Christopher Anderson, Son, Atlas, Marion, Magnum, Buch, Photobook, Fotobuch, Photobuch, Photo Book, Open, Offen, Geöffnet, Blickfang, Child, Children, Family, Intimität, Kinder, Kind, Sohn, Mutter, Badezimmer
02. Oktober 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Blickfang: Son

Der Magnum-Fotograf Christopher Anderson hat sich über Jahre mit Aufnahmen aus Krisengebieten einen Namen gemacht. Doch seine neue Publikation „Son“, erschienen im Kehrer-Verlag spricht ganz andere Töne. Leiser, zarter und weniger chaotisch beschreibt er darin seine Perspektive auf das Thema Familie. Und zwar seine eigene.

Der Band selbst ist schlicht gestaltet und beinhaltet neben den Fotos nur ein Nachwort des Fotografen zur Entstehung der Bilder. Diese kommen ganz ohne Titel aus und durch die freie gegenüberliegende Buchseite haben sie ausreichend Raum zur Entfaltung.

Auch auf Seitenzahlen oder ein Inhaltsverzeichnis wurde verzichtet. Alles, was der Band zeigt, sind Fotos, die nach Jahreszeiten geordnet aufeinanderfolgen, beginnend im Herbst.

Und diese lassen uns durch die Brille Andersons sehen und legen offen, was er sieht, wenn er an das Wort Sohn denkt. Denn obwohl der Band durch das Titelbild eindeutig auf den tatsächlichen Sohn mit Namen „Atlas“ deutet, fotografiert Anderson auch seinen an Lungenkrebs erkrankten Vater. Und positioniert sich selbst als Sohn zwischen den Generationen; macht nicht nur das Leben, sondern auch das Sterben zum übergeordneten Leitgedanken.

Anderson gewährt Einblick ins Sensibelste des Familienlebens. Er zeigt seinen Sohn gleich zu Beginn nackt und im Laufe des Buches auch seine Frau, Marion. Ein Bild, das die beiden eng umschlungen zeigt, lässt mich jedes Mal, wenn ich die Seiten durchblättere, innehalten. Es spricht zu mir – vielleicht auch, weil auch ich Vater und Sohn gleichzeitig bin.

Son © Christopher Anderson

Wie bei einem Großteil der Bilder steht die Sonne zum Aufnahmezeitpunkt tief und umzeichnet die Personen in warmem Licht. In dieser Wärme sehe ich Atlas, verkrochen und der Kamera abgewandt, umschlungen festgehalten von Mutter Marion. Sie schaut in Gedanken versunken aus dem Fenster. Ein stiller Moment, doch wie bei allen Fotos wird nicht verraten, was davor oder danach passiert ist.

Vielleicht hatte der Sohn auch gar keine Lust auf ein Bad oder war schlicht und ergreifend noch zu müde. Der Duschvorhang ist noch trocken und so auch die Haut der beiden – vielleicht sollte Atlas vor dem Schlafengehen noch baden oder ist traurig, weil er zuvor sein Spielzeug verloren hatte.

All das bleibt verborgen, doch darum geht es auch nicht, sondern um einen Moment tiefster Vertrautheit, wie sie im sicheren familiären Rahmen erlebt werden kann. Und dieses Bild lässt abschweifen. In meine eigenen Erinnerungen an die Nähe zu meinen Eltern. Und daran, wie sehr ich es genieße, mein eigenes Kind auf dem Arm zu halten.

Beim Betrachten des Bildes fühle ich mich angeregt, mit dem Band aufzustehen und ans Fenster zu laufen, in das gerade ebenfalls die Sonne scheint. Wie warm das ist. Ich muss ein wenig blinzeln, denn die Sonne blendet ein bisschen. So prägt sich das Bild ganz anders ein und ich kann erahnen, wie es vielleicht war, als das Bild aus dem Buch „Son“* aufgenommen wurde.

~

Informationen zum Band

Gebundene Ausgabe, 96 Seiten, 44 Farbabbildungen, Englisch. Erschienen am 28. August 2013 im Kehrer-Verlag, Heidelberg. Preis: 39,90 €. Größe: 24,8 x 20,2 x 1,4 cm.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

Ähnliche Artikel


3 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Ja, hat mich auch berührt das Bild. Danke fürs Vorstellen.
    ich finde nur den preis ganz schön heftig. 40 Euro für 44 Bilder – ist das bei Photobüchern üblich? Hab ich da was nicht mitbekommen?

  2. Ein schöner Text zu einem beeindruckendem Buch, aber bitte, bitte, entfernt das „e“ aus dem Wort „Kriesengebieten“ ! Ein Fehler, der in dem fett gedrucktem Absatz so richtig ins Auge fällt.. Sorry, ich hoffe, das ist nicht zu kleinlich.