21. Oktober 2015

noir et noir

Ich finde meine Bilder in Strukturen, in Licht und Schatten, in der wunderbaren vielfältigen Landschaft des Allgäus, bei der Überlandfahrt und auch in der Architektur. Ich streife oft durch die Gegend, auch ziellos und querfeldein. Ich wandere gern, liebe die Berge und die Seen.

Ein Tagebuch muss ich nicht führen, dafür ich habe meine Bilder. Und so halte ich die Tage für mich fest, eine Kamera ist immer dabei. Meine Bilder finden mich intuitiv. Im Moment, aus der Situation heraus. Meistens jedenfalls.

Schwarz mit Silberfäden,
schwarz mit Silberhauch,
schwarz mit Silberhammerschlag,
schwarz mit Silberhaut,
Schwarz mit Silberlicht.

Gefunden habe ich „noir et noir“ in der Allgäuer Landschaft, in kleinen stillen Bächen am Rande von bewirtschafteten Wiesen. Diese Wiesen werden immer wieder überdüngt. Überschüsse davon verschmutzen die Bäche. Diese Verschmutzung bewirkt zu Beginn die Ausbildung einer dünnen Silberhaut auf dem ruhigen Gewässer. Die Haut staut sich an kleinen Hindernissen auf, wird runzelig und faltig. Es gibt Einschlüsse und kleine Blasen.

Fließt das Wasser schneller, vermehren sich die Blasen, werden zu Schaum. Wird die Silberhaut älter, nimmt sie Schmutzpartikel auf, wird körperlicher, dickhäutiger. Das Gewässer ist schwarz, aber das Licht bricht sich wunderbar an der Silberhaut. Dezent, diffus, geheimnisvoll und lässt damit das Schwarz aufstrahlen, schwärzer als schwarz – noir et noir.

Wie ein schwarzer Nachthimmel, von Sternen erleuchtet.
Schönheit im Hässlichen.

schwarz und grau, eine Mondlandschaft

silbrige Hauf auf schwarz

weiß auf schwarz, verwischt

Schatten auf der Oberfläche

Krater und Flüsse durchziehen die Landschaft

Oberfläche und Textur in schwarz und silber

Wie die Haut eines Elefanten.

Einschlüsse, schwarz, silber

flüssiges Silber in einer Landschaft aus schwarz

eine Mondlandschaft aus dem All

Krater auf der Oberfläche

Strukturen, Texturen, schwarz und silber

flüssige schwarze Lava

Flüssiges Silber mit Furchen

„Noir et noir“ ist auch ein Seelenzustand, ein Gefühl. Nicht das Schwelgen in Düsternis, sondern Anerkennung der Dunkelheit. Indem ich mich der Schwärze klar zuwende, kann ich das Licht finden. Und ich finde die Vorzüge, den Verdienst der Düsternis.

Worin liegt die Faszination am Dunkeln? Finden wir überhaupt noch Dunkelheit? Ist da draußen nicht nur permanente Ablenkung, Überreizung, aufgesetzte Heiterkeit und großspurige Glückseligkeit – Lichtverschmutzung?

Worin finden wir Ruhe und Kontemplation? Lässt erst die Düsternis uns selbst finden? Müssen wir erst aufrichtig in den Abgrund blicken, damit wir uns selbst erkennen können? Haben wir nicht von Zeit zu Zeit die Sehnsucht, uns fallen zu lassen, in die Tiefe, in die Dunkelheit? Vielleicht finden wir Befreiung im Fallenlassen, im Zulassen, im Anerkennen der Düsternis.

Letztendlich geht es darum, die Dinge und sich selbst zu finden, wie sie sind. Und sie in ihrem Dasein anzuerkennen, ohne Vorbehalt, ohne Wertung. Wenn etwas schwarz und dunkel ist, ist es eben schwarz und dunkel. „Noir et noir“ werde ich sicherlich wieder finden, irgendwann – oder es findet mich.

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10 Kommentare

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  1. Schönes Thema. Überdüngen ist sicher nicht so gut und desshalb dein Hinweis darauf, durch deine Fotos wichtig.

    Mich erinnern die Fotos an Aufnahmen, von Oberflächen wie Mond und Mars, eben von Planeten.

    Ich schätze mal, dass hier Analog gearbeitet wurde.(?) Generell ein bisl Gear-Wissen fände ich super … :)

    Liebe Grüße

  2. Sehr interessante Bilder. Ich habe kürzlich mit der Makrofotografie einen besonderen Eindruck in die vergrößerte Darstellung künstlicher Objekte geworfen und es ist wirklich spannend zu sehen, welche Resultate man erhält. Schwarz-Weiß verdeckt vieles, erschafft aber eine neue Welt, in die man gerne eintaucht!