28. Juni 2018 Lesezeit: ~9 Minuten

Ricoh Theta V (Anzeige)

Selten hat es so viel Spaß gemacht, eine Kamera zu testen. In 360° die Welt zu sehen und aufzunehmen, war mit der Ricoh Theta V kinderleicht. Und nebenbei entstanden noch wunderbare Aufnahmen. Aber mal ganz von vorn: Was ist die Theta und was kann sie wirklich?

Die Theta ist eine Kamera von Ricoh und kann Dank zwei eingebauter 180°-Linsen Bilder und Videos in 4k mit 360° Rundumsicht aufnehmen. Die Theta fügt die zwei Bilder der Linsen zu einem zusammen und mit Hilfe der dazugehörigen App kann man anschließend Kugelpanoramen, kleine Welten oder interaktive Bilder erstellen.

Post from RICOH THETA. – Spherical Image – RICOH THETA


360°-Ansicht des begehbaren Brunnens von Jeppe Hein in der aktuellen Ausstellung „The playground project – outdoor“ der Bundeskunsthalle Bonn. Im Bild gut zu sehen: Ein normales Fotostativ wird leider Teil des Bildes.

Bedienung der Kamera

Die Bedienung der Kamera ist kinderleicht. Die Theta selbst verfügt über nur vier Knöpfe: Einschalter, Auslöser, Wifi-Verbindung und Umschaltung von Foto auf Video. Man kann die Kamera jedoch auch mit einem Smartphone über das Wifi verbinden. Dadurch ergeben sich noch weitere Funktionen wie die Anpassung der Helligkeit oder eine Rauschreduzierung. Zudem kann man die Kamera auch über das Smartphone auslösen.

Das ist tatsächlich sehr hilfreich, denn man bekommt über das Handydisplay einen ersten Eindruck vom Bild und ist vor allem nicht immer selbst mit auf dem Foto zu sehen. Beim ersten Test war ich nur mit der Kamera ohne Stativ und Smartphone unterwegs und habe sie direkt aus der Hand bedient. Mit den Ergebnissen war ich nicht so richtig glücklich, denn man sieht die Hand und meinen Arm natürlich auch auf jedem Bild schön groß und verzerrt am unteren Rand der Aufnahme.

Auslösen per Hand ist nicht die beste Idee. Rechts zu sehen ist auch ein fehlerhaftes Stitching bei einem sehr nahen Objekt.

Ein Stativ ist deshalb auf jeden Fall ratsam, wenn man mehr aus nur Spaßbilder machen möchte. Ich habe zum Testen ein normales Kamerastativ genutzt und zum anderen ein Tellerstativ. Das Kamerastativ sieht man ebenfalls am unteren Bildrand sehr stark, vom Tellerstativ bleibt aber tatsächlich nur der runde Teller am Boden übrig, die Stange verschwindet vollständig. Vermeiden lässt sich das Stativproblem natürlich nicht vollkommen, denn bei 360° ist einfach jeder Winkel festgehalten und irgendwo muss die Kamera schließlich stehen.

Das Tellerstativ ist am besten geeignet, lässt sich aber auch nicht ständig mitschleppen. Eine Alternative könnte ein Selfie-Stange sein, was ich im Test nicht ausprobiert habe. Auf Bildern von anderen Nutzern hat diese aber schon fast eine Drohnenoptik und die starke Vergrößerung des Arms und der Hand bleibt aus.

Man kann eine Zeitverzögerung von 5 Sekunden an der Kamera einstellen, sodass ein Handy nicht zwingend nötig für die Aufnahmen ist bzw. man auf den Bildern nicht ständig mit Smartphone in der Hand sichtbar ist. Diese Funktion ist etwas versteckt und nicht in der Kurzanleitung, die der Kamera beigelegt war, beschrieben. Aber in der Online-Anleitung habe ich sie dann gefunden. Solltet Ihr gerade danach suchen: Drückt lange auf das Wifi-Symbol und dann zeitgleich auf den Powerknopf. Schon seht Ihr ein grünes Licht, das Euch anzeigt, dass die Funktion eingeschaltet wurde.

Studioregie 360° – Spherical Image – RICOH THETA


Innenansicht des Tonstudios „79 Sound“ in Köln. Für das Bild habe ich ein Tellerstativ genutzt, von dem nur der Teller am Boden zu sehen ist.

Auflösung und Speicherplatz

Die Bilder werden in einer Auflösung von 5376 x 2688 px direkt in der Kamera gespeichert und haben eine Datengröße von 2 bis 3 MB. Der interne Speicher der Theta hat eine Kapazität von 20 GB. Die Bilder lassen sich auch direkt über das Smartphone löschen oder auf das Smartphone übertragen.

Screenshots der App „Theta“

Theta-Apps

Zur Theta gehören zwei Apps. Zum einen die App „THETA“ (Android / iOS), mit der man die Kamera steuern und auslösen kann. Hier kann man auch schon die aufgenommenen Bilder übertragen und sich ansehen, sie sortieren und löschen.

Hat man die Bilder mit der ersten App auf das Handy übertragen, kann man sie mit der App „Theta+“ (Android / iOS) bearbeiten und in die sozialen Medien teilen. Hier kann man auch die beliebten kleinen Welten oder Kugelpanoramen erstellen und sehr intuitiv mit den Bildern spielen und verschiedene Optionen ausprobieren, deren Wirkung direkt auf dem Display sichtbar wird.

Zudem ist es möglich, Zeitraffer aus verschiedenen Aufnahmen zu erstellen. Die Apps haben bei mir gut funktioniert, obwohl ich ein etwas in die Jahre gekommenes Android-Handy besitze. Etwas schade ist, dass man zwei Apps benötigt, um alle Funktionen nutzen zu können.

Screenshots der App „Theta+“

Einbindung von 360°-Aufnahmen

Eine Frage, die sich mir gestellt hat, war, wie man die entstandenen 360°-Aufnahmen am Ende wirklich nutzen kann. Es macht natürlich viel Spaß, sie am Handy anzusehen, aber ich möchte sie auch in meinen sozialen Medien und hier auf kwerfeldein zeigen. Mit der Theta-App ist das Teilen von 360°-Bildern sehr einfach. Man kann mit wenigen Klicks die Bilder direkt von der App auf Instagram, Facebook, Twitter, Whatsapp und Line teilen.

Zudem werden die Bilder auf Theta360.com gespeichert. Dafür muss man sich mit Facebook oder Twitter anmelden und kann dann von der Seite aus auch vom PC aus auf die Bilder zugreifen und sie teilen. Zudem kann man ein Skript erzeugen lassen, mit dem man die Aufnahmen direkt auf die eigene Webseite oder einen Blog einbindet. Das funktioniert sehr gut auf WordPress, wie Ihr an unseren interaktiven Bildern in diesem Artikel sehen könnt.

Kleine Welt eines Springbrunnens

Diese kleine Welt des begehbaren Springbrunnens wurde mit der Theta+-App erstellt.

Kritikpunkte

Die Wifi-Verbindung zwischen Kamera und Smartphone funktioniert leider nicht über längere Strecken. Nach etwa 10 m war die Verbindung immer unterbrochen. Ist sie einmal unterbrochen, muss man die App schließen und wieder öffnen, sonst klappt ein neuer Verbindungsaufbau nicht richtig. Der Akku hält bei konstanter Nutzung nur etwa eine Stunde.

In Innenräumen und bei schwachem Licht wird die Qualität der Aufnahmen schlechter und es entstehen Unschärfen. Die Kamera hat zudem ein hohes Rauschverhalten, das auffällt, wenn man von der Fotografie mit guten DSLR-Kameras verwöhnt ist.

Diese hier aufgeführten Kritikpunkte sind kleine und andere 360°-Kameras kämpfen derzeit ebenfalls mit diesen Problemen. Ich denke, man muss sich immer vor Augen halten, dass die Entwicklung von 360°-Kameras noch am Anfang steht und sich schnell und stetig fortsetzen wird. Dass die Technologie die Zukunft ist, davon bin ich absolut überzeugt. Virtuelle Realitäten und interaktive Bilder sind gefragter als je zuvor.

Rosenstrauch von unten

Einmal wie ein Mäuschen fühlen? Mit der Theta V in einem Rosenstrauch.

Pluspunkte

Absolute Pluspunkte der Theta sind die einfache und verlässliche Verbindung zum Smartphone und ihre Handlichkeit. Die Linsen sind klein und stehen nicht weit nach vorn, weshalb man sie gut in die Hand nehmen kann, ohne versehentlich mit den Fingern an sie zu stoßen und sie zu verschmutzen. Das Stitching der beiden Bilder in der Kamera verläuft auch bei schwierigen Lichtverhältnissen fast immer nahtlos. Die beiden Apps sind selbsterklärend und funktionieren hervorragend.

Zubehör

Zur Theta V mitgeliefert werden leider nur die Kamera und eine Softtasche. Aber es gibt viel Zubehör, das man je nach Verwendungszweck dazu bestellen kann. Ihr wollt 360°-Unterwasseraufnahmen machen? – Kein Problem. Es gibt für die Theta ein Unterwassergehäuse, für eine Wassertiefe von bis zu 30 m geeignet ist. Die Theta hat ein eingebautes Vier-Kanal-Mikrofon für die Aufnahme von räumlichen Audiosignalen. Wem das nicht genug ist, der kann sich noch ein passendes 3D-Mikrofon dazu holen. Natürlich gibt es auch ein Einbeinstativ, mit dem so wenig wie möglich vom Stativ auf der Aufnahme zu sehen ist.

Kugelpanorama von Legosteinbauten

„The collectivity project“ von Ólafur Elíasson als Kugelpanorama.

Abschließende Gedanken

Die Ricoh Theta V ist eine tolle 360°-Kamera, die alle Funktionen beinhaltet, die man sich von einer 360°-Kamera nur wünschen kann. Mit 399 € liegt sie eher in einer höheren Preisklasse, aber wenn man höhere Ansprüche an eine 360°-Kamera hat und nicht nur einfache Spaßbilder machen möchte, dann sollte man sich vom Preis nicht abschrecken lassen. Denn für den bekommt man eine hochwertige, verlässliche Kamera mit guter Qualität. Regelmäßige Firmwareupdates halten sie auf dem neuesten Stand.

Mit einer 360°-Kamera habt Ihr auf jeden Fall immer ein Gesprächsthema. Egal wo ich mit ihr hingegangen bin, ich wurde nach ihr gefragt und „musste“ für Freund*innen direkt das eine oder andere Studio ablichten. Denn 360°-Fotos auf der eigenen Webseite oder Google machen sich ganz hervorragend.

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