19. Dezember 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Der richtige Abstand

Die Daten des Italienischen Nationalinstitus für Statistiken zeigen, dass getrennt oder geschieden lebende Menschen im Durchschnitt 50 Jahre alt sind und im nördlichen Zentrum des Landes leben.

Nach der Trennung leben die meisten Männer allein, während die Frauen, die das Sorgerecht für die Kinder erhalten, meistens der alleinerziehende Kopf einer Kernfamilie sind. Diese Menschen, insbesondere die Männer, sind sozial ziemlich aktiv, geben aber an, vollkommen unzufrieden mit ihrem Privatleben zu sein.

© Marina Arienzale

© Marina Arienzale

Innerhalb dieser allgemeinen Umstände richtet sich mein Interesse besonders auf die Veränderungen, denen ein Mensch unterworfen ist, der es jahrelang gewohnt war, ein verheiratetes Leben zu führen.

Die Studien betrachten geschiedene und getrennte Paare, aber auch solche, die verwitwet sind. Also kurzgesagt solche, die das Opfer einer Trennung geworden sind, die die Umstände ihrer Gewohnheiten radikal geändert hat.

© Marina Arienzale

© Marina Arienzale

Meine Bilder konzentrieren sich auch daher vor allem auf Objekte sowie Gesten und weniger auf die Person selbst. Ich habe mir die alltäglichen Routinen der Menschen angesehen, um die Intimität einzufangen, die einen einsamen Pfad prägt.

Auf diesem suchen sie notwendigerweise eine neue emotionale Verbindung, um den Verlust einer langanhaltenden Beziehung zu verarbeiten. Alle Fotos meiner Arbeit wurden am selben Platz aufgenommen: Dem Zuhause.

© Marina Arienzale

© Marina Arienzale

Meine Entscheidung, sie nicht zu portraitieren, sondern ihre Wohnungen zu fotografieren, um ihr Leben zu zeigen, hat nicht ihren Ursprung darin, dass ich Einsamkeit thematisieren möchte. Ich stellte ihre Wohnungen in den Mittelpunkt, weil das der Ort ist, an dem jeder ganz ungezwungen ist und wo sich Gewohnheiten besonders deutlich zeigen.

Für die Serie „The Right Distance“ habe ich Männer besucht, die das erste Mal in ihrem Leben allein leben und als ich ihre Wohnungen besuchte, entdeckte ich dort oft sehr ähnliche Geschichten. Um diese Orte wirklich ehrlich beschreiben zu können, habe ich entschieden, selbst ganz in diese Erfahrung einzutauchen.

© Marina Arienzale

© Marina Arienzale

Ich wollte den wirklichen Anblick ihrer Leben aufdecken und habe aus diesem Grund ihre Gastfreundschaft angenommen und für die Umsetzung der Reportage eine Weile bei ihnen gelebt.

Einer dieser Männer ist mein eigener Vater. Er war der Ausgangspunkt des Projektes für mich. Ich war sehr neugierig auf die Räume, die sich ganz klar aus dem ergeben, was in der Vergangenheit einmal war.

© Marina Arienzale

© Marina Arienzale

Die meisten Menschen, die ich besucht und bei denen ich fotografiert habe, waren Männer, die ich getroffen habe, als ich in Bars und Clubs gearbeitet habe. Der Barkeeperin oder Kellnerin erzählen sie von ihrem Leben.

Dieser Artikel wurde von Aileen für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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9 Kommentare

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  1. Ich finde die Idee spannend. Aber ich kann bei den Bildern (abgesehen von dem nur einseitig bezogenen Ehebett ) nicht die besonderen, im Text beschriebenen Lebensumstände heraussehen. Sie könnten in jedem sozialen Umfeld entstanden sein. Insofern geht für mich das Konzept nicht auf.

    • da gebe ich jörg recht, einige passen für mich ganz gut, andere sind für mich nicht so stimmig oder für mich unklar, warum sie in der serie drin sind. das einseitige ehebett sticht als stimmiges bild klar heraus, aber das viertletzte, das vorletzte und das letzte bild passen für mich als außenstehendem betrachter nicht so recht dazu. möglicherweise muss man dabei gewesen sein um es zu verstehen, hoffe, dass die autorin da noch was dazu sagen kann.

  2. Die Idee und das Thema finde ich total spannend. Aber das einzige Bild, was mich berührt und mir viel erzählt, ist das Ehebett, auf dem auf der einen Seite Decke und Kissen fehlen. Aber das ist halt meine Erwartung an ein solches Thema, dass es mich berührt, was eine Dokumentation wie diese nicht zwangsläufig tun muss. Die Bilder lassen Spielraum für Geschichten und die sind vielleicht gar nicht so anrührend wie erwartet.

  3. Wenn man ein bisschen über die Serie nachdenkt, ergeben letztendlich alle Bilder einen Sinn und ordnen sich dem Thema der neuen Einsamkeit unter. Man muss eben einfach nur etwas länger inne halten und seinen Kopf etwas bemühen …

    Dokumentarfotografie ist meistens ehrlich. Das liegt in ihrem Wesen.