Ein Buch auf einem Tisch
25. November 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: Half Life

Als ich die von Bilder Michael Ackerman letztes Jahr erstmals in Berlin vor mir sah, ohne Rahmen und versetzt an der weißen Galeriewand befestigt, hatte es mich gepackt, geschüttelt und getroffen.

Ich musste mir den Fotoband „Half Life“* unbedingt zulegen, ganz egal, was mein Konto dazu sagte. Nennen wir es reflexartige Überlebensreaktion. Seitdem atme ich ein wenig ruhiger und merke es bei einem der Bilder besonders.

Blumenvase © Michael-Ackerman

Kürzlich las ich, dass die Betrachtung eines Bildes immer von den eigenen Erfahrungen und der Sensibilität für bestimmte Themen abhängig ist.

Betrachte ich das Bild, passiert etwas mit mir. Mein Gedankenkonglomerat kippt sich aus und setzt alte Bilder in mir frei. Ich bin ein DDR-Kind und mit meinen Eltern oft weggefahren. Ich kann mich an farblose Unterkünfte erinnern, an leere und große Speiseräume mit Deckchen und jeweils einer Vase und Blumen bestückt.

An die Menschen erinnere ich mich nur schemenhaft, so schenmenhaft wie die Menschen in Ackermans Buch dargestellt sind. Immerhin war ich erst sieben oder acht Jahre alt, da fühlt man sich klein, verletzlich und vor allem unwichtig zwischen all den großen Menschen, die doch immer viel klüger sind und das Kind nicht groß beachten.

Dies ist also mein Bild, obwohl ein fremdes, denn ich bestücke es mit meiner Erinnerung, die versteckt irgendwo in meinem Kopf saß und darauf wartete, hervorgeholt zu werden. Darüber hinaus kann ich diesen Fotoband aber allen ans Herz legen, die Schwarzweißwelten lieben und auch keine Angst haben, gedanklich mit ihnen in die Tiefe zu fallen.

Informationen zum Buch:

Michael Ackerman: „Half Life“
Seiten: 168 (Gebundene Ausgabe)
Abbildungen: schwarzweiß
Sprache: Englisch
Verlag: Dewi Lewis Publishing

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