Viktorianische Paare
01. April 2015 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Der Mann im Kleid: Ein unaufhaltsamer Trend

Männer sehen in Kleidern einfach wahnsinnig gut aus. Vor allem in figurbetonten Gewändern kommen männliche Hüften besonders gut zur Geltung. Leider hat sich die Mode des kleidtragenden Mannes aus mir unverständlichen Gründen noch nicht so richtig durchgesetzt. Brandheißes Archivmaterial bezeugt:

Kleider können wahnsinnig sexy sein, ob figurbetont, rüschenbesetzt oder rückenfrei, so ziemlich jeder Mann macht in Kleidern eine gute Figur. Daher verstehe ich nicht, warum die kleidertragende Mode nur den Frauen obliegt. Zugegeben, bequem sind sie meistens nicht, die Hüftenquestscher und Busenpresser. Aber was schöner macht, darf gern zwicken.

Kleider waren vor einiger Zeit bei Männern ziemlich hip. König Ludwig XIV. trug stets Kleider und High Heels. Absatzschuhe waren damals im 17. Jahrhundert der allerletzte Schrei. Auch Bauern trugen häufig luftige, kleidhaft anmutende Trachten, denn bei der täglichen, harten Arbeiten musste es vor allem bequem sein.

Viktorianische Paare

Paar 1

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Paar 2

Also frage ich mich ernsthaft, verstört und stirnrunzelnd: Was ist passiert, dass das Kleid aus dem Männerkleiderschrank verschwand? Auf meiner Suche nach einer Antwort recherchierte ich das Bildmaterial der vergangenen Jahrhunderte.

Ich habe alle Bibliotheken durchstöbert und umgekrempelt. Ich war auf Flohmärkten und bei Haushaltsauflösungen. Ich habe Menschen bestochen und gefeilscht, denn solch heikles Bildmaterial wird so hoch gehandelt wie Gold. Tatsächlich wurde ich fündig.

Exklusiv stellen wir Euch hier bei kwerfeldein das weltweit erstmals gezeigte Bildmaterial in Kabinettkartenformat vor. Diese Bilder beweisen: Der Männerkleidertrend ist erst vor wenigen Dekaden populärer gewesen, als man bislang angenommen hat.

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Paar 3

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Paar 4

Ich unterstreiche diesen Fund mit folgenden Worten: Der Mann, der Kleider trägt, liegt eine Nase weiter vorn, genauso wie die Bart tragende Frau. Conchita Wurst, eine Frau, die zu ihrer Bartvorliebe steht, hat es vorgemacht. Nun, liebe Männer, fasst Euch ein Herz, habt Mut und folgt einer Bewegung, die nicht nur bei Euren Enkelkindern voll durchschlagen wird, sondern auch jedes Frauenherz höher schlagen lässt.

Und lieber Leser, bedenke: Der Kleidertrend ist selbst beim Papst angekommen. Der Papst, ein Trendsetter in der Männermode, macht vor, was selbst Karl Lagerfeld und Paul Gaultier nur im Ansatz übernommen haben. In einem weißen Kleid, schlicht gehalten und ohne große Schnörkel, nur mit dem ein oder anderen Kettchen (meist einem dezenten Kreuz) dekoriert, zeigt sich der Papst der Öffentlichkeit und begeistert mit seinem Modebewusstsein und seinem Sinn für Stil die Massen.

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Paar 5

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Paar 6

In anderen Kulturen hat das Tragen von Kleidern von Männern einen wichtigen Stellenwert. Ein Beispiel sind die pazifischen Inseln, in denen der Kleidertausch Bestandteil christlicher Feste ist. Traditionelle japanische Kimonos und afrikanische “Boubous” haben für Männer und Frauen den gleichen Schnitt.

Das Tragen von Kleidern ist nicht nur bequem, sondern erleichtert dem aufgeklärten Mann das Rotieren am Herd und in der Autowerkstatt. Dem letzten Zweifler lege ich den Bestseller „Wie sie in High Heels die Glühbirne auswechseln“ von Camilla Morton ans Herz. Liegt bei mir auf dem Küchenregal neben der Werkzeugkiste.

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Paar 7

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Paar 8

Okay, okay. Ich muss ehrlich mit Euch sein. Um Euch den ersten April ein wenig zu versüßen, habe ich ein bisschen getrickst. Die Paare sind nicht wirklich echt. Aber schließlich ist heute der erste April. Die Idee zum Tausch der Kleider hatte ich durch verschiedene Bildrecherchen und Studien zur Semiotik der Kleidung. Den Hintergrund dazu möchte ich Euch gern kurz erläutern.

Fotografie manifestiert Konzepte von Identität. Fotografische Abbilder sind nicht immer, aber häufig stereotyp. Männer werden oft mit vermeintlich typisch männlichen Gesten portraitiert, während Frauen eher einen fragilen, zerbrechlichen Habitus einnehmen. Besonders deutlich sieht man dies anhand stereotyper Abbildungen innerhalb der Aktfotografie.

Viktorianische Paare

Paar 9

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Paar 10

Männer und Frauen wirken in anderen Gewändern und mit anderen Haltungen anders. Dies wird anhand der hier gezeigten Bilder deutlich. Die abgebildeten Frauen wirken wesentlich selbstbewusster und willensstärker im Anzug, während die Männer in Sitzposition eher eine untergeordnete in der Paarkonstellation einnehmen.

Mir ging es bei diesem Projekt also darum, kulturell tradierte und unzureichend reflektierte Abbildungen von Frauen und Männern mit dem Mittel der Ironie zu hinterfragen. Und tatsächlich halte ich es gar nicht für so unwahrscheinlich, dass Männer in naher Zukunft auch Kleider tragen (können).

Viktorianische Paare

Paar 11

Viktorianische Paare

Paar 12

Dass dieser Aprilartikel zwar humorvoll gemeint, aber der Hintergrund ein bisschen ernst ist, zeigen zwei Fälle aus dem Iran und New York.

Nun kommt aber der Clou, den ich Euch bis zum Schluss vorenthalten habe. Achtung: Einige der Paare sind echt! Ich bin auf diese Aufnahmen während meiner Recherchen gestoßen. Und habe mich darüber sehr gefreut, denn diese Bilder zeigen, dass unsere Vorfahren mutig und humorvoll waren.

Viktorianische Paare

Paar 13

Viktorianische Paare

Paar 14

Wer findet heraus, welche Paare schon früh Sinn für Humor und Stil bewiesen haben? Bei welchen Paaren habe ich geschummelt? Eure Tipps könnte Ihr gern mit Angabe der Nummer (steht unter dem Bild) im Kommentarfeld abgeben. Die Auflösung erfolgt morgen früh.

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9 Kommentare

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  1. Ich weiß leider gerade nicht genau wann, aber vor 100 bis 200 Jahre ungefähr war es auch völlig normal männliche Kinder in Kleider zu stecken. Völliger Standard damals. Es gibt sogar Bilder von Abraham Lincoln im Kleid – Und damals war die Fotografie wirklich(!) noch jung!

    Achja: Wiedermal ein super Beitrag, hat Spaß gemacht!