Ein Stapel Foto-Bücher und Bände sitzen auf einem älteren Sessel.
07. Dezember 2014 Lesezeit: ~7 Minuten

Die 5 Fotobücher des Monats

Liebe Leute, wir haben uns etwas einfallen lassen. Und zwar werden wir zur Abwechslung ab sofort jeden Sonntag ein Special der besonderen Art publizieren, das nicht so ein Riesengewurschtel Chaos wie die browserFruits darstellt.

Vier Themen werden wir uns annehmen, für Euch das Interessanteste herausfiltern und in kwerfeldein-Manier aufbereiten. Der jeweils erste Sonntag im Monat widmet sich Foto-Bänden, für die ich, Martin, zuständig bin.

Wisst Ihr eigentlich, wie viele Fotobücher jeden Monat erscheinen? Ich jedenfalls habe aufgehört, zu zählen, denn es sind sehr, sehr viele. Da ich selbst leidenschaftlicher Fotoband-Sammler bin und ständig nach Neuerscheinungen auf dem Markt forsche, wird es von meiner Seite einmal im Monat fünf Empfehlungen geben. Heute beginnen wir mit…

 

Cover des Buches Nicholas Nixon: The Brown Sisters

Nicholas Nixon: The Brown Sisters*

Im Oktober dieses Jahres machte ein Foto-Projekt im Netz die Runde und weckte die Neugier von Tausenden Menschen. Es handelte sich dabei um vierzig Aufnahmen von vier Schwestern, die nicht direkt nacheinander gemacht wurden, sondern jährlich.

Der Fotograf war Ehemann einer der vier Schwestern und machte aus dem ersten Schnappschuss kurzerhand ein Jahresprojekt, das nach vierzig Jahren nicht zum ersten Mal gekürt wird. Ebenfalls erhältlich ist es in einem Band zum 25.* und zum 33.* Jahresjubiläum.

Das vierzigste Jahr ist für dieses Projekt ein Meilenstein, denn: Die Serie ist noch lange nicht zu Ende. Zu beachten ist jedoch: Wer oben auf die beiden anderen publizierten Bände geklickt und etwas genauer hingesehen hat, wird den Preis nicht übersehen haben. Die Nixon-Bücher haben das Talent zum teuren Sammlerstück und so haben sich heute investierte 25 € (man achte an dieser Stelle auch auf den Verlag: das MoMA) in zwanzig Jahren vielleicht schon vervierfacht.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 3. November 2014
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
Verlag: Museum of Modern Art
Größe: 1,3 x 29,2 x 24,1 cm
Preis: 25 €

 

Darstellung des Buches Vogue: Das Kleid im offenen Schuber

Vogue: Das Kleid*

So manche Leser werden sich fragen, ob es sich bei diesem Buch um Mode oder um Fotografie handelt. Nun, es ist beides. Insgesamt 100 Jahre Modegeschichte verleihen dem Kleid den historischen Kontext, in dem es von diversen Fotografen für die Vogue in Szene gesetzt wurde.

Namen wie der deutschstämmige Horst P. Horst, Cecil Beaton oder Mario Testino werden im Buch nicht nur genannt, sondern ihre fotografische Aufarbeitung des Themas ist Teil des Programms. Die aufwändige Buchgestaltung mit silberner Folienprägung und schwarzem Schuber verleiht dem Buch auch haptisch eine exquisite Note.

Natürlich ist dieses Buch prädestiniert für Portrait-Fotografen und Menschen, die einen persönlichen Bezug zur Mode haben. Denn nur die werden tief in den Gelbeutel greifen – 79 € ist kein Preisknaller, jedoch handelt es sich hier mitnichten um ein schmales Taschenbuch.

Informationen zum Buch

Veröffentlichtung: 10. November 2014
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Prestel
Größe: 28,7 x 5,1 x 36,8 cm
Preis: 79 €

 

Cover des Buchs Survey von Stephen Shure

Stephen Shore: Survey*

Stephen Shore hat die Farbfotografie beeinflusst wie nur wenige andere. Er war wie William Eggleston einer der ersten, die sich weigerten, das der Kunst verschriebene Schwarzweiß zu benutzen und machte somit den Farbfilm auch außerhalb der Mode- und Werbefotografie salonfähig.

Auch hier im Magazin hielt eine Ikone Shores Einzug: Der rote Bulli. Auch mir hat es der Klassiker „Uncommon Places“ angetan und meine Begeisterung für Shores unaufgeregte Bildästhetik lässt sich kaum in Worte fassen.

„Survey“ vereint mit über 250 Abbildungen die Gesamtkarriere des amerikanischen Fotografen und ist daher vor allem für Neugierige interessant, die sich bisher nicht mit Shore befasst haben. Es befinden sich darin die wichtigsten Werke, die sich über sechs Jahrzehnte von 1960 bis 2014 erstrecken; bisher kaum ausgestellte Monochrom-Arbeiten sind ebenfalls abgebildet. Also auch ein Tipp für Kenner der amerikanischen Nicht-Dramatik.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: November 2014
Verlag: Aperture/Fundación MAPFR
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Größe: 24,9 x 3,5 x 31,2 cm
Preis: 39,95 €

 

Ausschnitt des Covers von Photographers’ Sketchbooks

Photographers’ Sketchbooks*

Willkommen zum hässlichsten Cover eines Fotobuches, das es jemals gegeben hat. Nun, vielleicht nicht das hässlichste, jedoch sollten Betrachter (in diesem Falle) nicht vom Äußeren auf das Innere schließen. Denn das, was das Buch behinhaltet, ist so großartig, dass ich nicht widerstehen konnte, es mir sofort zu kaufen.

Was dieses Buch herausragend macht, ist die Herangehensweise, mit der es sich Zugang zum Allerpersönlichsten verschiedener Künstler verschafft. Nämlich nicht in erster Linie mittels Fotos, sondern Notizenbüchern. Nein, nicht nur Designer haben ständig ein Moleskine zum Kritzeln dabei, auch Fotografen arbeiten damit.

„Photographers’ Sketchbooks“ sind neben Notizen und Zeichnungen von Magnum-Größen wie Peter von Agtmael, Jim Goldberg und Trent Parke auch Vorarbeiten und Geschriebenes von Künstlern wie Michael Wolf, Saul Leiter und Martin Klimas. Vollgekritzelte Kontaktabzüge, in Schreibkladden eingeklebte Fots und Aufnahmen vor dem Shooting machen dieses Buch eine unendliche Inspirationsquelle für Interessierte.

Übrigens ist einer der beiden Autoren des Buches im Netz nicht unbekannt. Es handelt sich um Bryan Formhals, den einige bestimmt von Twitter oder seinem leider nicht mehr aktiven Magazin kennen dürften.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 13. Oktober 2014
Verlag: Thames & Hudson
Gewicht: 1,9 kg
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Preis: 35,74 €

 

Ausschnitt des Covers vom Bildband Dennis Stock: Time Is On Your Side

Dennis Stock: Time Is On Your Side*

Dennis Stock war ein Mitglied der Agentur Magnum Photos — volles Mitglied war er ab 1954 — dessen Name eher selten fiel, obwohl Stock zu den bedeutendsten Fotografen der Nachkriegszeit gehörte. Er fotografierte eines der meistgedruckten Portraits seiner Zeit und jeder wird es kennen: James Dean, mit Kippe im Mundwinkel und durchnässtem Mantel am verregneten Times Square in New York City.

In zahlreichen Publikationen veröffentlichte er neben Hollywood-Schauspielern auch die hohe Riege der Jazz-Musiker, die er fotografiert hat. Heute bekannt ist sein von der Kamera verdecktes Gesicht aus einem Portrait, das Andreas Feininger 1951 von ihm erstellte.

Ende Oktober erschien unter dem Titel „Time Is On Your Side“ ein großer Band mit insgesamt 100 Schwarzweiß-Abbildungen von 1950 bis in die 1970er Jahre im Verlag Prestel. Der Band begleitet eine Ausstellung im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum, die vom 30. Oktober 2014 bis zum 25. Januar 2015 geöffnet ist.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 27. Oktober 2014
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Prestel
Größe: 24 x 2,4 x 28 cm
Preis: 45 €

 

Zum Abschluss noch zwei Bücher, die es nicht in die ausführliche Auswahl geschafft haben, aber dennoch sehenswert sind. Zum einen „People Of The 21st Century“*, das sich der Konformität von Kleidungsstilen annimmt und zum anderen wohl der kurioseste Band des Monats, der manchen Lesern Kopfschmerzen bereiten könnte: „Forgotten Brains of the Texas State Mental Hospital“.

Ich hoffe, dass Ihr heute fündig geworden seid – Fotobände sind übrigens auch ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Falls Ihr Empfehlungen zu Neuerscheinungen auf dem Fotobuch-Markt habt, schreibt mir eine E-Mail. Danke!

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

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27 Kommentare

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  1. Die browser fruits haben mir besser gefallen. Ich finde diesen Artikel gut und Stephen Shore: Survey ist wirklich toll, nur als Ablösung zu den browser fruits finde ich es etwas wenig zu lesen / nachzuschlagen. So muss ich jetzt alle Seiten selber abklappern, liegt also eher in meiner Faulheit begründet ….

  2. Die Browserfruits waren seit gefühlten Ewigkeiten quasi meine Sonntagszeitung zum Kaffee am Sonntag morgen. Browserfruits durchgucken. Dann hatte ich einen guten Überblick, wo in der Woche auf unzähligen externen Websites – denen ich nicht per RSS-Feed o.ä. folge – Interessantes zum Thema Fotografie erschienen ist. Dann noch einmal über die Kwerfeldein-Startseite schauen, ob in der Woche noch ein für mich interessanter Artikel erschienen ist.

    Nicht gegen 5 Fotobuch-Empfehlungen – ich kaufe regelmäßig Fotobücher. Aber überspitzt: 5 Affiliate-Links allein sind nicht ansatzweise ein Ersatz für die bisherigen Browserfruits. Ich hatte damals schon Kritik geübt, als die Ausstellungstermine aus den Browserfruits geflogen sind. Damals hieß es, dass es dafür extra Artikel geben wird. Gab es auch. Kurzzeitig. Ist vor einem halben Jahr eingeschlafen.

    Mein Nutzungsverhalten muss natürlich absolut nicht repräsentativ sein und Ihr werdet mit Blick auf die Statistiken schon wissen, was Ihr da macht. Aber für mich und mein Nutzungsverhalten ist Kwerfeldein mit dieser Änderung wohl tot. Sorry.

  3. Das was Du Riesengewurschtel und Chaos nennst hat mir wegen seiner Vielfalt und des Wundertüten-Überraschungselementes hervorragend gefallen. warum diffamiert Ihr eure eigenen Produkte ? Oder sind Konsumempfehlungen wie diese hier profitabler ?

  4. Wegen der Brause Früchte (browers fruits) bin ich irgendwann mal auf Eurer Website gestoßen. Wenn Sie am Sonnatagmorgen noch nicht online waren, wurde ich schon ungeduldig.

    Klar, schöne Fotobücher sind auch spannend, aber bei weitem nicht wie die Websites, die Ihr so entdeckt habt.

  5. Ich vermisse die BrowserFruits. Sie waren ein Grund, hier regelmässig vorbeizuschauen, Inspiration zu suchen. Buchempfehlungen mögen aus Wirtschaftlichen Gründen sinnvoll sein, aber können die BrowserFruits nicht ersetzen.

  6. Das Projekt „The Brown Sisters“ von Nicholas Nixon war 2013 Teil der Ausstellung „AGES. PORTRÄTS VOM ÄLTERWERDEN“ in der SK-Stiftung Kultur in Köln. Wie das Netz doch manchmal schläft …

  7. Schade, dass ihr dann so die Browserfruits nicht mehr bringen wollt.. War für mich sonntags ein gemütlicher Grund, mich mit einem Kaffee auf dem Sofa zurückzuziehen. Jetzt aber solch (blöde) Buchvorstellungen zu bringen, finde ich nicht gut… Da muss ich mir wirklich überlegen, euch überhaupt noch in meiner Blogroll zu führen. Sorry für diese Worte, aber dies musste so gesagt werden.

  8. Auch wenn es schon im Text steht, hier noch einmal: Wir verändern nur die Form der browserFruits. Es wird dennoch alles, was wir dort gesammelt hatten, weiterhin auf Kwerfeldein geben. Nur nicht mehr zusammengewürfelt in den Fruits. Lasst Euch überraschen und genießt den Adventsonntag.

  9. Krass wie manche direkt ‚abdrehen‘ ohne mal überhaupt abzuwarten, was geplant ist… klar waren die browser fruits toll, aber nach so langer zeit kann etwas Änderung, etwas frischer Wind ja nicht schaden. Man kann in heutiger Zeit nicht erwarten, dass alles für immer so bleibt und das dann noch so übertrieben dargestellt kundtun. Da kann ich echt nur den Kopf schütteln, wie trotzige Kinder…
    Ich finde es gut, dass man sich an was neues wagt, was anderes probiert, anstatt Monat für Monat, Jahr für Jahr die selbe Leier. Dass es nicht direkt beim ersten Versuch fetten Applaus gibt, ist ja immer zu erwarten. Lasst euch dadurch nicht entmutigen und macht weiter wie bisher.

    P.S. Ich finde die Buchvorstellung interessant, ob kwerfeldein dadurch Geld bekommt oder nicht spielt für mich dabei keine Rolle (mir wirds ja nicht aus der Tasche gezogen).

  10. Schade, das „Riesengewurschtel/Chaos“ war für mich immer eines der Highlights auf Kwerfeldein, auf das ich mich jede Woche gefreut habe. Immer wieder fand ich sehr lesenswerte Inhalte, auf die ich nicht selbst gestoßen bin. Und auch eine andere Perspektive auf die Veröffentlichungen der Woche zu sehen, hat mir immer sehr gefallen.

  11. Tolle Idee! Back to the roots – immerhin waren Buch und Ausstellung vor dieser digitalen Dareichungsform vorhanden.
    Als selbst leidenschaftliche Büchersammlerin würde ich mich freuen wenn auch ganz kleine die Chance bekommen gesehen zu werden. Selfpublisher, die dünnere Buchvariante Magazin und vielleicht auch antiquarische oder ältere Bücher. Und wer wirklich Interesse hat klickt auch 3 Seiten weiter um zum Ziel zu gelangen…