05. Juni 2015 Lesezeit: ~4 Minuten

Gedanken zu Auflagen

Vor einigen Jahren kaufte mir jemand ein Foto ab. Bei der Frage nach dem Preis war ich unglaublich unsicher. Meine Fotos machte ich nur für mich; dass sie tatsächlich jemand kaufen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Noch unsicherer wurde ich bei der Frage nach der Auflage. Ich hatte keinerlei Erfahrung und begann zu stottern.

50? 20? 5? Ich habe keine Ahnung, was ich ihm damals antwortete. Das ist zum Glück auch egal, denn das Bild habe ich nur genau dieses eine Mal verkauft. Der Herr ist nun also stolzer Besitzer eines Unikats für verdammt wenig Geld.

Was mich zum Stottern brachte, waren die vielen Fragen in meinem Kopf. Zählt der Abzug für das Modell dazu? Darf ich es für eine Ausstellung drucken lassen oder ist das dann schon Nummer zwei? Kann ich die Auflage von der Größe und Druckart abhängig machen? Ihr werdet die Antworten zu diesen Fragen hier nicht finden. Ich weiß sie immer noch nicht, denn ich habe mich nach vielen Überlegungen gegen Auflagen meiner Bilder entschieden und möchte erklären, warum.

Fotografie ist ein Medium, das für Vervielfältigung ausgelegt ist. Eine Auflage ist einfach eine Limitierung, um den Preis künstlich nach oben zu treiben mit dem Hintergrundgedanken: Was selten ist, ist mehr wert.

Dieser kapitalistische Grundgedanke widerstrebt mir und passt nicht zu mir und meinen Bildern. An der Stelle werden natürlich einige schmunzeln. Aber keine Angst, ich nehme mich selbst auch nicht ganz ernst, denn meine Fotos sehe ich auch gar nicht in großen Galerien. Ich glaube nicht daran, eine große Künstlerin zu werden, mit Preisen, die sich nur noch gut betuchte Sammler leisten können. Meine Ziele sind anders gesteckt.

Aber ich sehe durchaus auch die Notwendigkeit einer Auflage im Bereich der Kunst und würde niemanden verteufeln, der dieses Mittel der Preiserhöhung nutzt. Die Fotografie musste sich schon immer gegen die Malerei behaupten. Da ist Echtheit enorm wichtig und wahrscheinlich erreichte die Fotografie so auch erst den Einzug in die Galerien.

Der Galerist muss von etwas leben. Nicht nur die Mieten der riesigen Räume in guter Lage muss er aufbringen. Ein Bild für nur 200 € zu verkaufen wäre da ein Tropfen auf den heißen Stein. Und natürlich sieht auch kein Sammler bei so niedrigen Preisen einen lohnenden Kauf. Es geht ja nicht nur um Gefallen der Fotos, sondern auch um Prestige. Ein weiterer Grund, warum ich mich gegen Auflagen entschieden habe: Ich möchte, dass sich Menschen meine Bilder leisten können, die sie wirklich mögen.

Dann ist da natürlich der Fotograf, der auch von etwas leben muss. Bei einer geringen Auflage kann ein Verkauf selbst abzüglich der hohen Margen der Galeristen einige Wochen zum Leben reichen. Bei unlimitierten Bildern, wie ich sie habe, müsste ich monatlich 20 bis 50 Fotos (je nach Größe) verkaufen, um auf den Lohn eines Durchschnittverdieners zu kommen. Utopisch. Aber zum Glück muss ich das eben nicht. Ich habe mir weitere Einnahmequellen für meine Bilder gesucht. Sie erscheinen in Magazinen und ich bin in einer Agentur, die sich auf Buchcover spezialisiert hat. Zudem biete ich Fotosessions an.

Das ist sicher kein Weg für jeden, aber mal ehrlich: So viele Künstler, wie gerne in Galerien hängen möchten, haben sowieso keinen Platz auf dem Kunstmarkt. Manchmal ist das Zurückschrauben der eigenen Erwartungen vielleicht ganz erholsam. Die Angst, durch fehlende Auflagen die letzte Chance zu verpassen – eine Angst, die dazu führt, dass die Bilder am Ende an gar keiner Wand hängen werden.

Ich mag die durch meine Entscheidung gewonnene Freiheit. Ich tausche meine Bilder mit anderen Fotografen, verschenke sie an ganz besondere Menschen und bin dankbar, dann nicht über die eventuelle Verletzung meiner Auflagen nachdenken zu müssen.

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12 Kommentare

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  1. Servus Katja!

    Wie recht du hast! Für mich ist die Photographie zwar „nur“ ein Hobby – jetzt steht aber meine wieder Galerieausstellung an, und über das Thema der „Auflage“ muss wieder kurz nachgedacht werden – bzw. auch nicht, denn ich habe mich schon vor ein paar Jahren entschieden: Ich signiere meine Prints mit dem Printjahr und habe für mich beschlossen nur noch selber zu drucken. Als Folge davon ist die jetzige Ausstellung zwar nur mit kleinen (30x45cm) Drucken gehängt, dafür kann ich sagen: Alles selber gemacht! Ich habe GottSeiDank einen (tollen) Brotjob, der mir dieses Hobby ermöglicht und bin deshalb auch nicht auf teure Verkäufe angewiesen. Da freue ich mich eher über den einen oder anderen verkauften oder getauschten (ja, auch das!) Print als über den maximierten Gewinn bei einem einzelnen Verkauf.

    Viele Grüße,
    Markus

  2. Photographien kann man unbegrenzt vervielfältigen, ein Vorteil, aber natürlich ein Handicap auf dem Kunstmarkt. Was rar ist, ist teuer. Auflagenbegrenzung ist ein künstliches Mittel um diese Knappheit zu erzeugen.
    Meine persönliche Meinung zum Preis, eine Minimum von 300 Euros für Orginalabzüge. Mal provokant, wer weniger bezahlt kauft kein Kunstwerk sondern eine Dekoration.
    Auflagenbegrenzung, für viele Photographen sind max 5 oder max 9 genug, da Sie wohl nie mehr pro Bild verkaufen.

  3. Ob etwas Kunst ist oder nicht ist weder eine Frage der Auflage noch des Preises.

    Bei Fotografien ist meiner Meinung nach entscheidend ob Rechte mitgekauft werden.
    Früher war am Einzelstück gern das Negativ an die Rückseite geklebt.

    Und mir gefällt es auch nicht immer, aber unser System baut auf Kapitalismus auf.
    Aber sind wir doch ehrlich. Keiner hier wird Gursky-Preise für seine Fotos bekommen.
    Daher gefällt mir die realistische Herangehensweise der Autorin.

  4. mir gefällt der gedanke ein bild hat eine auflage. natürlich ist es absurd, dass ein motiv weniger wertigkeit hat, je höher die auflage ist… andererseits habe ich das gefühl, wenn ich die Auflage begrenze, dass ich dann das motiv mehr würdige, weil es dann eben doch kein potentielles massenprodukt mehr ist.
    natürlich wird ein bild nicht zur kunst, wenn ich ihm eine auflage gebe, aber ich kommuniziere doch damit, dass ich es wert schätze, kein massenprodukt zu sein, sondern eben kunst.
    ich finde das völlig legitim, den eigenen bildern den stempel aufzudrucken, es sei kunst indem man es wie kunst handhabt – ob es dann tatsächlich kunst ist oder nur ein Schnappschuss, wer soll das beurteilen? ein kunstkritiker? eine galerie? die käufer? das kann mir egal sein, solange ich von meinem bild überzeugt bin… und wenn ich davon überzeugt bin, dann würdige ich es auch, indem ich u. a. die Auflage begrenze, ein Fotobuch daraus mache, oder es hochwertig ausdrucke/entwickel/präsentiere….
    kann man natürlich diskutieren, ob man schon am anfang seines schaffens so ein „chichi“ um seine bilder machen sollte, sondern besser eher den ball flach hält… aber in dem moment, wo ich als künstler wahrgenommen werden möchte, muss ich meine bilder auch als kunst behandeln…
    doch dein dilemma, dass sich manche leute eben nicht limitierte auflagen leisten können, ist schwer lösbar. man könnte die auflage hoch schrauben und dafür den preis runter, aber eine wirkliche lösung habe ich nicht.

  5. Ich meine, dass hier jede Herangehens- und Sichtweise möglich ist. Totaler Verzicht auf Auflagenbegrenzung, also eine Form der Open Edition, oder eine entsprechende Limitierung. Für den letzten Fall sehe ich das auch nicht als eine kapitalistische Grundhaltung, sondern als ein Nutzen der Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage. Man kann, muss natürlich nicht, Kunst so definieren, dass Kunst das ist, was auf dem Kunstmarkt einen Käufer findet. Lasse ich alle monetären Aspekte beiseite, finde ich eine Auflagenbegrenzung bei einem im Grunde beliebig vervielfältigbaren Medium sogar sinnvoll und im Interesse des Empfängers, Käufers, Beschenkten etc. Wie wäre es denn, von einem digital aufgenommenen Foto genau einen Abzug zu machen und dann alle Bilddateien konsequent zu löschen? Manchmal juckt es mich das zu tun und dann verlässt mich der Mut.

    • „Für den letzten Fall sehe ich das auch nicht als eine kapitalistische Grundhaltung, sondern als ein Nutzen der Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage.“

      You made my day. Du solltest Politiker werden.

    • lösch nix! ich hab eiinmal alle meine tagebücher weggeschmissen weil ich sowieso nicht reingeschaut habe, aber ich bereue es, weil die erinnerungen futsch sind
      bei bildern ist das doch auch so, sind doch die erinnerungen… wenn der abzug weg ist, wäre dann auch die erinnerung weg…
      außerdem braucht man die datei vielleicht noch für …. fotobuch, um es den enkeln zu zeigen, mal nach jahren drauf zu schauen und zu lächeln über die guten alten zeiten oder was für einen schrott man doch mal gemacht hat, für ne thematische ausstellung und ein altes bild passt da gerade rein, für ….
      da man nicht in die zukunft gucken kann, würde ich es nicht löschen

  6. Bei mir (wie wohl bei den meisten anderen Nebenbei-Fotografen auch) sind nicht alle Bilder gleich beliebt. Die meisten verkaufen sich gar nicht, manche ein paar Mal und einige wenige sind so beliebt, dass sie sich zigmal verkaufen.

    Keiner wird eines meiner nicht so beliebten Fotos kaufen, nur weil ich eines der beliebten nicht nachdrucken lasse. Und ganz ehrlich, niemand wird irgendwas von mir wegen meinem Namen kaufen, ich bin kein Künstler und werde mir auch keinen Ruf als Künstler aufbauen.
    Würde ich meine Auflagen begrenzen, würde ich mir meiner Meinung nach nur ins eigene Fleisch schneiden.

    Das sähe anders aus, wenn ich mir einen Ruf als Künstler aufbauen wollen würde. Dann würde ich zusehen, dass jedes Ding irgendwie ein Unikat ist. Aber die Kunstwelt ist nicht meine Welt.