07. Oktober 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: Thomas Bernhard

„Blickfang“ heißt unsere Serie und etwas eigennützig zeige ich heute keinen rein fotografischen Blickfang. Die Bilder in „Tumbas – Gräber von Dichtern und Denkern“* sind von Simone Sassen. Es sind einfache, meist schwarzweiße, Aufnahmen von Gräbern bekannter Schriftsteller, die dokumentieren, wie sie eben vorgefunden wurden.

Mein Blickfang zeigt das Grab von Thomas Bernhard, weil ich seine Texte gern lese und weil er mir Rätsel aufgibt. Cees Nooteboom, der Mann von Frau Sassen, ist ein anderer großartiger Schriftsteller. Er lebt noch, zum Glück, und besuchte zusammen mit seiner Frau viele Friedhöfe auf der ganzen Welt. Im Buch beschreibt er zu jedem Grab und Bild seine persönliche Beziehung zum Toten, wie dieser den Tod in seinen Werken verarbeitete und wie er das Grab vorfand.

Sein Schreibstil ist klug und emotional und man möchte sich am liebsten zusammen mit ihm auf die Suche nach weiteren Gräbern machen, den Dichtern einen leisen Besuch abstatten, die man so gerne liest und die hoffentlich nie in Vergessenheit geraten.

Thomas Bernhard © Simone Sassen / Cees Nooteboom

Thomas Bernhard wurde 1989 auf dem Friedhof Grinzing in Wien begraben. Auf dem Grabstein stehen neben seinem noch zwei weitere Namen. Warum, weiß Cees Nooteboom nicht zu sagen: „… immer noch gibt er einem Rätsel auf…“ Das Grab ist dicht bewachsen mit Efeu, ein frischer Blumenstrauß liegt darauf.

Die Fotos von Simone Sassen störten mich anfangs. Sie waren mir zu kühl, zu einfach und standen so im Widerspruch zum Schreibstil von Cees Nooteboom. Mittlerweile habe ich mich mit ihnen angefreundet. Sie sind ein schöner Gegenpol, holen mich wieder in die Realität zurück. Es sind eben nur Gräber. Simone Sassen lässt keine Romantisierung zu, lässt keinen Raum für Melancholie.

Insgesamt finden sich neben Thomas Bernhards noch 82 weitere Bilder von Gräbern, wie zum Beispiel denen von Johann Wolfgang von Goethe, Virginia Woolf, Paul Celan, Thomas Mann, James Joyce und Elias Canetti. Diese Sammlung erschien bereits 2006 und ist ein kleiner Schatz für alle, die nicht nur eine Leidenschaft für Fotografie, sondern auch für Literatur haben.

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1 Kommentar

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  1. Das muss ich mir mal anschauen! Ich habe nämlich noch einen anderen Bild/Wortband mit Cees Noteboom in meinem Regal: Axel Hütte/Cees Noteboom – Kontinente. Der ist schlichtweg genial und ich mag es, wie Noteboom schreibt.

    Danke für den Tip,
    Markus