03. Februar 2014 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: Röntgenaufnahme eines Rochens

Wir haben uns daran gewöhnt, mit technischen Gerätschaften unsere Sinne zu erweitern. Röntgenbilder, Magnetfelder und Satellitenkarten sind Teil des Alltags geworden. Wie in der Geschichte der Fotografie neues, wissenschaftliches Sehen reflektiert und verarbeitet wurde, zeigt der Bildband „Fotografie und das Unsichtbare 1840-1900“*.

Die Aufnahme „Röntenfotografie eines Rochens“ von Victor Chabaud aus dem Jahr 1898 kann stellvertretend für den ganzen Band stehen, der auf 240 Seiten unzählige Fotografien und Essays aus den Bereichen Mikroskop, Teleskop, Bewegungsstudien, Elektrizität und Magnetismus, Röntgenstrahlen, Geisterfotografie und Farbfotografie versammelt.

Dennoch illustriert die Aufnahme wohl am eindrucksvollsten die Aussage: Dass mit den anderen, aus der Wissenschaft kommenden Möglichkeiten des Sehens hinter der vom menschlichen Auge wahrgenommenen Realität noch viele andere Schichten der Beschaffenheit der Welt sichtbar gemacht werden können.

© Victor Chabaud

Der im Wasser so majestätisch wirkende Rochen mit seinen breiten, flügelartigen Flossen verschwindet auf der Aufnahme und hevor tritt etwas Tieferes, Ursprünglicheres, das eine völlig andere Ästhetik hat: Ein schlangenartiges Skelett mit einem überdimensionierten Kopf.

Die Erfindung von Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1895 machte schnell außerhalb der Medizin und in der Fotografie Karriere: Ausgelöst wurde gar ein kurzer Boom von „Röntgenstrahlen-Portraits“ und Bausätzen für Röntgenapparate für Privatleute, der die enorme Wirkung der Erfindung am Ende des 19. Jahrhunderts zeigt. Die Vorstellungswelt der Menschen wurde um das Innere, ein bis dahin unsichtbarer Baustein, erweitert.

Der Band „Fotografie und das Unsichtbare“* erinnert mit sehr vielen eindrucksvollen Aufnahmen daran, wie ungewöhnlich die uns inzwischen sehr vertrauten, wissenschaftlichen Techniken der Abbildung des für das Auge nicht Erkennbaren zur Zeit ihrer Erfindung einmal waren.

Man darf bei alledem aber nicht vergessen, dass auch die gewöhnliche Fotografie mit dem Festhalten von Momenten ein erweitertes Sehen schafft, das erst durch wissenschaftliche Verfahren ermöglicht wurde.

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