21. März 2014 Lesezeit: ~3 Minuten

Blickfang: Falkland Road

Mary Ellen Marks gehört zu den Fotografinnen, die sich mit sozialkritischen Themen unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Ihre Fotoreportagen über soziale Randgruppen sind dabei weder reißerisch noch pietätlos. Ihre Sprache ist klar und würdevoll.

Das Bild der jungen Frau im grünen Raum ist still und lässt den Betrachter ohne Hintergrundwissen mit seinen Gedanken erst einmal allein. Die Farben grün und rotbraun harmonieren miteinander und wiederholen sich immer wieder. Das dunkelgrün gestrichene Holz mit seiner abgeblätterten Farbe findet sein Pendant im gemusterten Rock wieder. Die Farbigkeit der Haut wiederholt sich im Überzugsstoff der Matratze.

Mary Ellen Marks - Falkland Road: Prostitutes of Bombay

Hier ist also jemand am Werk, der nicht nur dokumentieren will, sondern auch ein Bild schafft, das anmutig und ästhetisch wirkt. Mary Ellen Marks studierte zunächst Kunst und Kunstgeschichte und entschied sich anschließend, ihren Bachelor in Fotojournalismus zu absolvieren. Im Jahr 1976 wurde sie Mitglied von Magnum, verließ aber 1981 die Agentur, um eigene Projekte anzugehen.

Das beschriebene Bild stammt ursprünglich aus ihrer Arbeit „Falkland Road: Prostitutes of Bombay, 1981“ und trägt den Titel „Twelve-year-old Lata lying in bed“.

In dieser Arbeit dokumentiert die Fotografin das Leben der Prostituierten vier Monate lang, von Oktober 1978 bis Januar 1979. Frauen und Kinder verdienen auf dieser Straße in Bombay ihren Lebensunterhalt und gehören zu den weniger teuren Prostituierten der Stadt. Sie leben und arbeiten in winzigen kastenförmigen Zimmern, die für diese Gegend so typisch sind.

Die Bilder sind farbenfroh und zeigen die Frauen zwischen Hoffnung, Verlust und Melancholie. Mary Ellen Marks schreibt dazu:

Während dieser Zeit lernte ich die Welt einiger Frauen der Falkland Road kennen und durfte in diese Welt eintreten. Es waren ganz besondere Frauen. Dieses Buch ist ihnen gewidmet – mit einem tiefen Dank an meine Freundin Saroja.

Ihre Serie zeigt die Vorsichtigkeit mit der sie das Leben der Menschen dokumentiert. Sie ist Beobachterin und doch auch Regisseurin.

Wer sich einen Überblick über ihre Arbeiten verschaffen und nicht so viel Geld ausgeben möchte, dem empfehle ich aus der Reihe Phaidon 55 „Mary Ellen Marks“ mit einer Auswahl verschiedener Arbeiten und bisher unveröffentlichter Fotografien.

Mary Ellen Marks, 55*
Taschenbuch: 64 Seiten
Verlag: Phaidon Press Ltd
Sprache: Englisch
Größe: 15,7 x 13,8 x 1,1 cm
Preis: zwischen 7 und 40 Euro (modernes Antiquariat)

Und für die Sammler:

FALKLAND ROAD*
Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: Knopf
Sprache: Englisch
Größe: 27,7 x 25,1 x 3,3 cm
Preis: zwischen 50 und 110 Euro (modernes Antiquariat)

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