02. Mai 2014 Lesezeit: ~3 Minuten

120 von 365 Tagen

Ich hoffe, ich langweile Euch nicht, aber ja, ich bin immer noch an meinem 365-Tage-Projekt. Zwar bin ich dabei etwas chaotisch und auch wenn ich jeden Tag fotografiere, fehlt die Motivation, immer alles zu zeigen, hin und wieder hänge ich auch mal ein oder zwei Tage nach, aber ich bleibe dran.

So richtig in meinen Alltag übergegangen ist es aber ehrlich gesagt noch lange nicht und ich bezweifle, ob dies jemals passieren wird. Oft lese ich bei anderen, dass das Fotografieren beinahe ein Zwang wird und sie ohne nicht mehr leben können. Ich kann. Locker. Gern auch mal mehrere Tage hintereinander. Und dank des Projektes muss ich mich in diesen Tagen stark motivieren und aufraffen.

© Katja Kemnitz

Spazierengehen hilft dann aber ungemein. Ob nur einen kleinen Weg mit meiner Tochter durch die Nachbarschaft oder ein Ausflug in den Wald. Wenn ich mich einmal endlich einmal aufgerafft habe und unterwegs bin, kommt die Lust auf’s Fotografieren früher oder später automatisch.

Gleichzeitig frage ich mich immer öfter, ob mich das Projekt weiter bringt. Ein bisschen Ahnung von Licht glaube ich mittlerweile zu besitzen und auch einen Sinn für Kompositionen. In dieser Hinsicht lerne ich nicht mehr so viel. Helfen würde mir, mit viel mehr Planung und Vorbereitung an ein Foto zu gehen. Dafür fehlt jedoch schnell die Zeit, auch weil ich ja mit den täglichen Bildern beschäftigt bin. Also versuche ich, zumindest einmal pro Woche ein Konzeptbild umzusetzen.

© Katja Kemnitz

Dabei war der Monat alles andere als langweilig. Meine erste Einzelausstellung begann Mitte April in Köln und es war toll, die Bilder an der Wand zu sehen und mit Menschen zu sprechen, die tatsächlich nur gekommen sind, um mich mal kennenzulernen und meine Fotos zu sehen. Ein komisches, aber tolles Gefühl.

Zudem habe ich mich viel mit Kolorationen beschäftigt, über die ich bereits hier gesondert geschrieben habe. Diese beanspruchen so viel Zeit, dass ich sie mit in mein Projekt aufgenommen habe, auch wenn die Originalbilder natürlich nicht von mir sind.

© Katja Kemnitz

Bei der Durchsicht meiner monatlichen Bilder merke ich immer wieder, dass es mir sehr gut tut, zurückzublicken und zu reflektieren. Also ein wirklicher Tipp für alle, die das Projekt bereits machen oder noch starten möchten: Nehmt Euch Ende des Monats Zeit, sucht Euch Eure persönlichen fünf Favouriten des Monats aus und fragt Euch, was Ihr gelernt habt, was für Gefühle beim Betrachten der Bilder aufkommen, wohin Ihr wollt.

Vielleicht sollte ich das gar nicht auf das Projekt beschränken. Es ist sicher für jeden hilfreich.

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5 Kommentare

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  1. Ich liebäugel auch mit dem Projekt vor allem wegen der Reflektion, die es einem ermöglicht. Danke für den ehrlichen Artikel! Er hat mir Mut gemacht, denn auch ich kann durchaus mal Tage ohne Kamera…

    Glückwunsch zur Ausstellung!

  2. Hey Katja,
    du schreibst mir aus der Seele. Bei mir ist das tägliche Fotografieren auch noch weit weg davon, etwas Selbstverständliches im Alltag zu sein. Gerne würde ich mir mehr Zeit für das Konzept des Bildes nehmen, die ich aber nicht habe. Und wenn nichts mehr geht, dann gehe ich mit der Camera spazieren und dann kommt auch (mindestens) ein brauchbares Bild bei raus.
    Schön zu lesen, dass es nicht nur mir so geht…
    Viel Erfolg und Spaß noch weiterhin bei deinem Projekt.

  3. Hi Katja, geradezu erleichtert lese ich, dass auch du nicht
    zu denen gehörst, die so ein Projekt ohne Stolpersteine bewältigst
    und dein Projekt anpasst, Veränderung zulässt. Das finde ich sehr
    sympathisch. Ich finde so ein Projekt hat durchaus seine
    Schattenseiten und zwar ziemlich dunkle. LG, Conny

  4. Hallo,
    ich weiß was es heißt ein 365 Tage Projekt zu stemmen. Mein 365 Tage Projekt „365 Tage – 365 Bilder aus Herford“ habe ich im letzten Jahr abgeschlossen.
    365 Tage heißt jeden Tag raus zu gehen und ein Motiv zu finden. Was sich teilweise als sehr anstrengend und stressig herausstellt. Am Anfang und auch am Ende war ich begeistert und voller Elan. Es gab aber auch Zeiten da musste man sich wirklich aufraffen.
    Jeden der ein solches Projekt plant sollte sich bewusst sein, das es anstrengend und sehr Zeitaufwendig ist. Aber glaubt mir, wenn ihr es geschafft habt, erfüllt es einen auch mit Stolz. Mein Projekt ist eingeschlagen wie eine Bombe und läuft zur Zeit in einer zweiten Ausstellung. Das ist der Lohn für die harte, stressige aber auch interessante und spannende Arbeit.
    Traut euch!
    Gruß Thorsten