01. Mai 2018 Lesezeit: ~6 Minuten

Doppelrezension: Schwarzweiß-Fotografie

Ursprünglich wollte ich das Buch „Digitale Schwarz-Weiß-Fotografie“ von Alexander Dacos rezensieren. Der Verlag bot an, auch das Buch für die Profis beizulegen. „Schwarzweiß-Fotografie – Die zeitlose Kunst des Monochromen“ von Michael Freeman lag daher also mit im Paket. Jetzt war ich wirklich neugierig. Ist das Profibuch nur für Fortgeschrittene geeignet und nichts für Unerfahrene? Und ist das Einstiegswerk nur etwas für Frischlinge?

So stelle ich mich nun selbst vor die Herausforderung, eine gemeinsame Rezension für beide Bücher zu schreiben. Rein von der Optik her fallen sofort die unterschiedlichen Größen der beiden Bücher auf. Während das Buch von Alexander Dacos in seinen Maßen zwischen DIN A6 und DIN A5 liegt, misst das Buch von Freeman etwas mehr als DIN A4.

Trotz der unterschiedlichen Größen wirkt die günstigere Einsteigervariante trotzdem hochwertig. Es besitzt ein ansprechendes Titelbild und beim ersten Durchblättern scheint alles Notwendige enthalten zu sein, um umfassend zum Thema Schwarzweiß-Fotografie informiert zu werden.

zwei Bücher

Nimmt man hingegen das Buch von Michael Freeman in die Hand, hat man tatsächlich ein anderes Kaliber zwischen den Fingern. Beim Blättern fällt direkt das Kapitel auf, in dem die Filmentwicklung der Analogfotografie behandelt wird. Das macht auf jeden Fall neugierig. So hatte ich genug Motivation, beide Bücher innerhalb kurzer Zeit durchzulesen.

Erwartungsgemäß philosophieren beide Fotografen in großen Tönen im Bucheinstieg über die Schwarzweiß-Fotografie. Aber mit gutem Recht. Denn die farblose Variante der Fotografie ist gewiss eines nicht, nämlich langweilig. Sie ist der Ursprung der Fotografie und hat sich bis heute etabliert. So entwickeln wir unter anderem heute noch selbst Schwarzweißfilme, obwohl der Vorgang digital sicherlich weniger aufwändig wäre.

Was wäre wohl also die heutige Fotografie, wenn niemand mehr schwarzweiß fotografieren würde? Mit diesem Gedankengang stürze ich mich in das Einsteigerbuch „Digitale Schwarz-Weiß-Fotografie“ von Alexander Dacos. Nach der Philosophie geht es um Grundsätzliches. Was ist Schwarzweiß-Fotografie? Welche Grundfarbe (welche Sekundärfarbe) hat welchen Ton in schwarzweiß und wie funktioniert es, in Schwarzweiß zu denken? Diese Fragen beantwortet Dacos in seiner Schreibe sehr anschaulich.

aufgeschlagenes Buch

Digitale Schwarz-Weiß-Fotografie

Michael Freemann wiederum widmet sich der Schwarzweiß-Fotografie in Kapitel 1 mit großer Hingabe. Der technische und emotionale Wert dieses Kapitels liegt im Vergleich zu Dacos um einiges höher. Alles geht ein wenig mehr in die Tiefe, holt den Leser emotional mehr ins Thema. Es macht ziemlich großen Spaß, die Worte des Fotografen Freeman zu lesen und sich in seine Welt entführen zu lassen. Texturen, Strukturen und Tonwertnuancen. All das prasselt hier auf die ambitionierten Leser*innen ein.

Während Dacos mit einem weiteren Kernthema der Schwarzweiß-Fotografie anknüpft, Licht und Schatten thematisiert, knallt einem auf über 60 Seiten Freeman alles über „Digitales Schwarzweiß“ um die Ohren. Bit-Tiefe, Infrarot, Graustufen und vieles mehr. Freeman schreibt über so viele Dinge, über die man sich als Fortgeschrittene*r manchmal gar keine Gedanken mehr macht oder vielleicht sogar nie gemacht hat.

So langsam wird es deutlich. Im Buch von Dacos wird man mit dem wichtigsten Handwerkszeug ausgestattet. Besonders der Komposition von Schwarzweiß-Bildern widmet er sich umfassend. Er erklärt die Digitalkamera in der Schwarzweiß-Fotografie und wie die digitale Bildentwicklung funktioniert.

Hat man mit voller Stolz sein erstes, tolles Werk geschaffen, gibt es am Ende noch ein kleines Kapitel zur Präsentation seiner eigenen Bilder. Wo kann man im Internet seine Bilder präsentieren und verkaufen, welche Druckmedien gibt es und wie funktioniert eigentlich eine Ausstellung? All diese Fragen beantwortet Dacos kurz und verständlich.

aufgeschlagenes Buch

Schwarzweiß-Fotografie – Die zeitlose Kunst des Monochromen

Zurück zu Freeman und seinem Buch „Schwarzweiß-Fotografie – Die Kunst des Monochromen“. Im letzten Kapitel geht es noch einmal ans Eingemachte. Denken in Schwarzweiß, Kontraste, Lowkey und Highkey. Themen, die einen immer weiter in diese wundervolle Form der Fotografie eintauchen lassen. Eine Perle dieses Buches sind die Seiten über das „Digitale Zonensystem“, das Schwarzweiß in Zonen unterteilt und noch einmal eine ganz andere Sicht der Dinge zur Verfügung stellt, obwohl das System ursprünglich für das Arbeiten mit Planfilm genutzt wurde.

Nach insgesamt fast 200 Seiten lässt das Buch von Freeman kaum Wünsche offen. Aber wie steht es denn nun mit beiden Büchern im Vergleich? Beide Bücher lassen sich nicht kategorisieren. Weder das eine als Einsteigerwerk noch das andere als Profibuch.

Dacos thematisiert alle Kernthemen der Schwarzweiß-Fotografie. Für Einsteiger eine tolle Arbeitsgrundlage, um sich mit dieser Art der Fotografie auseinanderzusetzen. Für Fortgeschrittene ein schönes Buch, um sich Vergessenes wieder in den Sinn zu bringen oder gar neu zu lernen.

Freeman hingegen legt in seinen Ausführungen viel Wert auf die digitale Fotografie und die anschließende Entwicklung der Fotos. Er thematisiert weniger das Grundsätzliche. Eben fast ein Buch für Profis oder?

Nicht ganz. Denn ambitionierte Einsteiger werden beide Bücher brauchen. Dacos „Digitale Schwarz-Weiß-Fotografie“ wird schnell verschlungen sein und den Hunger auf mehr schüren. Der Kauf von „Schwarzweiß-Fotografie – Die Kunst des Monochromen“ wäre die logische Konsequenz, um sofort tiefer in die Materie einzusteigen. Perfekt wäre daher ein Werk, das beide Bücher thematisch in sich vereint. Ein Buch, das noch tiefer in die Materie einsteigt, insbesondere in die Arbeit mit Linien und Formen.

Abschließend sei zu sagen, dass beide Bücher ihr Geld wert sind. Beide Bücher sind durchgängig mit tollen und anschaulichen Fotos bebildert, die Texte leicht verständlich und flüssig zu lesen.

BuchcoverBuchcover

Informationen zu den Büchern

Digitale Schwarz-Weiß-Fotografie von Alexander Dacos
Sprache: Deutsch
Einband: Broschiert
Seiten: 240
Maße: 12,6 x 18,3 cm
Verlag: mitp
Preis: 19,99 €

Schwarzweiß-Fotografie – Die zeitlose Kunst des Monochromen von Michael Freeman
Sprache: Deutsch
Einband: Broschiert
Seiten: 192
Maße: 23,7 x 25,6 cm
Verlag: mitp
Preis: 29,99 €

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