10. September 2014 Lesezeit: ~5 Minuten

Der zweite Platz unserer Wacom-Aktion

Philipp Arnold hat mit seiner Serie „Photon“ bei unserer Aktion mit Wacom den zweiten Platz erreicht. Und da es viel zu schade wäre, diese tolle Arbeit in der Schublade verschwinden zu lassen, haben wir uns entschlossen auch sie auf Kwerfeldein zu zeigen.

Den ersten Platz bei unserer Aktion gewann Charlotte Grimm. Ihren Bericht findet Ihr hier. Im Folgenden berichtet nun auch Philipp von der Entstehung seiner Fotoarbeit.

Eine leuchtende Kugel im Gestrüpp.

„Persönliches Neuland betreten, etwas ausprobieren“ und „die üblichen Grenzen der Fotografie sprengen“, hieß es im Wettbewerbsaufruf. Witzigerweise hat bei mir alles völlig ohne Kamera angefangen; ich arbeitete zunächst mehr mit 3D Renderings und Photoshop.

Seitdem bewege ich mich mit meiner Fotografie aber recht konsequent in die entgegengesetzte Richtung. Die ganzen Werkzeuge und Medien verlieren stetig an Bedeutung, wenn ich fotografiere. Ich beschränke mich immer mehr allein auf die Möglichkeiten meiner Kamera. Diese Konsequenz will ich nicht unterbrechen, sondern weiter voran bringen.

Leuchtende Kugeln zwischen Bäumen.

Ein durchdachtes, ein geplantes Konzept umzusetzen, nicht mehr nur loszuziehen und einfach zu machen. Orte gezielt aussuchen, das Bild planen und die dazu passende Technik einpacken. Natürlich entwickelt sich ein Konzept im Laufe der Arbeit immer noch weiter, aber das war für mich schonmal ein großer Schritt nach vorn.

Hier in Kaiserslautern umgibt uns der Wald. Mit den Hunden bin ich jeden Tag dort. Jetzt wollte ich ihn auch mal in meinen Fotos einsetzen. Als mir dann noch ein Papierlampion quasi über den Weg rollte, stand meine Grundidee fest: ich wollte leuchtende Kugeln im Wald fotografieren.

Leuchtende Kugeln auf dem Waldboden verteilt.

Das Umgebungslicht sollte sich mit dem Kunstlicht mischen und eine unnatürliche Lichtsituation schaffen. Eigenartig und mystisch, aber nicht bedrohlich, sollte es sein. Im Laufe der Zeit spann ich die Idee immer weiter und versuchte eine Geschichte oder, nennen wir es vielleicht einen Handlungsbogen, für den Betrachter zu finden.

Die entstandenen Bilder zeigen nun leuchtende Sphären auf dem Boden, die aussehen, wie heruntergefallene Früchte. Fremd und doch vertraut wirken sie, wie sie da zwischen Blättern, Gras und Heidelbeeren liegen.

Leuchtende Kugeln bilden einen Pfad.

Dann werden daraus kleine Spuren, Pfade. Wie Fußabdrücke reihen sie sich aneinander und laden uns ein ihnen durch die Bäume zu folgen, als wollte der Wald uns etwas zeigen, uns ein Geheimnis offenbaren.

Wir folgen dem Pfad, an dessen Ende die Lösung wartet. An den Stämmen und zwischen den Wurzeln wild wachsender Bäume entsteht Licht. Es sammelt sich, wie Tau auf Blättern, zwischen den Stämmen und in den Hohlräumen bis diese überlaufen und es vom Baum herunterfließt oder abtropft.

Leuchtende Kugeln zwischen Baumgabeln.

Neben Papierlampions in verschiedenen Größen brauchte ich Licht, Licht und nochmals Licht. Da ich vor Ort natürlich keinen Strom haben würde und auch kein kleines Vermögen ausgeben konnte, stöberte ich auf ebay nach Blitzgeräten aus analogen Zeiten. Diese lassen sich zwar nicht regeln, noch bieten sie sonst irgendwelchen technischen Komfort, doch sie blitzen und das sollte genügen. Bis ich alle ersteigert hatte und sie eingetrudelt waren, verging etwas Zeit.

Für die erste Aufnahme verteilte ich sieben Lampions im Bild, hatte aber nur vier Blitze. So musste ich nach dem ersten Foto schnell drei Geräte umbauen bevor sich das Umgebungslicht wieder änderte.

Die Aufnahmen überbledete ich dann in Photoshop per Maske und Pinsel. Ansonsten beschränkte sich die Nachbearbeitung auf Lightroom. Ich passte die Tonwerte an, stellte die Lichter schön warm und die Schatten ein bisschen kühler, bog die Gradationskurve noch etwas zurecht, wendete die Objektivkorrektur an – fertig.

Leuchtende Kugeln in einer Baumgabel.

Neben den Blitzgeräten verwendete ich noch ein entsprechendes Sortiment an Funkauslösern und Akkus, außerdem Tüten, um die Geräte vor Feuchtigkeit zu schützen, sowie etwas Werkzeug zum Aufräumen und Befestigen.

Glücklicherweise ließen sich die Lampions auch ohne Hammer, Nägel und Zange gut in Position bringen, sodass ich etwas Gewicht sparen konnte. Dafür war ich wirklich sehr dankbar, denn ich musste ein schönes Stück laufen, um zu dem Ort meiner Wahl zu gelangen.

Das nötige Equipment für die Fotoserie.

Nicht zu vergessen das „Übliche“: Kamera und Stativ. Beim Objektiv entschied ich mich für eine 35mm Festbrennweite. Damit das Bild noch etwas mehr Räumlichkeit bekommt als bei 50mm oder einem leichten Teleobjektiv. Außerdem kam mir die hohe Lichtstärke am Abend sehr entgegen und natürlich die Freistellungsmöglichkeiten um den Hintergrund gegebenenfalls etwas zu beruhigen. Für alle Fälle hatte ich aber auch noch mein Standardzoomobjektiv dabei.

Dieser Wettbewerb war genau die Motivation, die ich brauchte um all die Schritte in Angriff zu nehmen. Im Rahmen der Zeit kreativ mit dem umzugehen, was ich hatte, war die Herausforderung, der ich mich gestellt habe.

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5 Kommentare

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  1. Vielleicht hab ichs nicht richtig verstanden, aber was hat das mit der Wacom-Aktion zu tun?

    Sehr schöne Bilder jedenfalls, ich mag die Idee, die Serie und auch die Umsetzung. Vielleicht ist es ja sogar noch ein Ansatzpunkt um die Idee um einen Menschen im Bild zu bereichern?

    LG
    c.