30. Mai 2016 Lesezeit: ~8 Minuten

Testbericht: Panasonic Lumix DMC-CM1

Ich gebe zu, ich war schon ewig neugierig auf das Panasonic Lumix DMC-CM1 und es juckte mich in den Fingern, mir diese Smartphone-Kompaktkamera einmal näher anzusehen. Bei meinen bisherigen Handys war es immer so, dass mir die Bildergebnisse nicht ausgereicht haben.

Das liegt nicht einmal daran, dass die Qualität des Bildes an sich schlecht ist, sondern dass ich fast nie den Blitz unter Kontrolle habe, die Blende nicht veränderlich ist und selbst eine schnelle Belichtungsänderung nicht möglich ist.

Als mein jetziges Handy zur Reparatur musste, holte ich mir deshalb das Lumix DMC-CM1 zum Test. Meine persönlichen Erwartungen an das Gerät? Es ging mir darum, ein Handy zu haben. Klingt banal, aber es sollte tatsächlich in erster Linie ein Handy sein, das ich immer dabei habe.

Lumix Verpackung

Wichtig waren mir manuelle Einstellmöglichkeiten und eine einfache Bedienung im Alltag. Sollte ich einmal nur das Handy dabeihaben, wollte ich hinterher ein Bild haben, mit dem ich etwas anfangen kann. Die Qualität sollte also auch nicht zu schlecht sein. An diesen Anforderungen sollte sich das Handy messen lassen, um einen permanenten Platz in meiner Tasche zu finden.

Als das Paket ankam, gab es jedoch einen ersten kleinen Schock. Es klingt vielleicht seltsam, aber wirklich: Schock. Es sieht doch eher wie ein Fotoapparat aus als wie ein Handy. Verglichen mit meinem Samung Galaxy S6 ist es schon wirklich mächtig dick. In meine Hosentasche hat das Ding also schon einmal nicht gepasst.

Lumix Vergleich mit Samsung Handy

Der weitere Eindruck war okay. Das kleine Leica-Symbol macht was her, die Anschlüsse sind mit kleinen Kappen versehen. Generell vermittelt das Gerät den Eindruck, ein kleiner Fotoapparat zu sein. Die Tasten sind normal, die Extrataste zum Auslösen ist wirklich gut. Nur ein wenig gewöhnungsbedürftig finde ich diese „Schiebetaste“, mit der man die Kamera aktivieren kann.

Des Weiteren noch negativ aufgefallen ist mir die Displayfolie. Sie machte einfach einen billigen Eindruck, hat auch während der Nutzung Kratzer bekommen und sich teilweise abgehoben.

Nachdem ich mich von dem ersten Schock erholt hatte, ging es daran, das Gerät einmal einzuschalten. Hier verhält es sich im Grunde wie ein normales Handy. Es reagiert gut und schnell. WLAN ist schnell eingerichtet und alle meine Apps, die ich gerne dabei habe, waren schnell installiert.

Pancakes

Was ich aber nicht gemacht habe, ist, meine SIM-Karte einzusetzen. Dieses Gerät passt in keine meiner Hosentaschen. Selbst in Jackentaschen trägt es auf. Es ist einfach unhandlich groß. Und ein Gerät, das ich nicht immer bei mir tragen kann, das ist einfach nicht „mein Handy“. Als Handy ist das Gerät bei mir einfach durchgefallen. Daher werde ich im Folgenden auch nichts weiter zur Telefonfunktion oder ähnlichem schreiben.

Da ich das Gerät also „nur“ als Fotoapparat genutzt habe, beziehen sich alle meine Erfahrungen auf die Kameraeigenschaften des Gerätes. Was mich wirklich positiv überrascht hat, ist, wie schnell das Gerät aktiv ist. Sobald man den Schieberegler betätigt, ist die Kamera sofort einsatzbereit. Die Optik fährt dabei wie bei „normalen“ Kameras ein Stück heraus.

Pancakes

Das ist mir allerdings auch zwei, drei Mal passiert, als das Gerät vor mir auf dem Tisch lag. Dann gibt es ein komisches Geräusch und das Objektiv fährt gegen den Tisch. Ob das dem Motor schadet, kann ich nicht sagen. Zudem wird die Optik schnell dreckig. Halte ich das Gerät normal in der Hand (wie ein Handy), dann passiert es immer wieder, dass ich mit dem Zeigefinger an die Linse komme. Und schnell ist wieder ein Fingerabdruck auf dem Glas. Das hätte man sicher besser lösen können.

Wirklich eine gute Sache ist der Ring um die Optik. Er ist griffig genug, um ihn mit den Fingern zu bewegen und ermöglicht einem die Einstellung der Kamera. Je nachdem, welche Funktion man auf diesen Ring gelegt hat, kann man hier die Werte beeinflussen. Bei mir war es die meiste Zeit die Belichtungskorrektur.

Das hat aber auch sicher mit meiner Art zu fotografieren zu tun. Ich habe fast immer die offenste Blende f/2.8 genutzt und dann mit dem Ring die Helligkeit eingestellt. Dadurch, dass man das Live-Bild auf dem Display sieht, kann man die Helligkeitsänderung direkt sehen.

Den Fokuspunkt sucht sich die Kamera dann entweder selbst oder man kann ihn mit Tippen auf das Display selbst bestimmen. Das geht alles insgesamt flüssig und schnell. Zumindest habe ich in keinem Moment gedacht, dass es schneller sein müsste. Allerdings habe ich auch nicht versucht, Sportbilder, Tiere oder spielende Kinder zu fotografieren.

© Lukha

Was habe ich aber überhaupt mit dem Handy gemacht? Ich habe es zum einen ganz normal im Alltag genutzt und ein paar Making-of-Bilder bei Sessions mit Freunden gemacht. Auch sie hatten es einmal in der Hand und haben es ein wenig ausprobiert. Zu guter Letzt habe ich aus Neugier dann noch versucht, ein paar kleine Filme zu drehen.

Was kann ich also aus dieser Erfahrung heraus sagen? Das Knipsen bei einer normalen Session gestaltet sich als recht einfach. Wenn man möchte, kann man die Werte sogar im M-Modus wie an der „richtigen“ Kamera einstellen. Das geht alles gut, wenn man sich einmal zurechtgefunden hat. Das große Display ist wirklich gut. Wenn man mit Live-View fotografieren möchte, dann ist es mit dem Display sogar dem einer DSLR überlegen. Auch die Displayhelligkeit ist vergleichbar mit denen der DSLRs.

Durch den relativ großen Sensor in der Kamera erhält man Bilder, die nicht nach Handy aussehen. Mit Blende f/2.8 schafft man schon eine ordentliche Unschärfe ins Bild und der Fokus sitzt dabei auch in den meisten Fällen. Einen riesigen Vorteil bietet die Kamera im Vergleich zu anderen Handys: Man kann im Raw-Format aufnehmen und sich so viele Möglichkeiten offenhalten.

© Lukha

Man hat deutlich mehr Möglichkeiten als mit einem üblichen Handy. Die Kamera ist schneller im Einsatz als die DSLR und wenn man möchte, kann man die Bilder direkt hochladen. Für Facebook, Instagram oder auch Snapchat ist die Kamera super.

Eine Sache, die mir aufgefallen ist und die ich nicht verstanden habe: Die Kamera hat einen optischen Zoom. Nicht viel, aber immerhin. Allerdings habe ich es nicht geschafft, diesen Zoom in einem anderen Modus als einer der Automatiken zu aktivieren. Das war schade, denn gerade für Making-of-Aufnahmen oder an Orten, wo man nicht mal eben weiter weg oder näher heran gehen kann, wäre das wirklich ein weiterer Mehrwert gegenüber einem Handy gewesen.

Zur Videofunktion gibt es nicht so viel zu sagen. Gegenüber einem normalen Handy hat es die Vorteile der Einstellbarkeit. Ich kann viel einfacher den Weißabgleich beeinflussen. Und überhaupt gibt es mir die Möglichkeit, Zeiten und Blende zu wählen. Das ist toll und macht Spaß. Und für ein paar kleine Clips ist es wirklich gut zu gebrauchen. Was ich mir nur zusätzlich gewünscht hätte, wäre eine Stabilisierung: Die Kamera ist doch recht leicht und man hat so wenig Möglichkeiten, sie wirklich stabil zu halten. Da wäre es von Vorteil, wenn die Kamera den Sensor nutzt und mit ihm eine Stabilisierung anbieten würde.

© Lukha

Was ist also mein Fazit? Ich habe das Handy – oder soll ich besser sagen: die Kamera? – zurückgeschickt. Ich habe tatsächlich überlegt, ob ich das tun soll, denn irgendwie hat sie auch Spaß gemacht. Also die Kamera. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann hat sie eben meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich kann sie nicht immer dabei haben. Und das war im Grunde die zentrale Aufgabe, die ich an das Gerät gestellt habe.

Die Panasonic Lumix DMC-CM1 ist eine tolle Kamera, aber eben für mich kein Handy mehr. Und zum Preis von 349 € bekomme ich sicher woanders mehr Kamera, wenn auch dann ohne Handyfunktion. Schade, vom Konzept her toll, die Ausführung, für mich, nicht ausreichend. Meine Lösung bleibt also weiterhin: eine kleine Kamera für die Bilder, ein Handy für die Kommunikation.

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10 Kommentare

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  1. Ein sehr schöner und interessanter Bericht über die Panasonic Lumix DMC-DM1.

    Auch ich durfte dieses Smartphone/Kamera für 14 Tage testen und bin im Grunde auf das gleiche Fazit gekommen. Die Idee ist super, das Ding macht einen Heidenspaß, leider war es für mich aber absolut nicht alltagtauglich. Es ist einfach zu unhandlich und zu schwer, echt schade.

    Gruß,
    Andreas

  2. Neu? Super? Kaufen? NEIN!

    Da bleibe ich doch bei meiner Kombination Ei-Foon 4 und einer mittlerweile etwas „speckigen“ Coolpix S800c, die bis auf den mit Klebeband zu sichernden Akkufachdeckel partout nicht kaputt gehen will. Beides sozusagen kostenlos, weil längst bezahlt ;-) Mir gefällt die Kombi S800c/WiFi und ein Smartphone als Hotspot einfach besser als das reine (eingeschränkte) Smartphone… Panasonic Lumix DMC-CM1? Nice-(not)-to-have für 349.-…

  3. Vielen Dank für den interessanten Artikel und die inspirierenden Fotos. Mir gefällt insbesondere das Bild mit der „Frau im roten Kleid“. Gut getroffen, tolle Farben. Zum Preis von 349 Euro finde ich die Bildqualität allerdings sehr beeindruckend. Beste Grüße aus Hannover, Jens

  4. Mir gefällt die Kamera mit Smartphone so gut, daß ich sie behalten habe. Zoomen kann man übrigens auch im P-Modus. Ich weiß zwar nicht warum, aber man muß den RAW-Modus ausschalten, dann geht es auch im P-Modus. Für mich ist die Kamera ein Ersatz für eine Festbrennweite wie die Ricoh GR oder die Coolpix A mit dem Vorteil, daß sie wesentlich schneller und unauffälliger ist. Aber es stimmt, sie ist eben dicker und kamerabetonter als andere.

  5. Die Bilder sehen auf jeden Fall sehr gut aus. Aber ich habe sie ja bei Dir gesehen und ich geb Dir recht,klein ist die nicht. Ich hätte sie auch nicht behalten.

  6. Hallo Lukha,

    netter Bericht und schöne Fotos! Aber das CM1 ist wie ich finde mehr als nur eine Kamera. Ich habe das Teil kurz nach erscheinen gekauft, in erste Linie wegen der Kombination Telefon/Kamera. Weil alle anderen Mobile-Kameras leider immer versagt haben, wenn es drauf ankam. Das CM1 ist zwar nicht gerade schlank, aber robust. Ich habe es täglich dabei, benutzte gelegentlich noch einen Blackberry aber sonst ist das Teil das beste Mobilgerät für den Fotografen. Haptik ist klasse, und die Bildqualität ist für ein immer-dabei-Teil echt Top, vor allem, wenn man den Raw-Modus nutzt und die Bilder hinterher in Lightroom noch ein wenig tunen kann. Ich habe ein 64 GB Karte in dem Teil, damit hat man Platz ohne Ende. Bei dem aktuellen Abverkaufspreis kann ich das Gerät nur empfehlen. Ein paar Bilder sind hier auf meiner Seite zu finden: http://robcale.de/de/?s=CM1&submit=Suche , ein paar aktuellere auch bei eyeem z.B. hier https://www.eyeem.com/a/10968805
    Die Zoom-Funktion geht übrigens nur, wenn man NICHT im Raw-Modus fotografiert. Ich habe die so gut wie nie benutzt.

    Cheers, Rob

  7. …nun mal so:
    …keiner hat hier erwähnt, die Qualität von Makro Bildern, besonders im „M“ , also manuelle Steuerung.
    Mit ganz wenig Licht bekommt man wunderschöne und knackscharfe Bilder, die wirklich sehen lassen.
    Auch für Produktfotografie ist eine super Lösung.
    Ich habe die Kamera(ich habe die nie Smartphone gennant) bei dem Händler um die Ecke für 360€ gekauft, und werde nie das bereuen.
    Mängel:
    Objektiv Abdeckung…da soll man was einfallen lassen.
    Liebe Tester, bevor Sie irgendwas hier posten, bitte Zeit nehmen, und das Gerät wirklich ausgiebig testen, anstatt..ohhh die Cam kann nichts, ich habe zurückgeschickt.
    Ich finde, wenn jemand nimmt etwas Zeit, und einfach probiert etwas aus der Kamera herausholen, es klappt auf jeden Fall.
    Liebe Smartphone Fans…wenn jemand kriegt mit Ihre Smartphone so farbtreues und scharfes Bild wie ich mit Panasonic, dürfen Sie in meine Hosentasche pinkeln, und ich lache nicht mal dabei.

  8. Für mich ist das CM1 der perfekte Begleiter. Da es aber als Arbeitswerkzeug dient, muss es auch was abkönnen. Ich hab mir deshalb zum einen den Filteradapter besorgt und mit einer planen Schutzglas versehen. Und mich nach ner Art Holster umgeschaut, der gegen Regen und Stürze schützt. Leider hab ich nix gefunden und mir deshalb was selber ausgedacht:
    https://timelock.in/2017/01/19/unique-and-rare-leather-holster-for-the-panasonic-cm-1/

  9. Eine interessante Handy – Kamera – Kombination, vielleicht mal was wenn ein neues Handy her muss.
    Das es laut Hersteller eine 28mm Festbrennweite besitzt und man nur ohne RAW zoomen kann, handelt es sich wohl um einen Digitalzoom. Bei der Auflösung und Sensorgröße scheint das anscheinend kein großer Nachteil zu sein.