Eine Frau in schwarzem Kleid geht im Nebel eine Böschung mit Blumen hinunter.
13. August 2014

Ich bin die hölzernen Türen

Es ist für mich nicht ganz einfach, über meine Arbeiten zu sprechen, weil es immer damit endet, dass ich davon erzähle, wie ich zur Fotografie kam und weniger darüber, wie ich arbeite, weil sich das immer wieder ändert. Ich benutze viele verschiedene Techniken, denn ich mag die Vielseitigkeit von mobiler Fotografie, die Geduld, die analoges Arbeiten erfordert, manchmal möchte ich impulsiv sein und dann wieder lange über eine Serie nachdenken und mich selbst dokumentieren.

Ich denke, dass meine Arbeiten sehr unterschiedlich sind, obwohl meine Inspiration immer wieder von den selben Orten kommt, aus meinen Träumen und inspiriert von Musik, Gemälden, Zeichnungen oder Texten, die ich mag. Ich arbeite gern mit Farben und einige meiner Serien haben eine stark surreale und traumartige Stimmung, mit der ich auch die Farben assoziiere.

Das Wichtigste ist für mich, meine Bilder mit Musik zu verbinden, aus ihr ziehe ich die meiste Inspiration. Bands wie Tenhi oder Agalloch haben einen unglaublich starken Einfluss auf mich und ich kann die Gefühle, die ihre Musik in mir heraufbeschwören und die Arbeiten, die ich unter ihrem Einfluss erstelle, kaum voneinander trennen.

Leute haben meine Arbeiten als „unheimlich“ oder „ätherisch“ beschrieben und ich denke, dass das sehr gut beschreibt, was ich mache. Nicht, dass ich dringend einer bestimmten Ästhetik folgen möchte – ich tue, was ich visuell ansprechend finde – aber es ist schön, wenn Leute meine Arbeiten mit Worten beschreiben, die ich selbst mag.

Ein großer Ast und ein gerade noch zu erahnender Mensch im Nebel.

Von langen Haaren umspielte Hände legen sich in viele kleine Blüten.

Bunte Blütenblätter auf einer Wasseroberfläche.

Ein Mensch in einem bunten Wald.

Jemand hebt etwas zu seinen nackten Füßen auf.

Eine Person steht in einem grünen Wald und hebt viel Geäst auf.

Berge spiegeln sich in einem See mit vielen Farben.

Eine Person mit Efeu auf dem Kopf steht im Wald.

Doppelbelichtung mit Wald und einer Person.

Der wichtigste Teil für meine Bilder ist trotzdem die Natur und wird es auch immer sein. Anfangs habe ich nur Naturfotos gemacht, aber nach einem Jahr oder so hat es mich ein bisschen gelangweilt und ich beschloss, dass es Zeit war, weniger wörtlich zu arbeiten und auf die weite und bereichernde Welt der Symbole zurückzugreifen und mit ihnen zu arbeiten.

Nicht, dass die Natur ihren Reiz für mich verloren hätte – ganz im Gegenteil – aber ich hatte neue Texte und Bilder gelesen und gesehen und fühlte das wachsende Verlangen, etwas auszudrücken, was hinter dem Wahrnehmbaren liegt, etwas Idealistischeres. Der Dichter Verlaine ist hierbei mein Vorbild, ich möchte die Schönheit und symbolische Perfektion seiner Worte auf meine Bilder übertragen.

Ich schere mich nicht wirklich darum, ob ich mal hauptberuflich fotografieren werde oder ein Amateur bleibe, solange ich irgendwann, in ferner Zukunft, einmal aufwachen werde, eines meiner Bilder ansehe und die gleichen Gefühle habe wie beim Lesen eines Gedichts von Verlaine. Obwohl ich glaube, dass ich das nie erreichen werde, bleibe ich dran und versuche es jedes Mal noch etwas mehr.

Bewaldete Berge in tiefhängenden Wolken.

Ein Mädchen mit Umhang und Kapuze hält eine Glaskugel in der ausgestreckten Hand vor einem herbstlichen Wald.

Herbstlich bunte Abhänge im Nebel.

Ein Mensch mit Umhang und Kapuze in einem Wald.

Eine Person hält eine Fackel.

Bewachsener Boden unter Wasser.

Silhoutten von Gras und einem Ast vor einem bunten Himmel.

Ein Mensch hält ein Trinkhorn.

Meine Muse, Samantha, ist das einzige Modell neben mir selbst, mit dem ich arbeite und außerdem ein wichtiger Teil von allem, was ich tue. Ihre Weisheit und ihr literarisches Wissen sind immer eine große Hilfe und die Hälfte meiner Bilder würde ohne sie auch gar nicht existieren. Ich denke, dass es wichtig ist, die Meinung der Menschen zu hören, die einem wichtig sind.

Oft fehlt mir die nötige Perspektive auf meine eigenen Arbeiten und das erleben wir wahrscheinlich alle. Einige bewerten ihre Arbeiten in einem langsamen Prozess nach Wochen und Monaten immer wieder, aber das ist sehr schwer für mich, weil ich nie das Gefühl vom Anfang vergessen möchte.

Dieser Artikel wurde für Euch von Aileen Wessely aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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5 Kommentare

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  1. „…solange ich irgendwann, in ferner Zukunft, einmal aufwachen werde, eines meiner Bilder ansehe und immer noch die gleichen Gefühle habe…“
    ist das denn so erstrebenswert? Schließlich entwickeln wir uns, auch mental, weiter. Und dann sehen wir manche Dinge plötzlich völlig anders, oft sogar konträr.