06. September 2014 Lesezeit: ~5 Minuten

Die Gewinnerin unserer Wacom-Aktion

Am ersten Juli hatten wir zu einer großen Aktion gemeinsam mit Wacom aufgerufen. Für die Chance das Grafiktablett „Wacom Cintiq Companion“ zu gewinnen, solltet Ihr die Grenzen der Fotografie durchbrechen, kreativ werden und ein neues Projekt umsetzen.

Dass das Ganze sehr anspruchsvoll war, zeigte auch die geringe Beteiligung. Am Ende hatten wir nur sechs gültige Einreichungen, in die dafür aber sichtlich viel Arbeit und Leidenschaft hinein geflossen waren.

Wir freuen uns sehr, heute die Gewinnerserie „Satyros“ von Charlotte Grimm zu präsentieren. Sie hat mit ihrer herausragenden Arbeit eine Gesamtpunktzahl von 271 von 320 möglichen Punkten erreicht und darf sich nun über das tolle Wacom Cintiq Companion freuen.

Im Folgenden berichtet Euch Charlotte selbst von der Entstehung ihrer Serie, in der sie Fotografie, Malerei und Zeichnung miteinander verschmelzen ließ.

Drei Bilder auf der Staffelei voller Farbe.

Der Songtext (und seine Übersetzung) von Fauns „Satyros“, inspirierte mich maßgeblich zu dieser Serie. Das Stück gibt alten Mythen eine musikalische Form. Über Nymphen und Satyrn und ihre Bindung zueinander, gibt es viele Geschichten. Mich faszinieren in meinen Bilderwelten Mythen, Märchen und die Natur ganz besonders. Also lag es nicht fern, mich endlich an einer Umsetzung des Themas zu versuchen.

Es war klar, dass ich Gehörn und Ziegenbein nicht mit Tricksereien zaubern wollte. Durch meine Vergangenheit als Malerin – die Fotografie begleitet mich erst seit Anfang 2013 – sah ich in dem Thema eine hervorragende Chance, meine eingestaubte Staffelei wieder hervor zu holen und so meine beiden Leidenschaften miteinander zu verbinden.

Eine hervorragende Gelegenheit, zwei wundervolle, talentierte Modelle für meinen Plan zu finden, bot mir ein Flickr-Meetup mit 33 anderen Fotografen im Bayrischen Wald. Ich schleppte meine beiden Auserkorenen also am vorletzten Tag samt eines Töpfchens weißer Farbe und meines selbstgemachten Lendenschurzes in ein nahegelegenes Waldstück und führte sie, nachdem ich und sie begeistert mit der Farbe aufeinander herum gemalt hatten, in meine Ideen ein und bat sie, sich in die jeweiligen Rollen zu versetzen.

Bild auf der StaffeleiBild auf der Staffelei

Ich wollte nicht viele aktive Anweisungen machen, sondern die beiden möglichst natürlich miteinander interagieren lassen, sodass die gesamte Szenerie so ungestellt wie nur möglich wirkte. Glücklicherweise harmonierten Sam und Nikolas hervorragend miteinander, sodass mein Ausgangsmaterial bereits vielversprechend war.

Mein nächster Schritt bestand darin, die Bilder in annehmbarer Größe drucken zu lassen, um manuell auf ihnen arbeiten zu können. Aus Geldgründen überlegte ich zunächst, schlichtes mattes Fotopapier zu wählen. Nach einem Test auf kleineren Abzügen war ich dann allerdings schnell der Meinung, dass Hahnemühle-Papier doch deutlich besser dazu geeignet war, allein schon der Oberflächenstruktur und der größeren Formate wegen.

Ich bestellte mir also 30 x 40 Zentimeter große Drucke und verbrachte die Wartezeit damit, mir Gedanken darüber zu machen, welche Hornform ich meinem Satyr verpassen sollte, und wohin eigentlich meine Acrylfarben verschwunden waren.

Glücklicherweise hatte ich diese Probleme gelöst, als die Post mit meinen Drucken kam, und so konnte ich direkt anfangen – zunächst etwas planlos, indem ich mit grüner Acrylfarbe grobe Ideen skizzierte. Dieses Stadium der Kindergartenkrickelei kenne ich von früher noch zu Genüge. Egal, was ich jemals gemalt habe, am Anfang sah es immer aus, als wäre jemandem der Stift aus der Hand gefallen.

Foto mit grünen Farbflecken.

Dem Grün gesellten sich dann noch einige andere Farben hinzu, und so langsam wurde aus der ganzen Sache eine etwas klarer umrissene Idee. Ich arbeitete immer parallel an allen drei Bildern, um dadurch das Entstehen von größeren Farbunterschieden zu vermeiden.

Nach einer Weile fiel mir eher durch Zufall als geplant, ein Stück Kohle in die Hand, und da ich schon immer ein großer Fan von Kreiden und Kohlen und generell trockenen Zeichenmitteln zur Ergänzung der Malerei war, skizzierte ich wild drauf los und hatte mich schnell dazu entschieden, die Veteranen meiner übrig gebliebenen Pastellkreiden ebenfalls in den Bildern zu verewigen.

Nachdem ich die manuelle Bepinselung und Bekreidung für abgeschlossen befunden hatte, fotografierte ich die Bilder mit meiner DSLR ab, und setzte mich daran, den Endschliff an Kontrasten mit Lightroom zu verfeinern und außerdem das mittlere Bild in ein quadratisches Format zu setzen, weil ich fand, dass sich die Serie so als Tryptichon besser ansehen (und auch hängen) ließe.

Ein Mann als Satyr bemalt und eine Frau von erhöhter Perspektive aufgenommen.

Eine Frau mit tuch bekleidet streckt sich zu einem Satyr, der auf einer Erhöhung sitzt.

Wassernympfe und Satyr küssen sich.

Bewusst ließ ich an einigen Stellen unfertige Striche stehen, um so das Skizzenhafte zu bewahren, das Fabelhafte einer Begegnung aus dem Reich der Sagen und Legenden, eine Idee, ein flüchtiges Festhalten zu unterstreichen. Dem Satyr gab ich Ziegenbeine, Schwanz und Hörner.

Bei der Wassernymphe, der ich schon beim Shooting an sich zur behelfsmäßigen Illustration eines Baches ein langes Tuch umlegte, ergänzte ich auf dem zentralen Bild einen stilisierten Wasserlauf, der ihre Figur umschmeichelt und so ihre Herkunft kennzeichnet.

Mich hat allein die Möglichkeit sehr bereichert, dieses schon so lange geplante Vorhaben endlich – motiviert durch diesen Wettbewerb! – umsetzen zu können. Ich denke, ich werde künftig weitere Mischprojekte zwischen Fotografie und Malerei anstreben.

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2 Kommentare

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  1. Die Kombination zwischen Foto und „übermalen“ bzw. malerische Ergänzungen ist sehr gelungen… und das Thema gut gewählt… Gefällt mir gut.
    Persönlich empfinde ich an 2 Foto/Bilder den oberen Schnitt zu knapp und glaube ein quadratisches Format bei allen drei würde insgesamt besser wirken.
    Nicht desto trotz: Glückwunsch zu der kreativen Arbeit.

    PS an die Redaktion: Wenn hier weitere Arbeiten aus der Aktion gezeigt würden… würde ich dies sehr begrüßen…

    Mit einem freundlichen Hallo… der nöBär