Eine Frau mit Trommel vor einer lilanen Wand.
11. Juli 2015 Lesezeit: ~4 Minuten

Energie-Portraits

Als ich das College in Daytona Beach in Florida besuchte, bekam ich Zugang zu Gemeinschaften, in denen Heilkunde und Heiler an der Tagesordnung waren. Ich lernte einige Mitglieder der Gemeinschaften kennen, ohne groß darüber nachzudenken, es war ein normaler Teil meines Lebens.

Die Inspiration, das Fotoprojekt zu beginnen, kam, als ich erkannte, dass die meisten Menschen starke Vorurteile gegenüber Heilern, ihrer Arbeit und ihrer Lebensweise haben. Ich wollte diese Stereotypen in den Köpfen der Menschen brechen.

Eine Frau liegt auf einbem Bett. Eine Hand wird vor ihr Gesicht gehalten.

Natürliche Heilung ist die älteste Medizin. Obwohl die Beweise für deren Existenz erst aus der Zeit um 14.000 vor Christus stammen, ist die Praxis vermutlich älter als die letzte Eiszeit.

Heiler glauben an die Verbundenheit der Seelen und des Bewusstseins. Sie machen ihre Arbeit, indem sie Energie und Licht teilen. Sie sehen die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden als das ausbalancierte Zusammenarbeiten des Physischen, Emotionalen, Mentalen und Spirituellen. Sie heilen die subtilen Energieströme, die entlang des physischen Körpers verlaufen. Blockaden oder Belastungen im Energiefeld einer Person beeinflussen die Menschen physisch, wie auch emotional.

Die meisten Menschen verbinden diese modernen Heiler nicht mit namhaften Heilern der Geschichte wie Buddha, Mutter Teresa und sogar Jesus Christus, obwohl alle einem ähnlichen Pfad, einer ähnlichen Berufung folgten.

Zwar wirken Heiler als Katalysatoren, indem sie die Menschen wieder mit ihren eigenen Fähigkeiten verbinden, sich selbst gesund und in Einklang mit der Welt zu bringen, aber sie nutzen dafür unzählige Wege. Jeder Heiler arbeitet anders.

Eine Frau mit einem Schildkrötenpanzer sitzt am Boden.

Als ich die Serie begann, kannte ich die Geschichte und hatte das Wissen über die Gemeinschaft, die den meisten anderen fehlt. Ich wollte dieses Wissen teilen.

Ich begann das Projekt einen Monat nach meinem Besuch des Eddie-Adams-Workshops im Oktober 2014, nachdem ich die letzten drei Jahre mit Fotobearbeitung verbracht hatte. An diesem Punkt wusste ich, dass ich wieder zurück in die Shooting-Welt und ein Projekt beginnen wollte, an das ich wirklich glaubte.

Ich begann mit der Heilerin Julie Addario, die meine Idee unterstützte. Wir kannten uns bereits seit zwei Jahren durch einen gemeinsamen Job im Produktionsdesign. Sie brachte mich mit verschiedenen Heilern zusammen, mit denen sie in New York bereits gearbeitet hatte und gab mir so eine Vielzahl von Möglichkeiten, meine Serie weiterzuführen. Es erlaubte mir, mich mit Heilern von Brooklyn bis New Jersey, von Manhatten bis zur Bronx zu treffen.

Ich wusste, dass ich eine Menge der Heiler um Fotos bitten müsste. Damit sie mich in ihre Welt ließen, begann ich jede Portrait-Session ganz ohne Kamera. Jemanden nach Fotos zu fragen, bedeutet, die Person soll sich und seine Welt einem komplett Fremden öffnen und das sofort. Ich habe damit persönlich schon meine Probleme und ich konnte mir vorstellen, wie es für jemanden sein muss, dessen Lebensstil oft verurteilt wird.

Ein Frauenportrait mit geschlossenen Augen.© Cassi Alexandra

Ich hatte Glück, dass mir eine Vielzahl an Heilern Einblick in ihr Leben gegeben haben und einen Teil von dem, was sie sind und was sie tun, gezeigt haben.

Mich vorher persönlich mit jedem Heiler und seiner Arbeit auseinanderzusetzen, hat mir geholfen, besser mit ihnen zu arbeiten und die individuellen Ideale zu würdigen. Ich glaube nicht, dass ich jede Heilungspraxis je voll verstehen oder vermitteln könnte, wenn ich sie nicht selbst erlebt hätte. Durch ein besseres Verständnis der Werkzeuge jedes Heilers bekam ich das Wissen, das ich für die jeweiligen Portraits brauchte.

Nach etwa sechs Monaten verließ ich New York und ging nach Lateinamerika, um dort weitere Heiler zu fotografieren. Ich begann in Tulum, Mexiko, nachdem ich eine Einladung von Chloe Garcia Ponce bekam. Diese Einladung stieß eine Kettenreaktion an.

Nun reise ich quer durch Lateinamerika, lerne Spanisch und suche nach neuen Heilern für mein Projekt. Ich hoffe, am Ende kann ein Buch aus all der Arbeit entstehen.

Dieser Artikel wurde für Euch von Katja Kemnitz aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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