Männer an einer Mauer
08. April 2015 Lesezeit: ~17 Minuten

Straßenfotografie im Fokus

Ich kann mir kein anderes Genre in der Fotografie vorstellen, das herausfordernder, anspruchsvoller und lohnender ist als die Straßenfotografie. Mit der New Street Agenda versuche ich, einen neuen Weg zu gehen. Es handelt sich um eine Gemeinschaft der Lernenden. Und ich bin ihr erster Schüler.

Stell Dir vor: Ein Maler kann den ganzen Tag nutzen, eine Woche oder sogar einen Monat. Als Straßenfotograf bleibt Dir der Bruchteil einer Sekunde. Die Summe Deiner Erfahrung und Deines Wissens verdichtet sich in diesem Sekundenbruchteil.

Eine ziemlich harte Nuss.

Es begann in Berlin.

Es fing alles im Juni 2010 an. Ich war in Berlin und ich brauchte irgendeine Aufgabe. Die Straßenfotografie wurde zu meinem Projekt.

Zu der Zeit wusste ich kaum, worum es dabei ging, aber ich hatte diese ungefähre Ahnung, dass es etwas mit Henri Cartier-Bresson zu tun hatte. Also machte ich ihn zu meinem persönlichen Mentor.

Im Internet recherchierte ich über die Straßenfotografie, aber ich fand nichts, was mich richtig zufriedenstellte. Also begann ich, meine eigenen Gedanken zu notieren. Daraus entstand letzten Endes der Name New Street Agenda.

New Street Agenda ist kein Projekt. Es handelt sich um einen Prozess, der weit über die niedrig gesteckten Ziele hinausgeht, die man normalerweise im Zusammenhang mit Straßenfotografie findet. Seinen Namen bekam das Projekt erst 2014, aber die Vorläufer gehen zurück bis ins Jahr 2007. Mehrere Webseiten befassen sich mit der New Street Agenda.

Für mich ist Straßenfotografie definitiv Kunst. Kunst ist Engagement, Durchhaltevermögen, permanentes Üben und voller Einsatz. Es ist keine Freizeitaktivität, auszuüben am Wochenende, in den Ferien und während man den Hund ausführt. Eine Fähigkeit, die man in der Tiefe beherrscht und dennoch immer weiter an ihrer Verbesserung feilt.

Zuerst jedoch sollte man seinen Blick auf die Kunst im Allgemeinen richten und die Straßenfotografie, wie sie in den sozialen Medien zu finden ist, links liegen lassen. Die Studiensäle finden sich in den besten Museen in ganz Europa. Die Lehrmeister sind Matisse, Rembrandt, Picasso und Munch.

Danach vertiefe Dich in das Werk von Henri Cartier–Bresson (1904-2004), Walker Evans (1903 – 1975), Robert Frank (*1924) und einiger anderer Größen.

Die Geschichte der Straßenfotografie beginnt nicht in der Fotografie, sondern sie endet hier.

Hintereinander

Weil Du es lieben wirst

Meine Partnerin läuft Marathon. Eines Tages, als sie von einem Lauf in Berlin zurückkommt, sagt sie: Du musst nach Berlin. Warum, frage ich. Weil Du es lieben wirst. Damit war das geklärt.

2008 habe ich mein erstes Fototreffen in Berlin organisiert.

Ende 2007 ging ich nach Berlin, um die Stadt kennenzulernen. Ich erkundete die Straßen, um einen passenden Ort zu finden. Am Ende entschieden wir uns für ein Motel One am Kurfürstendamm im Berliner Westen.

Aus heutiger Sicht scheint das eine gute Wahl gewesen zu sein: Die Gegend entwickelt sich rasant, spannende Galerien sind in der Nähe: C/O Berlin hat im Oktober 2014 neu wiedereröffnet, Camera Work, die berühmteste von allen, nicht zu vergessen das sagenhafte Newton Museum. Alle nur einen Steinwurf entfernt.

Diese Gegend wurde zu meinem Einsatzgebiet, mit leichtem Zugang zum Rest von Berlin. Man braucht genau 6 Minuten und 17 Sekunden, an einem sonnigen Tag, um den Hauptbahnhof mit der S-Bahn zu erreichen. Ich habe die Zeit genau gestoppt. Innerhalb weniger Jahre habe ich mehr über Berlin gelernt als über Kopenhagen, wo ich eigentlich zuhause bin.

Berlin ist in vielerlei Hinsicht Dreh- und Angelpunkt für die New Street Agenda. Anfangs war mir das gar nicht so richtig bewusst, aber über die Jahre lernte ich, dass Edmund Husserl (1858 – 1938), Max Wertheimer (1880 – 1943) und Rudolf Arnheim (1904 – 2007)  alle hier lehrten. An der heutigen Humboldt-Universität.

Jedes Mal, wenn ich nach Berlin komme, besuche ich die Humboldt-Universität. Sie erinnert mich daran, dass Wissenschaft und Innovation einen Einfluss auf visuelle Kommunikation ausüben und dass das passiert, wenn man Straßenfotografie praktiziert.

Ich kannte diese schlauen Männer noch von meiner Studentenzeit in Norwegen und Dänemark, aber ich hatte keine Ahnung, dass wir uns in Berlin wiedersehen würden. Sie vertrugen sich gut mit dem Enthusiasmus für Fotografie, der für mich in Berlin seinen Anfang nahm.

Die vielen Buchhandlungen, spezialisiert auf Fotografie, waren die reine Freude. Die Galerien und die Wertschätzung der Fotografie in Berlin sind ganz anders als das, was ich aus dem Norden vorher kannte.

Im Museum

Mehr als gedacht

Sollte ich ein Wort aussuchen, das die Inspiration kennzeichnet, die ich von Humboldt beziehe, dann ist es, dass wir mehr wahrnehmen, als unser Auge sieht. Ich bin mir sicher, dass die meisten hier zustimmen können, aber das war nicht immer so.

Wenn man diese elementare Weisheit interpretiert und wenn man sie auf die Fotografie anwendet, dann öffnet sich neues und fruchtbares Land, sowohl beim Fotografieren, als auch beim Analysieren und Interpretieren von Bildern.

In den Buchläden wurde ich zu dem Thema nicht wirklich fündig, sogar in Berlin nicht. Ich fand nur schwer überhaupt irgendein Buch dazu. Die Inspiration durch die Gestaltprinzipien beispielsweise, scheint verloren, obwohl es eine elementare Technik zum Verständnis visueller Kommunikation in der Straßenfotografie ist.

Ich fand so viele einfache Ideen, dass ich sie anwendete, da sich sonst niemand ihrer zu bedienen schien. So entstand die New Street Agenda bzw. ihre Vorgänger.

Nachvollziehbarerweise gab es auch noch keine allgemeingültige Terminologie, um diesen Einfluss auf die Straßenfotografie zu beschreiben, also begann ich, das Wörterbuch (The Wordbook) als Teil der New Street Agenda zu verfassen. Das Wörterbuch ist immer noch in Arbeit und wird weiterhin überarbeitet werden.

Ändere die Worte und Du änderst die Vision. Die Geschichte der Straßenfotografie in Europa steht in Beziehung zum Vokabular, mit dem man sie beschreibt. Der Begriff „der entscheidende Moment“ (the decisive moment) schwebt über dem Genre. Er hat wenig Sinn, wenn man sich nicht klarmacht, dass es unterschiedliche Momente gibt.

24 Hour Parking

Woher kommt die Inspiration für die New Street Agenda?

Da die New Street Agenda sich fortwährend weiterentwickelt, sind auch die Einflussfaktoren im Fluss. Vielfalt und Pragmatismus zählen gleichermaßen. Es ist eher eine Annäherung an das Thema. So wie die Straßenfotografie selbst.

Inspiration kommt aus der Wissenschaft, der Kunst, der Malerei, der visuellen Kommunikation, der klassischen Straßenfotografie und anderen Disziplinen, die sinnvollen Einfluss auf die Straßenfotografie haben. Die Palette ist breitgefächert und bunt.

Die Inspiration präsentiert sich nicht zwingend systematisch. Der Erfolg hängt an der Leidenschaft, der Begeisterung und dem Ehrgeiz. Ohne diese Zutaten sind die Einflussfaktoren nur mäßig hilfreich.

Es ist relativ einfach, die Gestaltprinzipien zu beschreiben, aber wenn man sie nicht selbst ausprobiert, werden sie niemals Bestandteil des eigenen Repertoires. Am Ende muss die Fähigkeit aus dem Bauch heraus kommen, das passiert nur, wenn man sich an den Techniken abarbeitet.

Betritt man erst einmal dieses neue Universum, gibt es kein Zurück. Es ist ein unterschiedlicher Denkansatz und wenn man diesen verstanden hat, wendet man ihn blind an. Es ist jedenfalls mein Weg und ich bin sicher, es kann auch der Deine werden. Wenn Du es ausprobierst.

Die Einflussfaktoren sind nicht nur für die Straßenfotografie gültig. Viele Techniken, die Teil der New Street Agenda sind, sind auch in anderen Lebensumständen hilfreich.

Ein Beispiel: Wenn man in einer Fotografie zwischen Signal und Rauschen unterscheiden kann, ist das eine Fähigkeit, die auch in anderen Lebensbereichen angewendet werden kann, wo Signal und Rauschen eine Herausforderung darstellen. Die New Street Agenda gibt mehr, als sie abfordert.

Warten

Eine praktische Herangehensweise

Ich wollte weder die x-te Studie zum Thema Wahrnehmung durchführen, noch die Straßenfotografie akademisch durchleuchten. Mich interessierte viel mehr, wie ich die neu erarbeiteten Werkzeuge als Straßenfotograf zur Anwendung bringen konnte. Meine erste Priorität waren Bilder, nicht Worte.

Die New Street Agenda entwickelt sich im Tandem aus dem Fotografieren und der Bildanalyse. Oftmals entsteht die Herausforderung erst, nachdem das Bild gemacht wurde. Ich kann mich der Literatur bedienen, um herauszufinden, wieso ein bestimmtes Bild funktioniert. Das mag sich erst einmal relativ langweilig anhören, aber wir befinden uns hier noch im Lernmodus. Der Ansatz ist, sich eine ganze Menge von Techniken anzueignen und diese ganz selbstverständlich zur Anwendung zu bringen.

Zu meiner Überraschung fand ich heraus, dass viele der berühmten Fotografen, wie Henri Cartier-Bresson, die Gestaltprinzipien intuitiv nutzten, ohne davon zu wissen. Das gilt auch für andere große Meister, ohne dass ich sie jetzt einzeln aufzähle. Die Tatsache, dass diese Prinzipien eingesetzt wurden, könnte man auch „Talent“ nennen.

Für mich ist das ein Beweis dafür, dass einige der visuellen Grundlagen in der Straßenfotografie universell gültig sind und das wollte ich erst recht erforschen.

Wie ich schon sagte: Das klingt ziemlich langweilig, aber am Ende ist die Theorie dazu da, den Fotografen zu unterstützen und nicht, ihm die Sicht zu versperren. Für mich hat das funktioniert. Es läuft darauf hinaus, sich leidenschaftlich einzubringen und sich bei den Größen zu bedienen, die verfügbar sind. Man sollte sich an den Besten orientieren. Sie finden und dann intensiv ihre Gedanken sezieren.

Im Spiegel

Bilder mit Ecken und Kanten machen

Nach meinem Dafürhalten gibt es eine klare Trennlinie zwischen reiner Dokumentarfotografie und, wie ich es nenne, Bildern mit Ecken und Kanten.

Letztere haben eine zusätzliche Aussageebene jenseits der reinen Dokumentation. Sie haben einen Faktor X, der die besten von den guten Fotografien unterscheidet. Dieser Faktor basiert auf einem starken Instinkt für das Visuelle.

Es kann sich um ein oder mehrere Details handeln, um das gesamte Bild, die Komposition oder den Inhalt. Oder Kombinationen davon. Die „Ecke“ führt dazu, dass man innehält und das Bild im Betrachter nachhallt.

Wenn ich mir Bilder von Cartier-Bresson, Frank, Evans und anderen ansehe, dann begegnen mir diese Ecken und Kanten. Viele dieser Bilder sind reine Kunstwerke und man legt sie nicht nach dem ersten Anblick beiseite. Ich kann nie aufhören, mir gute Straßenfotografien anzusehen und ich kehre immer wieder zu den selben Bildern zurück. Um zu lernen. Um zuzuhören.

Wenn ich neuere Straßenfotografie betrachte, dann fehlt mir diese Eigenschaft oft. Es hat den Anschein, also ob die meisten meinen, wenn sie nur eine Kamera besitzen und den Auslöser auf der Straße betätigen können, dass sie sich Straßenfotograf nennen können. Dem ist leider nicht so. Gute Straßenfotografie entsteht nicht durch das Betätigen des Auslösers, sondern mit den Augen und dem, was sie unterstützt.

Vieles kann man schnell erlernen und Fortschritt wird rasch sichtbar für den, der an sich arbeitet. Die Herausforderung ist, dass es bis jetzt noch keine Tradition des Lernens auf diesem Gebiet gibt. Meine Hoffnung ist, dass die New Street Agenda dazu beitragen kann, das Erlernen der Straßenfotografie zu strukturieren.

Manchen steht die Annahme im Weg, dass Straßenfotografie nur ein Zeitvertreib ist und dass jegliche Anstrengung dementsprechend fruchtlos ist. Diese Haltung teile ich ganz und gar nicht. Wenn es eine fotografische Disziplin gibt, die, wie John Szarkowski es ausdrückt, Intelligenz erfordert, „scharfsinnig und in großem Umfang“, dann ist das die Straßenfotografie.

Am Zebrastreifen

Fotografie in kleiner Münze

Sieht man sich die Bilder in diesem Artikel an, dann wird man kein großes Drama finden. Die Bilder haben wenig, teilweise sogar gar kein Drama.

Ich schätze den Rat, den Edmund Husserl einst seinen enthusiastischen Studenten in einer seiner Philosophie-Vorlesungen gab: Nicht die großen Scheine, meine Herren, besser die kleine Münze. Etwas in der Art.

Es gibt diese Tendenz heutzutage, nicht nur begrenzt auf die Straßenfotografie, dass gute Fotografie die große Geste beinhaltet, das Drama. Ich kann da nicht zustimmen.

Es erfordert weniger Talent, jemanden zu fotografieren, der sich als Selbstmörder von einem Gebäude stürzt (oder welches Drama man sich auch immer vorstellen mag), als die Kontrolle über all die feinen Aspekte in einem weniger dramatischen Bild zu behalten.

Kürzlich fand in Kopenhagen ein Fotowettbewerb statt. Das Siegerbild zeigte ein totes Mädchen, fünf Jahre alt. Es lag in seinem Bett und ein neugieriger Kamerad zog eines der Augenlider nach oben. Das war das Siegerbild.

Wenn das gute Fotografie ist, sollte sich die Kunst woanders umsehen.

Es scheint, dass viele vergessen haben, dass die Welt, die uns umgibt, voller Möglichkeiten für gute Fotografie ist.

Das ist es, was ich letztlich versuche zu erreichen: Fotografie in kleiner Münze. Absichtlich.

Streifen

Wie die Musik

Ich vergleiche eine Fotografie gern mit einem Musikstück. In mancher Hinsicht sind unsere Ohren besser als unsere Augen, um Dinge richtig zu verstehen. Hört man sich einen Song von Bob Dylan oder eine Arie von Puccini an, dann hört man sofort, wenn etwas falsch klingt.

In einer Straßenfotografie ist es schwieriger, Schwächen zu entdecken, da die Menge an visueller Information in einem einzigen Bild so überwältigend groß ist. Außerdem sind die meisten Menschen nicht besonders kritisch, was sie aber besser sein sollten.

Wenn ich mir Bilder ansehe, die ich gemacht habe, dann frage ich mich, ob es gut gespielte Melodien sind. Wenn nicht, dann muss ich von vorne anfangen, eventuell anders zuschneiden, leicht anpassen und es erneut versuchen. Moderne Bildbearbeitungsprogramme sind großartige Werkzeuge für diese Art der Arbeit. Manchmal handelt es sich wirklich um Millimeterarbeit.

Versuche einmal, Bilder zu summen und Du findest heraus, wo die Dissonanz liegt. Wenn es eine gibt.

Wenn es zu viel Rauschen gibt, was die fotografische Idee eines Bilds in Frage stellt, dann muss man mehr daran arbeiten.

Der Kuss

Das Handwerk beherrschen

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Satz „Von Nichts kommt Nichts“ gilt. Bevor man sich ans Klavier setzt, um in der Öffentlichkeit anspruchsvolle Kadenzen zu spielen, sollte man wissen, wie ein Klavier aussieht und mit welcher Buslinie man zum Konzertsaal kommt.

Die Fotografie fiel Künstlern wie Cartier-Bresson oder Robert Frank nicht in den Schoß. Lange Jahre des Lernens und des Ausprobierens waren der Anfang. Robert Frank machte 28.000 Bilder innerhalb von zwei Jahren, um dann weniger als 100 für sein Buch „The Americans“ auszuwählen. Nur ein Beispiel. Das ist die Quote, an der man arbeiten muss.

Picasso hat es genauso gemacht: Lernen durch Tun. Lernen durch noch mehr Tun. Wer erinnert sich nicht an ihn? Wenn man ein paar Stunden im Berggruen Museum am Rand von Berlin verbringt, kann man sich davon überzeugen. Auch das gehört zu meinen regelmäßigen Anlaufstellen, wenn ich Berlin besuche. Es verschafft mir Freude bei jedem Besuch.

Spiegel

Was nun?

Bilder auf der Straße zu machen ist viel zu einfach heutzutage. Gute Kameras sind für wenig Geld zu haben und viele haben immer ihr Smartphone zur Hand, bereit, die Welt mit Bildern zuzupflastern. Bilder zu veröffentlichen ist so einfach: Instagram, Facebook, Twitter und viele mehr.

Und Straßen gibt es überall.

Der humanistische Ansatz, der aus der klassischen europäischen Straßenfotografie entstammt, ging im Lauf der Zeit verloren und mit ihm der Respekt für Menschen und ihre Verhältnisse. Die Mehrheit interessiert das wenig und nur wenige bedauern das.

Ich bin beileibe nicht der erste, der erkennt, dass sich die Straßenfotografie in schwierigem Fahrwasser befindet. Das weltweite Rauschen ist massiv, das Signal verliert sich darin.

Kann die New Street Agenda hier irgendetwas ausrichten? Ich hoffe zumindest, dass Straßenfotografie ihren Beitrag für mehr visuelle Vielfalt leistet, anstatt, durch Ignoranz oder Nachlässigkeit, nur Mittelmaß zu produzieren. Diese Aussage mag arrogant klingen, aber ich fürchte, dass Straßenfotografie, wie sie auf Facebook und anderen sozialen Medien zu finden ist, meist kein nennenswertes Niveau besitzt.

Am Ende ist es Aufgabe des einzelnen Fotografen, diesen Beitrag zu leisten. Viel Glück dabei! Selbst, wenn es sich „nur“ um Straßenfotografie handelt.

Punkte

Zum Thema New Street Agenda gibt es in Berlin im September 2015 einen Workshop. Der Link führt zu mehr Informationen dazu.

Dieser Artikel wurde von Tilman Haerdle für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Ähnliche Artikel

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon

kwerfeldein @ Photocircle


38 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Es ist lange her, dass ich einen so enthusiastischen und vielschichtigen Artikel zu einem fotografischen Thema gelesen habe. Hier brennt und lebt jemand für sein Thema. Ich habe allerdings nicht wirklich verstanden, was die New Street Agenda ausmacht und was anders oder neu ist.

    • Hello Frank

      Many thanks. New Street Agenda is a project in process. The pictures you see are examples of how you can use, for instance, gestalt factors in the building of photographs. New Street Agenda is a training ground.

      Many thanks for your comment.

      Best regards
      Knut

    • Hi Frank

      I have to answer you here since I am not allowed to reply on your second comment directly. Yes, you could say that but I would like to twist it a bit.

      Some years back I started investigating/looking at what some of the masters of street photography did and how they did it. These include HCB, Willis and Frank.

      I found that they all used repetitive themes. As I have a background in, among others things, phenomenology and gestalt psychology applied to visual communication, I started training myself and shooting street photographs based on these principles.

      I am well aware that you can’t plan for luck but you can prepare to know what to be looking for. The shots you see in this article (they were all selected by kwerfeldein) are mostly concept executions based on a much looser understanding of composition, than you will find in e.g. HCB.

      I recognised some of these repetitive themes as executions of gestalt factors, which basically is a German discovery from some 100 years back (Humboldt). So I made a short program based on that. For myself and for those interested. The program runs as a free session on Facebook – the third round actually was introduces yesterday for those who wants to join. It is also fundamental for the annual workshop I run and for the couch programs.

      Seems to me that there are plenty of resources around for those who want to use it.

      The psychological principles are valid for images in general and not only for street photography, but as it happen I to enjoy street photography that is the reason the most examples are from that area.

      I am not, basically, here to teach anybody anything but I can see the there are big, big wholes in most peoples knowledge of visual basics in photography and in street photography. This is very visible in many Facebook groups. Also in those I have initiated, which is On Every Street, Leica Street Photography, The Edge and more.

      I also find most street photographer to be little ambitious. This could be because street photography was never highly rated and today is largely out of fashion within serious photography.

      This is only part of the story. There are much more to it.

      Many thanks for your question. Sorry for the typos which I am sure there are plenty of :-). Good day to you.

      Best regards
      Knut

      Here you find even more resources:
      http://www.newstreetagenda.com/author/

    • Hello Lore

      Yes, I have heard about this. Let’s see how bad things will evolve.

      I consequently avoid situations that I would not accept myself being a part of. Very often I speak to people. Not all of the images included in the article are in my view pure street photographs. New Street Agenda is a forum for training so examples can be had from many sources.

      Many thanks for your comment.

      Best regards
      Knut

  2. Gute Bilder und viel Enthusiasmus mit den richtigen Fragen.

    Ich frage mich allerdings, ob man eine theoretische „neue“ Agenda benötigt um Gutes herauszufiltern. Für manchen mag es wichtig sein, Theorien zu sezieren, andere orientieren sich lieber am Werk. Die Frage, warum etwas ein Signal aus dem Rauschen gibt, ist für mich am Werk eher zu sehen. Eine Agenda erkennen kann ich nicht. Vielleicht wäre ein Manifest, wie es Künstlergruppen gerne haben, hilfreicher und prägnanter? Braucht es das überhaupt?

    Nicht verstehen kann ich auch den Zusammenhang zum angesprochenen Bild eines toten Mächen. Das hat mit street doch nichts zu tun. Ist vielleicht eher Reportage. Ich mag dort die Leichenfledderei auch gar nicht, sehe eher Sensationslust dahinter, dennoch gibt es z.B. beim World Press Foto immer wieder Bilder, die einen berühren, wie das von John Stanmeyer der afrikanischen Flüchtlinge, die versuchen mit dem Handy Empfang zu finden, das wirklich berührend und große Kunst ist.

    Street sehe ich da spielerischer. Richtig ist, dass es oft die kleinen Dinge sind. Das Bild z.B. eines Betttlers ist halt ein arg simpler Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen. Da gibt es mit kleinen Dingen Spannenderes. Dieser Gedanke ist für die street Fotografie richitig!

    • Hallo Black Forrest

      1. True. The dead girl has nothing to do with street photography but is referred to as an example of the general gloominess of our time. There are very few photographers, in my opinion, who like HCB or Elliott, orient themself towards the lighters ways of life, that after all still is part of our European society. Even Robert Frank has a sense of humour in his shooting his themes are somewhat sombre.

      2. From the communities of street photography, that I know of none take an approach of seeing photography as visual communication, and apply possible principles from that area as learning and training windows.

      Thanks for you comment.

      Best regards
      Knut

  3. Ich tue mich mit dem Thema Streetfotografie schwer.
    Ich selbst mache es eigentlich ganz gerne, aber in Deutschland ist die rechtliche Lage zu dem Thema sehr schwierig.

    Man ist schnell verleitet zu sagen, dass die Fotografen, die Menschen unvorteilhaft (z.B. einen Obdachlosen, oder einen Betrunkenen, oder wie hier im Text ein totes Mädchen) fotografiert haben, Schuld an Deutschlands scharfen Gesetzen zu dem Thema sind.
    Ich denke aber, dass das zu einfach ist. Es reicht leider nicht aus, dass man glaubt alle fremden Menschen auf der Straße nicht unvorteilhaft zu fotografieren. Denn dabei entscheidet der Fotograf, ob das Bild unvorteilhaft ist. Es ist jedoch so, dass der Fotograf das gar nicht wissen kann, außer er fragt, denn jeder Mensch ist anders, und jeder hat seine eigenen Vorstellungen, was für ihn unvorteilhaft ist.
    Mittlerweile ist es oft so, dass Menschen panisch oder sogar aggressiv reagieren, wenn man sie fotografiert.
    Ich persönlich würde mir einen Mittelweg wünschen.

    Gute Streetfotografie ist sehr schwer zu finden. Meistens sind die Bilder belanglos, einfach irgendwelche Menschen fotografiert, weil es die einfachste Methode ist Menschen zu fotografieren. Sie sind weder ein Zeitdokument, noch sagen sie irgendwas aus.

    • Hello Gambajo

      I happen to agree with all of what you say.

      The situation in Denmark is, as far as I know, somewhat better than in Germany. Much of it comes down to finding your own balance both in the themes you shoot and the way you shoot them. And to show people respect. Alway respect.

      As stated in the other comments, New Street Agenda, is first and foremost a training ground. The overall issue with street photography is that not many take it seriously and train for it.

      Thanks for you comment.

      Best regards
      Knut

  4. In einem Wort? Naja. Hier ist eindeutig ein akademischer Autor am Werk, kein Fotograf. Die Fotos sind überbearbeitet und in meinen Augen alle schwach in ihrem Bildaufbau und ihrer Aussagekraft. Kein noch so kräftiger Schwarz-Weiss-Kontrast kann das vertuschen. Der einzige Eindruck der bleibt, ist der eines Elfenbeinturmeinwohners, der eloquent aber akademisch selbstverliebt über ein Thema resumiert zu dem er nichts nennenswertes beiträgt außer leeren Worten. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass die sozialen Medien, die der Autor in seinen Worten als Quelle qualitativer Straßenfotografie schon herabwürdigt, am Ende doch die besseren Bilder liefern als die paar lieblosen 0815 Schnappschüsse die man hier sieht.

    • Hello

      None of the images have been photoshopped apart from crop and adjustment and converted to black and white. And as stated before, New Street Agenda, is a training ground for visual communication in street photography and not necessarily a gallery for the best there is.

      Luck comes later.

      I happen to run several forums on facebook, so I should be familier with the average street photo. It is not impressive but there is a great potential for learning. All of which is facilitated by having an open mind.

      Thanks for you comment.

      Best regards
      Knut

    • Those « 0815-snaps » as you like to call them in boilerplates are anything but « weak »., T.
      These works include lots of common principles of composition, gestalt, balance, juxtaposition, repetition, patterns, golden sections …
      You should take part in the class proposed by the author and think about content … then we may talk again. On pictures.

      • Many thanks, Hauke. I am honoured :-).

        It is not possible for me to load more images to this site but you might visit the English version of the first half of this article. It was published by Leica Camera Blog yesterday. I send them a somewhat different stock of picture and they selected differently.

        Here is the address:
        http://blog.leica-camera.com/photographers/guest-blog-posts/knut-skjaerven-looking-at-street-photography-part-1/

        For me the process is really what matters. If you have a passion for what you doing and you can fit it in to your life overall, that is what really is important.

        Thanks for reading and commenting :-).

        Good evening.

        Best regards
        Knut

      • Thanks for your last comment, Hauke.

        Glad you can use some of the material. Be a bit cautious with it since I make things up as I go along, Many will be of different opinions, I am sure.

        Yes, I know about Adam Marelli but not of the particular article. I will read it. Thanks for sharing.

        Good evening to you :-).

        Best
        Knut

  5. Einer der besten Artikel hier auf meiner Lieblingsseite!!
    Man braucht nur die Überschriften zu nehmen und hat sozusagen einen kleinen Leitfaden in der Hand….Und über den Tellerrand schauen!

  6. Ich finde die Ausführungen etwas sehr weitschweifig. Auch der interessanteste Gedanke bedarf einer gewissen Klarheit und Präzision, um das Interesse des Lesers aufrecht zu erhalten. Ich konnte dem Text nur schwer folgen, was vielleicht auch an der Übersetzung lag. Zweifelsohne ist viel Leidenschaft und Herzblut dabei und das gilt es auf jeden Fall anzuerkennen. Danke für den Artikel und die Bilder.

  7. Guten Abend,

    so „hart“ wie T. sich ausdrückt, würde ich es nicht formulieren. Allerdings kann ich Ihr/Ihm zustimmen.
    Ich verstehe das mit der „New Street Agenda“ auch nicht ganz.

    —Wenn ich neuere Straßenfotografie betrachte, dann fehlt mir diese Eigenschaft oft. Es hat den Anschein, also ob die meisten meinen, wenn sie nur eine Kamera besitzen und den Auslöser auf der Straße betätigen können, dass sie sich Straßenfotograf nennen können. Dem ist leider nicht so. Gute Straßenfotografie entsteht nicht durch das Betätigen des Auslösers, sondern mit den Augen und dem, was sie unterstützt.—

    Was ist den „Gute Straßenfotografie“?

    Es gibt zahlreiche sehr gute Street-Fotografen die ein Auge für Situationen, Humor und Gestaltung haben.
    Als kleine Auswahl zum durchstöbern z.B.
    http://www.streethunters.net/
    http://www.theinspiredeye.net/street-photography/
    http://www.in-public.com/

    Auf flickr finden sich auch sehr gute Gruppen mit, meiner Meinung nach, hervorragenden Fotografen.

    Mich hat der Artikel nicht umgehauen.
    Die einschlägig bekannten Streetphotography Blogger und eBook Verfasser äußern sich zum Thema direkter und authentischer.

    Grüße
    Marc

    • Hello Marc

      Thank you or your intelligent and well formulated comment.

      Of course I exaggerate. Of course there are excellent street photographers and forums that are better than others. Some of them you mention.

      On the whole, however, I am not impressed. I think it was HCB who said that photography has become much too easy. In my opinion that shows.

      What makes a good street photographer? You see it when you meet it.

      In my world you can aspire to be a good street photographer when 1) it shows the you have made an effort; 2) when it show that you have a basic understanding of compositional issues; 3) when you are honest about it and show respect and passion; 4) when you have a portions of talent that you can develop; 5) when you have a sense of humour; 6) when you don’t take yourself overly seriously.

      Secure these things and I would say that you have a good change or make it to something. Quality will take care of itself. As in all other wakes of life.

      The demands you should place on street photography are none other than what I would demand from my dentist or car mechanic. I would not allow them to come near my teeth or my car unless I had a clear understanding that they know what they are doing :-).

      When I look at what passes as street photography on the internet, e.g. on Facebook, I don’t get the impression that many know their craft. Nor have any interest in knowing it. It shows.

      Also, please remember that I am not in any special position here. I am the first student. That is all :-).

      Have a good day. Grüsse aus Copenhagen.

      Best regards
      Knut

    • Hello Andrea

      That is ok Andrea. I am not in a position to make you a great street photographer. Only you are.

      The pictures you see are part of a process, they are sketches that each could express a tiny piece of visual basics. The first two are, as I am sure you see, experiments with gestalt factors.

      Luck comes later :-). When you know what to look for.

      Have a good day.

      Best regards
      Knut

      • hallo….
        …..über die brauchbarkeit des begriffes „new street agenda“ kann mann/frau durchaus unterschiedlicher meinung sein. ich glaube, daß es knut nicht so sehr darum geht, handwerkliches zu vermitteln. das geschieht ja im photographen selber, sich gegenstand und methode der lichtbildnerei anzuverwandeln.
        knut geht es aus meiner sicht um eine in der tat dem grunde nach hoch akademische reflexion von „street photography“ und um denkanstöße, die daraus erfließen (können9:
        bilder, theorien, handwerkszeug für straßenphotographie gibts zuhauf.
        denkanstöße aber kann mann/frau immer brauchen, hier gibts kein limit.
        servus,
        werner

  8. Dear Knut,

    I totally agree with your approach, your vision and your claim. Photography is about seeing and learning, and learn to see. We can learn a lot from Cartier-Bresson and some others. Interaction of people in the public is never old-fashioned, and it will always remain an adventure to discover and explore.

    I also agree that as a photographer we should be humble and stay curious about shy and small moments, instead of looking for the perfect but boring sensation. But there I have a question: who – at the end – will judge whether you are creating some work with x-factor, whether you succeed to capture the raw and chiseled moment in the street?
    I assume that this is a journey which starts where you are and it never ends. How do I know if I am on the way? If I hear the music? Who else will listen to it?

    Cheers, Martin.

    PS
    By the way, Berlin inspired me too, I hope you can hear it! my Berlin diary

    • Hello Martin

      Thank you for this comment. These are very interesting questions. And difficult ones to answer.

      Who will decide if an image has an x-factor or not?

      No one has to decide that because it should be there for you to see. Isn’t an x-factor characterised by just being undefinable? Something you can’t really set words on. Much less define.

      When we talk about photography or art in general we often talk as if the works in objective terms. As they existed as some ding an sich. I am not sure that is correct. Or rather I am sure that it is not correct.

      You are the co-creator of such works. As you are the co-creator of any other work you may encounter in your life. How you perceive them is dependent on what you have to perceive with in terms of knowledge, experience and talent.

      Why training and actively trying to pick other peoples brains works for me, is that it increases my ability to see and then to use. X factors, thus, will vary from person to person and based on the experience and knowledge and sensitivity each have.

      Does this then mean than each individual’s seeing is a good as anyone else? No I don’t think so. If I have a pain in my neck I go to see the doctor for a proper diagnosis (I hope). I don’t ask the layman in the street what he might happen to think of it.

      How do you know when you are on the way? You will know that you are un the way when you don’t have to ask that question :-).

      It is late, so I will leave it here. I might comeback to this thread tomorrow. Because it is interesting.

      Thanks again for discussing this.

      All the best

      Knut

      It will be my pleasure to look at you Berlin inspirations in more length tomorrow.

  9. Hello! With this article they talk out of my soul. A highly readable contribution that makes you think.

    Also, in the description of the town Berlin, I had to smile – it is formulated very aptly. :)

    In addition, I have looked at their street photographs – they are really very expressive and profound.

  10. Hi Knut, I Just discovered your article here at kwerfeldein. I must say that you are very serious with this kind of photography but you don’t lose your humor. Good work and I am looking forward to see you in september.
    Best
    Tilman