Max Herre auf der Bühne
06. August 2014 Lesezeit: ~6 Minuten

Max Herre und die Konzertfotografie vor der Bühne

Neben der Fotografie nimmt Musik einen großen Teil meines Lebens ein. Ohne Musik zu leben wäre für mich nur schwer vorstellbar. Konzerte habe ich daher immer gern besucht, schon weil live gespielte Musik noch einmal anders „lebt“ als Studioaufnahmen.

Zu beobachten, wie Musiker sich darstellen, sowohl als Akteure auf der Bühne als auch durch ihre Show, fasziniert mich. Fotografisch habe ich diese Erlebnisse bisher nur auf dem Smartphone festhalten können, meist aus weiter Entfernung von der Bühne, seltener aus einer der vorderen Reihen. Auch das kann durchaus zu guten Ergebnissen führen, wenn man die Möglichkeit hat, die Belichtungsmessung und den Fokus getrennt voneinander einzustellen und wenn der Winkel zur Bühne nicht zu ungünstig ist.

Der Bühnengraben

Als ich vor ein paar Tagen morgens einen Anruf erhielt, ob ich nicht einspringen wolle, um Max Herre und sein Kahedi Radio Orchestra vom Fotografengraben aus zu fotografieren, zögerte ich nicht lange. Unsicherheit kam nur auf hinsichtlich der Kameras und Objektive, die ich verwenden wollte. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, zwei DSLR-Bodies mitzunehmen. Auf dem einen ein Weitwinkel-Zoom 18 – 105 mm für die Totalen, auf der anderen Kamera auch ein Kit-Objektiv, 55 – 200 mm, für die Nahaufnahmen.

Die Bühne mit Musikern

Am Veranstaltungsort angekommen, konnte ich noch Fetsum, der als Support auftrat, fotografieren, dabei gleich ausprobieren, mit welchen Brennweiten welche Resultate zu erzielen waren und wie ich ISO und Blende einzustellen hatte. Ungewöhnlich für eine „Vorband“ war, dass Fetsum mit seinem Gitarristen vom Publikum frenetisch gefeiert wurde, was mich immer freut, weil der Support oftmals keine schlechtere Vorstellung abliefert, aber vom Publikum in der Regel stiefmütterlich behandelt wird.

Fetsum mit Mikrofon im Konzert

Die übliche Regel bei Konzertfotografie limitiert die Dauer für Fotografie auf drei Songs, normalerweise ohne Blitz, so auch hier. Nachdem sich mit mir insgesamt vier Fotografen am vereinbarten Treffpunkt neben der Bühne gefunden hatten, standen wir mit dem Fotografenbetreuer des Veranstalters seitlich von der Bühne.

Faszinierend war es, das Publikum von vorn zu sehen, erst die gespannte Erwartung und dann die ausbrechende Begeisterung in den Gesichtern zu sehen, als die Musiker die Bühne betraten und die Musik einsetzte.

Dieser Moment, wenn dem Publikum klar wird, dass es losgeht, ist für mich in jedem Konzert ganz speziell, mir erscheint das Publikum wie ein Organismus, der von einem kollektiven Rausch ergriffen wird. Die Tatsache, dass es sich hier um ein Zusatzkonzert handelte und die Musikarena dennoch brechend voll war, sagt viel über die Beliebtheit von Max Herre aus.

Max Herre im Portrait

Nach dem Intro wurde ich mit den anderen Fotografen vor die Bühne gelassen – dank der Gitter auf einer Seite und der blutroten Illumination der Bühne, die bis auf die vorderen Reihen abstrahlte, kam kurz die Analogie zu den Löwen auf, die in die Arena gejagt werden.

Welche Songs gesungen wurden und was Max Herre eventuell zur Begrüßung sagte, entzieht sich meiner Erinnerung. Ein Blick auf die Aufnahmezeiten der Bilder zeigt mir jedoch, dass wir genau elf Minuten Zeit zum Fotografieren hatten. Obwohl es mein erstes Konzert war, das sich so fotografieren durfte, konnte ich vermeintlich ruhig arbeiten.

Da ich oft auf der Straße fotografiere und dabei auch auf fremde Menschen zugehe, war die Situation, in der es offiziell erlaubt war, alles zu fotografieren, was auf der Bühne passiert, mit wenig Stress verbunden. Wie sehr ich jedoch von der Situation gefangen war, merkte ich erst, als wir Fotografen dann signalisiert bekamen, den Graben wieder zu verlassen und im Dunkel neben der Bühne die schlagartige Nüchternheit einsetzte.

Im Nachhinein ist die Wahrnehmung eines Konzerts so nah an der Bühne derart intensiv, dass ich mich danach im Publikumsbereich sehr weit weg vom Konzert fühlte. Da ich allein unterwegs war, hielt mich dann, obwohl ich Max Herre sehr mag, auch nichts mehr vor Ort.

Die Band mit Gitarren

Ich hatte mir vorgenommen, Solisten und Band aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu fotografieren, auch in die Totale zu gehen und nicht nur Close-Ups zu machen. Außerdem wollte ich jeden Musiker auch isoliert in ansprechender Haltung erwischen. Mit fortschreitender Dauer stellte sich heraus, dass ich das nicht alles unter einen Hut bekommen konnte und fokussierte mich nach Max Herre auf die im dritten Song auftretende Joy Denalane, deren Emotionen ich in einigen extremen Nahaufnahmen gut einfangen konnte.

Joy Denalane

Da die Aufnahmen nicht von einer Tageszeitung oder einem Musikmagazin speziell beauftragt waren, konnte ich hier meine persönlichen Vorstellungen gut umsetzen. Ich werde demnächst die Gelegenheit haben, weitere Konzerte zu fotografieren und freue mich darauf – es ist eine ganz eigene Art des Fotografierens, sehr instinktgesteuert und die Musik, die man mehr spürt als hört, macht das Ganze zu einem besonderen Erlebnis.

Nun bin gespannt, ob ich mit den Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, meinen Prozess soweit stabilisieren kann, dass ich unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu reproduzierbar guten Ergebnissen komme. Gerade die stark variierende Beleuchtungssituation führte immer wieder dazu, dass Bilder komplett schwarz wurden. Dank Raw-Format waren viele Unterbelichtungen jedoch noch gut zu retten.

Glücklicherweise bewegten sich die Akteure eher verhalten, so dass Bewegungsunschärfe auf praktisch keinem Bild ein Thema war. Zumindest mit dem Smartphone hatte ich bei Musikern wie Adam Green in der Vergangenheit große Schwierigkeiten, auch nur ein scharfes Bild zu bekommen.

Ein Gitarrist am Mikrofon

Mein Dank geht an Stephan Rescher vom Newsportal Nachrichten München, der mir die Gelegenheit verschaffte, dieses Konzert zu fotografieren.

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15 Kommentare

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  1. Sehr schöner Artikel. Deine ersten Erfahrungen kann ich gut nachvollziehen. So hatte ich gerade erst vergangenes Wochenende meine erste Möglichkeit, auf einem Festival zu fotografieren (http://florianleist.de/wp/the-golden-twenty-nature-one-2014/). Ich hatte mich dabei allerdings für Festbrennweiten 35mm und 85mm entschieden, was für meine Bedürfnisse sehr gut geklappt hat.
    Nachdem ich zu Beginn das Festival noch etwas entfernter aus der Publikumssicht genoss, war spätestens ab dem Zeitpunkt der Bühnenführungen Schluss mit Lustig. Da blendet man echt viel aus. Schaut zu, dass man den oder die Künstler einfängt, das Publikum und die Lichtinszenierungen. Dabei auf Details zu achten, vor allem im Publikum und das bei den ständig ändernden Lichtverhältnissen ist gar nicht so leicht. Aber es hat Spaß gemacht und war hoffentlich nicht das letzte mal :-)

    • Hi Flo,

      sieht schick aus, was Du da machst! Festbrennweiten sind für mich normalerweise auch erste Wahl. Die Entscheidung für die Zooms fiel aus einem Sicherheitsdenken heraus, weil ich die Situation einfach noch gar nicht kannte. Zwischenzeitlich hab ich ein Konzert auch mit einem Zoom und einem 85er fotografiert. Deine Kombi ergibt sehr viel Sinn, muss ich das nächste Mal so probieren. Hängt halt auch immer ein bisschen von der Grösse der Bühne ab. Und ja, wenn man erstmal dran ist am Geschehen, passiert sehr viel gleichzeitig :-)

      Danke für Deine Rückmeldung!

  2. Die Drei-Song-Regel ist fürchterlich. Da würde ich lieber zu kleineren Konzerten gehen, viel Zeit haben und weiter zum Ende hin die deutlich besseren Ausdrücke von den warmgespielten Musikern bekommen.

    • Wenn es nur die drei Songs wären… Oftmals ist das Licht am Anfang auch eher fotografenunfreundlich. Hilft aber alles nix, man muss mit dem zurechtkommen, was da ist. Kleinere Konzerte sind natürlich eine Alternative, speziell, wenn man den Künstler vielleicht persönlich kennt. Ausserdem verdienen gerade lokale Künstler mehr Aufmerksamkeit. Daher: immer machen. :-)

      • Dann bild ich mir das also nicht ein. Das Licht zu Beginn eines Konzerts finde ich auch immer sehr ungünstig. Meistens sehr starkes Scheinwerferlicht und die Bilder sehen mir persönlich dann oft zu verwaschen aus.

  3. „Als ich vor ein paar Tagen morgens einen Anruf erhielt, ob ich nicht einspringen wolle, um Max Herre und sein Kahedi Radio Orchestra vom Fotografengraben aus zu fotografieren, zögerte ich nicht lange. Unsicherheit kam nur auf hinsichtlich der Kameras und Objektive, die ich verwenden wollte.“
    Kein Ahnung, aber „Auftrag“ annehmen… und so sehen die Fotos auch aus !

    • Die Torte (oder was das war)… :-) Coole Bilder!

      Konzertfotografie passiert halt für die meisten von uns in engen Grenzen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Werde ich sicher auch nicht zum Schwerpunkt machen, aber die Gelegenheit, dadurch nah an einen Künstler ranzukommen, ist den einen oder anderen Abstecher wert.

  4. Sehr schøn geschrieben und bei manchen Beschreibungen finde ich mich schmunzeld wieder.
    Die Regelung „Drei Lieder ohne Blitz“ mach für die Konzertbesucher*innen total Sinn – keine*r hat gerne uns Fotodødel die ganze Zeit vor der Nase – auch wenn ich mich bei manchen Konzerten drüber schon ärgere. Daher fotografiere ich am liebsten in Clubs, wo ich zwar meißt auch nach den ersten drei Liedern direkt vor der Bühne verschwinde, dann aber, Dank der Clubmacher*innen weiter arbeiten darf. Mal von der Seite, mal mit 300er vom Mischpult aus. Für die die mögen, hier einiges aus dem Kreuzberger SO36 und anderen Konzertorten in Berlin.
    http://christian-ditsch.photoshelter.com/gallery-collection/Music/C0000z3NjfB_LXFo

    • Schöne Bilder sind da dabei, die Nina Hagen hast Du klasse erwischt, auch wenn das kein Konzert war. Paddy o‘ Reilly fand ich auch cool. Danke für den Link, Christian!

      Wie schon an anderer Stelle geschrieben, gerade die nicht so bekannten Künstler verdienen die Aufmerksamkeit nicht weniger als die ganz grossen Namen.

  5. Halloele,
    herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Auch ich liebe die Kombination von Musik und Fotografie und versuche meist eine Möglichkeit zum Fotografieren zu finden auch wenn ich noch nie eine offizielle Einladung erhalten habe. Zum Glück ist das Verhalten sehr unterschiedlich. Auf vielen kleinen Konzerten darf ich fast immer fotografieren, aber auch bei BAP war es kein Problem. Bei Jehtro Tull wollten mir die Security aber fast die Kamera wegnehmen. Allerdings sollte dies nur für die Zitat „grossen Apparate“ gelten. Alle anderen durften mit Smartphone und „kleinen“ Kameras weiter fotografieren.

    Achja ich fotografiere Konzerte (fast) immer ohne Blitz und meisten mit 85er Festbrennweite und 70-200er Zoom an einer DX.

    Ein paar Bilder sind auf meiner 500px Seite und im Blog.

    • Hi Ralph,

      danke für’s Feedback. Bei mir war die Security teilweise auch uninformiert, lustigerweise sind die Wechselobjektive bei denen das no-go-Kriterium. Muss auf’s nächste Konzert ohne Fotografenausweis mal die x100s mitnehmen :-)

      Wenn Du mal offiziell fotografieren willst, frag doch vielleicht mal bei einer Regionalzeitung oder einem lokalen Nachrichtenportal, das gibt’s ja in einigen Städten. Meist kennen die die Veranstalter ganz gut. Je nachdem wie viel los ist, haben deren „offizielle“ Fotografen manchmal ja gar keine Lust oder Zeit bei einem bestimmten Konzert zu fotografieren…