11. Oktober 2017 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Felix Schoeller Photoaward – Die Nominierten

Schon im August hatte sich die Jury entschieden: 187 Arbeiten aus 2.377 Einreichungen schafften es auf die Shortlist des Felix Schoeller Photoaward 2017, dem höchstdotierten Fotowettbewerb im deutschsprachigen Raum. Eine Ausstellung im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück stellt nun Arbeiten von 30 nominierten Fotograf*innen in den fünf Kategorien des Wettbewerbs vor – die Platzierungen werden aber erst einen Tag vor der Eröffnung, am 14. Oktober, bekannt gegeben.

„In vielen Fällen waren es kleinste Nuancen, die am Ende über die Nominierung entschieden haben“, so der Fotograf Michael Dannenmann, Vorsitzender der fünfköpfigen Jury. In diesem Jahr wird es erstmals auch einen Publikumspreis geben, der vom British Journal of Photography ausgerichtet wird. Der Nachwuchsförderpreis wird durch den Kamerahersteller Olympus unterstützt. Die Ausstellung „Winners & Nominees – Felix Schoeller Photoaward 2017“ zeigt bis zum 25. Februar alle Arbeiten der Sieger*innen und Nominierten im großen Format, gedruckt auf Papier des traditionsreichen Osnabrücker Fotopapierherstellers Schoeller.

Ein sehr enges ZimmerEin Haus als Brückenpfosten

„Lifestyle“ © Frank Kunert

Nominierte Fotograf*innen wie George Selley, Julien Chatelin, Frank Kunert oder Rodrigo Illescas vertreten ganz unterschiedliche Positionen der Fotokunst. Frank Kunerts Werk etwa ist in den vergangenen Jahren immer bekannter geworden. In der Tradition von Modellfotografen wie Thomas Demand, Thomas Wrede oder Oliver Boberg kreiert er kleinbürgerliche fotografische Idyllen, denen man erst auf den zweiten oder dritten Blick ansieht, dass sie nicht echt sind. Bei Kunerts Arbeiten wendet sich die Kühle und Strenge der Vorbilder aber ins Detailverliebte, Idyllische: „Fotografien kleiner Welten“ nennt er seine Serie, die in Filigranarbeit aus Leichtschaumplatten, Knetmasse und Farbe entsteht.

Alles, was wir hier sehen, sind dreidimensionale Kulissen, die im Studio mit der Großformatkamera fotografiert werden. Doch warum greift der in Frankfurt geborene Fotokünstler nicht zu Photoshop und täuscht digital? Es geht dem Fotografen nicht um Perfektion – alles soll ein wenig analog und retro glänzen. Humorvoll sind diese Bilder, skurril und manchmal auch grotesk. Die Idyllen von Kunert blicken oft zurück in die Geschichte Deutschlands: Nachkriegshäuser, die Wohnkultur der sechziger und siebziger Jahre – Melancholie mischt sich mit Tristesse.

Eine Frau hält den Arm durch ein Fenster

„Are you There?“ © Rodrigo Illescas

Ein Swimmingpool vor Hochhäusern im Hintergrund

„China West“ © Julien Chatelin

Wunderbar und geheimnisvoll sind die Portraits von Rodrigo Illescas aus Argentinien oder die Bilder aus der Serie „China West“ von Julien Chatelin aus Paris, die sich mit dem Wandel des asiatischen Landes befasst. „China West“ erforscht den schwindenden Raum zwischen Natur und Stadt, dringt bis zum Kern des Wandels vor.

Nominiert in der Kategorie „Beste Nachwuchsarbeit“ ist schließlich unter anderem die Serie „Vault 7“ von George Selley aus London, die in Frankfurt fotografiert wurde. Selley greift hier das Thema von CIA-Geheimdokumenten auf, wie er sagt: „Mit meinen Fotos möchte ich nicht nur diese absurde Banalität vermitteln und verfolgen, sondern auch unsere Vorstellungen von der Funktionsweise solcher Organisationen und ihrer Integrität hinterfragen.“

Ein Mann mit Mantel und Aktentasche steht vor einer großen Fensterfront

„Vault 7“ © George Selley

Ebenfalls nominiert in der Kategorie „Beste Nachwuchsarbeit“ ist Fabian Melber mit seinem Projekt „24 Meilen“, über das er auf kwerfeldein bereits einen ausführlichen Gastartikel geschrieben hat. Er dokumentierte hierfür auf der Sea-Watch 2 die Seenotrettung von Geflüchteten nördlich der libyschen Küste.

Alle Nominierten findet Ihr auf der Webseite des Felix Schoeller Photoaward.

Informationen zur Ausstellung

Museumsquartier Osnabrück / Kulturgeschichtliches Museum
Lotter Straße 2
49078 Osnabrück
15. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018

Das Titelbild stammt von Florian Ruiz und gehört zum nominierten Projekt „The white contamination“.

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