15. Februar 2014 Lesezeit: ~8 Minuten

Unsere (liebsten) Bildbände

Bildbände. Unser Magazin ist bekannt dafür, dass wir sie lieben. Denn sie erlauben uns eine Erfahrung, die über das Sehen von Bildern am Monitor weit hinausgeht. Und weil wir so begeistert von ihnen sind, haben wir uns etwas für Euch ausgedacht.

Und zwar haben ein paar Redakteure ihre Bildbände bzw. Bücherregale mit Bildbänden fotografiert, damit Ihr Euch mal ein „Bild“ davon machen könnt, was wir so zu Hause stehen haben. Doch damit es auch praktisch wird, haben wir alle drei Fotobücher ausgesucht, die im Moment zu unseren liebsten gehören. Auf geht’s.

Bücherstapel von Marit Beer

Marit Beer, Redaktion

Zunächst einmal sind alle Bücher, die ich hier zeige meine liebsten und ich kann keines vor das andere stellen. Dennoch sollen drei näher benannt werden:

„Liebes-Paare“* von Joe Gantz

Mein allererstes Fotobuch, damals vom Mund abgespart, denn es hat über 70 DM gekostet. Ich war gerade einmal 14 Jahre alt, als ich das Buch in der Hand hielt. Ich war ergriffen davon, wie sehr mich Bilder in ihren Bann ziehen konnten und mir Emotionen zeigten, an denen ich nicht beteiligt war, aber dennoch ganz genau die Wärme und Zuneigung spürte, die Joe Gantz hier festgehalten hatte.

„Immune“* von Floria Sigismondi

Ich entdeckte ihre Arbeiten das erste Mal in einem Musikvideo von meiner damaligen Lieblingsband Sigur Ros. Ihre verwirrenden und bizarren Welten übten eine starke Faszination auf mich aus. Ich hatte das Gefühl, wenn ich ihre Arbeiten betrachtete, dann war die eigene Gedankenwelt ein riesiger Kreativpool mit Farben und Formen, an denen man sich nur bedienen muss, um sie zusammen zu fügen und etwas Neues zu erschaffen. Ihre Bilder waren und sind Hirnexplosionen.

„1,2,3,4,5“* von Sarah Moon

Ihre Arbeiten haben mich gerade im letzten Jahr immer wieder begleitet. Ihre Art und Weise, Stimmungen zu erzeugen, aus dem Unperfekten Schönes zu schaffen. Ihre Sprache glich, ohne arrogant klingen zu wollen, meiner eigenen. Ich bekam das Buch zu meinem letzten Geburtstag und es ist das schönste Geschenk, das mir jemand machen konnte.

 

Bildbände von Katja Kemnitz

Katja Kemnitz, Redaktion und Pressearbeit

„The Moon is for Adults only“ von Laura Makabresku zeigt ganz wunderbare und dunkle Märchenbilder und ist eines meiner Lieblingsbücher. Jedoch nicht nur der schönen Fotos wegen: Das Buch ist auch schön gebunden, der Schutzumschlag lässt sich zu einem Poster aufklappen und zwischen den Bildern stehen kleine, geheimnisvolle Zitate.

Ein Gesamtkunstwerk ist auch das Leporello „Wasser atmen“ von Susann Probst, das ruhige, melancholische Polaroids enthält. Die Bilder wirken durch den Offsetdruck mit partieller Lackierung wie echte Polaroids. Hätte ich nicht zu große Angst, dass die Bilder verblassen könnten, würde ich das Leporello wohl aufgeklappt auf mein Bücherregal stellen, so schön ist es.

Mein drittes momentanes Lieblingsbuch habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen. „If you leave“ steht auf dem Einband, hinter dem sich die Werke verschiedener zeitgenössischer Fotografen verstecken, deren Stil sehr ähnlich ist. Aber es ist genau die Bilderart, die ich so liebe. Das Buch gehört zu einer Serie, von der ich nur Band 4 besitze. Die anderen drei werden auf jeden Fall folgen.

 

Bildbände von Aileen Wessely

Aileen Wessely, Redaktion und Lektorat

„Lewis Carroll, Photographer“* von Roger Taylor, Edward Wakeling

Charles Lutwidge Dodgson – besser bekannt als „Lewis Carroll“, Autor von „Alice im Wunderland“ – fasziniert mich schon lange. Vielleicht, weil er wie ich Mathematiker, Künstler und Träumer war. Dieses große, schwere Buch zeigt nicht nur seine wunderbaren fotografischen Arbeiten, sondern trägt auch einen Teil dazu bei, mit dem Mythos aufzuräumen, der nach Dodgesons Tod von seinen Nachfahren aufgebaut wurde.

„Ashes and snow“* von Gregory Colbert

Tiere, Menschen, Natur gehören zusammen, passen genau ineinander, sind ein Ganzes. So sieht es in den Arbeiten von Gregory Colbert aus, auch wenn dieses Bild sicher etwas romantisch verklärt ist, aber genau das trifft einen Nerv bei mir. Die Fotos sind klar und gleichzeitig surreal. Warm und erdfarben, trotzdem mit einem Hauch von Blau. Siehe auch mein Blickfang zum Buch.

„Karl Blossfeldt. The Complete Published Work“* von Hans Christian Adam

Katja ist mir mit ihrem Blickfang zu genau diesem Buch ein wenig zuvor gekommen. Blossfeldts Arbeiten haben mich schon in ihren Bann gezogen, bevor ich mich überhaupt ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt habe. Ähnlich wie Colbert sprechen die Bilder einen Teil in mir an, der zurück zur Natur will und sich in dekorativen, floralen Zeichnungen auszudrücken pflegt, wofür Blossfeldts seine Fotos ursprünglich ja sogar angefertigt hat.

 

Bildbände von Robert Herrmann

Robert Herrmann, Redaktion

„Hiroshi Sugimoto“*

„Ars sine scientia nihil est (Kunst ohne Wissenschaft ist bedeutungslos)“, so die Worte des mittelalterlichen Baumeisters Jean Mignot. Hiroshi Sugimoto, zugleich Künstler, Architekt und Erfinder, ist für mich ein großes Vorbild. Durch seine Wahrnehmung von Licht, Raum und Form sowie seine konzeptuelle Stärke vermag er mich immer wieder zu überwältigen. Seine fotografischen Arbeiten sind nie Selbstzweck, sondern verleihen seinen starken Ideen einen einzigartigen Ausdruck.

„American Prospects“* von Joel Sternfeld

Joel Sternfeld ist neben Stephen Shore einer der Pioniere der künstlerischen Farbfotografie. Sein Buch „American Prospects“ erschien erstmals 1987 und vereint seine von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre aufgenommenen großformatigen Werke, die irgendwo an der Schnittstelle zwischen Landschafts- und städtischer Straßenfotografie stehen. Sternfelds Arbeiten inspirieren mich, da sie einerseits den ihm eigenen schrägen Bildwitz tragen und nicht zuletzt ein phänomenal absurdes Bild der amerikanischen Gesellschaft jener Zeit zeichnen.

„Torre David. Informal Vertical Communities“* herausgegeben von Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner, Fotografien von Iwan Baan

Kein reines Fotobuch, aber ein Buch mit sehr guten Fotos. Es handelt sich hierbei um ein wissenschaftliches Forschungs- und Entwurfsprojekt, initiiert vom Lehrstuhl für Architektur und Stadtplanung der ETH Zürich, das sich der Untersuchung des weltweit wohl bekanntesten besetzten Hauses widmet – dem Torre David in Caracas, Venezuela. Untermalt werden die Studien von Fotografien des niederländischen Fotografen Iwan Baan. Seine Bilder inspirieren mich, da sie oft mit dem nüchternen Stil menschenleerer, zwanghaft symmetrischer Architekturaufnahmen brechen und er ihnen Elemente aus Reportage- und Straßenfotografie beimischt.

 

Bücherregal von Martin Gommel

Martin Gommel, Herausgeber und Chefredakteur

„Subway“* von Bruce Davidson

Über dieses Buch hatte ich schon viel gehört, doch als ich es auspackte, hing mir der Kiefer drei Meter tiefer. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Denn die Aufnahmen von Bruce Davidson, der sonst monochrom arbeitete, waren direkt, mit Stil und aus den 80ern. Der Magnum-Fotograf dokumentierte Menschen in der U-Bahn und meist mit Blitz. Wenn ich heute nach „stylischen“ Street-Fotos gefragte werde, ist dieser Band meine erste Empfehlung.

„Helen Levitt“* von Walker Evans, Helen Levitt

Das genannte Buch ist erst seit Dezember in meinem Besitz, doch als ich kürzlich gefragt wurde, was 2013 mein liebster Fotoband war, nannte ich Helen Levitt. Als Pionierin der Straßenfotografie war sie in New York City unterwegs und der Band präsentiert großartige Aufnahmen aus geschlagenen sieben Jahrzehnten. Davon sind einige Farbfotografien, die mich besonders ansprechen.

„The Last Resort“* von Martin Parr

Mittlerweile werden wohl die meisten Leser wissen, dass Martin Parr mein Lieblingsfotograf ist, von dem ich viele (aber nicht alle) Fotobände habe. Und eines kann ich sagen: Wenn jemand die Arbeit von Martin Parr kennenlernen will, dann ist „The Last Resort“ das Buch. Darin zeigt er ungeschönt das Strandleben der britischen Arbeiterklasse der 80er Jahre, das bis heute noch Kontroversen auslöst. Nicht zufällig wurde es 2008 vom Guardian als eines der „1000 Artworks To See Before You Die“ eingestuft.

 

Wir hoffen, dass Euch unsere Vorstellung Lust auf Bildbände gemacht hat. Denn wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, will sie nicht mehr missen. Ach ja, falls Ihr Lust habt, dürft Ihr gern auch Euren Fotobücherschrank fotografieren und hier den Link zum Bild in einem Kommentar posten. Und wenn Ihr dann noch drei Favoriten dazuschreibt, macht Ihr uns und auch die anderen Leser glücklich.

* Dies ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

Ähnliche Artikel


10 Kommentare

Schreibe einen Kommentar zu Dominic Fuchs – abbrechen –

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Blogartikel dazu: Meine (liebsten) Bildbände | Ingo Dammasch | Fotografie

  2. Vielen lieben Dank für diese Einsicht in eure privaten Schatzkammern :)

    Auch ohne dokumentierendes Foto, meine Bildbandsammlung wächst immer weiter und verstreut sich auf diverse Ecken meines Zimmers. Die liebsten Schätze griffbereit neben dem Bett, die mit den schönen Umschlägen hoch oben auf dem Regal, den Rest auf und im Bücherschrank.
    Besonders in Reichweite und nah am Herzen liegen mir
    * Francesca Woodman – edited by Corey Keller, San Francisco Museum of Modern Art
    * From Polaroid to Impossible – von Hatje Cantz passend zur Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf
    * Beyond Vanity von Rüdiger Beckmann

  3. Blogartikel dazu: Wochenrückblick #73 » ÜberSee-Mädchen

  4. Blogartikel dazu: Bildbände | arabesken

  5. Blogartikel dazu: Blickfang: Rev. Thomas Barker and May, 1864, Lewis Carroll › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity