14. Februar 2015 Lesezeit: ~5 Minuten

Testbericht: Fuji X-T1 mit Fujinon XF 23 mm

Letztes Jahr kam ich zur Photokina mit dem festen Entschluss, mich über die verschiedenen spiegellosen Systeme zu informieren. Schon lange geht mir das Schleppen einer kompletten DSLR-Ausrüstung auf die Nerven, auch das „Klack“ eines Spiegelschlags empfinde ich als sehr laut und störend.

Nach einigen Tages des Ausprobierens fiel meine Wahl auf eine Fuji X-T1. Ausschlaggebend dafür waren die Haptik, die manuellen Einstellmöglichkeiten und natürlich die Bildqualität. Hinzu kommen die zahlreichen Festbrennweiten im Sortiment von Fujifilm, denen man großartige optische Eigenschaften zuspricht.

Eine Frau posiert vor einer Tür

Fujinon XF 23 mm, ISO 80, Blende f/1.4, Belichtungszeit 1/125 s

Ich bekam zwei dieser Festbrennweiten für zwei Wochen zum Testen: Einmal das Fujinon XF 27 mm f/2.8 und das Fujinon XF 23 mm f/1.4 R. Beim Auspacken war schnell klar, dass das XF 27 sehr viel kleiner und leichter ist, ein Pancake eben. Es macht die Kamera schön leicht und weiß auch optisch zu überzeugen.

Allerdings ist das Manko die Lichtstärke, f/2.8 sind mir zu wenig, ich benötige oft Blendenwerte darunter. Ein weiteres Manko ist der fehlende Blendenring, die Blende wird direkt an der Kamera einstellt. Für mich persönlich nicht das Richtige, weshalb ich mich bei meinem Test auf das XF 23 beschränkte.

Das Objektiv ist wesentlich größer und schwerer, fühlt sich insgesamt wertiger an. Der Blendenring ist leichtgängig und kann sehr exakt einstellt werden. Mit der Sonnenblende drauf hat man eine Gesamtlänge von circa 15 cm, klein und unauffällig ist man damit nicht mehr. In Kombination mit der X-T1 spielt das Objektiv dann seine Stärken aus.

Ein Wiese voller Frost und Nebel

Fujinon XF 23 mm, ISO 1250, Blende f/2.8, Belichtungszeit 1/125 s

Durch den Cropfaktor entspricht es einer Brennweite von 35 mm an Vollformat. Diese ist typisch für die Straßenfotografie und mit der Lichtstärke von f/1.4 eignet es sich auch für lichtschwache Situationen sehr gut. Mich hat besonders die Abbildungsleistung beeindruckt: Bereits bei Offenblende ist das Bild scharf, von anderen Herstellern bin ich anderes gewohnt.

In Kombination mit der X-T1 ist es damit das perfekte Objektiv für Gegenlichtaufnahmen, speziell bei tief stehender Sonne. Ich setze diese Brennweite sehr gern für die Portraitfotografie ein, ich mag diesen speziellen Bildlook, der dabei entsteht. Es ist sicher keine typische Brennweite für die Menschenfotografie, in Kombination mit einem 50er und einem 85er aber die perfekte Ergänzung.

Eine Frau vor Garagentüren.

Fujinon XF 23 mm, ISO 200, Blende f/2.0, Belichtungszeit 1/500 s

Der Autofokus ist laut Herstellerangabe der schnellste der Welt, das ist jedoch reines Marketing. Er fokussiert ausreichend schnell, liegt jedoch ab und zu auch daneben. Aufgrund der großen Messfelder kann es passieren, dass der Hintergrund scharf ist, das Motiv jedoch nicht. Dies hält sich jedoch im Rahmen und ist zu verschmerzen.

Bei Gegenlicht ist der Autofokus sehr treffsicher und man erhält ein sehr schönes Bokeh. Der ISO-Bereich fängt bei 200 an und geht bis 51200, nutzbar auf jeden Fall bis 6400. Überhaupt hat die Kamera eine sehr gute Bildqualität. Eines der Highlights ist sicher die digitale Filmsimulation, das konnten Fuji-Kameras bereits in der Vergangenheit.

Frauenportrait im Gegenlicht

Fujinon XF 23 mm, ISO 200, Blende f/2.8, Belichtungszeit 1/250 s

Mit der Fuji habe ich für mich die Fotografie neu entdeckt. Ich hatte zuerst einige Vorbehalte: Elektronischer Sucher, Klappdisplay etc. Das waren alles Dinge, mit denen ich mich nicht anfreunden konnte oder wollte. Jedoch sind es jetzt gerade diese beiden Features, die mir am meisten Spaß machen. Das „Überkopf-Knipsen“ auf Veranstaltungen gelingt mit dem Klappdisplay nun wesentlich besser und der elektronische Sucher ist so schnell wie der optische.

Ein großer Vorteil ist dabei auch, dass man die korrekte Belichtung und das fertige Bild durch den Sucher bereits erkennen kann, der künstliche Horizont hilft beim Bildaufbau und noch vieles andere. Die Informationsfülle ist enorm, ich nehme mir dadurch mehr Zeit für die Bildgestaltung. Die Fuji ist eine ruhige Kamera, diese Bezeichnung trifft es wohl am besten.

Tümpel zwischen Häusern.

Fujinon XF 23 mm, ISO 2000, Blende f/1.6, Belichtungszeit 1/125 s

Für Sportfotografen ist sie aufgrund des Autofokus weniger geeignet, langsamen Objekten kann man jedoch ohne Probleme folgen. Die Auflösung von 16 Megapixel finde ich persönlich mehr als ausreichend für die meisten Aufgaben.

Trotz aller positiven Merkmale werde ich meine Spiegelreflexkamera nicht an den Nagel hängen. Jedes System hat Vor- und Nachteile und mit beiden Systemen zu arbeiten finde ich perfekt. Im Studio und auf Veranstaltungen mag ich die Spiegelreflexkamera nicht missen, aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann in Zukunft.

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