29. August 2014 Lesezeit: ~4 Minuten

Im Wandel – Philipp Bartz

Wir Menschen sind ständigen Veränderungen unterworfen und auch in unserer Art, Dinge wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen, verändern wir uns. Wir wollen die Welt, die um uns ist, festhalten. Um sie zu begreifen, geben wir ihr Struktur.

Als ich letztens ganz zufällig und unschuldig bei einem Picknick auf Philipp Bartz traf, klickte es, als er sich vorstellte. In meinem Kopf blühte die Bezeichnung „analoge Alltagsromantik“ auf und wir unterhielten uns – natürlich – über seine Fotografie und ihren Wandel.

Der Fotograf fotografiert sich im Spiegel. Die Füße seiner Freundin sind sichtbar.

Diese hat sich, genau wie er damals im Artikel von Sina Opalka prophezeite, verändert. Das inszenierte Motiv ist aus seinem Fokus gerückt, hieß es dort. Also keine „analoge Alltagsromantik“ mehr, die damals wie heute in den Fotoforen sehr beliebt ist.

Sein Studium an der Neuen Schule für Fotografie hat Philipp abgebrochen. Was er aus dieser Zeit mitnimmt, ist aber für seine Entwicklung sehr wichtig, wie er erzählt.

Ich habe dort viel über die Technik, die Dunkelkammer und die Geschichte der Fotografie gelernt. Ich habe angefangen, Fotobücher und Serien zu studieren und mir zuhause meine eigene Dunkelkammer einzurichten, in der ich seither alle meine Schwarzweißbilder entwickle.

Der Wendepunkt war letztendlich sicherlich der Kauf einer Messsucherkamera, einer Leica, mit einem 35-mm-Objektiv.

Auffliegende Tauben auf einem Platz.

Ein Mädchen in einem weißen Kleid schaut auf die Straße.

Ein Hund, der komisch schaut und die Beine seines Besitzers.

Die Veränderung wird für den Außenstehenden auf Philipps Tumblr sichtbar. Die romantisierte Vorstellung der Welt in verwaschener Farbigkeit, wie wir sie noch im oben verlinkten Artikel sehen, ist einer anderen gewichen. Vor uns reihen sich Bilder bereister Orte in Schwarzweißästhetik auf.

Was wir sehen, ist seine Welt. Die Bilder geben seiner Umgebung Struktur, machen sie greifbarer für uns. Auch, wenn wir nicht wissen, wie diese Welt riecht und sich anfühlt, so bekommen wir doch eine Vorstellung von dem, was ihn umgibt.

Wenn er sagt, dass er gereifter ist, dann ist es auch das, was ich in seiner Entwicklung ausmache. Die Inszenierung ist nicht mehr vonnöten, die Realität gibt genug Preis, schießt es mir durch den Kopf.

Ein Mann mit Pigmentstörung grüßt mit der Hand.

Zwei Jungs auf dem Boden.

Eine verhüllte Frau auf der Straße.

Natürlich liegt mir die Frage auf der Zunge, ob er nun nur noch auf Reisen fotografiert, doch bevor ich sie stellen kann, scheint er meinen Gedankengang schon erraten zu haben.

Du siehst bei mir Fotografien von Reisen und Su könntest daraus schlussfolgern, dass ich Reisefotografie interessant finde. Das stimmt aber gar nicht – ich reise nur gern. Über die Fotografie mache ich mir dabei gar nicht wirklich Gedanken, sie ist auch nicht einer der Gründe, warum ich gern reise.

Ich lese dann zum Beispiel viel lieber. Wenn ich im Ausland bin, ist das aber für eine gewisse Zeit mein Umfeld – und es ist natürlich reizvoll, das festzuhalten, da es noch flüchtiger wirkt, noch weniger zu fassen ist, als das Gewohnte.

Eine ältere Frau steht auf einem Feld, hinter ihr Schafe.

Ein Blick in die Landschaft.

Schafe, überall Schafe!

Ich verstehe seine Antwort auch folgendermaßen: Die Kamera ist nicht das Zentrum seines Denkens, sie ist da und nur Werkzeug. Er denkt nicht über sie nach, weil sie Teil von ihm ist, wie seine Augen und seine Hände. Die Fotografie als solches rückt hinter das Leben, das er lebt.

Er beendet auch diesen Gedanken…

Ich glaube, die Fotografie (als Medium) bewegt mich gar nicht mehr so sehr. Was mich bewegt, ist meine Umgebung, das Flüchtige, all die Details, die so schnell passieren, die wir nur durch den Filter der Wahrnehmung sehen können. Wenn Du beim Einkaufen durch den Süßwarengang im Supermarkt gehst, kannst Du danach genau sagen, was Du alles gesehen hast?

Ich bin ständig überfordert, dazu noch vergesslich. Die Fotografie hilft mir nicht nur, Abstraktionen von Momenten in meinem Leben festzuhalten, ich sehe so auch genauer und präziser, da ich länger die Möglichkeit habe, mich mit einem Moment und seinen Details zu beschäftigen.

Ein Mann hält sich die Augen zu.

Seine Worte machen Mut, auf sein eigenes Leben zu schauen und die Dinge, die man tut, zu hinterfragen, um seiner eigenen Entwicklung nicht selbst im Weg zu stehen. Auch das Gefühl der Überforderung kann ich gut nachvollziehen. Die Kamera als Filter zu betrachten, die den Fokus auf etwas setzt, das erinnerungwürdig ist, das leuchtet mir dann irgendwie ein.

Schaut Euch den Tumblr von Philipp Bartz an oder verfolgt seine aktuellen Arbeiten auf Flickr.

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