16. August 2017 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Einfache Tipps für bessere Bilder – Teil 3

Im dritten Teil meiner kleinen Artikelserie soll es um Stilfindung gehen und darum, einen offenen Blick auf die eigenen Arbeiten zu bekommen. Gerade am Anfang der Beschäftigung mit Fotografie verzweifelt man oft: Überall sieht man Bilder, vergleicht sich mit anderen und weiß nicht, in welche Richtung es gehen soll. Unsere Gastautorin Samantha hat das Problem in ihrem Artikel „Wer bin ich?“ gut erklärt.

Ist es wichtig, einen eigenen Stil zu haben?

Die kurze Antwort dazu wäre: „Nicht wirklich.“ Aber ganz so einfach möchte ich es nicht stehen lassen, daher hier meine ausführlicheren Gedanken dazu.

Einen Stil im Sinne von Wiedererkennungswert brauchst Du, wenn Du mit Deinen Fotos Geld verdienen möchtest. Als Hochzeitsfotograf*in zum Beispiel sollte die Kundschaft erkennen können, welche Art Bildern sie am Ende bekommt. In der Dienstleistungsfotografie ist ein Wiedererkennungswert daher sehr wichtig.

Einen eigenen Stil im Sinne von Einzigartigkeit haben nur sehr wenige. Das liegt zum einen daran, dass sich viele Fotograf*innen am Massengeschmack orientieren und am Ende zwar immer denselben Stil anbieten, aber eben keinen eigenen besitzen. Rein finanziell gesehen, kann das wunderbar funktionieren.

Es gibt aber auch Fotograf*innen, deren Bilder diesen individuellen Wiedererkennungswert haben und die ebenfalls erfolgreich damit sind. Sie haben eine Nische gefunden und sind erfolgreich, weil ihr individueller Stil nicht dem Massengeschmack entspricht. Um Geld mit der Fotografie zu verdienen, braucht man diesen eigenen Stil nicht unbedingt, aber es macht sicher mehr Freude, wenn man sich nicht den bestehenden Idealen anpassen muss und seinen eigenen Geschmack durchsetzen kann. Zudem hat man mit einem eigenen Stil weniger Konkurrenz.

Möchte man in der Kunstwelt erfolgreich sein, ist dieser individuelle Stil ebenfalls unerlässlich. Fotografiert man einfach nur gern und hat Freude am Kreativen, dann kann und sollte man machen, was man möchte. Fotografierst Du gern heute das eine und morgen das andere? Dann ist das absolut okay und ich wünsche Dir allen erdenklichen Spaß beim Experimentieren, auch wenn Du gerade nicht die Fotografie revolutionierst.

Den eigenen Stil finden

Am Ende von all Deinen Experimenten wirst Du ganz aus Versehen Deinen Stil entdecken. Wahrscheinlich genau dann, wenn Du ihn am wenigsten suchst. Ich rate dazu, viel zu experimentieren, Dich am besten in jedem Fotogenre einmal auszuprobieren und so nachzufühlen, was Dir liegt. Auch einfach einmal nachzuahmen und zu kopieren, wenn Dir etwas Bestimmtes gefällt.

Ganz bewusst zu kopieren, kann für die eigene Entwicklung sehr wichtig sein. Man sollte diese Kopien nur nicht unbedingt veröffentlichen oder sie zumindest als Kopie kennzeichnen. Man sollte sie einfach als das ansehen, was sie sind: Studien.

In der Malerei sind diese Studien völlig normal. In Ausstellungen sitzt meist in jedem Raum jemand und zeichnet ein Bild von der Wand ab. So lernt man eine Menge für die eigenen Arbeiten. Am Ende erschafft man aus dem Gelernten nach Jahren etwas völlig Neues, weil man die Erkenntnisse von damals mit etwas anderem Gelernten und bereits Bestehendem verknüpft und dadurch etwas völlig Neues kreiert.

Wir bauen alle auf bereits bestehenden Dingen und Kunstformen auf. Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt. Einflüsse prägen uns unser Leben lang, weshalb kein Mensch wie der andere ist oder denkt. Deshalb ist es auch allen möglich, ganz eigene, neue Dinge zu kreieren. Jede*r ist in der Lage, einen eigenen Stil zu finden!

Fotoaufgabe

  • Suche fünf Deiner Aufnahmen aus, die Du besonders gern hast
  • Nimm Dir Zeit und sieh sie Dir in Ruhe an
  • Schreibe Gemeinsamkeiten auf, die sie verbinden
  • Bitte Freunde darum, ebenfalls Gemeinsamkeiten in den Bildern zu suchen und aufzuschreiben
  • Siehst Du in den Gemeinsamkeiten vielleicht eine Stilrichtung, in die Du Dich weiterentwickeln möchtest? Dann mach in dieser Richtung weiter.
  • Findest Du keine oder nur wenig Gemeinsamkeiten, dann mach einmal etwas komplett Neues und experimentiere weiter.

Zusammenfassung: Ein eigener Stil kann erfolgreich und glücklich machen, aber nur wenige erfolgreiche Fotograf*innen haben ihn. Am besten suchst Du ihn gar nicht und hast einfach Spaß am Fotografieren. Dann findet er Dich von ganz allein.

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6 Kommentare

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  1. Ich finde die Botschaft des Artikels etwas halbherzig. Ein Wechsel zwischen Imperativen wie “Suche … Nimm Dir Zeit … sieh sie Dir in Ruhe an … Schreibe … auf … Bitte Freunde …” auf der einen Seite, aber Relativierungen wie “Ein eigener Stil kann erfolgreich und glücklich machen, aber nur wenige erfolgreiche Fotograf*innen haben ihn. Am besten suchst Du ihn gar nicht und hast einfach Spaß am Fotografieren.”

    Dadurch wirkt das Ganze auf mich etwas unentschlossen.

    Ich mag den Satz: “Ganz bewusst zu kopieren, kann für die eigene Entwicklung sehr wichtig sein”. Fast immer liest man genau das Gegenteil: “Geh deinen eigenen Weg! Kopiere niemanden!” Aber ich finde, das ist Quatsch. Wir kopieren unbewusst immer das, was wir gesehen haben, glaube ich. Warum fotografieren “alle” den Kölner Dom und nicht irgendwelche parkenden Autos oder Busse an der Haltestelle? Weil sie das, was sie von Postkarten kennen, kopieren.

    In der Tat lernt man viel, indem man “auf den Spuren der Meister wandelt” und sich an ihnen orientiert.

  2. super artikel!
    viel experimentieren, bis einen der stil von selbst findet, ist wohl der beste rat. dazu auch bewusst andere kopieren ist eine sehr, sehr gute übung, kann man jedem wärmstens empfehlen.
    andere kopieren ist natürlich sehr ambivalent: man soll natürlich nicht einfach kopien anderer werke als seine arbeit deklarieren, aber man übernimmt natürlich aspekte guter vorbilder, einflüsse hat jeder gute künstler. am ende muss es natürlich das eigene sein, dass heraussticht.
    wie gesagt, ein sehr guter artikel – ich gebe jedoch dem kommentar von dub ein bisschen recht, er könnte noch besser sein. manche dinge können klarer definiert bzw. deklariert werden. folgende zwei aussagen z.b. widersprechen sich, bzw sind nicht klar genug abgegrenzt:
    “Einen Stil […] brauchst Du, wenn Du mit Deinen Fotos Geld verdienen möchtest.”
    “sich viele Fotograf*innen am Massengeschmack orientieren und am Ende zwar immer denselben Stil anbieten, aber eben keinen eigenen besitzen. Rein finanziell gesehen, kann das wunderbar funktionieren.”
    das thema ist einfach sehr ambivalent, und starke präzision macht die aussage greifbarer.

  3. Nehmen wir einen der größten Maler aller Zeiten: Pablo Picasso. Er hat nicht fotografiert, sondern gemalt – das aber in grundverschiedenen Stilrichtungen. Die Nuance „Picasso“ steht aber auf allem bzw. den meisten seiner Bilder, und offenbar reichte ihm das zum Erfolg. Ähnliches kann man auch von anderen Malern behaupten, so z.B. Wassily Kandinsky, Paul Klee, oder auch Lyonel Feininger, die Liste ließe sich wohl noch lange fortsetzen. Auch beim Fotografieren muss es, so finde ich, nicht bei Einheitsbrei bleiben.

    Anders aber als zu früheren Zeiten gemalte Bilder sind Fotografien (leider) Massenware geworden. Gerade bei künstlerischer Fotografie kann ich mir vorstellen, dass gerade in irgendeiner Art schräge Ideen ankommen können. Wer also zum millionsten Mal den Kölner Dom abfotografiert, der wird wohl bei niemand Interesse wecken, das gibt es millionenfach auf Postkarten und noch mehr im Internet.

    Neue Ideen sind deshalb wichtig für jeden der Erfolg haben will. Je ausgefallener, desto besser. Deswegen finde ich es wichtig, dass man herumexperimentiert. Dann besteht eine Chance, dass irgendwann einmal genau der richtige Geistesblitz kommt.

    • Das sehe ich auch so.
      Man muss aber vielleicht unterscheiden zwischen einer stilistischen Wiedererkennbarkeit im Sinne eines Marketing-Konzeptes, wenn es darum geht, mit Bildern Anerkennung und Verkaufserfolg zu erringen und einer künstlerischen Selbstverwirklichung, bei der ein Stil so etwas ist wie ein höchstpersönlicher Ausdruck eines Individuums.
      Die dritte Möglichkeit, einen zeitgenössischen , dominanten Kunststil zu suchen, würde ich eher als eine Vorstellung einordnen, die auf einem, wie mir scheint, überholten Kunstverständnis basiert.

      In der Gegenwart scheint mir dieser Stilbegriff zugunsten einer Vielgleisigkeit und vieler Mischformen verloren zu gehen – irgendwie auch schade.
      In der Fotographie scheint es mir , vielleicht aufgrund des etwas sperrigen technischen Verfahrens noch unglaubwürdiger als in anderen Künsten, dass nun jeder, der sich um künstlerischen Ausdruck bemüht “seinen eigenen” oder gar unverwechselbaren Stil entwickeln könnte, auch wenn das immer mal wieder geschieht, aber das sind eben die Jahrhundert-Erscheinungen.

      Den Stil großer Meister oder charakterstarker Vorbilder zu kopieren, kann sicher Teil einer vernünftigen Ausbildung sein. Im Weiteren wird man sich aber wohl darauf beschränken müssen, sich über den Kopier-Anteil seiner eigenen Produkte Klarheit zu verschaffen, ohne ihn ganz ausschließen zu wollen, denn das wird wohl nicht klappen und zu einem Krampf, einer Lähmung führen.
      Die Kunst besteht vielleicht darin, tausende von fremden Fotos anzusehen und zu analysieren und dann wieder selbst herumzuspielen, als wäre man der erste Mensch, der einen Fotoapparat in der Hand hält. Dabei gibt es dann Bilder die ich suche und Bilder die mich aufsuchen, wenn ich mal hübsch locker bleibe und offen bin.
      Ich glaube Karl Jaspers hat mal eine philosphische Lebensführung propagiert, in der Zeiten des “Einatmens” und nicht Produzierens mit Zeiten des Ausatmens und Produzierns abwechseln. Damit muss man umgehen, sich beobachten und nichts erzwingen…
      So – das war jetzt mein Wort zum Freitag !
      Freundliche Grüße
      Andreas V.

  4. Was Stil denn nun genau ist, welche Elemente ihm formen, das wird hier leider gar nicht formuliert. Oder wissen das ohnehin alle ? Nur dass man ihn brauche, als Alleinstellungsmerkmal, wenn man “in der Kunst erfojgreich” werden wolle. Und wenn man das nicht will? Dieser Artikel hat kein begriffliches Fundament und wirft Amateure und Profis in einen Topf. Was ein grober Fehler ist, denn wenn der Amateur um eins froh sein kann, dann kein Profi sein zu müssen. Am Ende die Aussicht, der persönliche Stil kommt von allein, wenn man der diffusen Rezeptliste der Autorin folge .
    Der “persönliche Stil§ ist nichts als ein Gespenst, das Forendiskussionen immer wieder befeuert, und leider muss man sagen, auf diesem Niveau ist auch dieser Artikel anzusiedeln.