26. März 2019

Stillleben und Emotionen

Die Grundidee meiner Stillleben ist es, Emotionen auszudrücken, die von dem hervorgerufen werden, was wir sehen. Wenn ich das Haus verlasse, sehe ich vertrocknete Sommerblumen und noch grünes Moos. Gehe ich in den Wald, empfinde ich seinen Geruch, unter den Füssen raschelt das Laub und durch die Zweige der Bäume verteilen sich die Sonnenstrahlen, die nur im Herbst diesen schwer beschreibbaren, warmen Ton haben. Diesen Zustand stelle ich in meinen Bildern nach und somit wird er greifbarerer.

Das alles hätte man mit Worten beschreiben können, aber ich ziehe die visuelle Sprache vor. Mich interessiert vor allem, das Gefühlte visuell zu reproduzieren. Wenn zuhause Blumen stehen, gehe ich vorbei und denke, wie schön sie doch sind. Später beginnen sie, sich zu neigen und zu welken und in diesem Zustand erscheinen sie mir sogar noch schöner. Sehe ich diese zerbrechliche Schönheit, möchte ich diesen vergänglichen Anblick bewahren und konservieren.

Es kommt vor, dass ich, nachdem ich einen Film gesehen oder eine Ausstellung besucht habe, das Erlebte durch ein Stillleben verarbeite. Erlebnisse hinterlassen bei uns oft ein schwer zu beschreibendes Gefühl und dieses nehme ich als Inspiration. Ich verwende neue Farblösungen, anderes Licht, aber auch speziell ausgesuchte Objekte, um diesen emotionalen Zustand nachzuempfinden.

Zum Beispiel habe ich im Dezember eine Maracuja probiert. Ich erwartete, dass sie süß sein würde; sie war im Gegenteil sauer und die Konsistenz innen erwies sich interessanterweise als schleimig. Ich entschied mich dazu, ein Stillleben mit der Frucht zu erarbeiten und habe am Ende auch noch ein Portrait gemacht, in dem ich darstelle, wie die Frucht auf mich gewirkt hat. Betrachter*innen sollen den Eindruck bekommen, dass man diese Frucht besser nur ansehen sollte, denn vom Verzehr bekommt man mit Sicherheit keinerlei tropischen Genuss.

Stilleben mit Früchten

MaracujaStillleben

Stillleben mit Blumen

StilllebenStillleben

Stillleben

Stilleben mit ObstVase mit Rosen

Stilleben mit Vase und Obst

An meinen Stilleben arbeite ich allein und genieße den Vorgang – vom Auswählen der Komponenten über die Komposition bis zu den eigentlichen Aufnahmen. Mir gefällt, wie durch viele Schritte das Resultat im Prozess erwächst. Das einzige, was ich nicht mag, ist das Aufräumen danach.

Da kommen natürlich die Assoziationen mit den Arbeiten der alten Meister – ich habe eine Kunstausbildung und liebe es Parallelen, zwischen Altem und Neuem zu ziehen. Besonders gut gefällt mir, wie die Kreativen mit Licht gearbeitet haben, das eine der grundlegenden Komponenten ist, um Stimmungen zu erschaffen und Akzente zu setzen.

Obwohl ich an diesem Projekt seit einem Jahr arbeite, setze ich mir keinen zeitlichen Rahmen, um es zu beenden. Es gibt immer Platz für neue gefühlvolle Erlebnisse und ich möchte das gern mit meiner Fotografie erzählen.

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  1. Blogartikel dazu: Die Zeit – 28.03. – 06.04.2019 – Digitaler-Augenblick.de