21. August 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Blickfang: Alte Schreibmaschine, 1951

Das Bild „Alte Schreibmaschine, 1951“ stammt aus dem Bildband „Wynn Bullock“* aus der Phaidon-Reihe „55“, die in kleinformatigen Fotobüchern verschiedene Fotografen vorstellt. Der US-Amerikaner hat keinen leicht auszumachenden fotografischen Stil, er fotografiert in völlig verschiedenen Genres, viel mehr liegt etwas in seinen Motiven, das zutiefst die menschliche Seele trifft.

© Wynn Bullock

Wynn Bullocks Bilder sind ausnahmslos sehr feinsinnige Beobachtungen, Fundstücke, abstrahierte Dinge, zumeist im Grunde sehr alltäglich, aber in den Bildern hochpsychologisch. Es ist eine extrem poetische und sehr dichte Stimmung, vor allem in seinen Schwarzweißaufnahmen. Ein Zitat auf seiner Webseite sagt, dass er Dinge durch die Kamera „beyond conventional ways“ sehen will und für mich steht dieses „beyond“ hier für ein „tiefer“, für ein sehr genaues Reflektieren statt eines bloßen Wahrnehmens.

Menschliche Gegenstände, die in der Natur gefunden werden können, üben schon sehr lange eine tiefe Faszination auf mich aus. Ich liebe es sehr, wenn man sehen kann, wie die Natur sich über einen langen Zeitraum die Dinge zurückholt, mit menschlichen Dingen interagiert, sogar so etwas scheinbar Stabiles wie eine Schreibmaschine aus Metall und harten Plastikteilen.

Verschiedene pflanzliche und tierische Lebensformen haben sich an und auf dem Gerät angesiedelt, es zu ihrem Zuhause gemacht und verformen nach und nach ohne menschliches Zutun die Gestalt des Objektes. Einzelne Tasten liegen auf dem Gerät, ohne, das klar wäre, wie sie dort hingelangt sind. Man kann in dem Bild sehen, wie der Wald lebt, wie er sich als großer Organismus auf eine Weise bewegt, die wir Menschen genauso wenig beobachten können wie die Bewegung des Stundenzeigers einer Uhr.

Das Bild ist sicherlich kompositorisch nicht herausragend, viel mehr wirkt es zunächst so, als wäre einfach nur mit der Kamera draufgehalten worden, aber für mich gehört genau das wie auch der Titel mit zum Charakter von „Alte Schreibmaschine, 1951“. Ich habe fast das Gefühl, dass die Art der Aufnahme aus der stehenden Position genau vermitteln soll, wie sich jeder Betrachter fühlen würde, der diesen wunderbaren Gegenstand findet und vor ihn tritt. Wir begleiten den Fotografen als Beobachter der Welt.

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3 Kommentare

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  1. Gefällt!
    Ich war im Sommerurlaub 2x auf dem südschwedischen Autowaldfriedhof, wo die Wracks ganz offiziell bis 2050 ihrem Schicksal überlassen werden. Auch da holt sich die Natur alles zurück…
    Schöner Buchtipp, werde ich nach meinem Schwedentrip ordern! Danke fürs finden/zeigen…

    Ralf