25. September 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: The Two Virginias

Das heutige Bild trägt den Titel „The Two Virginias #4, 1991“ und stammt aus dem Bildband „Immediate Family“* von Sally Mann. Ihre Bilder sind unlängst bekannt und zieren die Wände diverser Museen wie dem Metropolitan Museum of Modern Art oder dem Whitney Museum of American Art in New York.

Ich habe mich hier für ein Bild entschieden, das wohl weniger bekannt ist. Oft machte mir dieses Bild Angst. Ich hinterfragte diese Angst. Die schlohweißen Haare der Frau, deren Gesicht völlig verborgen ist, ihre spitz zulaufenden Finger sind wohl Hinweis auf diese Angst. Denn in diversen Märchen und Gruselfilme meiner jugendlichen Vergangenheit waren es immer die Alten mit diesen Attributen, die für das Angsteinflößende (Hexen, Geister) in der Welt standen.

The Two Virginias © Sally Mann

Natürlich ist das plakativ, pauschal und ziemlich idiotisch. Aber ist man erst einmal „gepolt“, ist es schwer, hinter diverse Verhaltensmuser zu schauen.

Aber auch andere Gefühle vermischen sich bei der Betrachtung, denn ich denke auch an die Hände meines Großvaters. Lang waren sie, ich nannte sie später immer Künstlerhände. Auch seine Fingerspitzen liefen krallenartig spitz zusammen und wenn er mich ärgern wollte, dann drückte er seine Finger immer in meinen Arm, so dass ich aufjauchzte mit: „Och Opa, Du weißt, dass das weh tut“, und er schmunzelte.

Nachdem ich also mein anfängliches Gefühl begriff, öffnete sich das Bild für mich und ich kann Wärme, Verbundenheit und den Lebenszyklus darin entdecken. Es ist spannend, sich immer und immer wieder einmal mit einem einzigen Bild auseinander zu setzen und hilft mir oft auch dabei, mich selbst zu begreifen.

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