11. September 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: Aparición – Erscheinung

Das Bild „Aparición“ (Erscheinung) stammt aus dem Bildband „Flor“* (Blume) der mexikanischen Fotografin Flor Garduño. Darin sind die Arbeiten eines Jahrzehnts enthalten, in dem sie sich nach ihrer Schwangerschaft mit den Themen Nacktheit und Stillleben auseinandergesetzt hat.

Ihre Bilder sind von einer starken Poesie durchzogen und so ist jedes einzelne wie ein Gedicht zu lesen. Formen verleihen den Bildern eine stumme Melodie, der Kontrast verspricht die ewige Dualität der Geschlechter.

Pflanzen und Pflanzenteile symbolisieren Fruchtbarkeit und erinnern in ihrer Form und Darstellung entweder an eine Vulva (eine aufgeschnittene Birne) oder Brüste (Granatäpfel). Gegenstände wie ein menschengroßes Schwert symbolisieren Macht oder Übernahme durch einen anderen. Ein Vogelkäfig zeigt die Gefangenschaft, die das menschliche Dasein oft mit sich bringt.

Ihre Bilder strotzen nur so vor Symbolik, so dass man sich ihnen länger widmen muss als nur ein Augenaufschlag lang. Jedes Bild ist Geheimnis und Offenbarung zugleich.

Flor © Flor Garduno

Mein Lieblingsbild ist „Aparicón“, weil es für mich, trotz seiner Klarheit, Fragen aufwirft. Der mit einem schwarzen Tuch verborgene Kopf, die schwarz gefärbten Hände und der weiße, aufgefächerte Rock lassen mich instinktiv die Bedeutung erahnen.

So erinnert mich der Rock an eine weiße Blüte, die aber nicht die Scham verdeckt, sondern den Blick darauf fokussiert und somit die Fruchtbarkeit symolisiert. Doch bleiben die schwarzen Hände und der verdeckte Kopf für mich ein Geheimnis.

Ihre Arbeiten inspirieren mich immer wieder. Ich mag die Einfachheit, die Stille, das Nicht-Aufgeregte, die es darin zu entdecken gibt. Ihre Bilder benötigen keine aufregenden Effekte, um Aufmerksamkeit zu erhalten. In ihrer Schlichtheit zeigen sie die Schönheit unserer Existenz und verbildichen gleichzeitig die immer wiederkehrenden Fragen unseres Seins.

Ich kann diesen Bildband von Flor Garduño also uneingeschränkt empfehlen. Er gehört zu den Schätzen in meinem Bücherregal.

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1 Kommentar

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  1. Wie unterschiedlich Sichtweisen sein können…. ohne Frage sind die Arbeiten inspirierend!
    Jedoch sehe ich in dem gezeigten Bild eher den Rock als eine „Fleischfressende Pflanze“ anstatt als Blüte. Er wirkt so steif, bekommt die Anmutung eines Käfigs durch die sichtbaren Stäbe und wirkt auf mich als etwas das symbolisiert wie sehr vorgefertigte Ideale wie Frauen zu sein haben, hervorrufen, das sie davon gefangen sind. Gar so, dass sie kaum Bewegungsfähig bleiben.

    Wohingegen ich bei den schwarzen Händen auch nur spekulieren oder mich verzetteln würde. Ich finde nur die Haltung wirkt „suchend“. Und vielleicht ist der Kopf verdeckt um auf „das Wesentliche“ in diesem Sinne ganz schlicht die Fortpflanzung zu fokussieren?