aufgeschlagenes Buch
19. Januar 2018 Lesezeit: ~6 Minuten

Buchtipp: Die Seele der Kamera

„Die Seele der Kamera“ ist nun bereits das vierte Buch, das ich von David duChemin gelesen habe. Seine Bücher unterscheiden sich für mich von vielen anderen Büchern über Fotografie, weil sie keine Lehrbücher im „klassischen Sinne“ sind, sondern Inspiration, Motivation und zahlreiche Anregungen, um die eigene fotografische Arbeitsweise zu verbessern, beinhalten.

Sein Buch „Auf der Suche nach dem Motiv“ hat mir viele Tipps gegeben, wie ich an Motive herangehe. Das Buch „Biete Visionen“ hat für mich den Anstoß gegeben, letztes Jahr meinen eigenen kleinen Blog zu starten und meine Bilder über meine Webseite hinaus auch der Öffentlichkeit darzubieten. So war ich nun sehr gespannt, was ich von seinem neuen Buch „Die Seele der Kamera“ mitnehmen werde.

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Die Leidenschaft, die im Fotografen und Buchautor David duChemin steckt, seine hohe Eigenmotivation, spiegeln sich auch im Buch „Die Seele der Kamera“ wider. Es geht überhaupt nicht um Technik, der Autor hat auch bei den Bildern, die dieses Buch illustrieren, bewusst auf alle technischen Angaben verzichtet. Die Bilder zeigen seine Stärke in der Menschenfotografie.

David duChemin, ein Weltreisender, der sehr viele Fotos für humanitäre Organisationen macht, hat seinen Text mit zahlreichen Fotos (Portraits und Straßenszenen in schwarzweiß), die er bei seinen Reisen in den letzten Jahren aufgenommen hat, ergänzt. Diese Reisen führten ihn unter anderem nach Italien, in die Türkei, Ägypten, Kenia, Indien, Nepal – um einige Aufnahmeorte der Bilder in diesem Buch anzuführen. David duChemin schreibt in einem Kapitel, dass er auch nach 30 Jahren fotografischer Tätigkeit durch das Studieren von Bildern großer Meister immer wieder dazulernt.

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Er hat auch Vorbehalte, die er gegenüber Fotograf*innen einmal hatte, im Laufe der Zeit über Bord geworfen und regt somit an, über die eigenen Ansichten und Meinungen, die man über die Jahre getroffen hat, einmal nachzudenken. „Geschmack ist zwar kompliziert und widerspenstig, doch ich glaube nicht, dass er angeboren und unveränderbar ist“, schreibt der Autor und fordert damit unsere Aufgeschlossenheit. Die Bereitschaft zur Veränderung wird uns weiterbringen, neue Erfahrungen machen lassen und sich in unserer Arbeit als Fotograf*innen positiv niederschlagen.

Nicht nur die Texte, sondern auch die Bilder in diesem Buch bringen Anregungen für das eigene fotografische Schaffen. Es lohnt sich, die Fotos länger zu betrachten, denn so wie uns David duChemin mit seinem Schreibstil zum Nachdenken anregt, gelingt es ihm auch mit seinen Fotos, uns zu berühren. Viele seiner Bilder strahlen eine Wärme aus, insbesondere wenn man in die Augen der Abgebildeten schaut. Viel Erlebtes spiegelt sich da wider. Die Augen als Spiegel der Seele? Freude, Sorge, Staunen, Neugierde und vieles mehr lässt sich in den Blicken der Menschen, die David duChemin in den letzten Jahren mit großer Achtsamkeit und Menschenwürde fotografiert hat, ablesen.

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„Die Seele der Kamera“ war für mich kein Buch, das ich in einem durchlas, sondern nach zwei oder drei Kapiteln wieder weglegte und die zu Paper gebrachten Gedanken von David duChemin mir danach durch den Kopf gehen ließ. Er regt konsequent dazu an, einen eigenen Weg in der Fotografie zu gehen. Die Basis dafür ist, die Technik und die Kamera zu beherrschen. Es geht in diesem Buch darum, Bilder zu machen, die etwas aussagen, die einem selbst und die Betrachtenden ansprechen sollen, die Tiefgang vermitteln.

In den Fotos, die wir machen, sollten wir uns widerspiegeln. Jede*r von uns hat eine eigene Sichtweise, eine eigene Meinung. Wie wir etwas wahrnehmen, wie wir darüber denken, sollte das Ziel unserer fotografischen Ausdrucksweise werden. David duChemin gibt in diesem Buch keine Patentrezepte ab, die wir 1:1 umsetzen können, sondern gibt Anregungen und Gedanken, die unsere Eigenmotivation, „besser“ zu werden, heben.

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Wobei „besser“ in meiner Definition nach der Lektüre dieses Buches nicht im Sinne technischer Perfektion, Bildgestaltung oder Komposition zu sehen ist, sondern ich nehme aus diesem Buch mit, unter anderem „besser zu werden“, indem man den eigenen fotografischen Weg individuell weiter geht. Das erreicht man mit einer guten Portion Neugier, Aufgeschlossenheit, Geduld, Improvisation, aber auch durch Loslassen und vielleicht auch, indem man eingelernte Regeln bricht.

Den hier genannten Schlagwörtern sind unter anderem einzelne Kapitel gewidmet. „Es gibt kaum größere Hindernisse für die Kreativität, als die Angst“, schreibt David duChemin zu Beginn seines Kapitels „Mut“. Unser Sehen zu entdecken und ständig zu erweitern, wird uns neue Wege unseres persönlichen Ausdruckes eröffnen. Es erfordert auch ein gutes Stück Disziplin, um von „gut“ zu „hervorragend“ zu gelangen.

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Rückschläge wird es immer geben, aber unseren Fokus klar festzulegen und unseren Weg, den wir selbst gewählt haben, konsequent weiterzugehen, wird uns unseren persönlichen Erfolg bringen. Nicht die neuen, immer besseren Kameras werden uns dabei helfen, sondern, um Fotos mit „Seele“ bzw. mit „Leben angefüllt“ zu machen, gilt es, bescheiden, neugierig, geduldig, kreativ, erbarmungslos menschlich und stets lernwillig zu bleiben, steht im Fazit des Autors.

Mein Fazit ist, dass dieses Buch viele Anregungen geben kann, unsere derzeitige und eigene Sichtweise, wie man an das Bildermachen im Augenblick herangeht, zu hinterfragen. Wenn man sich hier weiterentwickeln möchte, wenn es das persönliche Ziel ist, Fotos zu machen, die Geschichten erzählen, Bilder zu gestalten, die die Betrachtenden berühren und diese Bilder das, was einem selbst wichtig ist, zumindest zu einem kleinen Teil beinhalten sollen, dann empfehle ich dieses Buch uneingeschränkt.

Informationen zum Buch

Die Seele der Kamera … und die Rolle des Fotografen von David duChemin
Sprache: Deutsch
Einband: Gebunden
Seiten: 288
Maße: 20 x 25 cm
Verlag: dpunkt.Verlag
Preis: 29,90 €

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