06. März 2014 Lesezeit: ~4 Minuten

Der Traum von Fotografie

Ich war immer fasziniert von der Fotografie. Mein Leben, die Menschen und Orte, an denen ich war, in Bildern festzuhalten, das war ein innerer Drang. Aber jeder Gedanke in meiner Jugend, Schritte in Richtung guter Fotografie zu machen, wurden sofort von folgenden Gedanken unterdrückt.

Ich war lange Zeit der Meinung, dass man eine Ausbildung zum Fotografen gemacht haben müsse, um gute Bilder zu machen. Vielleicht nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was bei Fotoshootings, die man im Fernsehen sehen kann, alles an Equipment und Personal aufgefahren wird.

Man kann ja schließlich auch niemanden operieren, nur weil man viel Emergency Room gesehen hat. Aus heutiger Sicht muss man darüber natürlich den Kopf schütteln und schmunzeln, aber damals war es für mich einfach so.

© Friederike Schütze

Ich hatte mich für eine akademische Laufbahn entschieden, habe mein Abitur gemacht, Chemie studiert und schreibe gerade meine Doktorarbeit. Tatsächlich Fotografie zu „lernen“ war für mich als Teenager nicht erreichbar und so wurde auch der Gedanke daran mit meinem Studium begraben.

Vor drei Jahren war ich dann auf der Hochzeit von Freunden und am Abend wurden die Bilder gezeigt, die die Hochzeitsfotografin tagsüber gemacht hatte. Was soll ich sagen: Mich hat es umgehauen. Man hätte jedes einzelne Bild problemlos in einer Zeitschrift abdrucken können, so perfekt und wunderschön waren sie.

Aber ich hatte die Fotografin gesehen. Sie hatte kein großes Equipment und kein Team, das jeden Gast perfekt ausgeleuchtet hätte. Sie hatte nur ihre Kamera. Und irgendwie hat diese Erkenntnis in meinem Kopf Wurzeln geschlagen und dieser alte Traum der Fotografie wurde wieder wach, fand immer neue Hoffnung, dass vielleicht auch ich gute Bilder machen könnte.

© Friederike Schütze

© Friederike Schütze

Warum es nicht einfach mal probieren, einfach nur für mich? Und das tat ich. Ich kaufte eine gebrauchte EOS 450D und machte mich mit ihr und den grundlegenden Prinzpien von Blende, Belichtungszeit und so weiter vertraut.

Dann, vor neun Monaten, nahm ich meine Freundin Katrin als Modell, ging mit ihr raus ins Reichenauer Schilf und versuchte mich an meinen ersten Portraitaufnahmen. Spielte mit Winkeln, Perspektiven, Sonnenlicht, ihrer Körperhaltung und ihrem Gesichtsausdruck.

Und dann traf es mich – der Moment, in dem einfach alles stimmt, man sich sein Bild erarbeitet hat, die perfekte Mischung aus Pose, Licht und Hintergrund. Ich muss immer noch lächeln, wenn ich daran denke. Es war ein großartiges Gefühl und ist es auch heute noch. In diesem Moment bin ich immer unendlich glücklich.

© Friederike Schütze

Es war für mich klar, dass ich unbedingt damit weiter machen musste. Ich fragte also Bekannte und Freunde, ob ich sie fotografieren dürfte und mit jedem Shooting wurde ich besser, probierte mehr aus und entwickelte mich.

Was mich an der Portraitfotografie besonders begeistert, ist, dass man nicht einfach nur etwas fotografiert, was ohnehin schon da ist. Man wird hinter der Kamera zum Regisseur und inszeniert sein Bild.

Ich lasse mich im Prinzip von meinen Modellen inspirieren. Überlege mir, welche Umgebung und welche Kleider und nicht zuletzt, welchen Bearbeitungsstil ich passend finde und wie ich diesen Menschen für mich interpretieren möchte.

© Friederike Schütze

Menschen einfach nur als schön oder hübsch zu zeigen, reicht mir nicht. Ich möchte Bilder erschaffen, die den Betrachter verharren lassen, die ihn innerlich irgendwo ansprechen. In meinen Bildern lasse ich die Schönheit meiner Modelle immer auch sanft und verletzlich wirken und schaffe so Nähe.

Über meinen eingangs erwähnten Gedanken, fotografieren kann man nur als Fotograf, lächle ich nun. Nicht, weil es nicht wahr wäre, dass man sehr vieles erlernen muss, um ein guter Fotograf zu sein, sondern weil ich damals das Wesentlichste nicht gesehen habe: Man braucht eine Kamera und ein gutes Auge, um gute Bilder machen zu können. Mehr nicht.

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21 Kommentare

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  1. Es steckt viel wahres in denn Artikel !
    Neben der Technik muss man auch sein Auge schulen… leider vergessen es viele Fotografen und kompensieren ihren Frust damit das sie immer teurere Kameras und Zubehör kaufen.
    Auch gefällt mir der Vergleich das der Fotograf gleichzeitig auch Regisseur ist.
    Danke für das zeigen der tollen Bilder.

  2. Neben einer Kamera und einem guten Auge braucht man m.E. auch noch Mut. Den Mut die zu portätierenden diesbezüglich anzusprechen. Du hattest den glücklicherweise gehabt, es sind tolle Portäts daraus geworden :).

  3. Deine Bilder haben das gewisse Etwas, das den Betrachter fesselt und berührt, man könnte sagen eine Art Zauber. :-) Ob man das lernen kann oder ob es einem bereits in die Wiege gelegt wird … wer weiß?!

  4. Danke, dass Du Deine Gedanken hier mit uns teilst, Friederike. Ich finde es gut, dass Du Dir selbst keinen Druck machst und das bringst Du mit dem letzten Satz auf den Punkt: Man braucht eine Kamera und ein gutes Auge, um gute Bilder machen zu können. DIe Kamera kann man kaufen und das Auge kann man trainieren. Bin gespannt, was Du in Zukunft mit beidem kreieren wirst.

    • Das bin ich auch ;-) Tausend dank dass ich meine Fotografie hier präsentieren darf. Dass ist wirklich eines der schönsten Komplimente die ich je für meine Fotografie bekommen habe :-)

  5. Tolle Bilder und lesenswerter Beitrag. Hab mich in vielen Aspekten wiedererkannt.
    Bin insbesondere vom Titelbild hin und weg und wie Martin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch so von dir sehen werden.
    LG, Florian

  6. „Man braucht eine Kamera und ein gutes Auge, um gute Bilder machen zu können. Mehr nicht.“

    Doch, das wesentlichste überhaupt: LICHT!!!

    Aber ich kann dich verstehen, ging mir auch so. Glücklicherweise traf mich die Erkenntnis bevor ich viele tausende Euro ausgegeben habe. Grund dafür war die Live Sendung bei Krolop & Gerst mit Amanda Berens. Kamera, Aufheller – Fertig! Fotos die einfach genial sind, ihre Einstellung, usw. – hat mich fasziniert und ich will diesen Weg mit „Weniger ist mehr.“ dieses Jahr stark gehen, nur für mich um zu sehen wie ich mich damit entwickel.

    Weiter so … Fotografie ist einfach Magie die verzaubert.

    • …ich glaub es hat auch niemand angenommen dass ich im Dunkeln fotografiere ;-)
      nein Spaß, du hast schon Recht. Sehr Recht sogar! Genauer gesagt natürliches Licht ist unverzichtbar. Es zaubert jeden Teint wunderschön weich und man braucht absolut kein teures Studioequipment um gute Bilder zu machen. Ganz im Gegenteil. Ich als Freizeitfotografin habe auch den Luxus das Licht so nutzen zu können wie ich es brauche, ist es zu hell oder zu dunkel dann komme ich eben wann anders wieder oder gehe woanders hin wo das Licht besser ist. Das ist das schöne wenn man nur für sich fotografiert.

  7. Toller Artikel, ich fühle genau die selbe Faszination in der Fotografie! Die Portrait-Arbeit bietet vollständige Kontrolle über Motiv, Umgebung, Licht, Stimmung und dabei endlose Variation – jeder Mensch ist einfach einzigartig. Und nichts strahlt für mich in hellerer Schönheit als ein Menschenbild…

  8. Hallo,

    mag deinen Bericht. kann dich sehr gut verstehen.
    ich hab nicht mit der Art Fotografien begonnen.
    ich hab mit der Straße n Fotografie wieder begonnen.

    dein Bericht zeigt mal wieder das man sich was trauen sollte. Besonders wenn
    man was liebt. frei mich jetzt schon weiter von dir zu lesen.
    lg

  9. Hallo Friederike,

    DANKE für diesen tollen Beitrag!

    Du hast die Gabe, deine Modells sinnlich und sehr gefühlvoll in Szene zu setzen, ohne Schnick-schnack und übertriebe Darbietung. Absolut natürlich, was mich sehr beeindruckt und meine Seele berührt!

    Viel Erfolg weiterhin!

    LG

  10. Ich stimme in weiten Teilen dem Geschriebenen zu, auch ich bin bei weitem keine Fotografin und habe – so glaube ich – oftmals das viel bemühte „gute Auge“. Dennoch muss ich ein Veto einlegen, bei der Aussage, man brauche eine Kamera und ein gutes Auge – mehr nicht.
    Ich würde sagen: Man braucht ein gutes Auge. Eine gute Kamera und gute Objektive verleihem diesem die Flügel.

    Als ich begann zu fotografieren, hatte ich ein sehr beschränktes Equipment.
    Ich fotografierte was das Zeug hielt und doch geschahen meine persönlich so empfundenen Quantensprünge (was auch andere bestätigten) in dem Moment, in dem ich mir a) die bessere Kamera und b) ein wirklich teures Objektiv anschaffte, ganz einfach, weil der wahnsinnige Qualitätsunterschied mich um ein unsagbar vielfaches dazu anspornte, Neues auszuprobieren und die Möglichkeiten (lichtstärkere Kamera z.B.) mir genau dabei sehr halfen.
    Jetzt spare ich für ein weiteres teures Objektiv und bin mir ganz sicher – keine Kompromisse mehr.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich zu jedem teureren Teil hingearbeitet habe – und nicht gleich das Pferd von hinten aufgezäumt hab. Erst wenn der Frust darüber so groß war, nicht weiter zu kommen mit dem Vorhandenen, habe ich mich zu einem Neuzugang im Equipment entschlossen.

    Aber ich gebe Dir absolut Recht, wenn ich mir ansehe, wie manche hochgelobten Modefotografen fotografieren – da denke ich oft, eigentlich fotografiert der Assistent und nicht der Fotograf….und das ganze übertriebene Zeug irritiert mich da auch sehr.
    Es geht mit Sicherheit mit weniger.

    Deine Bilder gefallen mir sehr, Friederike, weil sie zart und nah sind.

  11. Manchmal sollte man sich einfach wieder zurück zu den Basics begeben, den ganzen Schnickschnack und Firlefanz hinter sich lassen. Genau das zeichnet auch deine Bilder aus, pure, ehrliche Portraits. Wirklich tolle Arbeiten und ein toll geschriebener Beitrag!