29. Oktober 2016

Balkaniotheque: Auf der Suche nach Identität

Vor einigen Jahren begann ich mit einem großen Fotoprojekt im Balkanraum. Mein Beweggrund dafür war, dass ich die Balkanbewohner mit meiner Kamera festhalten wollte – ich wollte sozusagen ein „Balkan-Mosaik“ erschaffen, um die tiefen, einzigartigen, menschlichen Züge einzufangen, die die Leute entlang der Halbinsel miteinander verbinden.

Meine Intention war es, uns die unterdrückte balkanische Identität wieder ins Gedächtnis zu rufen, mit der Hoffnung, dass sie für die Zukunft dort fest verankert bleibt und wir sie nicht wieder vergessen würden. Ich besuchte für mein Projekt insgesamt zehn verschiedene Länder, dutzende Städte, Kleinstädte und Dörfer.

Viel wichtiger war für mich aber: Ich traf Hunderte Balkanbewohner*innen. Die Menschen sind schließlich der Kern dieser Arbeit. Unter den Menschen, die man trifft, herrscht eine gewisse Gemeinsamkeit, wenn man vom leidgeprüften Srebrenica ins gespaltene Mitrovica reist; von den Slums und Vororten von Priština im Kosovo in die Gassen und Kaffeehäuser von Istanbul; von den Dörfern im Norden Albaniens zu den Roma Ghettos von Plowdiw und Skopje.

Ich reiste von einer Stadt in die nächste, von einem Dorf ins nächste – aber ich habe das Gefühl, dass mich die Arbeit an dieser Serie vor allem auf eine Reise von Mensch zu Mensch geführt hat. In einer Zeit, in der Länder Zäune und Mauern errichten – nicht nur unter den Ländern im Balkanraum, sondern auch im Rest Europas – ist das, was wirklich zählt, dass die Menschen untereinander eins bleiben. Unser gemeinsames Schicksal sollte das Leitprinzip unserer Gedanken und Taten sein. Deshalb müssen wir herausfinden, was den Frieden weiter stärken kann und dem mehr Gewicht verleihen.

Männer posieren auf der Straße

Ein Kind in einem Bus

Jeep mit Kindern

Gedenkstelle

Männer graben

Mann mit Gasmaske

Ein Mann läuft in den Wald

Männer beim Tanzen

Friedhof

Kinder spielen mit einem Karussell

Frau lehnt sich auf ein Auto

Kleines Zimmer mit Baby

Ein Mann sitzt an einem Fenster mit Katze auf dem Schoß

Eine alte Bibliothek

Zwei Menschen küssen sich

Meine Hoffnung liegt darin, dass dieses Projekt seine Betrachter*innen zu einer längst überfälligen Debatte und einem Austausch über die balkanische Identität antreibt, genauso wie über das Bedürfnis der Menschen nach Einheit. Was die Menschen vereint ist am Ende nämlich viel größer, als das, was sie spaltet.

Anmerkung: Diese Arbeit wurde von der Onassis Foundation gefördert.

Dieser Artikel wurde für Euch von Lisa-Marie Kaspar aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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4 Kommentare

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  1. Die Fotos sind beeindruckend, auch und gerade weil sie in schwarz-weiss sind.

    Aber wenn es heisst, “ … ich wollte sozusagen ein „Balkan-Mosaik“ erschaffen, um die tiefen, einzigartigen, menschlichen Züge einzufangen, die die Leute entlang der Halbinsel miteinander verbinden.“, hätte ich als „Mosaik“ mehr erwartet. Den Fotos nach verbindet die Menschen auf dem Balkan nur Not und Elend – was ist mit den Städten Dubrovnik, Zagreb, etc. und den malerischen Orten am Mittelmeer? Würden sich die Menschen des Balkan durch diese Fotos repräsentiert fühlen? Die Zustände sind an vielen Stellen so wie gezeigt, aber sie stellen aus meiner Sicht kein „Balkan-Mosaik“ dar.

  2. Tolle Bilder und ein tolles Thema. War auch zwei Woche in Bosnien & Herzegowina und in Kroatien unterwegs. Habe mir dort einige Kriegsorte angschaut, die ich sonst nur aus den Nachrichten kannte. Hat mich alles tief beeindruckt und die Eindrücke wirken immernoch nach…