Ein Sänger steht im Rampenlicht.
16. Dezember 2014 Lesezeit ~ 7 Minuten

Zurück zur ersten Liebe

Der 1. April 2009 war in meinem Leben ein wegweisendes Datum. Es war der Tag, an dem ich mich entschieden hatte, in die berufliche Fotografie einzusteigen. Ungefähr drei Jahre lange hatte ich zuvor einigermaßen ernsthaft so gut wie alles und jeden um mich herum fotografiert – oder es zumindest versucht.

Dann kam die Anfrage von zwei guten Freunden, ob ich nicht ihre Hochzeit fotografieren möchte. Sie hatten meine Reportage-Fotos von verschiedenen Veranstaltungen auf unserem Campus gesehen und wollten mich als Hochzeitsfotografen buchen.

Was für eine große Ehre! Mich machte die Anfrage zuerst glücklich, dann nachdenklich. Sind meine Fotos wirklich schon so gut, dass Leute mich zum Fotografieren buchen wollen? Bin ich soweit, für Fotos Geld zu nehmen?

Ich war kein Typ für halbe Sachen. Ich wollte ein 100%-Mensch sein. Damals war der Perfektionist in mir noch sehr stark. Wenn ich etwas machte, dann wollte ich es richtig machen. Und so blieb mir nur die Entscheidung: Entweder Du startest jetzt was in Richtung Fotografie oder Du lässt es ganz sein. Ein Dazwischen gab es für mich nicht.

An diesem Tag meldete ich also mein eigenes Gewerbe an. Ich wollte in die Selbstständigkeit starten. Was zunächst nebenberuflich begann, entwickelte sich durch einige berufliche Umwälzungen und nicht zuletzt eine gute Auftragslage im Spätherbst 2010 zu meinem Hauptberuf. Ab November 2010 war ich Berufsfotograf.

Jetzt steht das Jahr 2014 kurz vor seinem Ende. Die Adventszeit hat begonnen, die Zeit der Besinnung. Besinnen tue ich mich aber bereits seit ungefähr drei Monaten. Ich bin mittlerweile Vater geworden und habe im Herbst letzten Jahres eine Teilzeit-Stelle in meinem alten Beruf angenommen.

Bäume, ein Flugzeug und ein Vogel.

Mein Leben beginnt, sich zu verändern und mit der Geburt unserer Tochter ist mir noch einmal neu klar geworden, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Ich werde zum Jahresende aus der Berufsfotografie wieder aussteigen.

Wer sich selbstständig macht, geht ein hohes Risiko ein. Und er muss einige Charaktereigenschaften mitbringen oder entwickeln, wenn er wirklich finanziell erfolgreich sein will – denn darum geht es letztendlich in der beruflichen Fotografie.

Ich habe den Eindruck, dass seit einigen Jahren die Fotografen (neben- oder hauptberuflich) wie Pilze aus dem Boden schießen. Allein aus meinem Bekanntenkreis haben sich in den letzten zwei Jahren fünf Personen fotografisch selbstständig gemacht.

Geht ja auch ganz einfach: Man nimmt seinen Namen, setzt ein „Fotografie“ oder „Photography“ dahinter und erstellt eine Facebook-Seite, eine Webseite und/oder einen Account bei einer gängigen Fotoplattform.

Doch ich behaupte, dass die wenigstens wissen, was es bedeutet, sich selbstständig zu machen, wenn sie anfangen. Deswegen hoffe ich, dass meine Ausstiegsgründe aus der Berufsfotografie manchen die Augen öffnen.

1. Ich bin kein Verkäufer

Was mich mit am meisten genervt hat an der beruflichen Fotografie, war das Sich-verkaufen-Müssen. Du stehst permanent mit Deiner Person und mit Deinen Fotos in aller Öffentlichkeit und musst Dich bzw. Deine Fotos irgendwie an den Mann bringen.

Warum bist Du ein_e bessere_r Fotograf_in als andere, die das Gleiche anbieten? Warum sollen Menschen genau Dich buchen? Natürlich ist mir bewusst, dass es verschiedene Wege gibt, sich zu verkaufen.

Eine Kirche im Fluchtpunkt der Straße.

Manche verkaufen sich marktschreierisch, manche sind einfach über Jahre sehr fleißig und andere haben einfach nur Glück. Sie treffen die richtigen Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe über die Jahre gemerkt, dass ich in diese „Rolle“ des Verkäufers nicht passe. Deswegen bin ich doch nicht Fotograf geworden?!

Damit ich mich selbst permanent irgendwie anpreise, anschließend irgendwelche Kunden meine Fotos bewerten und mir dann dafür Geld geben, dass ich genau das gemacht habe, was sie wollten? In der Masterclass bei Steffen „Stilpirat“ Böttcher, die ich im Frühjahr 2013 besuchte, lernte ich, dass es auch anders geht.

Diese „Persönlichkeitsschulung“ hat mir damals die Augen geöffnet. Und sie hatte große Auswirkungen auf meine Entscheidung heute, mit der ganzen Sache aufzuhören. Genau das, was wir dort lernten – nämlich, dass Fotografie zu 75% aus Psychologie im Kontakt mit den Kunden besteht – hat mir gezeigt, was ich nicht gut kann.

Hätte ich diese Masterclass doch vor meiner Selbstständigkeit besucht. Es wäre sicher einiges anders gelaufen.

2. Ich kann nicht kalkulieren

Wer beruflich fotografiert, muss Preise machen. Ich hatte am Anfang keine Ahnung davon. Die ersten zwei Jahre habe ich für unterirdische Preise gearbeitet. Meine Hochzeitsreportage (ganztägig) kostete damals wenige hundert Euro.

Inklusive allem. Erst als ich gemerkt habe, dass man von diesen Preisen nicht leben kann und dass meine Fotos qualitativ viel besser waren, erhöhte ich sie. Teilweise um 100 oder mehr Prozent im darauffolgenden Jahr.

Ein Elch im Wald.

Leider hatte ich da schon einen „falschen“ Kundenkreis aufgebaut, nämlich hauptsächlich gemeinnützige Vereine und Kunden, die auf der Suche nach einem „günstigen“ Fotografen waren. Jetzt den Kundenkreis komplett zu wechseln, war sehr schwierig und ich habe es bis heute nicht richtig hinbekommen.

Es ist ein Wunder (und ich danke Gott dafür), dass ich in der Zwischenzeit nicht insolvent gegangen bin. Meine anfangs zu niedrigen Preise sind auch dafür verantwortlich, dass ich bis heute noch nicht das Equipment habe, was ich eigentlich zum Fotografieren immer haben wollte.

Wenn ich hier aufzählen würde, womit ich heute teilweise noch arbeite, werden mich einige Berufsfotografen sicherlich belächeln. Aber das ist mir egal. Ich habe gelernt, damit zufrieden zu sein, dass ich nicht die neueste Technik und die besten Objektive habe.

Ich bewundere Berufsfotografen, die einfach nur „ihr Ding“ durchziehen und anscheinend (von außen wahrnehmbar) nur die Projekte machen, auf die sie wirklich Bock haben. Ich habe großen Respekt für alle, die ihre Bildsprache gefunden haben, die sich durch alle ihre Fotos zieht.

Und ich bin irritiert über alle, die anscheinend mit den größten Scheißfotos (subjektiv, ich weiß!) in der Lage sind, soviel Geld zu verdienen, dass sie davon gut leben können.

Ich habe nach fast fünf Jahren beruflicher Fotografie entdeckt, dass ich das alles nicht will. Hätte ich es doch mal vorher entdeckt – vieles wäre mir erspart geblieben. Ich bin schlecht darin, mich für meinen eigenen künstlerischen Ausdruck gegen fixe Kundenideen durchzusetzen.

Eine Frau läuft dem Sonnenuntergang entgegen.

3. Ich will eigentlich etwas ganz anderes

Ich brauche noch einige Zeit, um meine Bildsprache zu finden. Und ich will eigentlich nur Fotos und Projekte machen, die mir selbst gefallen. Ich habe mich jahrelang verbogen – aus dem Gedanken und der Angst heraus, mit meinen Fotos genügend Geld verdienen zu müssen, dass ich davon meine Familie ernähren kann. Aber eigentlich will ich etwas anderes.

Ich will ohne Druck fotografieren. Ich will Fotos machen, die ich mir aufgrund ihrer Ästhetik und persönlichen Bedeutung selbst an die Wand hängen würde.

Und ich bin von Technik fasziniert. Letzteres war der eigentliche Grund, warum ich vor ca. 13 Jahren zum ersten Mal eine digitale Kamera in die Hand genommen habe. Nennt mich einen selbstbezogenen Technik-Nerd. Aber zur Zeit fühle ich mich so „selbst-bewusst“ wie schon seit Jahren nicht mehr.

Vermutlich ist alles, was ich will, auch mit der beruflichen Fotografie möglich. Ich kann es aber nicht. Vielleicht in ein paar Jahren mit deutlich mehr Coaching und Mentoring. Aber in der Zwischenzeit will ich meine Familie ernähren und für die Zukunft vorsorgen.

Deswegen wechsle ich in meinen alten Beruf – für den ich nach wie vor viel Leidenschaft habe, die jahrelang unter der Oberfläche geschlummert hat. Mein Appell an alle, die gerade in die fotografische Selbstständigkeit starten wollen, lautet: Überlegt Euch lange und genau, was Ihr eigentlich wollt und könnt.

Und zwar bevor Ihr in die berufliche Fotografie einsteigt. Und wenn Ihr zu einem Ergebnis kommt: Folgt Eurem Herzen. Macht nichts aus Angst oder Druck. Ein anderer Weg ist immer möglich. Es geht weiter – auch für mich. Nur anders.

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200 Kommentare

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  1. Schöner Artikel / Bericht.
    Großen Respekt, dass du dir das alles so eingestehst und in diesem Fall dann die richtige Entscheidung!
    Viele denken halt, wenn man als Fotograf selbstständig ist, fotografiert man den ganzen Tag nur.
    Dass dies nicht so ist, habe ich auch schon letztens in einem Gastartikel auf Fotografr geschrieben: http://www.fotografr.de/19470/vom-projektmanager-im-konzern-zum-selbstaendigen-fotografen/

    Ich wünsche dir & deiner Familie für die Zukunft alles Gute! Und natürlich tolle Bilder, mit denen DU glücklich bist!

    LG
    Florian

  2. Ein “Gefällt mir” hier zu drücken fällt schwer, weil es schnell missverstanden werden kann. Was mir gefällt ist Deine Sicht auf Deine Erkenntnisse aus den Reflexionen und Erfahrungen die Du gezogen hast. Dennoch, denkst Du nicht, dass man die Mankos beheben könnte? Verkaufen kann man lernen! Wünsche Dir viel Erfolg bei allem was Du weiter in Angriff nimmst.

  3. Hi Sam, du wechselst also von der B-Fotografie in die A-Lieger – die Alles-was-mir-Spaß-macht-Fotografie. Mutiger Schritt, den ich nachvollziehen kann.
    Nur einen der letzten Sätze kann ich nicht ganz unterstreichen. Ich glaube, manchmal überlegen wir auch einfach zu viel bevor wir einfach was ausprobieren. Denn oftmals ist es eben das Durchleben von einer Situation, wo wir rückblickend dann “die Wahrheit” erkennen.

    LG und vielleicht sieht man sich demnächst bei einem gemeinsamen Alles-was-mir-Spaß-macht-Projekt wieder.

    Nathanael

  4. Hi Samuel,

    auch mich bestärkt dieser Artikel darin mein Hobby weiter als Hobby zu betreiben. Leider fehlt mir aber aufgrund von Beruf und Familie mir die gewisse Zeit die ich gerne dazu hätte es intensiver auszuleben. Der Beruf zum Familie ernähren und die Familie sind eben essentiel sehr wichtig Punkte in meinem Leben.

    Ich hatte schon einige male die Möglichkeit die ein oder andere Hochzeit zu fotografieren, jedoch hab ich mich nie daran getraut, da gerade eine Hochzeit für mich etwas ganz besonderes ist und diesen besonderen Moment lässt sich zwischen zwei Menschen nicht so einfach wiederholen. Das ist ein Punkt da sollten wirkliche profis ran und nicht jeder dahergelaufene der gerade mal ne Kamera gerade halten kann.

    Ich wünsche Dir viel Glück und zufriedenheit in deinem neuen (alten) Leben

  5. Ein guter Artikel, und ein nachvollziehbarer Grund. Danke für den Einblick und ich wünsche dir, dass du trotzdem aus dieser Zeit das Beste mitnimmst.
    Es sind die “Misserfolge”, an denen man den Charakter eines Menschen erkennt, und sich diese einzugestehen ist sehr wichtig.

  6. Spannend, wie wir alle die ruhige Zeit zum Reflektieren nutzen. Sicher ist es nochmal anders, wenn man gerade Vater geworden ist. Aber die Gedanken zum Thema “Bin ich ein Verkäufer?” und zu niedrigen Preisen, kenne ich auch (tatsächlich habe ich gerade gestern dazu ein paar Gedanken aufgeschrieben). Ich habe nun gut 10 Jahre durchgehalten und sehe immer noch andere, die besser verkaufen. Aber man lernt mit der Zeit, seinen eigenen Weg zu finden, ohne sich verbiegen zu müssen. Und wenn der bei dir nun darüber führt, dass man einen Job an nimmt, finde ich das auch ok. Es ist kein Schritt zurück, sondern ein anderer nach vorne. Du bist ja nicht mehr derselbe und nimmst deine Erfahrungen mit. Das wird sicher ganz neue Möglichkeiten geben.
    Ich wünsche dir weiter viel Freude, beim Fotografieren, Leben, Lernen.

  7. Vielen Dank, ein sehr ehrlicher und reflektierter Artikel!
    Ich kann sehr gut nachempfinden wie es dir geht oder gegangen ist. Betrachte ich deine Fotos, begegne ich einer sehr sanften und emotionalen Bildsprache, die mich persönlich beeindruckt.
    Die gemeine Fotoszene ist im Vergleich dazu gerade das Gegenteil. Laut und Protzerisch. Sich da zu positionieren fällt mir auch schwer, wobei ich denke, dass es einige Fotografen gibt die vorgemacht haben, dass es hierfür einen Markt gibt. Viele Grüße!

  8. Guter Artikel!

    Ich denke oft, dass ich froh bin die Fotografie tatsächlich nur nebenher betreiben zu können. Nicht weniger engagiert oder begeistert, aber unabhängig vom (wirtschaftlichen) Erfolg. So bleibt Raum die Sachen zu machen, die ich gerne mache ohne darauf schielen zu müssen, ob sich das rechnet. Ich habe viele Kontakte zu Berufsfotografen und beneide diese nur manchmal. Oft denke ich aber, wie groß der Konkurrenzdruck ist und wie langweilig es auch ist, wenn man im Bereich der “Dienstleistungsfotografie” immer wieder die selben Sachen fotografieren muss … .

    Respekt auch für die Entscheidung, einen einmal eingeschlagenen Weg zu verlassen!

  9. Respekt, lieber Samuel, Respekt!
    Ein wirklich lesenswerter, ehrlicher Blogeintrag, der sehr viel Wahrheit und in so kurzer Zeit auch Erfahrung enthält.
    Zwar vermisse ich ein wenig den Druck, die Zweifel, die während der Zeit nagen, und vielleicht auch die Selbstbestätigung, die man trotz allem während der Jahre bekommt. Aber den Aspekt, dass eine Existenz in der beruflichen Fotografie nur zu einem geringen Teil die wirkliche Fotografie ist, kann man deutlicher kaum machen.

    Aber wer so gut abrechnet wie Du , wird seinen Weg gehen, egal ob hier oder dort. Manchmal halt mit Umwegen. Viel Erfolg in Deiner beruflichen und privaten Zukunft!

  10. Hallo Samuel,

    du schreibst etwas von deinem künstlerischen Ausdruck. Das gefällt mir. Sieh deine Fotografie als Kunst und nicht als Job. Dann fühlt sie sich viel besser an und du brauchst dich nicht zu verbiegen. Deine Entscheidung, aus der Berufsfotografie auszusteigen, kann ich gut nachvollziehen. Vergleichbar ist es vermutlich mit einem Musiker, der für sein tägliches Brötchen Musik spielen muss, die er vielleicht gar nicht im Herzen hat bzw. die nicht das ausdrückt, was er eigentlich fühlt. Dann doch lieber einen Job, der die Familie ernährt, und die Leidenschaft als Kunst betreiben.

    Viel Glück auf dem Weg! Von einer, die Fotografie als wunderbare, künstlerische Ausdrucksweise sieht. ;)

  11. « Wenn ich hier aufzählen würde, womit ich heute teilweise noch arbeite, werden mich einige Berufsfotografen sicherlich belächeln. »

    Auf der Zunge zergehen lassen. Ganz genüsslich. Diese « Aussage » kommt für mich aus der Richtung « Haben ist besser als brauchen. » Einer der schwachsinnigsten Sätze, den ich in den vergangenen Jahren irgendwo mitbekommen habe. Es gehört mit zur Kalkulation, das Zeug zu benutzen, mit dem ein Job erledigt werden kann. Brandneu erscheinendes muss (für mich) auch eine deutliche Arbeitserleichterung bringen. Oder ich hab die Mücken einfach über und sag « mir doch egal, jetzt ».

    Viel wichtiger finde ich den – so oft gnadenlos unterschätzten – Punkt, dass die Fotografie als bzw. zum Lebensunterhalt in den Anfangszeiten zu (mindestens) 75% aus administrativen Aufgaben und des « Selbstverkaufes » besteht. Eher 90:10. Wem das nicht liegt, oder wer nicht bereit ist, diesen Weg auf sich zu nehmen, der sollte es lassen. Auch wenn es schmerzt. Von daher : Chapeau, das hier darzulegen. Viel Glück auf dem weiteren Weg. Und vor allem viel Spass beim Fotografieren.

  12. Lieber Samuel,

    du hast fast alle Eigenschaften aufgezählt, die für Fotografen wichtig sind und ich denke nicht, dass du mit deiner Erkenntnis alleine bist. Vielen ist vor ihrer Entscheidung zum Berufsfotografen nicht bewusst, was eigentlich dazu gehört. Aber eben das ist auch wieder bei jedem anders. Denn viele der Eigenschaften fallen dem Einen leichter und dem Anderen schwerer. Die Einen können die Soft-Skills so, die anderen müssen sie mühsam lernen. Letztlich ist es also wichtig es zu probieren und dann erst die Entscheidung zu treffen. Wir müssen alles im Leben probieren, was uns interessiert. Das fängt beim Essen an und hört bei der Berufswahl auf.

    Insofern freue ich mich für dich, dass du diese Entscheidung nun treffen kannst. Und an deiner Stelle wäre ich nicht traurig, denn nichts ist umsonst und vor allem nicht endgültig. Du hast Erfahrungen gemacht, die dich jetzt weiter bringen werden. Und wer weiß – vielleicht kommst du ja in ein paar Jahren mit mehr Weisheit wieder zurück und rockst die Branche.

    Eines ist jedenfalls sicher: Du wirst jetzt kein schlechterer Fotograf. Insofern alles super! :-)

    Viele Grüße
    Daniel

  13. Hallo Samuel,
    jeder muss für sich entscheiden, was ihm “gut” tut und ich denke diese Entscheidung hast Du für Dich getroffen und das finde ich an Deinem Text das BESTE daran!!
    Du hast Dich wahrgenommen und es umgesetzt und dafür ziehe ich meinen Hut.
    Mir fällt es auch auf, das sich jeder oder besser viele oder sogar zu viele sich selbständig machen.
    Blauäugig ohne zu Wissen welche Kosten auch ein Fotograf monatlich tragen muss.
    Und andere wiederum, die einen Job haben – ganztags – und trotzdem noch Fotografie für “Kunden” machen und somit auch viele Kunden den Haupt-Berufs-Fotografen weg nehmen. Weil sie es sich leisten können, es günstiger zu machen. Aber das ist nur ein Thema am Rande !
    Ich wünsche Dir trotzdem viel Glück und Mut und vielleicht wagst Du den Schritt in ein paar Jahren noch einmal, aber vernünftiger, kalkulierter… Wer weiss, meine beste Freundin hat die erste Selbständigkeit auch nicht gepackt – burn out, – pleite etc. ganze Programm. Danach Festanstellung und jetzt ist sie aber seit 3 Jahren erfolgreich selbständig -glücklich damit und macht die Fehler von früher nicht mehr.
    Alles Gute! Tanja

  14. Das ist das Problem der Selbständigkeit an sich, und ist nicht nur auf den Beruf des Fotografen bezogen. Ich war (und bin’ nebenberuflich immer noch) allerdings in der IT-Branche. Da gibt es ein paar andere Mechanismen aber letztendlich läuft es ähnlich ab. Wenn man den Mainstream als Freelancer bedient kann man oder durch niedrige Preise oder andere Zugeständnisse überleben oder man sucht sich eine lukrative Nische aus – wenn man die gefunden hat, hat man ausgesorgt.

    Aber es ist nicht so, dass das Selbständigendasein keine Vorteile hätte:
    * Man verdient in den meisten Fällen mehr Geld als ein Angestellter
    * Man ist in seiner Zeitgestaltung flexibler (ich mag gerne am Abend, manchmal bis 1-2 Uhr Nachts arbieten, nachmittags ist bei mir Flaute).
    * Man bekommt das Equipment zur Hälfte durch Steuerrückerstattungen finanziert. Bei geschickter Handlungsweise auch andere Dinge, z.B. Kfz, Schulungen etc.
    Dem stehen natürlich auch Nachteile gegenüber:
    * Der größte: die Sorgen um Morgen
    * Man muss deutlich mehr arbeiten als ein Angestellter; auch viele Sachen, die nicht direkt zu dem Beruf gehören, wie Finanzen, Akquise, Rechtliches gehören dazu

  15. Hallo Samuel,

    du sprichst mir teilweise aus dem Herzen.
    Wenn man nicht unbedingt durch Fotografie seinen Unterhalt erwirtschaften muss, ist die Freiheit der Hobbyfotografie doch ein Juwel. Man kann selbst Projekte entwickeln, wie man sie sich vorstellt – keine Zwänge, denen man sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu unterwerfen hat. Diese Freiheit öffnet einem doch mehr die Tür in den künstlerischen Bereich. Man kann seinen Stil entwickeln, auch wenn dieser vielleicht bewusst “kein” Stil ist.

    Kürzlich wartete ich beim Kamera-Service auf den nächsten freien Platz. Vor mir war ein Profi dran, der gerade zwei der teuersten Modelle des entsprechenden Herstellers vor Ort ließ. Er war ständig am “Kunden-Handy” und konnte sich kaum in Ruhe mit dem Servicemitarbeiter verständigen. Seine Auftragslage ist sicher bestens, aber als Mensch empfand ich ihn völlig gestresst und irgendwie im Sog des Jobs verschlungen. Diese Hektik setzte sich kurz danach fort, denn er “jagte” mit seinem Auto davon. Feierabend ist dann meist keine Zeitfrage.

    Mein einziger Gedanke war, dass ich nicht mit ihm tauschen möchte und er nicht zu beneiden ist. Gerade wenn man kleinere Kinder hat (ich habe zwei), ist die versäumte Zeit mit ihnen nicht nachholbar.

    Ich kann deine Entscheidung verstehen und finde sie in deinem Fall auch richtig.
    Wer die Fotografie als Unternehmer mit all seinen Konsequenzen betreibt, erhält ebenfalls meinen Respekt. Es ist kein leichtes Brot im Zeitalter der Massenfotografie.

    Martin

  16. Du liebst Deine kleine Familie und hast Dich für diese entschieden … das ist toll. Einer meiner alten Lehrer sagte einmal zu mir: ich finde es gut und richtig das Du diesen Schritt für dich machst. Du kannst immer sagen du hast es versucht und wirst dich nicht ärgern es nie versucht zu haben … egal wie es ausgehen wird. Diese Worte begleiten mich noch heute erfolgreich durch mein leben.

    Liebe Grüsse … DerWolle

  17. Sehr gute Entscheidung. Ich genieße es auch die Fotografie frei vom Stress und von Geld zu halten. Das bedeutet aber nicht das ich kleinere Aufträge ausschlage – so sie an mich herangetragen werden. Ich gehe einen Zwischenweg… und dabei nehme ich mir auch die Freiheit Aufträge abzulehnen. Am Ende kann ich mit dem erwirtschafteten Geld das bisschen Equipment finanzieren das ich benötige, und fühle mich dennoch frei. Das ist derzeit für mich die Beste Lösung.

  18. Toll, das du das so für dich entschieden hast. “Folge deinem Herzen” ist der einzig richtige Weg und wir Selbständigen wissen, wie schwer es ist, sich treu zu bleiben. Und das mit dem “Selbst vermarkten” geht mir auch dermaßen auf den Geist. Danke für die ehrlichen Worte und “good luck” auf deinem Weg ! Lg Steffi

  19. Ich mach das Nebenberuflich, und ich kann ganz gut nachvollziehen wie es dir geht. Ich selbst wollte das auch erst an den Nagel hängen, weil der Spaß auf der Strecke bleibt. Aber genau deshalb, weil ich es Nebenberuflich mache, bleibt mir die Freiheit zu entscheiden welchen Weg ich gehe. Und da mir nun auch klar ist welchen Weg ich gehen will, werde ich auch nicht davon abkommen. Ob damit Erfolg kommt oder nicht, wird sich zeigen, aber wenn ich nicht mit mir selbst zufrieden bin und mit dem was ich tue, dann werden meine Fotos das widerspiegeln. Und genau das will ich nicht. Sie sollen zeigen das es mir Spaß macht.

  20. Danke für diesen Blog-Beitrag. Ich kann diesen nur zu 100% unterschreiben. Und es passt nicht nur auf Fotografen. Viele andere (freie) Berufe könnten mit deinem Beitrag gemeint ein…

    Eines möchte ich noch hinzufügen: Leider gibt es in Deutschland immer noch das Vorurteil, dass wer aus einer Selbständigkeit eine Festanstellung sucht, der hätte versagt – dessen “G’schäfft ging nicht” … und er quasi wird stigmatisiert. Völlig zu unrecht…eine solche Einstellung finde ich sehr schade…

    Dir alles Gute! Und danke nochmals – und hey, weiterhin viel Spaß beim Fotografieren :)

  21. Lieber Samuel,

    danke für diesen ehrlichen und offenen Bericht!

    Ich habe einige Erfahrungen schon ähnlich erlebt und bin aktuell zwar am Studieren – aber immer wieder, wenn mich die Klausurenphase mal wieder richtig nervt, denke ich an die Zeit meines wunderschönen Fotostudios zurück und frage mich, ob das nicht der schönere und bessere Weg wäre… Es fällt dann gar nicht so leicht, daran zu denken, warum man diesen Weg nicht weiter gegangen ist.

    Aber auch ich fühlte mich damals einfach nur noch unter Druck gesetzt, meine Kreativität ging gen Null und von Weiterentwicklung war nur zu Träumen. Nachdem das Studio aber aufgrund einer Trennung aufgelöst werden musste, fing meine fotografische Weiterentwicklung erst richtig an. Ich fühle mich aber noch immer nicht an dem Punkt, an dem ich sein will. Nicht zuletzt, weil das Studium natürlich auch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

    Deine Worte werden mir sicherlich sehr sehr lange im Hinterkopf bleiben :) Danke dafür :)

    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute :)

    Liebe Grüße
    Julika

  22. Hey.

    Ich lese diesen Text und denke mir. Habe ich mich richtig entschieden? Habe ich die richtige Wahl getroffen? Ich habe meinen Job gekündigt und werde mich ab April nächsten Jahres nur noch mit Fotografie über Wasser halten. Ich habe aber gemerkt dass mein aktueller Beruf mich nicht mehr so glücklich macht.

    Ich möchte meinen eigenen Traum leben, und nicht den eines anderen.

    Ich wünsche dir viel Erfolg und eine schöne Zeit mit deiner Familie.

    • Boris, ein Beispiel kann man nicht verallgemeinern. Vielleicht kannst du z.B. im Bereich Preiskalkulation etwas von Samuel lernen und vermeidest dadurch einige Fehler zu Anfang. Dafür kannst du dann neue/eigene Fehler machen :-) Das gehört dazu.
      Und: Du musst nicht alles alleine ausprobieren oder wissen. Sprich mit Kollegen, die das schon länger machen (und reflektiere, was davon für dich hilfreich ist). Auch ich habe mich zu Beginn meiner Selbstständigkeit coachen lassen.
      Ich wünsche dir viel Erfolg! Und Spaß!

  23. Du schreibst “Ich habe nach fast fünf Jahren beruflicher Fotografie entdeckt, dass ich das alles nicht will. Hätte ich es doch mal vorher entdeckt – vieles wäre mir erspart geblieben.” So ist aber das Leben, erst wenn wir die Erfahrung gemacht haben sind wir klüger. Ich sehe das nicht negativ, in meinem Umfeld kenne ich viele Menschen die mir ständig sagen was sie gern mal tuen würden, ohne es dann je zu probieren. Das macht diese Menschen unglücklich, sie werden nie erfahren ob es ihr Ding ist oder nicht. Ich glaube du hast alles richtig gemacht. Das gilt meiner Meinung nach für den Entschluss sich selbstständig zu machen genau so wie wieder damit aufzuhören.

  24. :)
    Ja, auch die Fotografie, als Beruf, hat ihre Schattenseiten, allerdings hat die wohl jeder Beruf.
    Beim Hobby kann ich aufhören, wann ich will, im Beruf geht das eben nicht.
    Um erfolgreich zu sein, muss man auch Dinge erledigen die einem nicht immer gefallen,
    freude bereiten, man dazu Lust hat,….
    Allerdings sollte man sich auch nicht verbiegen. Wer sich nicht verkaufen will, sollte dies
    auch nicht machen. Nur wen man hinter dem steht was man macht, wird man glücklich
    und zufrieden. Und ist man selbst zufrieden dann kann man auch “verkaufen”.
    Klasse Artikel, Samuel!!

  25. Beeindruckend. Danke, Samuel.

    In unserer Branche wird viel von Gefühl gesprochen und mit Gefühlen geworben. Einigen Kollegen glaube ich die Begeisterung für die Sache, die Hingabe für jedes Brautpaar und dessen Hochzeit. Von einigen anderen jedoch weiß ich, dass es reines Marketing ist. Und du hast recht, einige können tatsächlich nicht besonders gut fotografieren (klar, auch nur eine subjektive Meinung).

    Dein offenes Statement ist ein Beleg dafür, dass Du es ehrlich meinst und macht Deinen Rückzug um so bedauerlicher. Deine Bildsprache unterstreicht diesen Gesamteindruck.
    Schade, denn ich wünsche mir oft, dass es mehr Hochzeitsfotografen Deiner Klasse gibt, denn dann gäbe es mit Sicherheit weniger Einheitsbrei.

    Du vermisst einen eigenen klaren Stil?
    Jemand, der gern ausprobiert und nicht nur Standard macht, hat es zwangsläufig schwerer, einen Stil zu etablieren, der leicht erkennbar ist. Hättest Du es einigen erfolgreichen Fotografen nachgemacht und zwei oder drei ‘Das-Ist-Ein-Typischer-Samuel’ kreiert, wäre es vielleicht im Vertrieb einfacher gewesen. Aber willst Du das? Und wenn es Dir hilft: in Deinen Bildern ist sehr wohl so etwas wie ein poetischer Stil erkennbar. Schließlich ist Stil nicht immer Länge x Breite x Perspektive.

    Die zunehmende Anzahl sogenannter Hochzeitsfotografen macht es tatsächlich nicht einfacher. Weder uns, noch den Brautpaaren. Die Auswahl ist definitiv größer geworden, jedoch sind – und das muss man zugeben – mit der Masse auch einige hinzu gekommen, die etwas drauf haben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Dass die Mehrheit des ‘ich habe jetzt auch eine EOS’-Nachwuchses jedoch stumpf nachmacht ist ebenso Realität. Wie sollen anspruchsvolle Kunden da noch entscheiden, wenn sogar wir Fotografen uns nicht immer einig sind, ob jemand gut oder schlecht ist?

    Letztendlich bist Du – so denke ich – an einem nahezu unauflösbaren Problem gescheitert (vorläufig jedenfalls); ehrliche Kunst und erfolgreichen Kommerz unter einen Hut zu bringen. Wie einige andere auch, die sich hier zu Wort gemeldet haben, glaube ich ebenfalls, dass das bedingt möglich ist.
    Von einem Wunschdenken allerdings sollten sich alle lösen, die nicht absolut genial sind, aber ernsthaft darüber nachdenken, mit Hochzeitsfotografie auf seriöse Weise Geld zu verdienen: Selbstverwirklichung als Fotograf. Dieses Glück ist nur den allerwenigsten von uns beschert.

    Abschließend noch meine persönliche Einschätzung: So wie Du schreibst, gibt es für die Hochzeitsfotografie noch Hoffnung, dass Du eines Tages zurück kehrst. Ich wünsche es Dir.

  26. Lieber Samuel, großen Respekt für Deine Entscheidung und auch dafür sie hier für andere Suchende zu posten. Das wird vielen eine Hilfe sein. Aber hör auf Dich zu fragen, warum nicht früher. Sicher wäre Dir vieles erspart geblieben aber du hättest auch viel weniger gelernt daraus. Und das ist alles was zählt. Entscheidungen treffen, hinfallen, lernen,aufstehen, Krone richten, weiter gehen. Ich wünsche Dir alles Gute für Dich und Deine Familie
    Susanne

  27. Nachdem ich ein Berufsleben hinter mir habe, und gesundheitlich kein neues mehr beginnen kann, habe ich seit 2008 begonnen mein altes Hobby intensiv zu betreiben. Vorher hatte ich noch die Gelegenheit ein Seminar zum Thema Selbstständigkeit/Berufsfindung mitzumachen. All das was in deinem guten Eintrag an organisatorischem steht kam dort zur Sprache. Ohne das kleine Einmaleins der Kalkulation geht auf diesem Wege nix.

    Was aber ganz toll geht, ist sich das Ziel zu setzen Bilder die im Kopf entstehen herauszubringen. Nie war das Wissen, die technische Möglichkeit und die Bereitschaft Anderer mitzumachen einfacher erreichbar. Ich wünsche dir in Zukunft viel Spaß dabei.

  28. Lieber Amateur, ein Amateur liebt sein Metier und hat daher einen ganz und gar unkommerziellen Zugang. Das sollte er schützen, ehren und geniessen. Das haben Sie leider falsch verstanden. Wie Sie auch selber schon gemerkt haben, Fotografieren können alle, die eine Kamera besitzen, aber damit Geld verdienen bedeutet etwas anderes. Sie haben wohl keine Lehre gemacht, kein Studium und auch kein Praktikum, das ist schade…Sie hätten hier alle diese Dinge gelernt, die Ihnen gefehlt haben, um erfolgreich zu sein. Ob es dann geklappt hätte, ob Ihre Gier nach Fotografie so groß gewesen wäre, allen Frust und Enttäuschung zu überstehen, das weiss man vorher leider nicht. jedes Jahr werden an Hochschulen hunderte von Fotografen ausgebildet, und Menschen, so engagiert und interessiert wie Sie bevölkern ein viel zu enges Feld. da überleben nur die engagiertesten….
    Seien Sie froh, Fotografie für sich entdeckt zu haben, fotografieren Sie Hochzeiten, Blumen, Ihre Kinder und Reisen…genießen Sie die Freiheit, tun und lassen zu können was Sie wollen, und jammern Sie nicht, Sie haben ja wohl noch ein zweites Standbein?

  29. Ui, danke, dass du deine Gedanken zu dem Thema teilst und damit hoffentlich dem ein oder andern die Augen öffnen kannst, dass das alles nicht so leicht ist mit der Selbstständigkeit. Einige deiner Punkte kenne ich leider auch zu gut. Gerade Kalkulation und Preisfindung und das Eintreten in die entsprechenden Kreise sind wohl die schwierigsten Aufgaben. Und wenn man dann noch in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt wird, dann ist das natürlich nicht befriedigend.
    Ich wünsche dir, dass du dann wieder einen positiven Einstieg in das “normale” Berufsleben findest und nebenbei dennoch den Spaß am Fotografieren behälst.

    • Vielleicht sollte aber auch so mancher Hobbyfotograf nachdenken, was er damit anrichtet, in dem er womöglich gratis oder um niedrige Preise in den Markt arbeitet. Samuel hat die Erfahrung gemacht, dass es als Hauptberuflicher Fotograf nicht so einfach ist und wenn man sich dann auch noch mit dem Preisdumping von Menschen herumschlagen muss, welche ihren Lebensunterhalt aus einer anderen Tätigkeit beziehen, dann wird es auf den Markt noch viel mühsamer. Ich sagen so manchen Hobbyfotografen, welche unbedacht ihre Bilder gratis oder um wenig Geld verkaufen, was sie sagen würden, wenn einer daher kommen würde und Ihren Job für die jeweilige Firma um billiges Geld oder gar gratis machen würde. Weil er einfach soviel Spaß dran hat z.B. einen ganzen Tag in einem warmen Büro zu sitzen, oder ein Haus zu bauen, oder was auch immer. Ich denke, keiner hätte eine Freude damit und würde es nicht akzeptieren. Genauso geht es aber uns Berufsfotografen. So wie Manuel erzählt hat, es ist ein Kardinalfehler, am Anfang um wenig Geld zu arbeiten, man wird dadurch immer billig bleiben müssen. Er geht wieder zurück in seinen alten Beruf, hinterlässt aber mit Sicherheit verbrannte Erde.

  30. Ich stimme Dir in allen Punkten zu. Die Überlegungen kenne ich. Aber nach über 20 Jahren beruflichen Kampfes in und mit der Fotografie kann ich nicht zurück. Die Festanstellung müsste erst mal gebacken werden. Da wird jeder Chef skeptisch fragen: “Können Sie sich denn noch einordnen?” (womit unterordnen gemeint ist, was mir – ehrlich gesagt – schwer fällt, vor allem wenn Vorgesetzte nicht sinnvolle Entscheidungen treffen)…
    Ja, leider machen sich zu viele, die sich eine teure Kamera leisten können, selbständig, ganz ohne Vorbildung. Nicht die Kamera macht das Foto, sondern das Auge des Fotografen und das Licht (gestelltes Licht oder richtig gesehenes Licht).

  31. Du sprichst mir aus der Seele. Die meisten Fotografen machen ihr Geld über “Fließbandarbeit”. Sei es bei (Sport)Veranstaltungen, Zeitungsreportagen, Produktfotografie, Werbung etc., immer ist ein Zeit- u. Erwartungsdruck seitens des Auftraggebers da. Einen (kreativen)Spielraum gibt es da so gut wie nie! Fotografiert wird dann en masse, die Bearbeitung der wenigen oder des einzelnen zu verkaufenden Bildes erfolgt dann mittels PS danach auch nach Vorgabe. Mit Handwerk oder sogar Kunst hat das meistens wenig zu tun.
    Echte künstlerisch anerkannte Fotografen sind entweder immer pleite, oder (einige wenige Fotografen) haben schon einen grossen Namen u.verkaufen ihre Werke so teuer das der Erlös es ihnen ermöglicht nur das zu fotografieren was auch ihrer Bildsprache entspricht.

  32. Respekt vor der Entscheidung!
    Aus den Gründen wird Fotografie für mich auch immer ‘nur’ ein Hobby bleiben, aber ich ziehe auch meinen Hut vor jenen, die sich da rein- und durchkämpfen.
    Btw: tolle Bilder!

    Denjenigen, die sich weiter durchkämpfen: Viel Erfolg (ernsthaft!)

    Alles Gute Samuel!

  33. Danke Samuel, und viel Glück und Erfolg im neuen alten Job. Ich habe mich genau so entschieden. Und dazu führten unter anderem Begegnungen wie in meinem Artikel zur Hochzeitsfotografie. Die Masse der Hobby-zum-Beruf-Macher führt auch zu merkwürdigem Kundenverhalten…

    • Der Artikel: http://www.shamani.de/spirit-hochzeit-fotografie/

      Catch the spirit: “Ich beobachte wie sich sein sonst so souveräner Businessblick zu einem Hundeblick verwandelt, während er an seiner Zigarette zieht. “Naja, ich dachte nur, ist ja eine private Veranstaltung. Keine Veröffentlichung oder so. Und meine Schwester heiratet demnächst, deshalb dachte ich… Die ganze Geschichte wird eh schon so teuer…”.”

    • Das ist generell die Kundenerwartung. Gleiches gilt auch wenn ich 100g gehacktes für 35cent kaufe, wie jetzt wieder in der Werbung zu lesen war. Dann erwartet man auch dass jemand eine 12 stündige Hochzeitsreportage mit Nachbearbeitung für 250 Euro macht. Ist leider in den meisten Fällen so.

  34. Hallo Samuel,

    ich bin in einer ähnlichen Situation wie du. Das sich-selbst-verkaufen-müssen und das auf-Kundenfang-gehen-müssen finde ich selbst auch am schwierigsten. Fotos machen, bearbeiten und verschicken finde ich überhaupt nicht schlimm und könnte ich tagelang ohne Pause machen.

    Ich selbst gebe mir noch ein oder zwei Jahre, um mir einen guten Kundenstamm aufzubauen. Ich hoffe, dass ich es schaffe. Wenn nicht, werde ich meine Selbstständigkeit auch wieder an den Nagel hängen.

    Viele Grüße
    Constantin

  35. Gut getroffen, mir aus der Seele gesprochen, als freie Journalistin, die auch noch Fotos mitliefern muss, damit sich Artikel rechnen, kenne ich diese Gedanken. Danke für die Worte!

  36. echt super geschrieben- du sprichst mir aus dem Herzen. genau aus diesem Grund geht’s nach meiner Elternzeit und 1 Jahr “nebenberufliche Fotografin” im Januar wieder zu meinen Patienten und nebenberuflich mach ich als Fotografin weiter- ohne Druck sondern nur mit Spaß und Faszination. super Beitrag- alles wahre Worte –》 toll

  37. Hallo Samuel, vielen Dank für den ehrlichen Artikel, der mir aus der Seele spricht. Ich habe großen Respekt vor dieser Entscheidung, die Dir sicherlich nicht einfach gefallen sein dürfte. Auch wenn ich viele Deiner Gedanken teile, werde ich trotzdem versuchen, durchzuhalten und meinen bisherigen Weg als Berufsfotograf weiter zu gehen. All the Best…

  38. Samuel, deine Selbsterkenntnis und dessen Offenbarung über diese Plattform finde ich großartig. Schon des Öfteren habe ich mit ähnlichen Gedanken gespielt und ich bin gleich von Anfang an bei meiner ersten Liebe geblieben. Ich glaube, das es unheimlich vielen wie dir geht. Sie starten in ein Fotografiegewerbe und nach einigen Jahren kommt die große Ernüchterung und das aufwachen. Dass du hier die Eier hast mal Tacheles zu reden ist das was vielleicht hilfreich für alle dijenigen ist, die es mit der Fotografie Hauptberuflich wagen wollen. Es gilt sich sehr wohl zu überlegen ob man wirklich der Typ ist für dieses Geschäft. Problem bei der Sache ist, dass man gar nicht die Erfahrung hat um sich Gedanken zu machen, ob man der Typ für das Geschäft ist.
    Danke für deine ehrlichen Beitrag.

  39. Warum denn so negativ: “Hätte ich es doch mal vorher entdeckt – vieles wäre mir erspart geblieben.” Das war/ist jetzt halt Dein Weg, Du bist offensichtlich ohne gesundheitlichen Schaden davongekommen. Du hast überhaupt nichts falsch gemacht, es war richtig. Wenn ich selber zurückblicke (ich bin jetzt 50 und habe mich vor zwei Jahren als Fotograf selbständig gemacht) ist eigentlich das meiste nicht so gelaufen wie ich dass gerne gehabt hätte. Na und? Zu essen hatte ich immer genug. Es hat mich zu dem gemacht was ich bin. Alles hat seinen Sinn.

  40. Einer deiner besten schriftlichen Werke, Sam.
    Da ich selber früher Verkäufer war, bevor Gott mein “Auftraggeber” wurde, hege ich ein gewisses Maß an Empathie für dich.
    Du bist definitiv talentiert auf vielen Gebieten. (Auf manche bin ich sogar etwas neidisch.)
    Du gehst deinen Weg mit Rücksicht auf die, die dir anvertraut sind.
    Mögest du dafür seinen Segen für andere sichtbar ernten!

  41. “…. irgendwelche Kunden meine Fotos bewerten und mir dann dafür Geld geben, dass ich genau das gemacht habe, was sie wollten?” Wer die Musiker bezahlt, bestimmt, was sie spielen. – so ist das. Als Berufsfotograf ist man erst einmal Handwerker, will man dies nicht sein, wird man Fotokünstler; dann kann man vielleicht das machen, was man selbst wollte. Ob es sich verkauft, bleibt abzuwarten.

  42. DANKE!
    Ich finde es müßten noch viel mehr solche Artikel folgen, die vom Scheitern, nein Scheitern ist nicht das richtige Wort, von der Realisierung der Tatsachen handlen.
    Ich lese nur immer wieder diese tollen “Erfolgsgeschichten” ich meine letzten auch hier eine gelesen zu haben mit dem Aufruf es müßten noch viel mehr diesen Weg einschlagen und das Hobby zum Beruf machen. Gut bezahlte Jobs aufgeben und ins Abenteuer stürzen. Das mag funktionieren, Beispiele gibt es genug, aber es sollten die passenden Bedingungen vorhanden sein.

    1. Wissen wie es in der Wirtschaft aussieht. Ich finde es lobenswert, dass du zugibst dass du keine Vorstellung hattest das die Arbeitswelt eigentlich nur aus Marketing besteht. Ich denke aber genau das ist schon der springende Punkt. Es ist heutzutage sehr schwer in der Fotografie einen “unique selling point” zu erzeugen. Nur einfach ein paar gute Fotos machen reicht nicht, dass machen tausend andere auch. Und die liefern die Ergebnisse zu dem von dir erwähnten Spottpreis. Schau dir die Foren wie Fotocommunity an, bei denen Leute ihre Hochezit in Auftrag geben können. Da zahlen manche sogar dafür eine Hochzeit fotografieen zu dürfen. Du hast selber festgestellt, dass du mit deinen paar hundert Euro total daneben liegst. Damit wären wir bei dem 2. Punkt aber bleiben wir bei dem 1. Du brauchst nun mal Erfahrung im Marketing, am besten eine gewisse Story, Visibility wie is im Marketing heißt um deine Kunde zu überzeugen, dass sie trotzdem zu dir kommen müssen obwohl sie es woanders für Nüsse bekommen. Hast du das nicht hast du ein Problem wie du feststellen konntest

    2. Verständnis von Betriebskostenrechnung: Die meisten von denen ich in den genannten Artiklen lesen werden nicht lange im Geschäft überleben. Da wird sehr häufig direkt sichtbar, dass keine Ahnung von irgendwelchen Betriebkosten vorliegen. Man freuht sich für die Fotos Geld zu bekommen, Aber das macht noch keinen Erfolgreichen Geschäftsmann. Dadurch dass man wie in deinem Beispiel sehr einfach anfangen kann braucht man in den seltensten Fällen einen Businessplan, da man kein Geld von der Sparkasse etc aufnehmen braucht. Und da sind wir schon in dem großen Problem. Einigen kündigen ihren Job und stürzen sich ins Abenteuer, und genau das ist es, ein Abenteuer, eine Auszeiht von bissherigen Leben und ich bin sicher die Auszeit ist wie bei dir in den meisten Fällen zeitlich begrenzt. Nicht jeder hat genug Zaster auf dem Konto um eine Totzeit zu Beginn zu überbrücken, nicht jeder hat einen Plan wie man einen Preis kalkulieren muss um überhaupt überleben zu können. Ein Problem, dass nicht nur in der Fotografei zu findne ist, man muss sich nur die ganzen Restaurantrettung Shows im TV angucken :). Das mag noch eine zeit gut gehen, aber irgendwann kommen wie bei die Familie, Kinder und Investitionen wie Haus und co hinzu. Spätestens bei der Kreditnachfrage will auch die Bank wissen was du da genau machst. :)

    3. Und das war hier def nicht der Fall, deine Bilder sind sehr gut, man sollte nicht nur weil ein paar Leute die Bilder toll finden sich in das Abenteuer stürzen, sonderr man sollte realistisch ran gehen.

    Daher bitte mehr Berichte von der Umkehr vom Traum, damit andere realistischer an die Geschichte rangehen können. Nicht jeder ist ein Stilpirat :-)

  43. Der Name “Kwerfeldein” ist mir im Laufe der Jahre des öfteren zu Ohren/lesen gekommen, immer mit postivem Gefühl. Ich finde Deinen Mut, diesen öffentlichen Post zu schreiben, beachtlich. Und ich stehe hinter jedem einzelnen Deiner Worte! Denn auch ich bin “ausgestiegen” und habe mich besonnen, warum ich zur Fotografie kam. Ich wollte ein Hobby haben, das mich kreativ fördert und mich begeistert. All das fand ich in der beruflichen Fotografie nicht (mehr).

    Ich drücke Dir die Daumen – und eins kann ich noch sagen: die gewonnene Zeit in die eigene Tochter investieren macht echt glücklich(er9 :)

    LG, Matthias

  44. Samuel, Ihre Einschätzung trifft es auf den Punkt. Unabhängig von einer Bewertung zur fotografischen Kompetenz gehören viele der Quereinsteiger zu den Totengräbern der Fotografie z.B. durch ihre kaufmännische Unbedarftheit.
    Ich finde es gut, das Sie so offen darüber berichten und freue mich über jeden, der nicht den gleichen Fehler macht.

  45. ein sehr schöner artikel! wirklich.

    #realtalk vom feinsten. ich verstehe deine beweggründe… ich würde auch am liebsten nur mit der kamera unterwegs sein und bilder machen, nach hause kommen und sie bearbeiten und mich an ihnen erfreuen.

    leider besteht in der letzten zeit die hauptarbeit einiger fotografen in facebook spamming & fishing for likes blogbeiträge zu schreiben anstatt ihre zeit sinnvoll in fotografie zu investieren. und da fängt der kreislauf an… wenn man nicht mitmacht geht man schnell unter.

    verkehrte welt. ich bin echt gespannt wohin die digitale fotografie in der zukunft führt.

    ich wünsche dir ubekannterweise alles gute samuel :-)

  46. Hallo Samuel,

    meinen Respekt für die klaren und gut reflektierten Worte. Ich kenne deinen «alten Beruf» nicht, aber es wird nicht – wie bei mir – der Journalismus sein. Ich stehe nun an einer ähnlichen Stelle wie du vor ein paar Jahren – und wer vorher aus dem freiberuflichen Journalismus kommt, reibt sich nur die Augen, wenn er plötzlich vierstellige Tagessätze aufrufen kann. Wenn Leute anrufen, die die eigene Arbeit toll finden. Die einen unbedingt buchen wollen. Für die eigene Hochzeit! Wow! Als freier Journalist dagegen: muss ich meine Themen wie sauer Bier in den Redaktionen anpreisen, Spiegel Online zahlt 150 Euro für eine Geschichte, das entspricht meinem aktuellen Stundensatz als Fotograf. Was ich sagen will: alles eine Frage der Perspektive. Aber in einem bin ich ganz bei dir: für meinen «alten Job» habe ich immer noch viel Leidenschaft. An den Nagel hängen will ich ihn nicht. Und die «Masterclass», ja, die will ich mir auch noch mal gönnen. Schöne Grüße aus Berlin! Klaus

  47. Hallo Samuel,
    ich muss dir voll zustimmen. Ich habe exakt die gleichen Erfahrungen gemacht. Den Schritt zum Berufsfotografen habe ich nicht gewagt, da mir schon klar war, was mich erwartet. Es ist etwas anderes Fotos zum Broterwerb zu schießen oder die Fotografie aus Leidenschaft zu betreiben. Ich denke, den wenigsten gelingt es beides gut zu vereinen. Daher habe ich mich entschieden ein Angestellter zu bleiben und versuche in meiner Freizeit die Bilder zu machen, die mir gefallen. Falls diese auch anderen Personen zusagen und diese bereit sind, dafür einen angemessenen Betrag zu bezahlen, um so besser. Alles Gute für deinen Lebensweg.
    Johannes

  48. Entscheidungen wie diese sind immer zu bewundern, alles in seinem Leben umzukrempeln. Aber diese Probleme haben nicht nur Fotografen. Als Unternehmer musst du dich immer verkaufen, sonst verkaufst du nichts. Auch das kalkulieren gehört zu jedem Unternehmen. Warst du dir damals zu 200 % sicher das die Fotografie was für dich ist. Tag und Nacht, jede freie Minute an nichts anderes gedacht? Fotografie ist kein leichtes Gebiet und erfordert sehr viel Leidenschaft um das alles durchzuhalten. Aber trotzdem Respekt für diesen Schritt.

  49. Lieber Samuel,
    es war richtig und es war enorm wichtig- für Dich- diese Zeilen zu schreiben. ABER ,aus einem komplett anderen Grund als Du es vermutlich getan hast. Deshalb kann und werde ich hier nicht in die zahlreichen, und wie ich hoffe gutgemeinten, Lobeshymnen einsteigen. Zu Deinem Glück!!!! ;-)
    Ich vermute, Du hast diese Zeilen verfasst, um das Kapitel Fotografie als Profession abzuschliessen, einen Schlusstrich zu ziehen,und,und,und. Berichtige mich, wenn ich irre! Es wird Dir vermutlich spätestens nach dem Schreiben, wenn nicht schon nach dem Treffen der Entscheidung, eine Zentnerlast von den Schultern gefallen sein. Du hast Dich auf einmal leicht und frei gefühlt. Unzählige kleine und grössere Probleme lösten sich in Luft auf, ebensoviele Fragen, die bis eben noch auf eine Antwort hofften, zerfielen ins Nichts. Berichtige mich auch hier, wenn dem nicht so gewesen sein sollte. Ich kenne das, habe es selbst mehrfach gespürt und erlebt. Ich war selbst zweimal Nettomillionär und habe zweimal alles wieder verloren, bis ich fähig war, es zu halten. Ich habe in Hotels übernachtet die pro Nacht 1500 Euro verlangten und ich musste auf der Strasse schlafen und im wahrsten Sinne des Wortes den Dreck der selbigen fressen, weil nichts mehr, gar nichts mehr da war. Glaub mir also, wenn ich Dir nachfolgendes empfehle: Druck Dir Deine Zeilen aus. Auf A4, A0, wie auch immer, häng sie Dir an die Wand, klemm sie Dir unter den Arm, was auch immer. Aber bitte tu auf alle Fälle eins, Dir zuliebe:
    Betrachte es nicht als Schlussstrich, sondern als Deine Dir selbst gestellte Aufgabe für die Zukunft.
    Nimm Dir einen Mentor und arbeite diese Liste(Deine eigenen, wunderbaren Zeilen) Punkt für Punkt ab und ich verspreche Dir, Du wirst einen unglaublichen Entwicklungssprung erfahren, als Mann, als Vater,
    als Ehemann, in Deiner Profession (und dabei ist es völlig egal, ob als Angestellter, als Selbständiger irgendwas,egal) einfach in Deiner gesamten Persönlichkeit. Dabei ist es auch egal was der Mentor ist, das kann ein Psychologe, ein Philosoph, ein Unternehmer oder auch ein weiser alter Mann sein. Ob es der Richtige ist, siehst Du daran, ob er Dir nach dem Lesen Deiner Zeilen mindestens 12, dabei sind es 15, Punkte aufzeigen kann, die zu bearbeiten sind. Wenn Du ihn gefunden hast pack es an, Du solltest es Dir (Achtung Fehler oder Deinem Kind zuliebe, aber wenn es hilft sich zu motivieren, gern) wert sein!
    Es wird Geld kosten und ich werde nicht behaupten, das es schmerzfrei wird, aber Du kriegst alles zigfach zurück! Eine Entscheidung zu treffen, setzt immer eine Form von Stärke voraus, dafür Chapeaux!Ob diese Entscheidung richtig war, entscheidest allein Du. Du bist schon soweit gegangen, Du hast soviel Samen gesät, vergiss jetzt das ernten nicht, als was auch immer. Mit besten Grüßen TUN ( Thomas U. Neumann) Viel Glück auch für Dich und Deine Familie

  50. Wieder einmal ein sehr schöner Beitrag, in dem ich manchen eigenen Gedanken wiederfinde.
    Z.B. die proletenhafte, marktschreierische Art mancher, die mir selbst auch nicht liegt aber bei anderen offensichtlich so viel Erfolg hat, dass die Mittelmäßigkeit der Bilder vollkommen untergeht.
    Auch der in den Kommentaren verlinkte Gastbeitrag bei fotografr.de ist sehr gut, weil er offen legt, dass man als Fotograf am wenigsten mit dem Fotografieren beschäftigt ist.
    Solche Artikel sollten viel öfter auch auf andere Plattformen erscheinen.
    Die Entscheidung ist sicher kein Rückschritt und kein Ende sondern vielmehr eine Befreiung.

  51. Respekt für diese ehrliche und reflektierte Darstellung! Vielleicht sollte die Fotografie doch für mehr Menschen das Hobby sein und bleiben – und vielleicht muss man nebenbei einfach einen Job machen, der es ermöglicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Ich bin seit 2003 selbständig in der IT und verstehe sehr gut, wie es Dir ergeht.
    Ich habe zur richtigen Zeit die richtigen Leute getroffen und kann heute – nach vielen
    schweren Phasen – davon leben. Man hat viel Freiheiten, ich möchte es nicht mehr anders haben. Allerdings ist es ein täglicher Kampf, auch mit sich selbst.

  52. Hallo!
    Mir geht es gerade wie Dir. Ich arbeitete 15 Jahre in MEINEM Traumberuf, hab auch einiges gerissen, aber habe der Geschichte jetzt den Rücken gekehrt, weil man plötzlich was machen MUSS, Erwartungen, Anforderungen erfüllen MUSS.
    Seitdem ich die Entscheidung gefällt habe, dass ich nicht mehr müssen will, ist das Leben so viel leichter, beschwingter, lebenswerter geworden.

    Zwar auch etwas schade, weil es eben (wie bei Dir ja auch) so viel Müll gibt, der offensichtlich erfolgreicher ist, als das Eigene Werk, aber ich habe auch eine Stelle in meinem Brotberuf gefunden, das Team ist nett und in Bezug auf meine 15 Jahre Berufung kann ich jetzt endlich wieder sagen: EINEN SCHEISS MUSS ICH!

    Danke für Deine tollen Worte! Die haben mich genau zur richtigen Zeit erreicht. Es gibt noch Menschen, die Entscheidungen treffen und das dann durchziehen.
    Danke!

  53. Karsten schrieb: “Unabhängig von einer Bewertung zur fotografischen Kompetenz gehören viele der Quereinsteiger zu den Totengräbern der Fotografie z.B. durch ihre kaufmännische Unbedarftheit.”

    Das ist sicherlich ein wichtiger Punkt. Wer komplette Reportagen für 50, 100 oder 200 Euro anbietet, macht den Markt komplett kaputt. Wenn man diesen Leuten dann mal vorrechnet,
    was REALISTISCH wäre, sagen sie, das würde keiner bezahlen… Klar – warum auch, wenn es billiger geht!

    Ich möchte jedoch auf ein weiteres, spezifisches Problem in diesem Marktumfeld hinweisen:
    Wer nicht, oftmals langweilige und sich wiederholende Aufgaben für eine bestimmte Anzahl Kunden durchführt und damit ein Auskommen hat, muss umso mehr zum Marktschreier werden!

    Meine Kunden im IT-Umfeld rufen mich immer wieder an und haben regelmäßig etwas für mich zu tun. Wer jedoch seine Hochzeit fotografiert bekommen hat, und zufrieden war, wird vielleicht nochmal Portraits machen lassen – aber regelmäßig? Eher nicht!

    Somit muss man ständig auf der Suche nach neuen Kunden sein – und das nervt gewaltig, wenn man dazu nicht geboren ist!

  54. Hallo Samnuel,

    Respekt!

    Ich denke du bist kein Einzelfall, es geht nicht nur in der Fotografie vielen “NEU”-Selbstständigen so. Selbstständig sein, heißt selbst und ständig. Und das betrifft alle Gebiete.

    Ich kenne drei Bereiche in denen sich die Leute sehr leicht und schnell selbstständig machen. IT, Fotografie und Gastronomie. Es geht aber nicht nur darum in seiner Sache gut zu sein, sondern auch ein guter Kaufmann und Verkäufer zu sein. Viele sehen nur das schnelle Geld, aber was für eine Arbeit dahinter steckt, spüren die meisten erst einige Monate später.

    Die meisten Fotografen die ich kenne, arbeiten nur nebenberuflich als “Fotograf”. So kann man natürlich sehr sorgenfrei arbeiten. Entscheidend für den Erfolg oder Mißerfolg, ist ein gutes Marketing.

    Ich kann deine Entscheidung absolut nachvollziehen und finde es den richtigen Weg. (Für den Augenblick).

  55. Das hier Erwähnte hat auch mit dem Beruf des Fotografen zu tun, aber nur AUCH! Jeder, der sich selbstständig macht, muss seine Leistung verkaufen können. Er muss kalkulieren können. Und er muss das machen wollen.
    Von dem her nehme ich das zur Kenntnis. Es gibt aber hunderttausende andere, die genau dieselbe Erfahrung machen. Also nix besonderes. Schlimm wäre es eher andersrum. Man stelle sich eine Welt vor, in der sich jeder eine Visitenkarte drucken kann, um dann mit Geld beworfen zu werden. DAS wäre wirklich pervers.

  56. … oh wie sehr ich diesen Artikel nachvollziehen kann ;-)….!!
    Ich musste meinen alten Beruf Anfang 2010 aufgeben, weil es einfach nicht mehr ging.
    Zunächst parallel noch mein Know-How als Unternehmensberater vermarktet um parallel mein Fotografie-Business aufzubauen, aber es ist auch im 4. Jahr noch immer ein Kampf und ein ständiges “sich selbst erfinden müssen”, um sich den Veränderungen des Marktes anzupassen. Die reine Fotografie ist schon länger kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr. Denn die Kunst ist nicht das Fotografieren an sich, es ist wirklich nur das verkaufen und die Fähigkeit, mit Gespür und Blick auf die Änderungen im Markt zu reagieren und sein gesamtes Leistungsportfolio so aufzustellen, dass man Einkünfte auch aus allen möglichen Ecken generieren kann. Anders hast Du nicht mehr den Hauch einer Chance. Aber der Punkt ist: es kostet Dich immens viel Zeit und Energie und zehrt gewaltig an dem, was man Lebensqualität nennt.
    Meinen Glückwunsch zu dieser Entscheidung – denn ich bin überzeugt Du wirst dadurch unterm Strich glücklicher werden, sofern der neue Job Dich nicht auffrisst, so wie´s bei mir der Fall gewesen ist und bei Euch für ausreichendes Einkommen sorgt.
    Ich für meinen Teil bin auch nur noch im Bereich “Business-Fotografie” aktiv tätig. Portrait- und Hochzeitsfotografie biete ich mittlerweile aktiv überhaupt nicht mehr an, weil der Markt in diesen Bereichen mittlerweile vom Verdienstniveau her einfach völlig tot ist.
    Ich wünsche Dir alles Gute – und dann auch wieder viel Freude an der Fotografie mit neu gewonnener kreativer Freiheit. VlG Ron

  57. Danke für diesen Text!
    Einige Elemente sind genau das, warum ich seit geraumer Zeit überlege ganz auszusteigen. Nach 11 Jahren Selbstständigkeit und 17 Jahren im Beruf.
    Nicht die Fotografie an den Nagel hängen, nein, das könnte ich nicht, dafür mache ich es zu gerne, aber die Brötchen mit etwas anderem zu verdienen. Ich habe zwei Berufe gelernt, das sollte also nicht das Problem sein.
    Was mich dazu gebracht hat?
    Ich arbeite pro Auftrag mehr Stunden als mein Mann, welcher ebenfalls selbstständiger Handwerker ist und verdiene nichtmal ein viertel von dem, was bei meinem Mann hängen bleibt. Falsche Kunden? Falsche Aufträge? Keine Ahnung. WO sind die Auftraggeber, die wirklich das zahlen, was man am Ende vom Tag bräuchte?
    Neulich auf der Bank sagte mein Berater dann das, was mich eigentlich schokiert hat: Naja, mit dem Jahresabschluß können Sie ja locker mit einem Festangestellten mithalten. BITTE? Ich reiß mir den Arsch auf, sitze nächtelang da und bearbeite Projekte nach und habe am Ende auch nicht mehr Kohle, als eine Büroangestellte ohne Führungsposition. Da läuft doch was falsch!
    Soweit der wirtschaftliche Aspekt. Und ich kann rechnen und kalkulieren und ich weiß bei vielen Sachen, dass sie sich so eigentlich nicht lohnen, muss es aber machen um wenigstens ETWAS in der Tasche zu haben. Ich kann nicht sagen, nee mach ich nicht, weil der Hobbyfotograf kommt und macht es. Die Leute zahlen nicht mehr, ob ich es nun mache oder nicht.

    Nach wie vor liebe ich meine Selbstständigkeit und die Fotografie. Ich habe kein Problem damit, dass ich mir nicht alles leisten kann. Dafür habe ich etwas, was man als Angestellter nicht hat: Ich kann meinen Alltag mehr oder weniger frei planen. ABER, noch sind keine Kinder da, aber sollten welche kommen, dann ist eins ganz sicher, von der Fotografie kann man keine Familie ernähren.

    Ich habe inzwischen auch schon hinter so viele Kulissen geschaut, überall wird nur geblendet…. Da denkt man immer “Wahnsinn, der XYZ hat schon wieder einen riesen Auftrag, wie macht der das nur?” Und dann erfährt man es. Kostenlos war das Shooting. Der XYZ brauchte neue Imagefotos. Aber aufgebauscht war es, als hätte er damit gerade 5000.-€ verdient. Das Problem ist nur, man kann ja tarnen und täuschen, und vielleicht kommt auch mal EINER, der mehr zahlt, aber das ist eher die Ausnahme. Und in dem Punkt geht es mir wie Dir: Ich kann mich auch nicht als etwas besonders tolles, gutes oder besseres verkaufen, da ich die Fotografie nicht mache um mich bewundern zu lassen bzw meine Profilneurose zu befriedigen, sondern deshalb, weil ich die Welt, wie ich sie sehe in Bildern festhalten möchte. Emotionen weitergeben… Und natürlich am Ende vom Tag um damit meine Rechnungen zu bezahlen….

    Ich kann Deinen Ausstieg voll und ganz verstehen!

  58. Ja, das Glück der Amateure (Amateur, französisch, von lateinisch amator ‚Liebhaber‘, ist eine Person, die – im Gegensatz zum Profi – eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt, ohne einen Beruf daraus zu machen bzw. Geld für seine Leistung zu erhalten) , für die Photographie leben könne, aber nicht von Ihr leben müssen …

  59. Ihre Entscheidung ist ganz sicher die richtige!
    Würde ich jetzt alles in diesen Kommentar schreiben, was mir dazu einfällt, würde dies den Rahmen hier sprengen. Deshalb nur so viel:
    Sich selbst treu zu bleiben und die eigenen Werte nicht zu verraten ist Grundvoraussetzung für einen Erfolg, der nicht nur über kurze Zeit trägt.
    Auf zwei “beruflichen Beinen” kann man die Leiter zum persönlichen Erfolg, der nicht immer zwingend mit einem prall gefüllten Bankkonto identisch sein muss, im Wechselschritt und wesentlich stabiler nach oben gehen.
    Und nicht zuletzt : Sie geben Ihrer Tochter mit Ihrer Entscheidung, sich nicht durch finanzielle Erwägungen künstlerisch oder wie auch immer verbiegen zu lassen, nicht nur einen entspannteren Vater, sondern auch ein sehr wichtiges Vorbild.

    Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg und bin sicher, Sie werden ihn auch haben! :)

  60. Ich bin irgendwie froh, dass ich das so gar nicht nachvollziehen kann.
    Aber ich bin auch begeistert, wenn man sich so realistisch selbstreflektieren kann und eine echte Konsequenz daraus zieht, anstatt (wie einige) jahrelang jammern, dass alles scheiße ist und überhaupt..

    Ich denke es ist ein sehr aktueller Beitrag!

    Aber das Schreiben, das solltest du fortführen!

    …und das Forografieren, wann immer es im Finger kribbelt :)

  61. Hallo Samuel,

    als Hobby-Fotograf und Unternehmensberater sprichst Du mir aus der Seele und Deine Entscheidung ist weder richtig noch falsch – sie ist realistisch und zeugt von Mut. Nämlich Mut zu reflektieren und Mut anzuerkennen, dass Dich der Beruf des Fotografen derzeit nicht dahin bringt, wohin er Dich für Deinen Anspruch bringen sollte. Und dies ist absolut individuell und somit subjektiv…

    Du hast meinen vollen Respekt, mein volles Verständnis und ich wünsche Dir das Allerbeste für die Zukunft. Es heisst ja nicht, dass Du Dein Gewerbe nicht auch als Nebengewerbe laufen lassen kannst…

    Ich möchte hiermit auch die Chance nutzen, auf ein paar der Kommentare einzugehen, denn als Berater und auch Gründercoach sehe ich hier ein paar Dinge etwas anders. Bitte versteht dies auch so…

    1. Administration kostet Zeit:
    Zerlegt man mal das Wort “selbstständig” in seine beiden Bestandteile “selbst” und “ständig” wird schnell klar, welche Herausforderung auf zukünftige Unternehmer zukommt. Im Endeffekt heisst das: jede Tätigkeit eines gewerbetreibenden Fotografen, angefangen vom Foto, über Bearbeitung bis hin zur Buchhaltung und Jahresabschluss muss von einem selbst ausgeführt werden. Dabei ist gerade der administrative Part (Angebote kalkulieren, Rechnungen schreiben, Buchhaltung, Vertrieb, Marketing etc.) nicht zu unterschätzen.

    Buchhaltung, Marketing kann auch ausgelagert werden (Steuerbüro, Marketing-Agentur, Agent), kostet jedoch Geld und gerade in der Startphase (mind. die ersten 3 Jahre, eher mehr) ist hierfür kein Geld vorhanden.

    2. Nicht jeder ist ein guter Verkäufer:
    Ich habe hier in einem Kommentar gelesen, dass man “verkaufen” lernen kann. Das stimmt so leider nicht ganz!

    Unser Unternehmen ist seit mehr als 10 Jahren unter anderem im Bereich Vertriebsoptimierung tätig und wir führen im Jahr an die 50 Vertriebsseminare inkl. Coaching im Groß- und Einzelhandel sowie im Dienstleistungssektor durch. Man kann diverse Methoden erlernen, die einem im Verkaufsgespräch helfen (hier insb. Körpersprache und Menschenkenntnis), aber wer mit “Bauchschmerzen” in jedes Kundengespräch geht, wird nie ein guter Vertriebler werden. Dies gilt insb. für Techniker, Handwerker und Künstler…

    3. Ausgaben müssen verdient werden:
    In einem anderen Kommentar wurde erwähnt, dass Ausgaben für Equipment über die Steuer refinanziert werden. Das ist leider nur die halbe Wahrheit…

    Der Betriebswirt kennt genau 3 Arten, wie Geschäftsausstattung beschafft werden kann. Über Eigenkapital (gekauft), über Fremdkapital (finanziert) oder Leasing (gemietet). Nehmen wir mal das Beispiel einer Nikon D4s, die kostet ca. 6.000 EUR.

    Kauf:
    Hier findet ein sofortiger Mittelabfluss statt, indem der Fotograf beim Händler seines Vertrauens 6.000 EUR über den Ladentisch schiebt. Die MWSt. bekommt er vom Finanzamt wieder, bleiben 4.860 EUR, die aufgrund des Wertes ins Anlagevermögen aufgenommen werden müssen. Eine lineare Abschreibung über 60 Monate unterstellt, bekommt der Fotograf pro Jahr 972 EUR als Kosten zugestanden, welche den Gewinn (also somit auch das zu versteuernde Einkommen) reduzieren. ABER: Es findet ja auch ein Werteverzehr statt, denn eine D4s nach 5 Jahren mit 350.000 Auslösungen ist gewissermaßen “Schrott” und ein Verkaufserlös marginal. Genau genommen muss der Fotograf die 972 EUR jedes Jahr aufs Sparbuch packen, damit er sich nach 5 Jahren einen neuen Body kaufen kann…

    Eine steuerliche Refinanzierung findet also erst nach mind. 5 Jahren statt und auch nur dann, wenn der Fotograf entsprechende Rückstellungen bildet… Was aus meiner Erfahrung nur wenige tun.

    Finanzierung:
    Hier gilt gleiches Modell mit der Abschreibung, wie im Kauf. Der Anschaffungspreis wandert ins Anlagevermögen. Lediglich die Kosten für den Kauf werden auf die Monate (Laufzeit) der Finanzierung verteilt und um einen gewissen Zinssatz erhöht. Genau genommen muss der Fotograf hier monatl. Zahlungen sicherstellen (erwirtschaften) , am Jahresende wirkt wieder die Abschreibung gewinnreduzierend und sollte als Rücklage für zukünftige Anschaffungen verwendet werden.

    Leasing:
    Hier zahlt der Fotograf eine Miete an den Leasinggeber, die D4s gehört zu keiner Zeit dem Fotograf. Der Leasingzins ist i.d.R. höher als der bei der Finanzierung, dafür wirkt der Vorteil, dass Leasingausgaben sofort (also monatlich) als Ausgaben steueroptimiert wirken.

    Aber für alle Beschaffungsmethoden und Ausgaben gilt: ALLE Ausgaben (ob einmalig, finanziert oder geleast) müssen verdient werden!

    4. Verantwortung ist nicht jedermanns Sache:
    Jeder Unternehmer übernimmt Verantwortung. Für sich, für seine Familie und irgendwann später auch für Mitarbeiter. Gerade mit Mitarbeitern können ein Teil der alltäglichen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden, ein durchaus sinnvoller Aspekt, da hier die Spezialisierung greift und somit einzelne Aufgaben effizienter ausgeführt werden können.

    Aber was heisst das für den Fotograf als Unternehmer? Der Anteil der Administration steigt, denn der Fotograf muss plötzlich Mitarbeiter führen, Aufgaben einteilen, Ausführung und Qualität nachverfolgen… Auch hier gilt: ein Unternehmer ist noch lang keine gute Führungskraft. Und jeder der bereits einem Mitarbeiter kündigen musste, weiß von was ich rede.

    Aber zurück zum Anstieg der Administration: Dadurch das der Fotograf mehr administriert, muss dieser Wertschöpfungsverlust kompensiert und durch zusätzliche Aufträge (von anderen ausgeführt) kompensiert werden. Und wer wird diese Aufträge verkaufen???

    Ich möchte keinesfalls Ängste schüren, noch einen potenziellen Starter in die Selbstständigkeit davon abhalten. Aber ich hoffe, das meine Ausführungen etwas dazu beitragen, dass sich künftige Unternehmer ein paar Gedanken über die Vorteile, aber besonders über die Konsequenzen des Unternehmertums machen. Es gibt genügend Möglichkeiten, sich in Bezug auf eine Gründung beraten zu lassen, viele Insolvenzen wären dadurch vermeidbar…

    Daniel

  62. Wow, sehr offene Worte, die mir aus der Seele sprechen. Find ich klasse, dass es mal jemand ausspricht. Ich habe lange ueber diesen Schritt nachgedacht und mich aus den oben beschriebenen Gruenden dagegen entschieden. Nebenberuflich geht auch, wenn es auch nicht der “ganz-oder-gar nicht” Mentaliaet von uns Perfektionisten entspricht. Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg – und vergiss nicht, deine Fans weiterhin mit Deinen schoenen (dann nebenberuflichen) Fotos zu erfreuen. Alles Gute und Hut ab fuer Deinen tollen Bericht.

  63. Hallo Samuel,
    ein sehr schöner Artikel. Wichtig ist doch, dass Du es versucht hast und weisst warum es nicht so geklappt hat wie gedacht. Was viele vergessen, wenn sie es nebenberuflich machen (ich auch) dann mögen 100 € für ein Shooting ok sein, aber wenn man selbstständig ist und einen Kapitalbedarf im Jahr von z.B. 80.000 € hat, dann muss man 800 Aufträge abarbeiten. Das Problem ist, das man in dieser nebenberuflichen Zeit mit den mini Preisen sich seinen Kundenstamm aufgebaut hat und denen muss man nun erklären, dass man 100 € die Stunde benötigt und man für das Shooting einen Aufwand von 3 Stunden hat und somit eher 300 € benötigt.
    Ich ziehe den Hut vor Dir, dass Du es versucht hast und wünsche Dir in Deinem neuen Job viel Spaß und weiterhin viel Spaß bei eigenen Projekten.
    Gruß Marcus

  64. Sehr gut und genaue Analyse. Sie widerspiegelt fast 1:1 meine eigenen Erlebnisse.

    Ich war über 10 Jahre lang Filmproduzent, gegen Schluss sogar richtig “erfolgreich”. Doch die Nebenwirkungen waren nicht zu übersehen. Nach 28 Filmen für Migros im Monatstakt hatte ich keine Ideen mehr. Einfach leer. Das gabs bei mir noch nie! Erst da merkte ich, dass Ideen einen Wert haben, der schwer monetär zu erfassen ist. Ich bin auch kein guter Verkäufer. Aber meine Ideen waren teilweise echt gut, nur viel zu billig.
    Ich habe vor sieben Jahren die Notbremse gezogen und bin Lokführer geworden. Das gefällt mir noch heute. Und dank Teilzeit kann ich einige Nischenprodukte weiterführen. Richtige Rosinenpickerei kann ich machen und das ist toll.

    Samuel, ich wünsche Dir, dass Du auch Deine Fotografie nicht ganz aufgibst. Mach wenige, aber schöne Dinge. Und verlange frech viel Geld dafür. Egal, wenn es neun von zehn Kunden zu teuer ist. Und kauf Dir aus dem Geld eine richtig geile, fette Ausrüstung! Ich kann nur sagen, dass es viel mehr Spass macht, wenn die Bilder kontrastreich und knackscharf sind. Ich hab 15 Jahre lang mit Hobbyschrott rumgeknipst. Das ärgert mich heute fast am meisten. Denn die richtig guten Bilder von damals sind fast alle technisch ungenügend.

  65. Dieser Artikel fasst in Worte was ich nie so richtig beschreiben konnte. Aber ich Jahr aus den gleichen Gründen die Pinsel weg gelegt. Und sie nach 5 Jahren auch erstmal 1 Jahr nicht mehr angerührt. Heute studiere ich wieder und greife nur aus Spaß zu Pinsel und Make up. Viel Glück und vorallem wieder viel Spaß auf der suche nach deinem Stil.

  66. Hallo Samuel,

    Hut ab für diesen Beitrag und auch für Deine Entscheidung.

    Selbstständig zu sein ist eine große Herausforderung, nicht nur in der Fotografie. Ich persönlich bin mittlere Weile davon überzeugt, dass man seinen eigenen Weg des Marketings und Verkaufens finden muss. Meines Erachtens gibt es kein “richtig” oder “falsch”, was für jeden Selbstständigen und Freiberufler zutreffend ist.

    Wichtig ist, sich zu verschiedenen Themen Unterstützung zu suchen, sei es zum Thema Werbung, Marketing, Kommunikation oder was auch immer noch notwendig ist.

    Ein sehr großes Thema ist immer wieder die Zielgruppe. Jeder, der mit seiner Arbeit gutes Geld verdienen möchte, muss sich Gedanken zu seiner Zielgruppe machen. Nur so ist man in der Lage, diese auch entsprechend anzusprechen.
    Wenn man das verstanden hat, hat man schon den ersten Schritt zum Erfolg. Es ist ein langer Weg, auf dem es immer wieder Geröllfelder gibt.

    Ich kann sehr gut verstehen, dass Du Dein Ding machen möchtest ohne Dich verbiegen zu müssen. Das ist auch mir sehr wichtig. Mir haben schon viele gesagt, dass ich ganz unterschiedliche Ausstrahlungen habe, je nach dem, worüber ich spreche. Wenn ich über meine Leidenschaft, das Kochen und Backen spreche, scheinen meine Augen zu strahlen und zu funkeln. Es ist gut und wichtig zu wissen, dass unser Gegenüber diese Leidenschaft spüren kann, aber auch, wenn es sie nicht gibt….

    Nur das, was wir mit vollem Herzen tun, machen wir auch richtig gut. Niemand sollte sich verbiegen müssen, denn das macht langfristig krank und unglücklich.

    Ich wünsche Dir für Deinen weiteren Lebensweg alles Liebe und Gute und dass Du nun die Freiheit hast, die Fotos zu machen, auf die Du wirklich Lust hast!

    Alles Liebe
    Sandra

  67. Ich bin im 34. Jahr als selbstständiger Fotograf tätig. Ich hatte den Vorteil einer Zeit in der Fotografen als Ideengeber und Umsetzer von Bildideen gebraucht wurden. Dabei konnte ich faires und gutes Geld verdienen. Und diese Arbeit hat sehr viel Freude gebracht. Ich konnte Bereiche des Alltags erleben, die ich ohne Fotografie nie hätte betreten können. Reisen, Medizinische Bereiche, Technik von Roboterentwicklung bis zur schweisstechnischen Anwendung, Porträts; ich betrat Riesenbagger wie auch Gefängnisse, hatte spannende Persönlichkeiten vor der Kamera – Begegnungen mit Musikern, Schauspielern, Professoren, Unternehmern usw.. Der große Unterschied zur heutigen Zeit ist für mich die Achtung und der Respekt meiner Arbeit gewesen. Das hat sich grundlegend verändert. Und spätestens seit SATURN den Slogan “Geiz ist geil” etabliert hat ist dieser Wandel spürbar. Da heute mit jedem Smartphone Bilder gemacht werden können, gibt es Bildermengen, die vor 20 Jahren nicht vorstellbar waren. Die Vermassung von Bildern führt zu einer anderen Umgangsform mit Bildern. Wie auch in anderen Bereichen (Musik, Kunst…) soll die künstlerische Leistung nichts mehr kosten dürfen. Warum eigentlich? Das ist absurd – aber inzwischen eine Tatsache. Trotzdem habe ich mir die beste Technik zugelegt, denn diese ist Werkzeug. Und ich verfolge einfach meinen Weg trotz dieser Widrigkeiten. Und wie einige vielleicht auf Facebook verfolgt haben, heißt mein Projekt seit fünf Jahren “www.forest-punk.de”, ganz nach dem Motto, wie es Frank Zappa in einem Song seinen Hund fragt: “What is your conceptual continuity?“ Seinen eigenen Weg zu gehen erfordert in der Fotografie natürlich mehr als nur Bilder mit einer Kamera erstellen. Aber das ist in jedem selbstständigen Beruf so. Talent muss sich Bahn brechen. Also Kopf hoch und mutig bleiben.

  68. Hallo Samuel,
    schön geschrieben.
    Ich selbst bin Hobbyfotograf und ich stehe eigentlich an genau dem gleichen Punkt wie du, als du dich für die Selbstständigkeit entschieden hast. Allerdings sind mir all diese Punkte schon von Anfang an bewusst gewesen, weshalb ich nie ernsthaft darüber nachgedacht habe jemals eine hauptberufliche Fotografen-Karriere zu starten. Aber dennoch ist es für mich eine wichtige Bestätigung so etwas noch einmal aus erster Hand zu lesen.
    Nun möchte ich für dich, deine Familie und Tochter natürlich hoffen, dass der Weg für den du dich nun entschieden hast der richtige für dich ist.
    Trotzdem hoffe ich, dass dein Blog weiterhin erhalten bleibt, nur jetzt halt aus einer freien, zwangloseren Perspektive.

    Viele Grüße
    Manu

  69. Meine Erfolgsstory:

    Ich hab mit 16 angefangen zu fotografieren.

    Ich hab ne Lehre als Fotograf abgeschlossen.

    Mein Chef war ein sehr erfolgreicher Werbefotograf mit riesigem Studio. Er hatte einen gezwirbelten Schnurrbart, fuhr

    Porsche und war ein ein glänzender Verkäufer. Ansonsten war er ein biederer Familienvater, was ihn vermutlich vor einem

    Burn out bewahrt hat. Burn out (früher sagte man: Nervenzusammenbruch, Herzinfarkt) hatten die Leute aus der Werbebranche,

    die die Projekte unter Zeitdruck durchbringen mussten. Und das mit 30 Jahren.

    Wie würde meine Zukunft aussehen, wenn ich Erfolg haben wollte?
    A) So werden wie mein Chef.
    B) So arbeiten wie die Werbefuzzis.
    C) Als Assi 8-10 Jahre lang ein Gehalt von (heute umgerechnet) 2.000 Euro brutto beziehen.

    Und ich musste mir auch zwei Dinge eingestehen:
    – Ich bin/war als Fotograf nur Mittelmaß
    – das handwerklich geprägte Arbeiten ist mir intellektuell nicht anspruchsvoll genug. Ich würde mich nach einer Zeit

    langweilen.

    Ich hab dann Informatik studiert und 25 Jahre lang so gut wie gar nicht mehr fotografiert. Noch nicht mal mehr als Hobby.

    Das Ende eines Traumberufes?

    25 Jahre später, 2008:
    Meine Kompaktkamera geht kaputt, die technische Entwicklung ist reif genug für eine digitale DSLR. Ich kaufe mir ein

    günstiges Einsteigerset, probiere aus, was von meinen Fähigkeiten noch übrig geblieben ist. Trete in einen Fotoclub ein,

    fotografiere alles, was sich nicht bewegt. Bin bei unseren vereinsinternen Wettbewerben recht erfolgreich. Lerne

    Bildbearbeitung. Besuche einen Portraitworkshop der VHS.
    Werde sechs Monate später gefragt, ob ich nicht (nebenberuflicher) Dozent an der VHS werden möchte. Das Honorar ist das

    eines Übungsleiters, aber ich muss ja kein Geld mit der Fotografie verdienen. Ich mache das, weil ich meine, den Menschen

    damit eine Freude zu bereiten.
    Ich fotografier seit dreieinhalb Jahren fast nur noch Menschen. Auf tfp-Basis. Model-Fotografie, wie anspruchslos. Aber die

    Interaktion während des Shootings, das gemeinsame Schaffen von Menschenbildern, das finde ich spannend. Manchmal

    fotografier ich auch für Geld, für vergleichsweise wenig Geld. Weil ich ja kein Geld mit der Fotografie verdienen muss. Ein

    wenig die Ausrüstung finanzieren. Oder weil ich nicht jede Hochzeit umsonst fotografieren kann und viele sauer wären, wenn

    ich es für sie nicht täte.
    Ich fotografiere heute also nur für Menschen, die mich als Fotografen wählen, weil sie meinen Bildstil mögen und/oder weil

    sie nicht genug Geld haben, einen Profi zu nehmen. Dazu gehören beispielsweise auch viele Vereine in unserer Stadt, die

    gerne Fotos von ihren Veranstaltungen haben möchten.

    Das Ende einer Selbstständigkeit als Fotograf bedeutet also nicht, dass der Traum vorbei ist. Als Amateur hast Du viel mehr

    Möglichkeiten, Deine eigenen Ideen umzusetzen und das zu fotografieren, was Du wirklich willst. Beruf und Leidenschaft

    miteinander zu mischen ist auf den ersten Blick ideal, aber die Leidenschaft droht mit der Zeit durch zu viele Zwänge

    abzustumpfen.
    Heute mache ich fotografisch genau das, was mir Spaß macht. Sowohl als Dozent als auch als Menschenfotograf bin ich

    glücklich, mich und die Leidenschaft zur Fotografie ausdrücken zu können. Und ich bin inzwischen ein sehr guter Verkäufer. Nicht marktschreierisch laut, sondern durch mein Einfühlungsvermögen, durch die Qualität meiner Bilder und durch Weiterempfehlungen. Ich werbe nirgends, meide facebook soweit wie möglich und bin – in meinem Sinne – glücklich und erfolgreich.

    Ob ich mich nun Amateur, Semiprofi oder Profi nenne – egal.
    Will ich jemals (wieder) Vollprofi-Fotograf werden? Nein.
    Ob das so bleibt? Wer weiß… wenn die Rente nicht reicht (und das wird sie 2026 bestimmt nicht)

    Alles Gute, Samuel. Dein Weg hat gerade erst begonnen.

  70. Hallo Samuel – danke für den offenen Artikel.

    Mein Schritt in die Selbständigkeit war seinerzeit zum Glück 1. etwas besser vorbereitet, 2. komme ich aus dem Marketing und habe mit dem Selber-Anpreisen weniger Probleme und 3. habe ich mich immer mehr als Dienstleister, denn als Künstler verstanden und meine Zielgruppe (Business-Fotografie) erwartet das auch.

    Ich kenne aber auch andere Fälle wie Deinen, bei dem die Leute nicht rechtzeitig die Reissleine ziehen, Druck, Stress und Verbiegen nicht aushalten und aus der Freiheit der Selbständigkeit wird dann leicht ein Beinah-Burnout.

    Von daher Respekt für den Schritt in die neue Richtung. Mein Steuerberater, der auch bei der Gründung mitgeholfen hat sagt immer: “Du kannst gar nicht mehr scheitern, weil Du es nämlich versucht hast. Es kann sein, dass es nicht klappt – aber das ist nicht Scheitern. Wenn Du mit 80 und Schlauch in der Nase auf dem Rücken liegst, musst Du Dir nicht sagen ‘ach hätte ich das doch mal probiert’ … ”

    In diesem Sinne – viel Erfolg bei den neuen Aufgaben …

  71. Ich weiß nicht, was der Artikel soll jammer jammer.Es ist doch ganz klar, das Du dein Produkt Foto anbieten mußt dem Kunden.Der Kunde kennt dich nicht, also mußt Du dem Kunden klar machen, das Du der richtige bist für de Job.Wie blaueugig bist Du auch an deine Selbstständigkeit rangegangen.Preise kalkulieren:keine Ahnung, Sein Produkt (Foto) anpreisen:keine Ahnung und sich dann wundern wen es den Bach runter geht.

    • Ich lese kein Gejammer da raus und auch kein Scheitern. Samuels Bilder sind klasse und er würde seinen Weg machen, wenn er es denn weiter wollte. Auch blauäugig ist er nicht rangegangen, aber leider zerstört das Business so manchen Spaß an der Sache. Davon kann ich auch als Komponist ein Lied singen. Für mich spricht aus Samuels Worten Stärke und nicht das Gegenteil.

      • Der einzige der den Artikel nicht richtig gelesen hat bist Du wohl.Er gibt doch selber zu das er mit seinen Preisen zu billig war.Er konnte ja auch sein Produkt Foto nicht an den Kunden bringen das gibt er ja auch zu in seinem Artikel zu.Seinen Weg machen der Weg ist zu Ende gewesen. PLEITE und nicht anderes schön rederei lächerlich.

  72. Hi Samuel,

    finde ich mutig und sehr ehrlich. Ich habe versucht, die Fotografie noch als weitere Selbständigkeit neben meiner ersten zu betreiben. Ich war ungemein erleichtert, als ich die Fotografie als Gewerbe nach 3 Monaten wieder abgemeldet habe. Vor allem kein Papierkram und keine Verpflichtungen mehr. Als Hobby will ich in jedem Fall weitermachen, auch wenn die Zeit arg knapp ist. Also Daumen hoch für deine Entscheidung.

    Grüße, @lex (Röder) <

  73. Toller Beitrag. Kann ich zu 100% nachvollziehen und bestätigen. Ich könnte schom immer durchdrehen, wenn ich höe, wie Paare bei ihrer Hochzeit um 50 € Feilschen oder sagen: “Hey, du kriegst doch kostenlos essen”. Die Fotografie ist zum Großteil nur noch als Hobby zu gebrauchen. Weil erstens jeder Mensch heutzutage “Fotograf” ist, wenn er fotografiert und zweitens, in der Tat die schlechtesten Bildermacher die vollsten Auftragsbücher haben. Es gibt Ausnahmen. Aber auch bei denen sieht man, dass sie eher ihre Person, ihre Coachings und Trainings verkaufen und nicht mit “Fotografien” das Geld reinholen. Ein sehr harter (und umkämpfter) Beruf heutzutage. Leider wie jeder aus dem Kreativbereich …

  74. Hallihallo Samuel,

    ein lieber Freund hat mich auf deine Zeilen aufmerksam gemacht, mit den Worten: “lies das mal, das klingt als wenn du es geschrieben hättest ;-) ”

    Ich war fast 10 Jahre lang Berufsfotografin und habe mich Ende Okt.2014 dazu entschieden, der Auftragsfotografie den Rücken zuzukehren.
    Vielleicht hast du ja Lust und Zeit, auch meinen Werdegang zu lesen – wahrscheinlich wirst du dich in einigen Punkten wieder erkennen.

    Doch bei all der Ähnlichkeit in unseren Zeilen gibt es doch einen kleinen Unterschied: ich wünsche dir, dass du DANKBAR sein kannst für deinen Weg, den du gegangen bist. Du warst selbstständig und hast deine eigenen Erfahrungen sammeln dürfen. Du hattest Mut, aus deiner Leidenschaft deinen Beruf zu machen – wie viele haben das schon heute? Sei ein wenig stolz auf dich und schau dankbar zurück! Hadere nicht mit deinem Weg. Es war ganz sicher kein Umweg – sondern ein Weg, der dich zu dem Menschen macht, der du heute bist :-) …wer weiß wohin er führen wird. Alles hat seinen Sinn – da bin ich mir ganz sicher!

    Fühl dich herzlich gegrüßt von

    Silvia aus Berlin

    http://www.silvia-nock.de

  75. Danke, Samuel.

    Du sprichst mir aus der Seele. Selbst bei vielen gefeierten Fotogurus ist oft nur Psychologie zu erkennen, manchmal wenig Geschmack, manchmal auch kein Können.
    Ich habe Hochzeitsreportagen für 2500€ gemacht und fotografiere jetzt nur noch für mich. Nicht einmal für meine Homepage oder Facebook. Mach dein Ding! Und werde glücklich!

  76. Habe schon lange nicht mehr so einen Artikel wie deinen hier gelesen.
    Du hast viel Liebe und Leidenschaft in dir ,weil genau das ich aus deinem Artikel lesen kann.
    Folge deinem Herzen, konzentriere dich auf deine Familie zu Hause und nehme die Kamera nur in die Hände, wenn dir danach ist.

    Hochzeitsfotografie ist ein ganz spezielles Gebiet wie ich finde.Es steckt sehr viel Verantwortung dahinter und Stress. Es ist sehr intensiv, was den Tag an sich angeht und die Zeit danach, die man braucht.

    Folge deinem Herzen und fotografiere deine Frau und deine Tochter, den das sind oft die besten Bilder im Leben!Fotografie ist etwas sehr persönliches, das tief in uns steckt, sobald wir uns auf dieses Abenteuer einlassen und mit dem Herzen fotografieren.

    Alls Gute für die Zukunft.

    Patryk.

  77. Du magst die Entscheidung Dich seinerzeit selbständig gemacht zu haben zu bedauern, nach allem was Du aber jetzt über Dich weißt und was Dir wichtig ist, erscheint es mir als Außenstehender, eher eine extrem wertvolle Erfahrung zu sein. Und dieses Wissen hättest Du möglicherweise nie erlangt, wenn Du es nicht erlebt hättest. Alles Gute weiterhin

  78. Alles Gute! Fulltime Fotograph folgt imho der 80/20-Regel: 1 Tag Bilder machen, 4 Tage Vermarktung und Vertrieb… Das – neben Spass am Beruf – war der Grund, bei meinem Brotberuf zu bleiben! Und ein halber Tag lichtbildnern geht knapp auch so…

  79. Darum will ich erst garkeine Selbständigkeit.
    Ich habe früher alles Fotografiert was mir vor die Linse gekommen ist.
    Dann habe ich 3 Jahre aus Spaß bei einem Berufsfotografen Assestiert und Teils seine Shootings übernommen. So bin ich dazu gekommen Menschen zu Fotografieren. Dann spielte ich mit de Gedanken, ernsthaft. Ließ mich Beraten holte mir Informationen und vpr 13 Jahren war es schon so das es mehr Kampf mit den anderen gewesen wäre als Spaß. Ich wollte aber den Spaß. Meine damalige Freundin wollte das ich aufhöre (Eiversucht ich hatte ja angeblich mit JEDEM Model etwas) also hörte ich auf irgendwann verlor ich das Hobby aus den Augen ich wendete mich der Programmierung und den Grafiken zu. Dieses wurde dann zu meinem Hobby und ich erstelle jetzt in 3 Tagen eine Social-Community im Alleingang,
    Dann kaufte ich mir eine Neues Handy ein Nokia Lumia 925 mittlerweile habe ich eine Frau an meiner Seite und wir haben Kinder. Aber da war es wieder..dieses alte Feuer… Ich Knipste wo ich konnte so oft ich konnte wo auch immer mit dem Handy. Das Programmieen hing ich dann an den Nagel, ich Finanzierte mir selber eine Weiterbildung zur Sicherheitskraft und liebe diesen Berufauch wenn er nicht immer ganz Ungefährlich ist und echt mieß bezahlt wird …. Ich finde ihn toll. Trozdem Kaufte ich mir jetzt vor ca 4 Monaten meine erste Digitale Kamera und ich lebe mein altes Hobby wieder aus als Hobby denn die Fotografie als beruf möchte ich nicht, ich möchte mir keinen Täglichen kampf ums überleben liefern, ich möchte Sicherheit für mich und meine Familie. Ich kann Dich in deinem Endschluss also sher sher gut Verstehen und es kann, darf und sollte von Dir auf jedenfall ein Hobby bleiben denn du machst Tolle Fotos.

  80. Hallo Samuel,
    ich glaube, dass das Wort Respekt wohl am häufigsten zu deinem Entschluß und vor allem auf deinen veröffentlichten Artikel verwendet wurde. Egal, ich sag´s auch noch einmal – Respekt vor deiner (vermutlich richtigen) Entscheidung. Komisch, auf die ein- oder andere Weise erkennt man sich immer ein wenig selbst wieder. Wie dem auch sei, ich wünsche dir für dich und deine Familie für die Zukunft alles erdenklich Gute.

  81. Ich habe mir in den letzten 2-3 Jahren viele Motivations Videos angeschaut . Und muss nun sagen ; keines davon hat mich so berührt wie dieses . Komisch !
    Ich bin seit 3 j nebenberuflich mit der Kamera unterwegs , habe oft überlegt Selbstständig zu werden . Sich verkaufen zu können ist auch mein Problem , deswegen habe ich das mit der Selbstständigkeit aus meinem Kopf erst mal verdrängt

  82. Sehr reflektiert und ehrlich. Ich denke den meisten Fotografen fehlt es an Unternehmerischen geschick. Einen Teil kann man lernen, der Rest ist fester Bestandteil der Persönlichkeit. Ich bin seit fast 10 Jahren selbstständig und liebe es!

    Großen Respekt vor Deiner Entscheidung.

    Alles Gute und Gesundheit wünshe ich Dir und Deiner jungen Familie.

    Motivagent | André Heinermann

  83. Sehr guter Beitrag. Ich selbst habe eben diese Entscheidung vor 2 Jahren getroffen, nachdem ich etwas über drei Jahre Selbstständig war. Es war eine lehrreiche Zeit und ich bin zu sehr ähnlichen schlüssen gekommen, die Berufsfotografie ist nichts für mich.

  84. Samuel Du hast es auf den Punkt gebracht.
    Als gelernter Werbe und Industriefotogaf stelle ich mir jeden Tag so einige Fragen wenn ich mein Unterhalt in einem ganz anderem Bereich verdiene! “Wofür habe ich den Beruf überhaupt gelernt?”
    Dir und Deiner Familie ein schönes Fest! :-)

  85. Samuel, Respekt für dein Selbstvertrauen – dieses Thema so offen anzusprechen. Ich hab dein Blog/Website immer gern besucht und hoffe hier bald viele Bilder zu sehen, die aus Leidenschaft entstanden und dies insich tragen :)

    Alles Gute wünsch ich Dir und Deiner jungen Familie.

  86. Toller und ehrlicher Artikel! Und es stimmt: “schlussendlich ist alles nur verkaufen und anbieten, nicht die Leistung oder die Qualität an sich ist entscheidend, leider!” Dieser Artikel würde vielen die Augen öffnen, die vorhaben sich selbstständig zu machen. Es gibt Menschen, mit fantastischen Ideen, aber niemand hört oder sieht sie. Diese Menschen wollen aber keine Verkäufer sein, sie wollen Fotografen sein, Handwerker oder Designer. Ich will auch lieber Amateur bleiben, jemand der liebt was er tut!

    • gilt das nicht für alle “selbständigen” Berufe?!
      Selbst in solch hehren Berufen wie Arzt geht es letztendlich ums wirtschaftliche Überleben eines Kleinbetriebes und damit um “verkaufen” (Igelleistungen).
      Selbständig sein heißt immer auch: Verkäufer sein.
      Wer das nicht kann oder will, muss ins Angestelltenverhältnis!

  87. … interessant. Ich erkenne sehr vieles, was du hier schreibst. Ich persönlich habe mich nach vielen Gedanken, welche in die selbe Richtung gehen, entschlossen durchzubeissen. Trotz all den “Bitch-Jobs” und dem laaaangen Atem, den es benötigt, fotografiere ich so gerne, dass ich durchhalten will – oder es jedenfalls probiere. Als Lehrer möchte ich nicht mehr arbeiten :-)

    Viel Freude auf deinem Weg!

  88. ****1. Ich bin kein Verkäufer****

    naja, dieses Problem gibt es ja nicht nur in der Fotografie….

    sich verkaufen können ist vermutlich das A und O wenn man irgendwie “Erfolgreich” sein will. Manche können das so gut, die verkaufen Dir notfalls ihre gebrauchte Oma, mit samt deren Renault R5 dazu zum Schnäpchenpreis ;-)

    Die verkaufen Dir etwas, wovon sie selber offt noch nicht mal die leiseste Ahnung haben, wie es wirklich funktioniert… das ist erschütternd, und dazu kommt, dass sie dann natürlich “Quellen” brauchen, für KnowHow und günstige Güter…. da kommt dann unsereins wieder ins Spiel.

    Genau aus dem Grund (weil ich kein guter Verkäufer bin, und ein Gewissen habe), tu ich das was ich tu, auch nur im Nebenerwerb…. und auch da fällt es mir nicht immer leicht.

    Stimme Dir voll zu, und glückwunsch zur Einsicht :-)

  89. Dein Traum muss nicht unbedingt das Ende sein. Entwickel dich jetzt in dieser Phase weiter und greife dann erneut aus einer Neben ( Selbständigkeit) an. Ich denke, dass wenn du einige Projekte, oder vielleicht auch einige Wettbewerbe gewinnst, dass du dir deinen Kundenkreis aufbauen kannst. Um mich herum Wohnen leider nur Menschen die teilweise für 19 Euro Fotos machen, nur fällt es mir nicht sonderbar schwer, mich gegen die durchzusetzen, da die Qualität die Kunden beim zweiten mal zu mir treibt. Und dann kommt nicht hinzu, dass auch Fotografen am Service Arbeiten müssen und Service heißt nicht in den A kriechen, sondern einen Kafe´anzubieten, bevor der Kunde Fragt. Trotzdem ein sehr schöner Text, den ich nicht als Traurig empfinde, sondern mehr als Befreiung und ein Weg die Selbsterkenntnis zu verstärken. Chapeau!

  90. Lieber Samuel,

    ich habe deinen Bericht sehr aufmerksam gelesen und kann dann deine Beweggründe sehr gut nachvollziehen. Diese Entscheidung zu treffen war sicher nicht leicht und vielleicht hattest du kurz das Gefühl, du verrätst dich selbst und dein Leben ist nicht so “neat” wie evtl. geplant, aber in dem Moment wo du sie getroffen hast, fühltest du dich erleichtert und optimistisch. Und das ist das beste Zeichen.

    Ich verstehe nur nicht, warum du so kritisch mit dir bist. Dass du sagst, du hättest das vorher wissen können, wenn du nur besser Bescheid gewusst hättest und vielleicht sogar schon ein Coaching besucht hättest. Da überschätzt du dein Urteilsvermögen, denn du hast damals deine Entscheidung mit den Informationen und nach dem Erfahrungsstand getroffen, den du damals hattest. Erfahrungen kann man nicht lernen oder weitergeben oder in einem Coaching beigebracht bekommen. Erfahrungen kann man NUR machen.

    Diese Jahre sind weder verschwendet noch fehlinvestiert. Es sind wertvolle Jahre, in denen du dich selbst besser kennengelernt hast. Diese Erfahrung solltest du nicht bereuen, sondern fein säuberlich verpacken und in deinem Gedächtnis hüten. Denn sie wird dir im Leben bei weiteren Entscheidungen helfen. Sie hat dich reifen lassen und deine Persönlichkeit geprägt.

    Ich wünsche dir alles Gute. Das Leben ist so verrückt, es kommt meistens 1. anders 2. als man denkt.

    Liebe Grüße,
    Katrin

  91. Danke für diese Offenheit.

    Grundsätzlich ist das Scheitern an falscher Kalkulation, dem nicht verkaufen können von vernünftig kalkulierten Honoraren und dem ungenügenden Erfassen des Aufwands in der Fotografie nichts Neues.

    Es hat sich in 10 Jahren Digitalfotografie aber exponentiell vervielfacht. Denn heute genügt eine DSLR mit 2 Zooms, einer Festbrennweite fürs Image, ein MacBookPro, eine Homepage – am besten mit einem Blog – um sich als “Berufsfotograf” zu versuchen. In der Luxusvariante mit Visitenkarten und 2 Kompaktblitzen. Dafür braucht es nicht mal 10.000€, die lassen sich irgendwie zusammen bekommen. Da man in den Blogs fast nur erfolgreiche Fotografen mit aufregendem Leben präsentiert bekommt, führt das für Aussenstehende zu einer dramatischen Fehleinschätzung der Realität.

    Dass man aus dem Dilemma des niedrigen Preises schwer heraus kommt, hast du persönlich erlebt. Ich erlebe auch noch eine andere Seite. Die Person, die mit diesem Preis in den Ring gestiegen ist, geht irgendwann, aber der Preis bleibt für alle anderen zum Weiterkämpfen hier. Und für jeden der aufgibt, kommt mindestens einer nach. Das heisst glaube ich Marktwirtschaft.

    Es gibt Seminare und Kurse zur Existenzgründung, Kalkulation, Betriebsführung und steuerlichen Fragen. Ist halt weder cool noch hip, wäre aber eine Basis für alle, die Fotografie ernsthaft zum Beruf machen wollen. Früher™, also da, wo angeblich alles besser war, hat man das im Meisterkurs gelernt. Für alle, denen das neu ist: Fotografie ist imho ein Handwerksberuf, auch wenn man dazu heute keinen Meisterbrief mehr braucht.

    Alles Gute, Samuel. Respekt für die Entscheidung den Beruf wieder zum Hobby zu machen. Aber besser so, als mit 35 und einem Schulkind Privatinsolvenz zu beantragen, denn davon gibt’s auch einige Ex-Kollegen. Man liest davon halt nichts in den Blogs.

  92. Hallo,
    dein Beitrag hat mich sehr geruht, fast zur trenen weil ich das gleiche erlebt habe… Habe 6 Jahren als Fotografin gearbeitet und mich mit der Konkurrenz zu durchsetzen war sehr schwer. Dieses Beruf habe ich mit schweren Herzen aufgeben müssen…. Das leben geht weiter und wünsche dir alles gute. :-)

  93. Vielen Dank für deinen Artikel. Ich habe mich ebenfalls am 1.4.2009 selbständig gemacht. Jetzt bin ich in meinem 6. Geschäftsjahr und bereue es nicht. Damals war ich 50 Jahre.
    Als Fotograf sehe ich mich als Dienstleister – meine Bilder müssen den Kunden gefallen und diese müssen dann ‘gerne’ bezahlen. Ohne ein mehrwöchiges Gründungscoaching wäre es nicht gegangen. Trotzdem ist es schwerer und ich kann alle deine Gründe verstehen. Bei mir war 2012 ein Durchhänger. Jetzt sehe ich langsam Licht am Horizont. Für eine nachhaltige Selbstständigkeit muss man auch der Typ sein. Deine Entscheidung für dich und deine Familie war bestimmt richtig.
    Gruß aus Düsseldorf!
    Uwe Reinert
    http://www.reinert-photography.de

  94. Respekt, lieber Samuel,

    zu erkennen, dass bei aller Liebe zur Fotografie, ein Job darin zusätzlich ganz andere Skills benötigt, und dann daraus auch eine konsequente Entscheidung zu treffen, das ringt mir großen Respekt ab. Love it – change it or leave it, die Änderungsnotwendigkeit bei sich selbst zu suchen und zu wissen, dass man dazu nicht bereit ist oder es nicht kann. Du wirst in deinem Leben Erfolg haben, da bin ich mir sicher! Alles Gute!

  95. Hallo Samuel,

    ich habe lange keine so ehrlichen Aussagen mehr gelesen. Danke für diesen Artikel!

    Ich habe auch mal in einer gewissen Weise mit dieser Idee gespielt, aber mich dann entschieden, es gar nicht erst darauf ankommen zu lassen. Es ist für mich das schönste Hobby und das wird es auch bleiben – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deine Aussagen und Erfahrungen, haben mich jetzt in meinem damaligen Entschluss bestärkt.

    Danke auch für deine interessanten Berichte und deine tollen Fotografien.
    Für deinen zukünftigen Weg wünsche ich dir natürlich alles Gute und viel Erfolg!

    LG Michael

  96. Danke für diesen sehr ehrlichen Artikel, soviel öffentliche kritische Selbstenschätzung kostet bestimmt eine Menge Mut, wird aber vielen Menschen die Augen öffnen. Ich habe mich nebenberuflich als Familienfotografin selbstständig gemacht und finde das eigentlich die ideale Lösung, die perfekte Kombination aus Sicherheit und (kreativer) Freiheit. Allerdings muss man hier doll aufpassen, dass man nicht zuviel arbeitet (unter der Woche der Teilzeit-Bürojob, am Wochenende der Fotojob), sonst steuert man schneller als einem lieb ist auf den Burnout zu. Liebe Grüße aus Berlin!

  97. Hallo Samuel!

    Hochachtung, dass du diese Worte findest, weil ich vor der gleichen Situation gestanden bin.

    Fakt ist aber, egal in welcher Branche du dich selbständig machen möchtest, du immer VERKAUFEN musst. Dich oder deine Produkte. Das ist auch mein größtes Problem.

    Zum eigenen Stil (die Bilder gefallen mir übrigens) muss man sagen, es ist leider in der Geschäftswelt so, dass der Kunde den Stil vorgibt. Darüber kann man verärgert sein oder nicht. Wenn ich zu Terminen fahre und mir die Kundenwünsche anhöre, dann bekam ich oft graue Haare. Am Ende war der Kunde dann mit den Fotos zufrieden und nur das zählt. Ich kenne auch Menschen, die sich einen kotzgelben Polo kaufen (meine Ansicht) und vielleicht findet der Verkäufer diese Farbe ebenfalls fürchterlich. Am Ende zählt aber nur der Kunde. Ich habe mich damit abgefunden. Wenn der Kunde Bilder haben will, die am Kopf stehen, dann stehen sie am Kopf. Punkt.

    Und das Problem mit dem Preis hatte ich auch. Nur ich sage mir jetzt, ich mache nur noch Projekte, die bezahlt – richtig bezahlt werden. Oder ich mache etwas bewusst umsonst – für Vereine u dgl. Billig gibts nicht mehr. Und es war eine Durststrecke, aber jetzt gehts bergauf.

    Ich glaube, du solltest deine Entscheidung noch mal überdenken und vielleicht nebenberuflich noch einmal durchstarten. Ich wünsch dir jedenfalls alles Gute.

    Gut Licht aus Österreich
    Wolfgang

  98. Der Artikel ist so super… Du nennst hier so viele Punkte an die den wenigsten Denken…

    Ich betreibe die Fotografie nach wie vor als Hobby und Zeitvertreib, auch wenn es teuer sein kann. Wenn man mal zwischendurch ein bisschen Taschengeld bekommt reicht mir das voll und ganz!

    Außerdem: Würde jeder sein Hobby zum Beruf machen, wofür gibt es dann noch Hobbys?

  99. Hey Samuel

    ich hab mal nach dem ich deinen Artikel gelesen habe auf meiner Fanpage geteilt.
    finde es traurig das du so denkst versteh aber das du so handelst.
    Ich finde den Artikel so interessant weil ich genau wie du ein totaler Quereinsteiger war und genau wie du 2008 angefangen habe mich dafür zu interessieren allerdings mit 0 plan fotografie.
    da ich zu dieser zeit arbeitslos war konnte ich aber mir alles aufsaugen was fotografie und Bearbeitung anging. 2009 hatte ich dann nebengewerbe und 2010 vollgewerbe angemeldet. Auch ich hatte diese preise aus angst das ich zu teuer bin. aber das habe ich dann rapide geändert bin in meiner Stadt der teurere Fotograf. Das habe ich aber auch einer person zu verdanken die mir die angst genommen hatte und zwar calvin hollywood. er sagte mir damals das die Leute zu mir kommen weil sie meine Bilder und meine Leistung wollen. denn die macht dich und mich und den passbildfotografen mit milchigen hochzeitsfotos im Schaufenster einzigartig. und wer deine Bilder mag oder liebt der bezahlt auch 1800€ für eine hochzeitsreportage bei dir. man muss eben die arschbacken zusammenkneifen und durch. man brauch eine gewaltige portion Selbstvertrauen das ist fast aber du wenn du nicht weißt das du gut und was du wehrt bist, wird es schwer. Sicherheit ist ein akzeptabler Grund den ich verstehe und nachvollziehen kann. und vielleicht war die zeit unvorteilhaft mit deinem kind das es genau jetzt kommen musste. das weißt nur du aber man muss eben auch mehrmals fallen im leben und beruf denn das geht am einfachsten aber das Aufstehen und daraus lernen das ist die Kunst und die Schwierigkeit dabei.

  100. Eine sympathische (und ja sehr persönliche) Auflistung von Binsenweisheiten. Das Spannungfsfeld zwischen Berufung und Notwendigkeit im Job ist nicht nur bei Fotografen gegeben. Mich wundert nur, dass gerade bei den Fotografierenden so viele erst so spät “aufwachen”.

  101. Der Artikel ist sehr interessant und öffnet sicher vielen Leuten die Augen. Ich habe grossen Respekt vor Deiner Entscheidung und kann sie nach dieser Schilderung absolut nachvollziehen. Das bestätigt wieder einmal, dass nicht die Qualität zählt sondern der Preis. Schade drum !
    Ich wünsche Dir alles Gute für Dein “neues” Leben !

  102. Lieber Samuel,

    ich finde Deinen Artikel ehrlich und sympathisch!

    Gleichzeitig fehlt mir – auch in den meisten Beiträgen – die realistische Sicht auf die Bedeutung eines Berufes.

    Ganz gleich, in welchem Feld wir uns bewegen, durchlaufen die meisten Menschen einen mehr oder weniger fordernden Weg einer Ausbildung oder eines Studiums, sie investieren Zeit und Geld, um sich fachlich und persönlich zu entwickeln. Das ist im Regelfall immer noch die Voraussetzung für Profession.

    Ist es nicht geradezu eine Hybris, die eigenen Bilder sehr gelungen zu finden, was sie durchaus sein mögen, und dann daraus zu schließen, man könnte auch den Beruf mit allen Facetten erfolgreich ausüben? Welcher Herzchirurg ist jemals in den OP-Saal gerufen worden, weil er für sich selbst festgestellt hat, er könne ganz gut mit dem Messer umgehen? Wer fliegt Passagierflugzeuge, weil er tolle Modelle baut? Berufliches Können ist mehr als Talent.

    Gleichwohl verdient Dein Versuch, im Leben etwas zu wagen, Respekt. Die mögliche Ent-Täuschung ist am Ende das, was von unseren Idealen übrigbleibt und uns reifen lässt.

    Mit Deiner Geschichte können sich vermutlich deshalb so viele identifizieren, weil es das ist, was uns allen schon passiert ist: Tolle Ideen, Träume und Wünsche mutig zu realisieren versucht und auf die Nase gefallen.” Aufstehen und weitermachen!”, kommentierte Hemingway solche Situationen.

    Viel Glück für Deine Zukunft!

    Tina

    • Hi,

      nein, wirklich nicht. Fotografie als Handwerk aufzufassen, ist der falsche Ansatz. Entsprechend konservativ und statisch ist auch das, was dort als “gute Fotografie” verstanden und geprüft wird. Und gerade heute sind Fotografen nur mit dem “handwerklichen” Arsenal nicht sehr gut aufgestellt für den Markt.

      Die freie Fotografie wurde ja auch schon zu Zeiten des sog. Meisterzwangs unterlaufen, und das war ein Segen für Journalismus, für die Corporate- und für die Werbefotografie. Nicht umsonst sind sehr viele außerordentlich gute Fotografen Quereinsteiger gewesen – zu allen Zeiten.

      Viele Grüße
      Christian

      http://www.christianahrens.de
      http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

  103. Fotograf ist kein Beruf sondern Berufung in der heutigen Zeit. Es gibt die Crème de la Crème die in diesem Beruf gut verdient und gut davon leben kann und es gibt ein großes Heer an Fotografen die gerade so über die Runden kommen.

    So wie es scheint kann man sich in keinem anderen Bereich so einfach selbständig machen wie im Bereich der Fotografie oder habt Ihr schon mal irgendwo einen Blog oder Trainer für Gas- Wasserinstallateure gesehen? Ich nicht.

    Der Schritt in die Berufsfotografie sollte jedenfalls gut überlegt sein und man wird schnell eines besseren belehrt wenn man dann mal diesen Schritt gewagt hat, es gehört jedenfall viel Glück dazu das leider nicht jeder hat.

  104. Moin,

    ich kann die ganze Kommi-Lobhudelei nicht nachvollziehen.
    Jetzt hat der Zug gemerkt, dass er doch kein Schiff ist. Toll!

    Wenn du dich nicht verkaufen kannst, dann hat das primär nichts mit Fotografie zu tun.
    Ich bin ja auch kein Schlagersänger geworden. Ich kann halt nicht singen.
    Und als Berufsfotograf musst du dich NICHT verkaufen.
    Es gibt genug angestellte Fotografen, die nur Fotografieren und Photoshoppen.
    Und das am Band.
    Und wenn du halt keinen Bock auf Kundengespräche hast und nix von Marketing verstehst…
    Dann ist Selbstständigsein (merke, nicht Berufsfotografie) wohl keine Option für dich.

    MfG
    Rod

  105. Du sprichst mir grad sowas von aus der Seele… Das schöne ist, dass man die Fotografie nicht komplett an den Nagel hängen muss, wenn man sich wieder einen Job mit fixem Einkommen sucht.

    Ich selbst entdecke grade wieder die Lust, einfach das zu tun wonach mir ist und Aufträge abzulehnen – ohne den Druck, Auftrag X anzunehmen zu müssen und dramatisch ausgedrückt damit meine Seele zu verkaufen, damit ich meinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann.

  106. Ich sag mal so, du hast den Schritt gewagt und hast es auch wieder zurück geschafft.
    Hut ab, das du denn Schritt zurück geschafft hast. Für mich wäre Berufsfotograf nix, da (wie du so schön geschrieben hast) ich das fotografieren müsst was ich am Ende gar nicht wollte.
    Finde deinen Still und lebe Dein Hobby.

  107. Hallo Sammuel,
    Du sprichst mir aus dem Herzen, nur dass mein Ausflug ins Profilager noch viel kürzer war. Ganz schnell habe ich gemerkt, dass ich keine Lust auf Klinkenputzen und die Gestaltungsvorstellungen meiner Kunden hatte. Auch ohne finanziellen Druck ist es schön zu wissen, dass ein fester Betrag X am Monatsende auf mein Konto geht. Noch viel mehr zählt, meine eigene kreative Energie zum Schwingen zu bringen und nur das zu machen, auf das ich Lust habe. Ich habe meine künstlerische Heimat in einem Fotoclub voller erstklassiger und engagierten Amateuren gefunden und erfahre mehr Anerkennung meiner Leistung als vorher, z.B. bei Wettbewerben und Ausstellungen. Nichts spricht außerdem gegen eine Vermerktung meiner Bilder. Alles kann, nichts muss.
    Ich wünsche Dir, dass Du mit Deinem Neuanfang glücklich wirst und dass Dir Dein Haubtjob noch genug künstlerischen Freiraum lässt sowie soviel Salär, um Dir das eine oder upgrade fürs Equipment und die Reise zu den Wunschmotiv leisten zu können.
    Viele Grüße Uta Chlubek

  108. Hallo

    Du sprichst mir aus der Seele mit Deinem Text. Ich habe auch schon gerne neben bei was fotografiert bis ich in meiner grossen Verwandtschaft der Mann für alle Fotos und Feierlichkeiten war . Fand ich toll und hat mich stolz gemacht. Aus lauter Übermut habe ich dann die Partyfotografie angefangen jedes Wochenenende , ich bin bekannt beleibt und Sie haben mir erzählt ,was für tolle Bilder ich mache und diese sich runter geladen haben. Alles umsonst da noch. Hat mich wieder stolz und frei gemacht meine Bilder machen zu können. Dann habe ich übermütig angefangen Event und Konzerte für die Presse zumachen Richtige Werbegalerien für die Presse . Wieder war ich der Mann der seine Bilder machen könnte entgegen dem ganzen blöden Gerede wie man Bilder machen muss . Welche Einstellung man muss und überhaupt keine Ahnung zuhaben was Sie da erzähle und nur was auswendig gelernt habe, um den Profi raushängen zulassen ähnlich wie bei einem Piloten Ich habe immer meinen Hauptjob gehabt um Druckfrei und Spaß zuhaben bei meinen Fotozügen durch die Events , Es war und ist für mich ein riesen großer Spaß das machen zu können für Geld einfach nur um das Fotografieren ausleben zu können wie ich es will.
    Ja es gibt zu viel Fotografen die nur das Geld sehen und alles ablichten mit viel Dunst und Nebel was sich verkaufen kann. Das sind Verkäufer keine Fotografen. Eine Familie brauch diese Prolospiel nicht .Sie brauch das was ich als Fotografe auch bieten kann Liebe und Verliebtheit in die Sache .Viele Grüße Burkhard Eventfotos aus Köln

  109. du folgst der leidenschaft – das ist gut. und falls du wieder berufsfotograf wirst, wirst du sicher ein noch viel besserer, nämlich der, der seine persönliche note auch verkaufen kann. danke für deinen persönlichen bericht.

    achja: ich kenne viele, die das edelste equipment haben und keine fotos zustande bekommen. leider wird heute fotografische stangenware zum chinapreis nachgefragt.

    ich wünsche dir und deiner familie für die zukunft alles gute :)

  110. Hallo,

    ein paar Bemerkungen zu den angerissenen Themen:

    “Sich verkaufen können” –
    oder anders ausgedrückt: “Erfolgreich mit Menschen kommunizieren”. Muss oder besser: darf man das nicht in jedem Job? Auch ein Angestellter hat mit Kunden zu tun, mit Kollegen, Vorgesetzten usw. Erfolgreich zum Kunden zu kommen heißt: erfolgreich mit Menschen eine Beziehung aufbauen, geschätzt sein für das, was man tut und die Beziehung pflegen. Klar gibt es Menschen, die das unterschiedlich gut können. Richtig ist aber auch, dass man Kommunikationsfähigkeiten lernen und trainieren kann. Und dass diese Fähigkeit zu einem erfolgreichen Berufsleben gehört, empfinde ich als eine Voraussetzung, an der man kontinuierlich arbeiten sollte.

    “Preise regieren den Markt” –
    Das ist kein Phänomen der Fotografie, sondern unserer Zeit. Wenn Unternehmen Bürostühle, Rohstoffe oder Halbfertigteile einkaufen, agieren sie (sehr oft) ganz genauso. Der billigste Anbieter wird genommen. Es sei denn, man sucht eine ganz bestimmte Qualität, Kompetenz oder Zuverlässigkeit. Dann wird der Qualitätsanbieter genommen. Fotografen sind daher sehr gut beraten, auf ihrem Gebiet Premiumqualität zu produzieren und sich auch so darzustellen. Das tun aber nicht viele.

    Kreativität – Künstlertum
    Wenn man nur sich selbst ausdrücken möchte, sollte man definitiv kein Berufsfotograf werden. Wer aber bereit oder begeistert ist, seine kreativen Fähigkeiten in den Dienst von (am besten sorgfältig ausgesuchten) Kunden zu stellen, hat Aussichten auf ein großartiges Berufsleben. Wer beides tun will: geht auch und ist wunderbar. Diese Fragen sollte man für sich wirklich klären.

    Amateure zerstören den Markt
    Halte ich für eine zu simple Ausrede. Denn ein Profi sollte auch in unserer Zeit sich deutlich von den Amateuren abheben: in der Qualität, im Auftreten, im Angebot und natürlich auch im Preis. Man muss das zu erreichen versuchen, was man für seinen Erfolg braucht: Hochzeiten für 200 Euro anziehen zu wollen, ist wirtschaftlicher Selbstmord. Es sollten die für 2500 Euro sein. Da kann man hinkommen: mit außerordentlichen Leistungen und mit guter Kommunikation.

    Märkte
    Liest man die Beiträge hier, gewinnt man den Eindruck, Hochzeitsfotografie sei die einzige Form von professioneller Fotografie. Das ist nicht der Fall, sehr im Gegenteil. Es ist sogar ein besonders problematischer Zweig: am meisten von Quereinsteigern, Amateuren und Jungprofis geflutet und zudem mit der problematischen Spezies des Privatkunden gesegnet, der nur einmal bucht. Oder bieten findige Fotografen auch schon den Doppelpack “Hochzeit + Scheidungsparty” an? Wäre vielleicht eine Marktlücke. Auf jeden Fall gibt es viel mehr Felder und viel interessantere und Lukrativere. Als ran an den Markt.

    Es gibt noch viel zu dem Thema zu sagen: ich finde es gut, aufzuhören, wenn man nicht mehr will oder nicht mehr kann. Aber die Grabreden auf die Berufsfotografie gefallen mir auch nicht: Fotograf zu sein ist nach wie vor ein großartiger Beruf, in dem man erfolgreich tätig sein kann, auch wenn einem der Erfolg vielleicht nicht mehr so leicht fällt wie in den 70er und 80er Jahren. Und die Fotografen sollten sich auch mal uneitel selbst beim Kragen packen und sich fragen: wo stehe ich? Und wo müsste ich stehen, wenn mein Traum eine Erfolgsgeschichte werden soll? Und was kann ich dafür noch tun und lernen?

    Viele Grüße
    Christian
    http://www.christianahrens.de
    http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

  111. Ein wunderbarer Text, unter den ich einfach nur ein Ausrufezeichen setzen möchte. Mir erging es ganz ähnlich, wenn mir auch die dauerhafte Berufserfahrung fehlt, ich habe die Reißleine viel früher gezogen.

    Dieser Beruf ist eine Typsache, keine Frage von Talent. Ich studierte Grafik/Werbedesign, liebte es, meine Gedanken und Gefühle “künstlerisch” umzusetzen und wurde während des Studiums auch von allen Seiten unterstützt. Draußen in der Realität sieht das anders aus: man putzt die Popos der Kunden, die eigene Meinung und Kreativität gehen verloren, gefragt ist das eigene Durchhaltevermögen und die Anpassungsfähigkeit an eine Welt, die man sich ganz anders vorgestellt hat.

    Nach nur 2 Praktika, die ich trotz einem festen Angebot gekündigt habe, studiere ich nun Psychologie und bin so glücklich wie nie zuvor. Während ich nach meinem Studium keinen Stift und keine Bearbeitungsprogramme mehr angerührt habe, fange ich langsam wieder an aus vollem Herzen zu entwerfen: genau so, wie ich es mag.

  112. Sehr klaren worte dazu, ich mach es nur hobbyx mässig das was ich will wann ich will wo ich will… und würde mir in der heutigen zeit nie einfallen mich da selbstständig zu machen. finde deine Entscheidung toll.
    da werde einige noch ihr wunder erleben, :)

  113. Und ich bin irritiert über alle, die anscheinend mit den größten Scheißfotos (subjektiv, ich weiß!) in der Lage sind, soviel Geld zu verdienen, dass sie davon gut leben können.

    Fotografie [besteht] zu 75% aus Psychologie im Kontakt mit den Kunden

    So isset nun mal, in vielen Bereichen.

  114. Lieber Samuel,
    was du geschrieben hast ist eine offene und ehrliche Selbstreflexion. Respekt! Die einfühlsamen Kommentare zeigen, dass du vielen aus der Seele sprichst.
    Jetzt habe ich mir mal deine Website angesehen. Deine Preise sind marktgerecht, sie sind auch keineswegs schlecht kalkuliert. Die Kundenkommunikation, die ich auf der Website sehen kann, ist ansprechend und zielgruppen gerecht. Und deine Bilder sind besser als bei vielen Mitbewerbern.
    Ich selbst bin ca. 1990 aus der selbstständigen Berufsfotografie (Bildjounalismus, später Werbefotografie) ausgestiegen, habe fast 20 Jahre was ganz anderes gemacht und bin dann wieder (erfolgreich) eingestiegen. Diesmal in die Hochzeitsfotografie.
    Es gibt eine zweite Chance!
    Johannes

  115. Hallo liebe Profi- & Nebenerwerbsfotografen!

    168 Kommentare konnte ich jetzt nicht alle im Detail lesen, deshalb kann es sein, dass ich manche Dinge wiederhole. Man möge es mir nachsehen. Kurz zu mir: 18 Jahre Werbung (als Kreativer und Kreativ-Direktor) in allen möglichen bekannten Werbeagenturen. Habe also unzählige Fotoproduktionen geleitet. Meine letzten Stationen waren Grabarz und Jung von Matt. Ohne “Klugscheißerisch” wirken zu wollen, möchte ich mal “von der anderen Seite” berichten und euch Ratschläge, Tipps, Insights, etc. geben, die vllt. noch einmal einen anderen Einblick geben. Hinweis vorab: Die Nummerierungen ist nicht entsprechend der Wichtigkeit.

    1. Verlangt von Anfang an den Preis, den eure Arbeit wert ist und den Preis, den ihr zum Überleben braucht. Wer glaubt mit Dumpingpreisen einsteigen zu können um dann plötzlich 50%-100% draufschlagen zu können irrt. Ihr werdet schneller aus den Karteien fliegen, wie ihr euren Nachnamen sagen könnt. Wer an sich glaubt, wird zwar erstmal kaum Jobs bekommen, aber später eben den Preis verlangen können, den er braucht.

    Ich sag nur: Einmal Billig-Ecke, immer Billig-Ecke.

    2. Kunst vs. Kommerz. Wer damit nicht klar kommt sollte gleich in die Kunst gehen oder sich einen neuen Job suchen. Kunden (egal ob Hochzeitspaar oder klassischer Werbekunde) wollen natürliche einmalige Bilder, ABER eben keine Hardcore-Experimente in denen man sich selbst nicht wieder findet.

    Natürlich wäre ein Unterwasser-Hochzeitshooting neu und ungesehen, aber würde sich das Oma auf die Fensterbank stellen? Natürlich wäre ein Product-Shooting neu und ungesehen, wenn man es unscharf in den Hintergrund stellt, aber würde das wirklich verkaufen?

    Ich überprüfe mich in solchen inneren Konflikten immer selber. Wie bin ich selbst als Kunde, wenn ich z.B. beim Friseur bin? Vllt. kennt ihr das: Der Hairstylist (kommt gerade von einem Kreativ-Workshop) will mir, weil es gerade DER Trend ist und MIR super stehen würde, seitlich den Schädel rasieren, links lang lassen, zwei Scheitel einziehen und die Spitzen blau färben.

    Ich entscheide mich dann auch (fast) immer für vorne kurz, hinten kurz, Feierabend. Also: Auf dem Teppich bleiben, dann entsteht auch kein dauerhafter Frust.

    HINWEIS: Dass heißt nicht, dass man nicht kreativ sein kann. Bloß eben im Rahmen der Möglichkeiten und nicht aus jedem Shooting ein documenta-Projekt machen wollen.

    3. Entwickelt für euch ein Konzept, eine Idee, eine Spezialisierung oder eine Foto-Innovation, die euch von anderen abhebt. Die People-Landscape-ich kann alles-Portfolios lassen euch in der Masse nur untergehen. Ich erinnere mich z.B. an die Jungs aus Australien mit ihrer Matrix-Fotografie. Jahrelang haben sich die Agenturen um die Jungs geprügelt und nahezu jeden Preis akzeptiert, weil NUR sie das konnten. Über diesen “Schlüssel” sind sie dann auch für andere Projekte angefragt worden.

    4. Spart euch das Geld für teure Aussendungen! Egal ob digital oder als postalisches Büchlein! In 18 Jahre ist mir nicht ein Fall bekannt, dass über so eine Aussendung jemand einen Job bekommen hat. Ruft potentielle Arbeitgeber an, meldet euch für einen kurzen Kaffee an und präsentiert euch persönlich.

    Kein Witz: Ich bekomme täglich mind. 6 Aussendungen von Fotografen aus aller Herren Länder. Wo die landen könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen.

    5. Wo wir schon beim Thema Portfolio sind: Keine Ahnung warum, aber 9 von 10 Fotografen-Homepages sind unnavigierbar. Man braucht fast 10 Minuten bis man diese Homepage-Experimente durchblickt hat.

    Bitte simple Homepages! Schon mancher guter Fotograf ist aus der Auswahl wg. seiner nervigen Homepage rausgeflogen.

    6. Will keinen Krieg zwischen euch anzetteln, aber es ist tatsächlich so, dass Hobby- & Nebenerwerbsfotografen Profifotografen Jobs wegschnappen und Preise kaputtmachen.

    Es gibt die irrige Annahme, dass (auch große) Agenturen nur finanzstarke Kunden vertreten. Falsch gedacht! Das Gros sind kleine und mittlere Kunden und selbst namhafte Kunden haben für Kleinshootings (2-3 Printmotive) auch nicht viel Geld.

    Da kommt dann sehr gern, gerade vom Kunden der Hinweis: “Sind ja tolle Fotografen-Vorschläge, ABER ich kenn da einen Fotografen, der macht auch tolle Fotos, können wir denn nicht nehmen?”

    Ist leider so: Dank besserer Technik und anderem Schnick-Schnack, kann mittlerweile jeder Hans-Dampf ganz ordentliche Ergebnisse erzielen.

    Mir selbst passiert: Habe mein, mit Smartphone, geschossenen FB-Profil Bild durch zwei-drei App-Filter gejagt, den Bildausschnitt etwas ungewöhnlicher ausgewählt – ZACK! – selbst Profi-Fotografen habe mich angeschrieben wer dieses tolle Foto gemacht hat.

    Deshalb an alle Profis: Zu Hinweis No. 3. Entwickelt eigene Konzepte, eigene (nicht so einfach) kopierbare Projekte, damit ihr euch abhebt.

    7. Letzter Tipp: In Hamburg haben sich Werbesprecher zusammen getan und eine Art “Mindestlohn” vereinbart. Wo vorher jeder “seinen” Preis verlangt hat,
    kommt man jetzt als Agentur bzw. Auftraggeber nicht drum herum ein Minimum zahlen zu müssen.

    Natürlich unterwandern einige Sprecher das um zwei Ecken, ABER es hat tatsächlich gewirkt. Vllt, solltet ich euch ähnlich zusmmenschließen.

    Das mal nur so aus einer anderen Ecke.

  116. So sehe ich das auch und würde mich deswegen, ungeachtet ob ich das mit der Qualität meiner Bilder überhaupt könnte, niemals selbständig machen. Dafür fotografiere ich zu gerne um mir das durch beruflichen Zwang kaputt zu machen.

  117. Hallo!
    Du beschreibst etwas,das sich beliebig austauschen läßt auf andere Gewerbe und Tätigkeiten! Wenn Du nicht verkaufen kannnst (oder willst), wirst Du als Selbständiger niemals glücklich sein! Nicht als Fotograf und nicht als etwas anderes!
    Die Entscheidung ist natürlich umso leichter, je einfacher man in einen anderen Job zurück gehen kann.

  118. Eine etwas späte Einsicht. Wie viele Berufsfotografen haben Leute wie Du mit ihren Dumpingpreisen schon in den Konkurs gedrängt. Jeder der ein paar hundert Euro für eine Kamera ausgeben kann, fühlt sich dazu berufen sich Fotograf zu schimpfen, macht gelernten (echten) Fotografen die Preise kaputt und nimmt ihnen die Kunden weg.
    Irgendwann kaufe ich mir auch einen Werkzeugkasten im OBI und repariere Autos für 50,- Euro. Das einzige was ich Dir anrechne ist, dass Du wenigstens Gewerbe angemeldet hast. Andere machen das schwarz, was noch schlimmer ist…

  119. Ich bin nur mittelmäßige Fotografin aber mit Herz und Seele bei dem was ich tue.
    Deine Beschreibung, wie du dich fühlst, kann ich so gut nachvollziehen.

    Druck ist in allen Lebensbereichen der Zerstörer von Kreativität, Lebenslust und Schönheit. Das Herz weist den Weg. Dort wo es zu Hause ist, da ist das Leben.

    Mich hat nie eine Schilderung über den Weg in die Selbstständigkeit berührt, dieser über deinen Ausstieg tut es. Auch Wegweiser :-)

    Alles Gute für dich mit deiner Famile
    Elke

  120. Ich beobachte diesen Beitrag jetzt schon paar Tage und es ist echt interessant was man hier so liest. Die einen bekunden Mitleid und die anderen sagen recht so, geschieht im Recht. Berufsfotografie ist jeden Tag ein neuer Kampf darüber sollten sich alle im klaren sein die in diesen Bereich wechseln wollen.

    In keinem anderen Bereich ist es derzeit so einfach sich selbständig zu machen wie Fotografie. Wobei sicherlich noch mal unterscheiden muss zwischen dem Porträt-, Hochzeitsbereich und der Werbefotografie. Im ersteren Bereich treiben sich schlechte Amis, Semis wie auch Profis aber auch gute Amis, Semis und Profis. Das Problem ist halt nur das die Profis einen größeren Kostenaparat haben wie die Amis oder Semis da ja der Staat und gewisse Institutionen mitverdienen wollen. Aus dem Grund kann der Profi nur mit Erfahrung und prof. Arbeitsweise punkten.

    Manchmal kommt es mir so wie wenn es derzeit nur eine Siegergruppe gibt und das sind die Fototrainer die sich zu kleinen Stars mit Ihren Jüngern gemausert haben. Man nimmt an Ihren Workshops teil und kauft Ihre CDs :-)

  121. Meine Rede Samuel, dass die schlechtesten Fotografen das meiste Geld verdienen (ich überzeichne ein wenig, aber der Grundsatz stimmt). Warum? Schau Dir die großen Meister der Geschichte an wie van Gogh & Co. Alle als Milliadäre gestorben. Das waren Künstler und keine Marketing Experten (sprich Verkäufer). Und Marketing sells – auch ohne Quality! Du wirst als leidenschaftlicher Sternekoch, nicht an den Umsatz von Mac Donalds anknüpfen können. Ausnahmen bestätigen die Regel – wenn Du z.B. ein Bild über 99 Cent für 2 Millionen verkaufst!
    Aber das sind die Leiden vieler, auch sehr guter und erfolgreicher Fotografen. Sie spüren oft, das Kunst und Kommerz auch bei ihnen nicht wirklich zusammenfließt und sie sich einen Freiraum für das künstlerische schaffen müssen, der aber finanziell zunächst nicht sehr erträglich scheint. Auch ich wollte immer nur der Künstler sein. Aber dann hat es mich genervt, als schlechtere Fotografen das gemacht und umgesetzt haben, was ich mir schon Jahre zuvor gedacht hatte – es mir damals aber zu marktorientiert erschien. Vor ein paar Wochen, hatte ich mal ähnliches zu diesem Thema geschrieben: http://www.frank-riederle.de/cms/news/20-international-wedding-days.html

    Beste Grüße Frank

  122. Es gibt nur einen Unterschied zwischen Fotoamateur und Berufsfotograf: der Amateur darf das Foto machen, was er möchte, der Berufsfotograf muss in der Lage sein, das Foto herzustellen, welches der Kunde möchte ohne wenn und aber. Wer sich, nach ordentlichem Nachdenken über die verschiedenen Schwierigkeiten, nicht in der Lage sieht, das zu leisten, sollte diesen Beruf nicht wählen. Der ist knallhart und hat nichts mit der allgemeinen Darstellung in vielen Medien gemein. Viele sehr gute Amateurfotografen übersehen genau diesen Aspekt. Sie machen oftmals die schöneren Aufnahmen, scheitern aber, wenn es genaue Aufgabenstellungen gibt. Ich finde Deine Entscheidung gut und richtig, Du wirst viel glücklicher mit der Fotografie, als wenn Du es jeden Tag nur für Kunden machen musst.

  123. kann ich komplett nachvollziehen, da ich eine ähnliche entscheidung gemacht habe. ich habe in brussel (ich bin belgierin) meinen bachelor in fotografie geholt. arbeit damit zu finden war nicht immer einfach, ich wäre häufig überqualifiziert, oder habe jobangebote bekommen wovon ich meinen lebensunterhalt nicht von bestreiten kann. das schlimme ist nur, das wirklich jeder hans und franz sich forograf schimpfen darf, egal ob diese person überhaupt was drauf hat. eine reportage auf programmautomatik und blitz auf ttl… tut mir leid, aber das hat nichts mit fotografie zu tun. diese art von fotografen bieten sich auch für ein appel und ein ei an… wie soll man gehen so was angehen? für jeden handwerkberuf muss man einen gesellenbrief oder sogar einen meisterbrief vorlegen können, für fotograf nicht. verstehe mich nicht falsch, ich habe bekannten die sich autodidactisch unheimlich viel gutes beigebracht haben, das noch verbessert haben durch gute kursen zu belegen. aber es ist tatsächlich so, dass man sich als berufsfotograf behaupten muss gegen leute die sich für einen bruchteil von dem eigenen preis anbieten. eine reportage gehört komplett fertig in einem hochwertigen album mit echten fotos, portraits gehören auf seidenraster, die arbeit muss professionell aussehen. aber viel leute legen da keinen wert mehr drauf. “nein, fotoalbum brauchen wir nicht, machen wir selber” wo jeder weiss das nach 3 jahren immer noch nichts passiert ist mit dem “selber machen”. leider sehen die leute erst den unterschied wenn sie was zum vergleichen haben. sei das bewerbungsfotos, reportagen, produktfotos,… ich mache mich schon seit ein paar jahren gedanken darüber wie es weiter gehen soll. am anfang des jahres habe ich mich für eine neue ausbildung entschieden und mache fotografie nur noch nebenbei. fotografie macht mir sehr viel spass, aber die welt dadraussen sie sich “professionell” schimpft… leider trifft das nur auf einem bruchteil zu.
    ich wünsche dir und deiner familie alles gute!

  124. Lieber Samuel, Du sprichst sicherlich sehr sehr vielen aus dem Herzen. Nicht nur den Fotografen, allen künstlerischen Berufen geht es so. Verkaufen … und selbst wer ganz oben steht und extrem über den Leistungen anderer, muß dies noch. Leider leben wir in dieser Welt und können die auch nicht mehr umtauschen. Darum respektiere und schätze ich Deine Entscheidung sehr. Noch einmal, vielen Dank für Deine ehrlichen und für viele auch wertvollen Worte.

  125. … es hätte ich sein können, die diese zeilen schreibt.
    danke für die kullerträne, danke für die ehrlichkeit, danke für die gleichheit.

    nette Grüße und viel freude am hobby!!

  126. Schön, dass ein Fotograf seine Erfahrungen ehrlich mit anderen Fotografen und Interessierten Fotokünstlern teilt.
    Der Fotografen-Beruf entwickelt sich rasant weiter. Kunden wollen nicht nur exzellente Bilder, sie wünschen sich optimale Bildbearbeitungen, kreative Ideen, Videos und das zum bestmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnis.
    Als selbstständiger Unternehmer muß mann zu jeder Zeit kaufmännische Aspekte in Entscheidungen einbeziehen, klare Ziele fokussieren und erreichen.
    Ich arbeite seit über 25 Jahren als Fotograf für Hotels, Restaurants, Gastgewerbe und die Tourismusbranche. Meine Erfahrung als Hotelfotograf http://www.hotelfotograf.de ist: Wer seine Ziele verfolgt, erreicht sie auch. Man wird sich nicht immer mit eigenen Vorlieben und fotografischen Ideen bei Kunden durchsetzten können. Man lernt aber alle Schwierigkeiten zu überwinden und ein guter Handwerker/Fotograf zu sein, ohne die Liebe zur Fotografie zu verlieren.

  127. Hallo Samuel,
    das sollte eigentlich ein Pflichtbeitrag für jeden sein, der mit dem Gedanken spielt, sich als Fotograf selbstständig zu machen. Insbesondere für diejenigen, die das aufgrund einiger kleiner Jobs und/oder Lobhudeleien aus dem Verwandten-/Bekanntenkreis tun wollen. Ich weiß nicht, mit welchen Vorstellungen Du Dich selbstständig gemacht hast, aber ich denke, die wenigsten erwarten eine solche Zeit- und Arbeitsverteilung. Es muss von vornherein klar sein, was der Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet. Wie eigentlich in jeder Branche. Und dann entscheiden: Ist es das, was ich wirklich will – und auch kann?
    Ich für mich habe geantwortet: Nein. Akquise? Nicht mein Thema. Organisation so zeitaufwendig? Brauche ich auch nicht. Fotografieren und Bilder bearbeiten möchte ich, kommt mir jedoch in der Zeiteinteilung zu kurz. Auch die Selbsteinschätzung ist schwierig – wie gut bin ich, sind meine Fotos wirklich? Bisher war meine Kundschaft immer begeistert, aber ich sehe auch selbst viel geilere Fotos und Fotografen. In Summe lasse ich lieber die Finger davon, zumal ich letztens noch in einer Gehaltsübersicht gesehen habe, dass ich mein Gehalt annähernd halbieren würde. Nein, danke. ^^

  128. Hallo Samuel,
    wow, soviele Kommentare zu Deinem Beitrag. Das Thema scheint doch sehr aktuell zu sein:” Kann man von Fotografie leben?”
    Ich bin seit 25 Jahren Fotografin, mit klassischen Werdegang, Lehre, Gesellenprüfung und nach einigen Jahren Meisterprüfung. Ich bin seit vielen Jahren selbstständig und habe derzeit 8 Mitarbeiterinnen.
    Als ich anfing, war die Fotografie noch ein wirkliches Handwerk und ein sehr kostspieliges Hobby – heute hat man kleine Computer in der Hand und den Rest erledigt man am Rechner. Man kann endlos ausprobieren, das einzige was man braucht ist Zeit. Das kann oder will aber ein Kunde nicht bezahlen. Also muss man Tempo in die Sache bringen und auch Dinge fotografieren, die man vielleicht privat als freie Arbeit nicht machen würde.
    Das ist dann Berufsfotografie. Im Beruf sind immer Dinge dabei, die man machen muss, einfach des Geldverdienens wegen. Und man muss die Arbeit trotzdem einwandfrei abgeben. Wir Berufsfotografen erhalten uns unsere Kreativität durch freie Arbeiten in der Freizeit um weiter Leidenschaft für unsere tägliche Arbeit zu haben. Die eben auch viel Büro, Marketing, Mitarbeiter, Buchhaltung usw. beinhaltet. Und heute bedeutet es auch noch, dem Kunden zu erklären, warum man nicht für ein Taschengeld arbeiten kann. Ich würde mir wünschen,dass ihr Hobbyfotografen entweder zu den gleichen Bedingungen arbeiten würdet, also kein gesicherter Job bis Freitag um 12Uhr, sondern 100% und angemeldet oder fotografiert für Euch, für Euer Vergnügen. Der Beruf Fotograf stirbt langsam aber sicher aus, weil keiner mehr ausbildet. Die Kenntnisse der wahren Fotografie gehen langsam verloren, weil man heute meint draufhalten reicht. Das ist aber nicht so und das wisst Ihr alle!
    Ich wünsche jedem weiter viel Freude und Leidenschaft in der Fotografie,
    ob so oder so!!

  129. Blogartikel dazu: Ich verkaufe mein Canon-Equipment! | Samuel Kümmel Fotografie

  130. Während ich das so lese, habe ich ein hämisches Grinsen im Gesicht. Aus haargenau den selben Gründen, wie du angetreten bist, ich bezeichne das inflationäre Fotografie, hast du nun merken müssen, was es heisst, wenn man sich aus dem Nichts zum Berufsfotografen aufschwingen will. Marktanteile ergattern ohne betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse (“… Ich kann nicht kalkulieren …”). So ware dein Vorhaben von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Wie das vieler anderer Hobbyisten ebenfalls. Ein Unternehmen kann man eben nur entweder professionell mit all seinen guten und schlechten Seiten aufziehen – oder man läßt es.
    Von ein paar Cent kann keiner leben. Und so kommt es, wie es kommen muss. Aber mach dir nichts draus, ich denke, dass der Beruf des herkömmlichen Berufsfotografen vom Aussterben bedroht ist. Und dass der Stilpirat, Pavel Kaplun, Calvin Holliwood eh die letzten großen Dinos in diesem Geschäft sind. Genauso, wie der Funker auf den Seeschiffen ausgestorben ist, der Heizer ist zusammen mit dem Verschwinden der Dampfschiffe ausgestorben, der Mechaniker wird vom Mechatroniker verdrängt …

  131. Zu so einer Entscheidung braucht man viel Energie, denn es ist ja nicht nur ein Job, es ist die Art wie du dir dein leben in den letzten Jahren eingerichtet hast. Umso mehr Respekt (habe leider kein anderes passendes Wort gefunden und muss es leider wiederholen) zu dieser Entscheidung und zur öffentlichen Erklärung.

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum du Fotograf geworden bist und auch, warum du es wieder hingeworfen hast. Manchmal sind Träume da, um eine gewisse Zeit lang geträumt zu werden, aber dann muss man aufwachen, und das zur richtigen Zeit.

    Ich denke, dass du in der Zukunft “wieder” viel Spaß an der Fotografie haben wirst, wenn diese nicht mehr nur dafür gut ist, deine Familie zu ernähren.

    Alles Gute für die Zukunft und immer gutes Licht für DAS Foto :-)

  132. Hallo, ich bin seit 30 Jahren Berufsfotograf, habe Kommunikationsdesign an der berühmten Folkwang-Uni studiert und man sollte meinen, dass man mit einer 6 jährigen Hochschul- Ausbildung das ganze doch easy schaffen sollte.
    Weit gefehlt.
    Meine Erfahrungen:
    Ende der 80ger, also genau nach meinem Studium (1986 beendet) ging es bereits langsam bergab mit der Fotografie.
    Damals war ich dem Wahnsinn noch verfallen, zu investieren in meinen Beruf, was völlig normal war. Insgesamt waren die Investitionen über die Jahre gesehen etwa 150.000 Euro bis heute.
    Natürlich waren die anfänglichen Investitionen damals sehr viel schmerzhafter, weil eine Großformatkamera sehr viel Licht beansprucht. 20.000 Wattsekunden und mehr waren keine Seltenheit. Oft bin ich nicht mal damit ausgekommen und mußte bis zu 8 x blitzten.
    Ein 2500 wattsekunden Generator kostete aber leider DM 5000 DM-damals-ein Vermögen.
    Und ich hatte letzendlich 8 davon.
    Eine Sinar P2 kostete DM15000 ohne Objektive und eine Mittelformatausrüstung mit Objektiven etwa DM 50000.
    Ich hatte ein eigenes Labor mit E6 Entwicklung , welches sich wirklich gelohnt hatte.
    Kommen wir zum Jahr 1997, meinem ersten Digitaljob mit einer Kodak DCS560, gemietet, weil sie DM 60000 gekostet hätte , für DM180 pro Tag, mit 1,5 MP übrigens.
    Gut , dass ich mit das Teil nicht gekauft habe oder irgendein anderes digitales Rückteil für meine Mittel- oder Großforamtkameras.
    Meine Auftragslage wechselte immer wieder von super schlecht(ich mußte Kredite aufnehmen, um meine Famlie zu ernähren) bis super,super gut (dann frass die Steuer den Rest).
    Will sagen, ich habe es nie geschafft, einen kontinuielichen, konstanden Auftragsbestand aufzubauen, der es mir ermöglicht hätte, mich und meine Familie zu ernähren.
    Ich rede hier nicht von Urlaub und sonstigem Luxus.
    Viele meiner Kollegen haben ihr Studio aufgegeben, arbeiten noch on lokation oder gar nicht mehr.
    Ich akquiriere seit vielen Monaten und bekomme immer häufiger die Antwort von Agenturen:
    Das fotografieren wir selber oder noch schlimmer, wir bekommen die sehr schlechten Fotos von unseren Kunden, oft mir dem Handy geknippst. Der Anspruch ist ins bodenlose gesunken, aber wir können nichts machen, ausser stundenlang die Scheisse zu verbessern, was oft nicht möglich ist.
    Ich könnte noch sehr viel erzählen aber ich gebe den guten Rat: lasst die Finger von der Berufsfotografie-sie ist ziemlich tot-leider.
    Wenn ihr einen sicheren Job habt , bleibt dabei und wechselt nicht, es ist ultra schwer und wird mit der digitalen Fotografie immer schwerer.
    Ich habe Momente erlebt, wo der Kunde eine vermeintlich und machmal auch tasächlich bessere Kamera im Schrank hatte, die ich mir persönlich nie leisten konnte.
    Das heißt natürlich nicht, dass er bessere Fotos machen kann.
    Das glaubten auch schon die Anwälte und Zahnärzte zu analogen Zeiten mit ihre Hasselblads in ihren Vitrinen. Nur, das die Filme damals sehr teuer waren und damit auch das Try and Error.
    Heute probiert jeder alles aus,kostet ja nix ausser Zeit. (nur Lebenszeit :-)
    Wenn diese Menschen sich bewußt machen würden, dass es besser wäre und kostengünstiger, in der gleichen Zeit, in der sie versuchen, ein auch nur halbwegs vernünftiges Foto zu machen,
    ihrem eigenen Job nach zu gehen….. wer weiß, aber vielleicht haben zu viele Menschen zu viel Zeit-oder sind zu geizig, denn Geiz ist ja bekanntlich geil….
    In dem Sinne , überlegt es euch gründlich.

    andracz

  133. Ach Sam, wie schade! Jetzt wollte ich dich eben für ein Shooting anfragen und dabei hab ich entdeckt, dass du aufgehört hast. In unserer Wohnung hängen zwei Fotos, die du geschossen und mir letzten Sommer geschickt hast und sie sind echt toll!
    …deine Entscheidung kann ich sehr gut nachvollziehen. Viel Spaß in deinem neuen alten Beruf, der ist nämlich auch echt toll :) Alles Gute für euch drei – vielleicht sieht man sich ja irgendwann mal wieder.
    Liebe Grüße, Jenni

  134. Vielen Dank für den Beitrag – er unterstreicht einmal mehr, dass Fachkompetenz nur eine von mehreren notwendigen Bedingungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit ist. Ohne kaufmännnisches Grundwissen etc. wird’s schwierig, egal in welcher Branche.
    Als Texter habe ich lange die Fotografen um ihre höheren Tagessätze beneidet – bis mir einer erzählt hat, was er in die Ausrüstung investiert hat.
    Für das Angestellten-Dasein wünsche ich gutes Gelingen!

  135. Ich grüße Dich,
    ja, genauso ist das mit der Selbstständigkeit, und ich bin es jetzt schon seit 1994, teils mit sehr gutem Erfolg, und teils mit sehr gutem Misserfolg. Bis 2012 als gewerblicher Mediengestalter, seitdem als künstlerischer Fotograf.
    Du hast in Dich hineingehört und Dich selbst erkannt, um dann die Konsequenz zu ziehen. Hut ab!
    Ein toller Artikel, den Du da verfasst hast, und sehr wahr und nützlich für alle, die denken, alles mitzubringen, um erfolgreich Geschäfte zu machen. Und nicht wirklich wissen, wie es ist, wenn gewiefte Kunden einen als Anfänger gnadenlos herunterhandeln …

  136. Toller Bericht, offen, ehrlich und schonungslos, vor allem persönlich! Ich verstehe jeden Punkt vollkommen und teile Deine Meinung was andere Fotografen angeht und auch die Preisentwicklung! Leider ist es so, dass nicht immer die Guten erfolgreich sind, und da kann man machen was man will … Fotografie ist heute längst nicht mehr das, was es mal war, und vor allem was Qualität vor und hinter der Kamera angeht. Es gibt einfach zu viele und so wie in Deinem Fall, auch einige, die sehr ähnlich verlaufen. Darunter sind auch welche, die unglaublich gute Qualität abliefern, aber diesen Druck nicht mehr wollen … und Berufsfotografie ist genau das! Abliefern müssen, um jeden Preis, egal ob viel oder wenig Verdienst! Viel Erfolg weiterhin und tolle Bilder! R.lphus