Eine Frau in einem Tunnel unter einem Lichtschacht.
15. März 2016 Lesezeit: ~5 Minuten

6 Tipps, wie man Fotolocations findet

Wer nicht immer im Studio stehen will, sucht früher oder später andere fotografisch interessante Orte, die als Kulisse für die eigenen Arbeiten dienen können. Da ich nie im Studio stehe, bin ich langsam Expertin im Suchen und Finden von Orten und möchte in diesem Artikel meine Erfahrungen dazu gern mit Euch teilen.

Zunächst einmal ist das Thema brisanter als man denkt. Um gute Locations wird oft ein großes Geheimnis gemacht. Zum Teil kann ich das verstehen, denn schöne Orte werden in den falschen Händen schnell unbrauchbar durch Müll, Zerstörung oder anderes Fehlverhalten.

Ich verrate meine Lieblingsorte dennoch sehr gern, denn ich selbst hoffe ja auch immer auf neue Tipps. Ich sehe es also als Geben und Nehmen. Natürlich habe ich mich auch schon geärgert, weil zum Beispiel jemand meine Idee 1:1 nachfotografiert hat, aber das sind Ausnahmen, die ich einfach nicht zu stark gewichten möchte. Die Vorteile des gegenseitigen Helfens überwiegen für mich ganz klar.

Und oft ist es sogar sehr spannend, was andere in derselben Location kreieren – das inspiriert mich dann meist, den Ort auch noch einmal mit einem ganz neuen Blick zu besuchen.

Eine Frau an einer Mauer mit Efeu

Vor der Haustür

Es klingt simpel, aber auch wenn ich jetzt schon einige Jahre in Bonn lebe, entdecke ich hier immer wieder neue Orte. Ich gehe viel spazieren und fahre mit dem Fahrrad. Es gibt immer irgendeine Richtung, einen Weg, den ich bisher nicht eingeschlagen habe. Und meist werde ich dabei auch fündig. Ich nehme potentielle Orte mit dem Handy auf und speichere sie für zukünftige Fotoprojekte.

Das kann einfach eine schöne Mauer sein, ein alter Baum, ein Pfad. Was mich auf den ersten Blick anspricht, fotografiere ich. Irgendwann kommt mir zu dem Ort dann auch eine Fotoidee und ich besuche ihn erneut.

 

Geocaching

Geocaching ist ein Hobby, bei dem Menschen Schätze verstecken und diese von anderen suchen lassen. Oft sind die Koordinaten verschlüsselt und nur mit Rätseln zu finden. Das Schöne daran ist, dass die Verstecke meist an sehr schönen, nicht so einfach zu findenden Orten liegen. Ich nutze die kostenlose App Geocaching. Das Thema ist sehr umfangreich, im Internet findet man viele Karten und Foren und es gibt noch weitere Apps und auch kostenpflichtige Varianten.

Geocaching ist so bekannt, dass in jedem noch so kleinen Ort etwas versteckt ist. Ich habe mich auch schon im Urlaub auf Schatzsuche begeben, aber auch wieder vor der eigenen Haustür schöne Schleichwege und wunderbare Plätze entdeckt. Auch die sogenannten „Lost Places“ werden gern für die Schatzsuche genutzt.

Eine Frau auf einem Stein mit Blick in ein Tal

Locationkarten

Wer keine Lust auf langes Suchen und das Entschlüsseln von Botschaften hat, für den sind Locationkarten hilfreich. Hier verraten Fotografen ihre Orte und taggen den exakten Standort mit Fotos auf einer Landkarte. Ich nutze am liebsten Scoutt. Die kostenlose Plattform sieht sich vor allem als Hilfe für Hochzeitsfotografen und ist in Deutschland noch nicht ganz so erfolgreich. Ich ziehe sie anderen aber gern vor, weil sie übersichtlich gestaltet ist und nicht nur die typischen Sehenswürdigkeiten zeigt.

22 Places ist eine Deutsche Variante. Sie sammelt die bekanntesten Orte einer Region und eignet sich vor allem, wenn man in einer fremden Stadt unterwegs ist und noch schnell einen schönen Ort braucht.

 

Google Maps

Die Karte von Google birgt auch einige Möglichkeiten, neue Orte zu entdecken. Zum einen kann man sich hier eine gute Übersicht über Wege verschaffen, die man bisher noch nicht gegangen ist. Zum anderen findet man in der Satellitenansicht auch Fotos anderer Nutzer mit dem exakten Aufnahmeort. Dank Street View kann man viele Straßen virtuell ablaufen und so einen Eindruck von Architektur und Natur bekommen.

Eine Frau liegt auf einem Fliesenboden mit Perspektive von oben.

go2know

Ganz einfach, legal und mit Führung kommt man dank go2know in Lost Places. Das kostet ein bisschen Geld, dafür darf man sich aber vor Ort lange fotografisch austoben und muss keine Angst haben, dass man von einer Security entdeckt und direkt wieder rausgeworfen wird. Die Orte von go2know sind vor allem um Berlin und im Osten Deutschlands zu finden.

 

Austausch

Ich tausche mich gern mit anderen Fotografen aus. Aufgrund oben beschriebener Brisanz des Themas muss man dabei sehr behutsam vorgehen, denn viele Fotografen scheinen wirklich schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht zu haben und hüten ihre Orte.

Wenn ich im Portfolio eines Fotografen einen schönen Ort gefunden habe, schreibe ich eine freundliche E-Mail. Ich verlinke dabei auch immer auf mein Portfolio, damit klar wird, dass ich keine Graffiti sprühe, sondern wir Kollegen sind und biete meist auch einen Tipp im Austausch an.

Eine Frau vor einem runden Fenster mit Ornamenten.

Wichtig ist, sich keinen Druck zu machen. Ein gutes Foto braucht nicht unbedingt eine beeindruckende Location. Manchmal reicht ein alltäglicher Ort, den man aus einer neuen Perspektive zeigt. Ein Garagentor kann mit den Strukturen, die der Rost gezeichnet hat, ein wunderbarer Portraithintergrund sein.

Wichtig ist, einfach immer die Augen offen zu halten. Wenn man lang genug fotografiert, sieht man schnell sowieso alles mit fotografischen Augen. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, die nicht fotografieren, dabei plötzlich stehen bleibe und eine enge Gasse oder Treppe anstarre, sind sie gern verwirrt.

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