen. Die Fotos sind oft wirklich toll, wir müssen aber dennoch aufpassen, dass dasselbe Motiv nicht zu häufig bei uns vertreten ist, weil es sonst langweilig wird.

Gleichzeitig sagst Du, es gibt auf Eurer Seite bereits 10.000 Bilder. Wie kann ich mich hier noch abheben von der Masse?

Die Zahl hört sich wirklich viel an, aber es gibt ja auch unglaublich viele Bildsprachen und verschiedene Fotogenres. Da sind Städte- und Landschaftsfotografie dabei, Architektur und abstrakte Motive, Surrealismus und vieles mehr. Jetzt auch Illustrationen und Designs.

Die Kundschaft hat meistens schon etwas Bestimmtes im Kopf, wenn sie ein Bild sucht. Zum Beispiel suchen Leute Fotos von ihrem letzten Urlaubsziel, weil sie selbst nicht so toll fotografieren und eine Erinnerung daran haben möchten. Oder sie suchen ein Bild, das als Hauptfarbe rot enthält und minimalistisch ist, weil das besonders gut in ihr Zimmer passt. Die Suchanfragen sind hier schon sehr spezifisch. Im Hinblick darauf sind 10.000 Motive dann gar nicht mehr so viel.

Und es gibt sehr viele Bereiche, die wir im Katalog noch nicht abgedeckt haben. Zum Beispiel sind einige geografische Regionen nur sehr wenig vertreten, dazu gehören Bilder aus Südamerika aber auch Australien oder dem naher Osten. Auch Aktfotografie haben wir bislang sehr wenig im Portfolio und da suchen die Leute sehr viel nach, nicht nur direkt bei uns, sondern vor allem über Google.

Wir hatten früher kein einziges Aktbild, weil das gegen die Politik einer unserer Partnerorganisationen verstoßen hätte. Aber nun versuchen wir, das zu ändern. Es ist jedoch nicht so einfach, da gute und nicht so vulgäre Bilder zu finden.

Du hast die Schlagwortsuche erwähnt. Gibt es Wörter, die besonders häufig gesucht werden?

In den Top Ten Suchbegriffen sind vor allem Städte- und Ländernamen zu finden, angeführt von Berlin und New York, Myanmar, Indien und Deutschland. Aber auch einige allgemeine Begriffe, die an Urlaub erinnern, wie Wasser, Berge, Strand sind hier vertreten.

Danke für das Interview und den spannenden Einblick!

Titelbild: © Manuela Deigert

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6 Kommentare

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  1. Schön, mal Hintergundinfos und Fakten zu bekommen von jemandem, der „auf der anderen seite“ aktiv ist. Danke sehr dafür! Das Thema Bildverkauf ist augenblicklich ziemlich populär, wie mir scheint, taucht es doch in etlichen Veröffentlichungen/Journals auf. Mich würde mal interessieren, wie sich das Verhältnis von Qualität/Engagement zu Glück auswirkt, wenn man motiviert ist, eigene Fotos zu verkaufen. Bei der unüberschaubaren Menge an Fotografen*innen und Fotos legt so Mancher wahrscheinlich gar nicht erst los.
    Herzlich grüßend, Dirk

    • Hallo Dirk,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Nach unserer Erfahrung hat der Verkauf von Fotokunst nicht so viel mit Glück zu tun. Der Interessent muss in dem Moment auf dein Bild aufmerksam werden, in dem er bereit ist, dafür Geld zu zahlen. Wenn nun dein Bild ganz hinten in der Suche auftaucht, ist das sicherlich ungünstig, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ihm ein Bild gefällt, bevor er deines überhaupt entdeckt hat und, wenn der Sortierung der Bilder auf Zufall basiert, dann hat das sicherlich viel mit Glück zu tun.

      Es ist aber so, dass sich Engagement auf jeden Fall sehr lohnt. Die Künstler, die bei uns regelmäßig neue Bilder einstellen und sich Mühe bei der Betitelung, Beschreibung und Verschlagwortung der Bilder geben, verkaufen deutlich besser. Es hilft auch sehr, wenn man auf seine Galerie bei uns über seine eigene Webseite und / oder Social Media Kanäle verlinkt. Zudem ist es auch so, dass der persönlich Bezug zum Bild wichtig ist. Wenn jemand das Motiv oder den Fotografen gut kennt, erhöht das die Chancen des Verkaufs sehr.

      Manchmal ist die Bildqualität auch nicht das allerwichtigste. Wir produzieren ja über unser Fotolabor auch Ausstellungen bzw. bekommen Großaufträge von Fotografen, die nicht bei uns verkaufen. Da sind oft Bilder dabei, die wir nicht unbedingt mit bei uns aufgenommen hätten und manchmal staunen wir auch, dass Dritte so viel Geld in die Hand nehmen, um diese Bilder zu kaufen. Daran sieht man zum einen, dass Geschmack subjektiv ist und wir in unserer Auswahl manchmal auch falsch liegen, aber auch, dass sich persönliches Netzwerken und Engagement auszahlen.

      Beste Grüße,
      Thomas

  2. Blogartikel dazu: Die Zeit – 07.04. – 14.04.2019 – Digitaler-Augenblick.de