13. Februar 2019 Lesezeit: ~3 Minuten

CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen

Deutschlandweit erkrankt mehr als jeder vierte Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Am häufigsten treten Angstzustände, Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen auf. Für die knapp 18 Millionen Betroffenen und ihr soziales Umfeld hat dies oft massive Einschränkungen in allen Lebensbereichen zur Folge.

Obwohl psychische Erkrankungen einen Großteil der Bevölkerung sowie ihre Angehörigen und Freund*innen direkt betreffen, sind sie immer noch mit einem starken Tabu und Stigma behaftet. Über das Leben mit Depressionen, Angststörungen und psychischen Störungen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen gibt es unklare Vorstellungen; wechselnde Diagnosen und individuelle Krankheitsbilder verunsichern Außenstehende. So gelingt es kaum, Betroffenen in ihrer Welt nahe zu kommen.

Die Ausstellung „CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen“ präsentiert Arbeiten von fünf international renommierten Fotograf*innen. Sie haben sich aus ganz persönlichen Gründen mit dem Thema auseinandergesetzt.

Waage

The Epilogue © Laia Abril

Die spanische Fotografin Laia Abril beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Weiblichkeit und Körperbild. Ihre international ausgezeichnete Serie „The Epilogue“ erzählt die Geschichte der Familie Robinson, die ihre jüngste Tochter durch Bulimie verlor. Das gleichnamige Buch wurde für den Paris Photo Aperture Foundation PhotoBook Award 2014 nominiert.

Zwei Menschen umarmen sich

Gärtners Reise © Sibylle Fendt

In „Gärtners Reise“ dokumentiert die Fotografin Sibylle Fendt die letzte Reise Lothar Gärtners und seiner an Demenz erkrankten Ehefrau Elke. Ihr Leben lang hatten sie als begeisterte Camper*innen Europa im Wohnwagen bereist. Zwei Jahre zuvor hatte Elke Gärtner die Diagnose Demenz erhalten, ihr Ehemann wollte sie so lange wie möglich zuhause pflegen und auf ihrem Weg begleiten. Die entstandenen Bilder sind keine Dokumente einer Campingtour, sie sind Symbole für eine Reise in unbekanntes Terrain.

Riss über der Tür

Mal gut, mehr schlecht. © Nora Klein

Gesicht

Nora Klein versucht in ihrer Serie „Mal gut, mehr schlecht.“ die Erkrankung Depression in Bilder zu fassen. Der gleichnamige Bildband, erschienen im Verlag Hatje Cantz war von der Stiftung Buchkunst für die Auszeichnung der Schönsten Deutschen Bücher 2017 nominiert. Mit ihrer Kamera unternahm Klein einen Annäherungsversuch. Gemeinsam mit Betroffenen versucht sie, die Erkrankung in Bilder zu fassen.

Mann auf einer Bank

Big Brother © Louis Quail

Der Brite Louis Quail zeigt in seiner intimen fotografischen Annäherung „Big Brother“ das Leben seines Bruders mit Schizophrenie. Die Dokumentation, die mit dem Renaissance Photography Prize 2017 ausgezeichnet wurde, offenbart den Menschen in einer Krise, ohne je die Wertschätzung für ihn zu verlieren.

Frau im Pool

You Have Nothing to Worry About © Melissa Spitz; ebenso Titelbild

Die New Yorker Fotografin Melissa Spitz widmet ihre Arbeit „You Have Nothing to Worry About“ dem Gefühlsleben ihrer schwer psychisch erkrankten Mutter. Die Fotografien sind über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden und zeigen Spitz’ Mutter in verschiedenen Stadien der Erkrankung, in ihren Hoch- und Tiefphasen. Melissa Spitz wurde vom TIME Magazine zur Instagram-Fotografin 2017 gewählt.

Ausstellung

CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen
Ort:f³ – freiraum für fotografie, Waldemarstraße 17, 10179 Berlin
Zeit: 15. Februar – 21. April 2019; Mi – So, 13 – 19 Uhr

3 Kommentare

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  1. Sehr berührend. Und sehr mutig, sich in Zeiten von der Sucht nach Likes einem solchen Thema zu widmen.
    Vielleicht sind es heute ja auch Bilder, oder der Umgang mit Bildern, die Psychische Störungen wie Bulimie verursachen, man denke an die Casting Shows wie Germany Next Top Model. Oder die Sucht nach Perfektion. Vielleicht ist es in vielen Fällen unser eigenes fotografisches Auge, dass den ein oder anderen Menschen in den Wahn treibt. wenn man ausdruckslose und doch technisch so perfekte Aktbilder dank Photoshop und Co fabriziert und sich dabei durchaus auch als Fotografierender der Wirklichkeit und vielleicht auch dem Respekt eines doch unperfekten Menschen entzieht.
    Dieses Thema, welches uns ehrlicherweise immer stärker im Alltag begegnet, uns vielleicht direkt betrifft, ist jedenfalls von diesen Fotografen sehr sensibel geöffnet worden. Vielen Dank dafür.

  2. Immerhin, die Fotografen haben mit ihren Projekten zu diesem leider noch immer tabuisierten Thema Preise und Auszeichnungen erhalten. Oder wurden dafür nominiert. Das zeigt, dass es sich lohnt solche Projekte zu realisieren. Sprich man interessiert sich für sie.
    Falls ich selbst in nächster Zeit nach Berlin komme – ist durchaus drin – dann werde ich mir diese Ausstellung mit Sicherheit ansehen.