14. März 2019 Lesezeit: ~4 Minuten

Bildung durch Fotografie

Kunst erfüllt das Leben durch Emotionen und Geschichten für jeden ganz individuell. Kunst schafft Sinn. Doch ist es auch möglich, dass Kunst Bildung schafft? Art Meets Education hat sich genau dies zur Aufgabe gemacht. Wir ermöglichen Bildung durch Fotografie.

Unsere Künstler*innen sind zwischen fünf und neun Jahren alt und können aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen oder sind durch die Armut ihrer Familien ständig vom Schulabbruch bedroht. Durch ihre Fotografien generieren sie selbst die Mittel für ihren Schulbesuch und das bis zum High-School-Abschluss. Zu kaufen gibt es die Bilder als Poster in unserem Online-Shop. Ein Poster kostet 10 € und finanziert einen Monat Schule für ein Kind.

Kinder mit Kameras

Die Kinder entdecken die Kameras während eines Workshops

Unser Kernarbeitsgebiet sind die Philippinen und genau hier begann im November 2018 bereits unser drittes Projekt in Olandes Marikina, einem Stadtteil von Manila. In unserem Workshop brachten wir zehn Kindern aus finanziell benachteiligten Familien die Grundlagen der Fotografie näher. Ausgestattet mit analogen Sofortbildkameras erkundeten sie eine Woche lang ihre Welt und ihren Alltag.

Entstanden sind unglaublich kraftvolle, berührende und sehr eigene Fotografien. Ein Blick nach oben in den Himmel, ins Gesicht der Großmutter, in die Krone eines Baums. Geradeaus in eine Auslage mit Süßigkeiten, natürlich auf Augenhöhe. Geschwister und Beine und ganz viel Straße. Der Blick der Kinder – versteckt hinter der Kameralinse – leuchtet uns aus jedem Bild an.

Mädchen mit Blume im Haar

Flower Girl © Steven Paner (8 Jahre)

Unter dem Titel „Hidden Places“ stellen wir die neuen Kunstwerke nicht nur im Internet, sondern auch auf zahlreichen Ausstellungen im ganzen Bundesgebiet vor. So findet man uns unter anderem im Mai auf der Photoszene in Köln, im Juni in Kooperation mit WeWork in Berlin und kurz vor Weihnachten traditionell auf der Art Connection in Münster. Genaue Daten geben wir über unsere Webseite und Kanäle in den sozialen Medien bekannt.

Mittlerweile sind die Strukturen in Manila eingespielt und unsere Projekte zum großen Teil lokal organisiert – ein Meilenstein und die Voraussetzung dafür, um zukünftig auch an anderen Standorten Bildung durch Fotografie zu ermöglichen. Unsere Field Workerin Ate Olive zieht Bilanz:

Die Entwicklung von Art Meets Education hier ist wirklich toll. Am Anfang bin ich von Haus zu Haus gegangen und habe das allen mit viel Mühe erklärt. Jetzt kommen die Familien auf mich zu, alle sind sehr dankbar. Es macht einen großen Unterschied für die Familie, wenn ein Kind den High-School-Abschluss schafft, ordentlich Englisch lernt und vielleicht auch aufs College gehen kann. Ich hoffe, wir können die Arbeit ausbauen und andere Teile der Philippinen erreichen.

Kinderrutsche

The Red Slide © Christopher „Topher“ Castro (5 Jahre)

My Photography – My Chance: Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Lesen, schreiben und rechnen zu können, heißt auch, teilhaben zu können, die Anzahl der eigenen Möglichkeiten zu vergrößern, die Zukunft zu gestalten und so im besten Sinne kreativ zu sein.

Art Meets Education ist sich seiner Verantwortung bewusst: wir helfen, fördern, unterstützen – und dies langfristig. 100 % der Einnahmen fließen in die Arbeit und Projekte von AME. Mit der Unterstützung Kunstinteressierter, Sponsor*innen und der beständigen großartigen Hilfe durch ein Netzwerk Ehrenamtlicher haben wir ein starkes Fundament geschaffen. Jedes Jahr bieten wir weiteren Kindern die Chance, ihre Schulausbildung durch ihre eigene Kreativität zu finanzieren.

Warenauslage

One Peso © Mary Denise „Negra“ Pilapil (8 Jahre)

Unser langfristiges Ziel ist es, unsere Projekte in andere Länder auszuweiten und dabei mehrere Projekte parallel zu organisieren. Dabei wird eine Sammlung von Kunstwerken entstehen, die das kreative Potential von Kindern überall auf der Welt zeigt und darüber hinaus die Kraft hat, Lebenswege zu verändern.

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10 Kommentare

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  1. ich liebe kinderphotos! hier sind auch richtig tolle dabei! (also hier und auf der webseite)

    aber ich habe auch 2 fragen bzgl. des projektes:
    – wieso einwegkameras? (nicht zu viel müll?)
    – wenn es sowieso ein spendenprojekt ist – wäre es nicht einfacher, man gäbe den kindern das geld direkt als den umweg über fotos zu machen? käme da nicht sogar mehr bei rum?

  2. Eine gute Idee und sehenswerte Fotos.

    Richtig, wieso Einwegkameras?

    Man kann inzwischen eine Menge „alter“ Einsteiger-DSLRs und spiegelloser Kameras zu ganz kleinen Preisen (manchmal schon unter 100 EUR) kaufen, z.B. die allerersten Lumix G / GF oder Sony NEX oder Fuji X-A oder Nikon 1. Es ist heute auch wahrscheinlicher, dass Kindern Zugang zu einem Computer haben als zu einem Entwicklungslabor.

    Trotzdem: ein fettes Lob.

  3. Zuerst die Einwegkameras:
    Wir haben unserer kleinen Tochter eine Einwegkamera zu Weihnachten geschenkt. Sie liebt sie. Schaut oft durch, ohne abzudrücken.
    Später wird sie wissen, dass die Anzahl der Bilder begrenzt ist und sie sich überlegen muss, wie viel Bilder sie macht.
    Zudem brauchen Einwegkameras keinen Strom. Und sie können von Kindern bedient werden.

    Die Einwegkamera an sich wird nach der Entwicklung wiederverwendet und nicht entsorgt. So hat eine Einwegkamera einige Leben vor sich und dürfte weniger Schrott produzieren wie abgeliebte Digitalkameras.
    Kommt noch dazu, dass Kinder sich eher draußen als am Bildschirm entwickeln- wer sich Abhandlungen unserer Kinderärzte verinnerlicht, wird genau dem hier aufgezeigten Weg zustimmen und die Kinder nicht in westlicher Manier vor den Computer setzen.
    Ja, den Kindern das Geld direkt geben? Nein, sie lernen etwas, was uns abhanden kommt- nämlich hinzusehen, wahrzunehmen. Und sie sind keine Bittsteller mehr, sondern sie geben etwas.
    Großartiges und fördernswertes Projekt.

    • danke für die antworten! wieder was neues gelernt: ich wusste nicht, dass einwegkameras doch mehrwegkameras sind.
      allerdings verstehe ich nicht, warum für bilder von (gebrauchten) digis kinder vor einem computer sitzen (müssen). kann man doch auch einfach abzüge von machen?
      und wann und warum ist „uns“ das hinsehen und wahrnehmen abhanden gekommen? das ist schon eine steile these.
      eigentlich schon heftig, dass auf den philippinen schulbesuch überhaupt geld kostet.

      • das mit dem Hinsehen:
        Oft erlebe ich, vor allem auch bei Presseterminen, dass man die Kamera nimmt und einfach den Auslöser gedrückt hält und die Kamera vielleicht noch ein wenig schwenkt.

        Dabei würde genau ein Bild reichen, hätte man nur einmal konzentriert durch den Sucher geschaut und dann ausgelöst. Durch das massenhafte Ablichten (digital kost ja nix) scannen wir oft die Umgebung mehr als das wir sie wirklich wahrnehmen.
        Und nun passiert das Gegenteil: ich habe nur 36 Bilder und eine Woche, einen Monat Zeit. Ich werde oft durch den Sucher schauen und mir überlegen, ob mir das Motiv wirklich ein Bild wert ist, ich werde das Motiv viel genauer wahrnehmen oder vielleicht sogar überhaupt wahrnehmen.

      • Wow! Vielen Dank für das tolle Feedback und die angeregte Diskussion. Zu euren Fragen:

        Warum nutzen wir Einwegkameras?
        Zum einen, weil wir mit sehr jungen Kindern arbeiten, die mit einer umfangreicheren Funktionsweise leicht überfordert wären.
        Zum anderen sind die Lebensumstände vor Ort so prekär, dass jede wertigere Kamera den Kindern mit einiger Wahrscheinlichkeit gestohlen werden würde. Diese Erfahrung wollen wir ihnen natürlich unbedingt ersparen.

        Auch in Sachen Nachhaltigkeit wirkt die Lebensrealität vor Ort, welche die Menschen zu Spezialisten der Mehrfachnutzung macht. Die leeren Einwegkameras schenken wir dem Fotolabor, mit dem wir dort arbeiten. Der Inhaber befüllt die Kameras selbst mit neuen Filmen und verkauft sie dann wieder. Wer weiß wie oft die Kameras dann noch zirkulieren.. :)

        Herzliche Grüße von unserem Team!

  4. danke @kai – aber von pressefototerminen auf „uns kommt das hinsehen/wahrnehmen abhanden“ zu schließen, kommt mir ein wenig überinterpretiert vor. aber ok – einfach eine andere wahrnehmung von menschen.