16. September 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: Sibylle Bergemann – ein Polaroid

Seit Sibylle Bergemanns Polaroids an den damals noch wunderschönen alten Wänden des C/O in Berlin-Mitte hingen, war ich angetan von der stillen Farbigkeit verblasster Erinnerungen. Ein Bild, vor dem ich lange stand, war dieses. Es trägt keinen Titel, keine Bildunterschrift, rein gar nichts.

Es hängt seitdem an meiner Wand, natürlich nicht das Original, wie wäre das denkbar. Aber eine Kopie prangt über meinen Schreibtisch, zieht immer wieder meinen Blick an. Viele, die mich besuchten, zeigten auf das Bild, wollten wissen, wer es ist.

Es ist ein leises Bild. Das Gesicht der Frau ist ebenmäßig, zart und ein leichtes, fast nicht sichtbares Lächeln umspielt die Klarheit ihrer Augen. Hingezogen fühle ich mich auch zu dem Rot ihrer Wangen, als hätte jemand noch schnell mit einem Pinsel ein paar Pigmente darüber verteilt.

Das Bild macht mich still, wühlt nichts auf, stellt keine Fragen. Es schaut mich an und ich schaue zurück.

Polaroid © Sibylle Bergemann

Das Bild stammt aus dem Katalog „Die Polaroids – The Polaroids“*, der anlässlich der Ausstellung Sibylle Bergemanns im C/O erschienen ist. Die Polaroids darin zeigen, was Sibylle Bergemann sah, ihre Welt aufgezeichnet auf ein Medium, vom dem man behauptet, es verblasst, sobald es das Licht der Welt erblickt.

Kinder, verkleidet, das Meer und zwei verlassene Stühle, Treppenaufgänge, ein Hof aus gelben Sand und Ziegen, die in die Kamera blicken, Licht, das sich durch Glas windet – in jedem Bild die Stille, das Anhalten von Zeit, die Ewigkeit.

Ich bin mir sicher, in diesem Buch findet sich für jeden ein Lieblingsbild, das aufgeschlagen auf dem Nachttisch ruht und einen am Morgen begrüßt, wenn man die Augen öffnet.

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