14. August 2017 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Rezension: „Afghanistan“ von Steve McCurry

Steve McCurry ist einer der bekanntesten Fotojournalisten der Welt. Sein Interesse gilt vor allem den Menschen. Ein Foto, dass weltberühmt wurde, ist das Portrait von Sharbat Gula, einem pakistanischen Mädchen, aufgenommen in einem Flüchtlingscamp, mit unfassbar grünen Augen und einem Blick, der gefangen hält.

Das Foto erschien 1985 auf dem Cover von „National Geographic“ und ist nun auch als eine von vielen Aufnahmen in seinem neuen Buch „Afghanistan“ zu sehen.

Dabei ist McCurry kein Kriegsfotograf. Portraits sind seine Passion und so stellt auch sein neuer Bildband die afghanische Bevölkerung in den Mittelpunkt. Das Buch zeigt relativ chronologisch seine Arbeit: Auf den ersten Seiten begegnen mir Schwarzweißportraits von posierenden Männern und Kindern mit Waffen. Dann folgen Bilder des täglichen Lebens der Soldaten. Männer beim Wachehalten, Beten und Ausruhen. Es sind Bilder seines ersten Besuchs aus dem Jahr 1979. Seitdem reist Steve McCurry regelmäßig in das vom Krieg gezeichnete Land.

Offene Buchseite mit einem Bild, auf dem eine Frau und ein Kind zu sehen sind

Offene Buchseite mit Portraitaufnahmen

Buchseite mit Landschaftsfoto

Bei seinen nächsten Besuchen fotografierte McCurry nur noch in Farbe. Es sind die farbgewaltigen Aufnahmen, die man von McCurry kennt und die fast wie gemalt wirken. Die Motive verändern sich jedoch nur wenig. Vorrangig sieht man posierende Männer auf den Straßen, seltener Frauen. Und immer wieder zeigen die Fotos die Spuren des Krieges und ein zutiefst zerrissenes Land: Kinder nutzen einen Panzer als Klettergerüst, zerbombte Häuser und Städte und überall Soldaten. Der Eindruck, den man durch das Buch von Afghanistan bekommt, ist kein positiver.

Das Cover des Bildbandes wirkt dagegen fast etwas friedlich. Man sieht einen Mann, der auf einer Bank an der Straße sitzt und eine Hand an eine große rote Boxkamera legt. Über ihm hängen zwei Männerportraits in einem Holzrahmen. Es scheint ein Fotostudio zu sein, aber ist der Mann selbst der Fotograf? Bei vielen Portraits bleiben offene Fragen. Wer sind diese Menschen, frage ich mich immer wieder beim Betrachten der Aufnahmen.

Offene Buchseite mit dem Bild eines Kindes, das Orangen verkauft

Offene Buchseite mit einem Bild von spielenden Kindern auf einem Auto

Offene Buchseite mit einem Bild von vielen Tauben auf einem Platz

Aufschluss darüber bietet das Buch nicht. Im Index erfährt man nur die Jahresdaten und Aufnahmeorte der einzelnen Fotos. Auch das Nachwort von William Dalrymple erzählt nur sehr grob die Geschichte des Landes und seine eigenen Erfahrungen beim Besuch Afghanistans. Aber wahrscheinlich erwarte ich auch zu viel.

Was man mit diesem Bildband auf jeden Fall bekommt, sind großartige Aufnahmen eines erstklassigen Fotografen. Und das auch noch in einem schweren und großen Bildband, der knapp 40 x 30 cm misst, in dem die Fotografien wirken können. In gewohnter guter Qualität des Verlags TASCHEN.

Buchcover

Informationen zum Buch

Steve McCurry. Afghanistan
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Einband: Gebunden
Seiten: 256
Maße: 27 x 37 cm
Verlag: TASCHEN
Preis: 59,99 €

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4 Kommentare

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  1. “Kinder nutzen einen Panzer als Klettergerüst” – falls es um das abgebildete Foto geht, handelt es sich bei diesem UAZ-452 keineswegs um einen Panzer, selbst wenn das Fahrzeug einiges aushält.