08. August 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Das Herz und die Schwere

In Heather Evans Smith’ Bildern könnte ich mich verlieren. Sie schafft das, was ich so liebe: Mit einem Foto eine Geschichte zu erzählen. Eine sehr gute wohlgemerkt, bei der man auf das Ende gleichermaßen gespannt ist, wie man es fürchtet.

Um Geschichten geht es vor allem in ihrer Serie „The Heart and The Heavy“ (Das Herz und die Schwere). Sie schreibt dazu:

Das Leben ist voll von Geschichten – einige sehr persönlich und spezifisch, andere universell. Meine Geschichte ist schön und kompliziert und bittersüß und hart. So wie das Leben ist, so sind die Fotografien.

the heart and the heavy © Heather Evans Smith

Auf dem ersten Bild der Serie sieht man Heather selbst auf einem Feld stehend. Auf ihrem Rücken ist ein kleines Haus festgebunden, Rauch steigt aus dem winzigen Schornstein. Heathers Gesicht ist zur Seite gedreht, ihre Haare scheinen noch in der Bewegung. Alles um sie herum ist unscharf. Der Fokus liegt mittig auf dem Häuschen.

Diese erste Geschichte ist sehr persönlich. Nachdem Heather ihre Tochter bekam, empfand sie neben der großen Freude auch die Schwere der Verantwortung für ein anderes Leben. Um dies bildlich umzusetzen, band sie sich das Häuschen um. Es wirkt schwer auf ihrem Rücken und ist umständlich zu tragen, wirkt aber gleichzeitig so auch liebevoll behütet.

the junk of the heart © Heather Evans Smith

Auch die weiteren Bilder der Serie sind von Heathers Leben inspiriert. Zu einigen Bildern finde ich leicht Zugang und glaube zu wissen, was sie bedeuten, kann sie sogar auf mein Leben übertragen. Andere scheinen direkt einem Märchen entsprungen zu sein und ich finde keinen Bezug zum Leben. Fazinierend sind sie jedoch alle auf ihre Weise.

Da ist zum Beispiel dieses Mädchen, das unter ihrem Kleid Zahnräder und anstelle ihres Herzens ein Schloss trägt. Mit der einen Hand zieht sie das Kleid zur Seite, die andere hält den Schlüssel. Schließt sie ihr Herz auf oder zu? Und warum liegt sie am Boden, mit schmutzigen Fingern?

rooted © Heather Evans Smith

Bei diesem Bild überschlagen sich meine Gedanken. Ich möchte zu gern wissen, was vorgefallen ist und wie die Geschichte wohl ausgehen mag. Aber Heather verrät nicht viel und lässt ihre Bilder sprechen. Und die haben einiges zu erzählen.

Wer Lust hat, ihnen zu lauschen, dem empfehle ich auf jeden Fall einen Blick auf Heathers Homepage oder Ihr folgt ihr direkt auf Facebook, um keines ihrer Fotos zu verpassen.

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4 Kommentare

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  1. Meine Intention beim zweiten Bild war eher, dass es im Moment scheinbar nur noch um das Funktionieren geht. Jeder scheint immer und überall zu müssen, egal wie es ihm/ihr geht, ob etwas im Leben gerade nicht so gut läuft o.ä.. Man muss weiter, wird gedrängt von Leistungsgesellschaft, Druck u.ä. und hat keine Zeit für Auszeit, Gefühle, Herz. Vielleicht denke ich aber auch zu gradlinig…