11. Oktober 2014

Kleider machen Leute

Vorurteile hat jeder, davon kann sich niemand frei machen. Wir beurteilen fremde Menschen auf den ersten Blick rein nach den Äußerlichkeiten und sortieren sie nach unseren Erfahrungen und den kulturellen Prägungen in Schubladen ein. Das macht es wesentlich einfacher, uns in der sowieso schon stark reizüberfluteten Welt zu orientieren, kann jedoch auch zu Rassismus und Diskriminierung führen.

Der Fotograf Joel Parés zeigt in seiner Serie „Judging America“ die typischen Stereotypen-Bilder: Die Muslima ist Terroristin, die schöne Asiatin Stripperin und der tätowierte Mann gefährlich.

So platt die Vorurteile sind, stellt er diesen die absolut entgegengesetzten Rollen gegenüber. Wieder platte Vorurteile, aber positiv. Aus der Muslima wird eine aufopferungsvolle Krankenpflegerin, die asiatische Frau eine Witwe mit drei Kindern und der Tättoowierer ist ein begnadeter Maler.

Es ist natürlich nicht überraschend, dass Kleidung unseren Eindruck eines Menschen verändert, aber ich finde es immer wieder spannend, wie sehr dieser Effekt doch funktioniert. Und es macht mich nachdenklich, wie stark ich wohl doch von meinen Schubladen an der Nase herum geführt werde.

Frau mit Burka und Maschinengewehr und als Krankenschwester

Mann als Gangster und Mann im Anzug

Mann als Obdachloser und Mann als Veteran

Mann mit Federboa und Mann mit Hemd und Jacket

Mann mit Arbeitskleidung und Mann mit Anzug

Mann mit Strick und Flagge und Mann als Pastor

Mann mit Tattoos und Messer und Mann mit Farbe als Künstler

Vorurteile bekämpfen ist wichtig, aber schwer. Sie helfen uns, uns selbst zu definieren und unsere Identität aufzubauen, führen jedoch im Gegenzug auch dazu, andere auszugrenzen. Deshalb ist es wichtig, sie sich immer wieder neu bewusst zu machen und zu reflektieren. Die Serie von Joel hilft dabei, weshalb ich mich freue, sie hier vorstellen zu dürfen.

Die komplette Serie findet Ihr auf Joels Webseite. Folgen könnt Ihr ihm auf Facebook, 500px und Instagram.

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14 Kommentare

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  1. Vorurteile kommen aber nicht von irgendwoher. Das darf man nicht leugnen. Oft bestätigen sie sich, manchmal auch nicht. Wenn wir zu einem Vorstellungsgespräch gehen achten wir sogar ganz bewusst darauf dass wir in unserem Gegenüber nicht irgendwelche Vorurteile erzeugen. So erleben wir es auch im täglichen Leben. So wie wir uns geben werden wir von anderen wahrgenommen. Vorurteile aus unserem Leben zu verbannen wird keine Kampagne der Welt schaffen. Jeder ist selbst dafür verantwortlich wie er in Gesellschaft wahr genommen wird…

    Es grüßt Reinhard

  2. Die Serie geistert ja schon eine Zeitlang durchs Internet und ist selten dämlich. Die Gegenüberstellungen sind platter als bei einem bayerischen Stammtisch.

    Ich finde die Serie auch durch und durch diskriminierend, da Menschen vom Fotografen auf Grund ihrer Tätigkeiten in die positiv/negativ-Schubladen gesteckt werden.

    Sozial niedrig gestellt: Der Gartenarbeiter. Sozial angesehen: Der Anwalt.
    Sozial niedig gestellt: Queers. Sozial angesehen: Firmengründer.

    Aha. Und was will uns der Fotograf damit sagen? Das wir erstmal abwarten sollen, ob sich unser Gegenüber nicht als sozial anerkannter herausstellt? Oder das Homosexuelle auch normale Menschen sind? Toll, willkommen im 21. Jahrhundert.

    Dieses Gegensatzpaar funktioniert nur, solange Erschaffer und Konsumenten diese Gegensätze als eben gesellschaftliche Gegensetze anerkennen. Und voila: Glückwunsch zum diskriminierenden Verhalten. Ich bin wirklich fassungslos, auf welcher oberflächlichen Ebene diese Auseinandersetzung abläuft und bin irritiert, dass das hier so unreflektiert wiedergegeben wird.

    Die Beurteilung von Menschen anhand ihres Äußeren führt übrigens nicht zu Rassismus. Sondern andersrum.

  3. Nun, die Vergleiche sind schon sehr plakativ, aber wohl auch so gewollt. Es ist ja nicht nur die (stereotype) Kleidung, die hier gegenübergestellt wird, sondern auch Mimiken, die Einstellungen darstellen sollen, und Symbole (Pistolen, Bibel…), die ganz klar eine Gesinnung charakterisieren sollen. Interessant wäre der Vergleich kleiner Unterschiede im Außenbild (Schnäuzer oder nicht oder so), die wir nur halb bewusst wahrnehmen. Dennoch ein forscher Versuch, der mir gut gefällt.

    Vorurteile sind normal und auch erstmal auch in Ordnung. Aber um bei dem Bild Schubladen zu bleiben. Ja, man steckt Leute nach ihrem Äußeren erstmal in eine Schublade, aber diese sollte immer offen bleiben.

  4. Das ist ja dermassen pointiert und gestellt, dass es eigentlich nicht mehr ist als eine Freak-Show. In der Realität funktioniert das ja leider ganz anders, sprich viel subtiler.

    antonio

  5. Ehrlich gesagt, wundert es mich, dass diese Serie hier auf Kwerfeldein gezeigt wird. Das Thema ist reichlich abgegriffen und die Umsetzung einfach nur plakativ. Gottfried Keller hat 1874 in seinem Roman “Kleider machen Leute” schon alles zu diesem Thema gesagt. Um Chris Hieronimus’ Artikel von vor ein paar Tage aufzugreifen: Die Bilderserie ist nur eine Reproduktion von schon dagewesenem.

  6. Naja… Wenn jemand ein Maschinengewehr oder Pistolen in der Hand hat, hat das doch nichts mit Vorurteilen zu tun… Irgendwie funktioniert das Dargestellte zum Inhalt nicht. Der Fotograf will sagen, dass Muslime nicht per se Terroristen sind bzw. diese Vorurteil vorkommt. Aber das so darzustellen, klappt nicht. Ich begegne einer Muslima im echten Leben ja nicht mit einer AK 47. Dass ich vielleicht denken könnte, sie wäre eine Terroristin, liegt an ihrer Herkunft. Wenn Sie eine AK 47 in der Hand hat, dann denke ich das zurecht. Ansonsten nicht.

    • Es soll ja auch nicht darstellen, dass die Person so im täglichen Leben zu sehen ist. Das Vorurteil liegt viel mehr darin, dass aufgrund der Herkunft, Religion, etc. trotz der “normalen Erscheinung” (siehe rechtes Bild) auf terroristische Verbindungen, etc. geschlossen wird (linkes Bild), Menschen also die Person rechts in ihrer Vorstellung so sehen wie auf dem linken Bild. Natürlich teilweise überspitzt dargestellt.

      So habe ich das zumindest verstanden.

  7. Ich weiß nicht ob das was mit Vorurteilen zu tun hat wenn ich Angst hab wenn mit zwei 9mm ins Gesicht gedrückt werden. Eine Frau mit Ak-47 MUSS mir Misstrauisch vorkommen weil ich mich nich gern duchlöchern lasse…

  8. Klasse Serie!
    Viele Fotografe spielen ja gerne mit Stereotypen und Vorurteilen. Bei inzenierter Fotografie findet man oft stark überzeichnete Figuren (z.B. Gangstertypen, die bis an die Szene bewaffnet sind, Tattos haben und in schwarz gekleidet sind). Das ist ähnlich wie bei Filmen, die leben ja auch davon, dass der Zuschauer einen Bezug zu den Elementen hat die gezeigt werden.
    Tolle Serie, aber ich denke nicht das sie dazu beitragen wird das Menschen ihre Vorurteile abbauen.
    Wenn mir jemand mit zwei Pistolen in der Hand entgegeknommt werde ich sicher anders reagieren, als wenn er eine Aktentasche und einen Anzug trägt.
    Ob er nun gelernter Anwalt oder gelernter “Gängster” ist, ist mir dabei dann egal ;)

  9. Hallo!
    Eine sehr schöne Serie!
    Wir hatten an der Universität eine Studie mit Fotos, Testgruppen Kontrollgruppen, etc. durchgeführt, (keine Repräsentative) die auch in diese Richtung ging. Die Ergebnisse stimmten uns teilweise sehr nachdenklich….

    LG Mika