04. Juli 2013 Lesezeit: ~6 Minuten

Die Essenz der Verzauberung

Als sie wieder vom Schwimmen zurückkam, glitzerte das Salzwasser auf ihrer hellen Haut in der späten Sonne. Die weißen Zähne strahlten in ihrem hübschen Gesicht, als sie mit ihren Schwestern herumalberte und die tiefschwarzen Locken umrahmten die funkelnden hellgrünen Augen. Ich war berauscht von dem Anblick, mein Herz klopfte wild, der Atem stockte mir und ich konnte meinen Blick einfach nicht abwenden.

Was sich wie der Auszug aus einem schlechten Groschenroman liest, ist ein reales Bild, eine Erinnerung aus meiner Jugend. Es entwickelte sich daraus eine kurze und intensive „Amour fou“, die natürlich schlecht ausgehen musste.

In meiner anschließenden Trauer über den Verlust sagte ein englischer Urlaubsfreund zum Trost einen denkwürdigen Satz zu mir, der mich bis zum heutigen Tag beschäftigt: „It’s not the girl, it is just the need in you.“

© Cem Edisboylu © Cem Edisboylu

Grau ist alle Theorie

Meine heutige Überzeugung hierzu ist folgender Kompromiss: Es ist also durchaus die Frau, die besondere Attribute besitzt wie Schönheit, Anmut, Liebenswürdigkeit, Verführungskunst und diese unbewusst oder bewusst einsetzt und ausstrahlt. Auf der anderen Seite braucht es aber auch einen speziellen Empfänger, der für diese individuelle Form der ausgestrahlten Reize zugänglich ist, ihnen Wert beimisst, empfindlich reagiert.

Da ich davon ausgehe, dass zumindest Teilbereiche dieses persönlichen Empfangsrasters durch die eigene Geschichte geformt werden, stellt sich mir die Frage, ob meine Sicht auf eine faszinierende Frau überhaupt zeitgemäß und verständlich ist.

Andererseits erreiche ich mit Fotografien, die mir persönlich besonders gut gefallen und die möglicherweise eine etwas antiquierte Darstellungsweise von Weiblichkeit und Anmut verfolgen auch einen breiten Konsens, so dass ich zu hoffen wage, dass hier eine zeitlose, universelle Gültigkeit vorliegen könnte.

© Cem Edisboylu © Cem Edisboylu

Eine Leidenschaft entsteht

Als ich vor wenigen Jahren anfing, mich ernsthaft mit der Fotografie zu beschäftigen, hat sich mein Lieblingsmotiv schnell herauskristallisiert. Von der weiblichen Schönheit und Anmut war ich schon immer fasziniert und in den Bann gezogen. Ausstrahlung, Güte, das Lächeln oder die Tränen einer tollen Frau, die in sich selbst ruht: Das hält die menschliche Welt für mich im Innern zusammen.

Selbst abweisende Arroganz und Langeweile können einer schönen Frau stehen und sie umso begehrenswerter machen, sofern sie sich dieses schlechte Betragen im Vorfeld redlich verdient hat. Und nicht zuletzt ist das Thema Sexualität und Verführung natürlich ein riesiger spannender Themenbereich für sich.

© Cem Edisboylu © Cem Edisboylu

Wenn ich mir ein Modell ausgesucht habe, fange ich meine Anfrage oft mit den Worten „Du gefällst mir“ an. Das meine ich dann auch so und das ist für mich eine Grundvoraussetzung, um eine gute Arbeit zu generieren.

Ich weiß dann, dass ich mich stundenlang mit dem Modell beschäftigen kann, was ich durch Vorbereitung, Shooting und Nachbereitung ja auch muss, ohne mich zu langweilen. Aber was noch viel wichtiger ist: Diese spontane Sympathie macht mich beim Shooting empfangsbereit für den magischen Moment, falls er sich denn blicken lässt. Dann, wenn mir überwältigt der Atem stockt und ich tunlichst nicht vergessen sollte, den Auslöser zu drücken.

© Cem Edisboylu

Diesen perfekten Moment erleben, einfangen, konservieren und teilen zu können, ist wunderbar und gelingt mir leider nur sehr selten. Aber wenn ich ihn gebannt habe, dann ist das pures Glück to go. Es ist die Suche nach der Essenz, vielleicht ähnlich sonderbar wie Jean-Baptiste Grenouille bei der Zusammenstellung des perfekten Parfums, nur dass die Fotografie hier meist weniger brutal vorgeht als die Parfümerie.

Der Moment, in dem der Tierfotograf nach monatelanger Suche im sibirischen Wald unvermittelt auf den seltenen Tiger stößt, dieser glücklicherweise irritiert ist und der Fotograf, der sich momentan emotional im freien Fall befindet, eine Sekunde Zeit hat, sein Foto zu machen, bevor das Tier für immer im Unterholz verschwindet.

© Cem Edisboylu

Eine wunderschöne, menschliche Erfahrung ist es für mich, wenn das Modell sich öffnet und man einen Blick auf die Seele hinter der Fassade werfen darf, ganz egal, ob das im Gespräch passiert oder ich es beim Fotografieren merke. „True colors“ würde wohl Cyndi Lauper dazu sagen.

Das ist dann eine große Ehre, die mich für jede eingesetzte Minute des Shootings entschädigt, selbst wenn ich nicht das für mich perfekte Foto mit nach Hause gebracht habe. Das ist die Arbeit mit dem Menschen und ein direktes ehrliches Feedback, das ich in meinem Job als Programmierer vermisse. Ich genieße andererseits aber auch die Freiheit sehr, mir meine Modelle für diese Zusammenarbeit aussuchen zu können und bin froh darüber, hier nicht finanziell abhängig zu sein.

© Cem Edisboylu

Und noch etwas zur Umsetzung?

Schwarzweiß zu arbeiten hilft mir, den Blick auf das Wesentliche zu konzentrieren, eine nur durch Farben provozierte Emotionalität zu unterdrücken. Natürlich kann es sein, dass ein gutes Foto durch die Farben noch stärker wird, aber das entscheide ich erst in der Nachbearbeitung der Raw-Datei.

Ein frontales Portrait mit direktem Augenkontakt ist wohl die reinste Art, das Wesen des fotografierten Menschen zu vermitteln. Manchmal entwickeln aber auch Begleitbilder einer Serie erfreulicherweise eine hohe Eigendynamik und können für sich selbst stehen.

© Cem Edisboylu

Es macht mir Spaß, mir eigene Fotoszenarien auszudenken, sofern sie auf einer guten Inspiration basieren. Aber es ist sehr schwer, etwas Neues zu finden, die meisten Themen sind schon sehr abgenutzt. Selbst die Fashion-Fotografie kann einen geeigneten Rahmen für meine Suche abgeben. Was mich aber generell mehr interessiert als die schicken neuen Markenstiefel, ist die Interpretation der Szene durch das Modell. In der Glaubwürdigkeit liegt hier für mich der Schlüssel zur Schönheit.

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40 Kommentare

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  1. „Selbst abweisende Arroganz und Langeweile können einer schönen Frau stehen und sie umso begehrenswerter machen, sofern sie sich dieses schlechte Betragen im Vorfeld redlich verdient hat.“ Schöne Fotos, miese Einstellung. Die Diskussion zu dem Artikel dürfte interessant werden.

    (@Redaktion: Das macht ihr doch mit Absicht.)

  2. Danke für den Einblick, das Warum zu einem Bild interessiert jeweils ebenso. Einige Portraits verstehe ich weniger, andere finde ich sehr schön. Spontan ist mir „La Belle Noiseuse“ (s. Link) in den Sinn gekommen, ein Film, der fast ohne Handlung und nur auf der Meta-Ebene zwischen Maler und Portrait spielt.

  3. Hallo Cem
    Matt Herron schrieb mal in seinen Betrachtungen „Die vier Arten der Fotografie“: Ich fühle dies – und hier ist ein Symbol für meine Gefühle – Äquivalent.
    Deine Porträts haben viel damit zu tun, denke ich. Trage dazu Sorge..!

    Liebe Grüsse, Paul

  4. Mir gefallen die Fotos sehr gut, in schwarz-weiß wirken sie sicher besser als in Farbe, die potratierten Models ohne Schminke, angekleidet und mit Kanten gefallen mir am besten!

    Mit der textlichen Untermalung bin ich an vielen Stellen nicht einverstanden. Im großen und ganzen stimme ich mit Julias Kommentar von unten überein – teilweise (leicht chauvinistische) Einstellung, die dem Text, so, wie er jetzt ist, ggf. zu entnehmen ist (- aber sicherlich nicht der Einstellung des Autors entspricht). Den Vergleich mit Jean-Baptiste Grenouille finde ich in diesem Zusammenhang ziemlich brutal.

    Mir ist beim Lesen ein anderer Aspekt aufgefallen: Mir ist häufig nicht ganz klar, warum sich so viele Fotografen fast ausschließlich auf junge, hübsche Frauen als Models fokussieren. Ich persönlich finde das thematisch langweilig und nicht so aussagekräftig. „Ästhetik“ hin oder her – der Inhalt bleibt dabei auf der Strecke. Ich wage manchmal zu vermuten, dass es dabei eher um eigene Bedürfnisse geht, die damit befriedigt werden (mir ist klar, dass das frech formuliert ist, aber das war leider der erste Gedanke, den ich beim Lesen des Textes hatte, und es ist auch nicht böse gemeint). Aber um Inhalt geht es doch auch, oder? Ich persönlich kann die tausenden wunderschönen Portraits junger (weiblicher) Menschen nicht mehr sehen. Der Unterschied zur Werbefotografie ist minimal.

    Ich finde, gestandene Männer dürfen sich auch gern mal an anderen Personen versuchen, die nicht dem herkömmlichen Schönheitsideal entsprechen. Die müssen noch nicht mal arrogant oder verführerisch gucken, die sind auch so schon interessant. ;-) Ich muss dabei an die großartige Diane Arbus denken, die sich in ihrer Arbeit von solchen stereotypen Schönheitsidealen abgewendet hat… ich denke, Diane Arbus und andere großartige Fotografen mit ähnlicher Einstellung setzen genügend Anreize mit Neuem!

    Trotz meiner kritischen Anmerkungen dennoch vielen Dank für den Text! Solche Texte helfen mir auch, herauszufinden, was oder wen ich interessant finde und welche Motive ich am liebsten mag.

    • Da kann ich nicht widerstehen:

      Du wagst „… zu vermuten, dass es dabei eher um eigene Bedürfnisse geht, die damit befriedigt werden (mir ist klar, dass das frech formuliert ist, aber das war leider der erste Gedanke, den ich beim Lesen des Textes hatte, und es ist auch nicht böse gemeint).“

      Da gibt es nichts zu vermuten, denn „It’s not the girl, it is just the need in you.“ ist für mich hier Antwort genug! Und Du nennst das „leicht chauvinistisch“!

      Immer wieder verwundert…

      Maude

    • Mir ist schon klar, warum sich Fotografen fast ausschließlich auf junge Frauen fokussieren: Es geht mit Sicherheit bei vielen um die eigenen Bedürfnisse („Und nicht zuletzt ist das Thema Sexualität und Verführung natürlich ein riesiger spannender Themenbereich für sich“). Jedoch ist der Anteil Bildern von jungen und hübschen Frauen bei Fotografinnen ebenso hoch. Was mag hier dahinter stecken?
      Im wesentlichen, so mutmaße ich, ist es im allgemeinen leichter, junge Menschen mit noch frischer Haut abzulichten. Ältere Menschen sind vor der Kamera oft mistrauischer, störrischer und für die Beauty-bildchen zu stark nachzubearbeiten. Ich behaupte hier, dass es die höhere Kunst ist, ältere Menschen (ich sag jetzt mal: ab 40 aufwärts) zu portraitieren, ohne dass sie wie altersweise Greise aussehen.
      Aus welchem Grunde werden Männer – von Fotrografen wie auch Fotografinnen – zumeist in Macho- oder „Schwanzvergleich“-posen abgelichtet? Bei Fotografen -> Selbstbild? Bei Fotografinnen -> eigene Bedürfnisse?

      Cem fotografiert am liebsten junge Frauen, weil sie ihm gefallen. Ich denke, das ist ok. Das was er über seine Gedanken und Herangehensweisen dazu schreibt liest sich zumindest ehrlich und ich denke, dass viele ebenos denken, die überwiegend Frauen fotografieren, aber sich so niemals äußern würden.

      Was mich darüber hinaus interessiert ist, warum Cem zu hoffen wagt, „dass hier eine zeitlose, universelle Gültigkeit“ für seine „etwas antiquierte Darstellungsweise von Weiblichkeit und Anmut“ vorliegen könnte“. In wie fern ist das von Wichtigkeit?

      • Versuch mal, ein männliches Modell nicht in den üblichen Schwanzvergleich-Posen abzulichten. Das meiste ist dem Freundeskreis dann „zu weich“ und der arme Kerl darf sich unterstellen lassen, er sei schwul. (Was an sich nicht schlimm ist, aber trotzdem zum Aufziehen und in abwertender Weise genutzt wird.) Hatte ich bisher fast immer, wenn ich es mal geschafft habe, einen Mann vor meine Kamera zu bitten und die Bilder weder fashionmäßig noch besonders klassisch männlich waren. Da wundere ich mich dann auch nicht mehr…

      • That is, what I mean, Aileen!

        Diese Dinge sind leider, aber offensichtlich gesellschaftlich weitgehend manifestiert. Versuch mal als Mann ein männliches Modell zu bekommen, das nicht die tätowierten Arme vor der geschwollenen Brust verschränkt :-) – und die anderen wollen eigentlich auch lieber von jungen Frauen fotografiert werden, allein schon wegen des Homo-Ecken-Verdachts.

      • … und genau hier muss man radikal ansetzen. Kunst darf (muss?) genau diesen Leuten auf die Füße treten, um alte Grenzen zu sprengen.

        Ansonsten könnte ich kotzen, wenn Nationalität („Schon einmal eine Französin beobachtet“) zur Zuschreibung von Attributen führt. Wir sollten doch langsam über diese bescheuerte Blut & Boden – Theorien hinaus sein.

      • @ flo : Dann geh mal erbrechen. Oder betreib Studien auf der Strasse. Du könntest eventuell erstaunt sein, was sich da auftut, an nationalen Eigenheiten. Überall auf der Welt. Das hat mit „Blut-und-Boden-Theorien“ rein gar nichts zu tun.

  5. Kann ich absolut nachvollziehen. Der „magische Moment“ der sich niemals erzwingen lässt und der einen genau dann überrumpelt, wenn man es am wenigsten erwartet.
    Wenn man es dann schafft, mit der Kamera den Moment festzuhalten, bevor er sich heimlich still und leise wieder verabschiedet wird man belohnt mit einem wahnsinnig intensivem und „echtem“ Foto, das alle Anstrengungen rechtfertigt.

  6. „Was mich aber generell mehr interessiert […], ist die Interpretation der Szene durch das Modell“

    Wenn dieses als „magischer Moment“ bei Dir ankommt, dann hat der Fotograf alles richtig gemacht. Diese „magischen Momente“ haben zu 98% etwas mit Vorbereitung und Interaktion mit dem Modell zu tun ;) So etwas passiert dann, wenn beide – Fotograf und modell – sich auf die Reise wie im Groschenroman begeben. Die Bilder empfinde ich als intensiv – lediglich das farbige will sich nicht so recht einfügen …

    @Julia : Schon einmal eine Französin beobachtet ? Wenn abweisende Arroganz und Langeweile auf eine beinahe unnachahmliche Art und Weise unwiderstehlich werden.

    • Was Caterina sagt. Mein Kommentar bezieht sich nicht darauf, dass Langeweile und Arroganz jemanden begehrenswert machen können, sondern eher auf den gönnerhaften Nebensatz, „sofern sie sich dieses schlechte Betragen im Vorfeld redlich verdient hat“. Das ist eine so großväterliche Einstellung, dass mir echt die Spucke wegbleibt. Und das war nur der für mich markanteste Satz, es zieht sich ja durch den ganzen Text.

      Aber ich bin auch nicht sicher, auf wie viel Verständnis bzgl. stereotyper Frauendarstellung ich hier bei jemandem treffen kann, der was von der unnachahmlichen Art und Weise DER Französinnen erzählt. ;)

    • @Julia : Über das ‚grossväterliche‘ könnte man durchaus ebenso diskutieren wie über den Umstand, inwiefern Arroganz und Langeweile mit ’schlechtem Benehmen‘ gleichgesetzt werden können ;) Ob es fruchtbar wäre ? Der Autor hinterfragt es ja selbst.
      Jeder bringt in seine Bilder ein Stück sich selbst ein, nur versteht es nicht jeder, sich dessen auch bewusst zu sein / zu werden und dieses auch noch zu formulieren. Cem hat es getan ; dafür hat er meinen Respekt.

      @Maude : Lässt Du mich – und andere – an Deiner Verwunderung teilhaben , bitte ? Könnte eventuell spannend werden. Lediglich eine Plattitüde in den Raum stellen, das ist so wenig aufschlussreich.

      • Sprichst du gerade wirklich von „Platitüde“?
        Zur Erinnerung: Du hast gerade von DER Französin gesprochen. Diese Platitüde von dir ist so Klischeegeladen und stereotyp. Dafür gibt es auch einen Begriff, du wirst jetzt sicherlich aufschreien – positiver Rasissmus. Du Zuschreibung bestimmter Merkmale und/oder Verhaltensweisen auf Grund von Natinalitäten sind purer Rasissmus. Dieser muss aber nicht immer negativ ausfallen – dein Beispiel beweist dies.

      • @RevolTee : Aufgrund der grundsätzlich negativen Besetzung des Wortes als solchem – unabhängig davon, ob es auch einen „positiven Rassismus“ gibt oder nicht – überlege ich es mir in einem öffentlichen Forum mehr als nur einmal, ob ich jemanden direkt oder unterschwellig als „Rassisten“ bezeichne. Zumal es ausreichend andere Umschreibungen gibt, die nicht diesen ins Auge springenden und gerade bei Deutschen historisch bedingten negativen Beigeschmack haben. Du hast sie selber genannt und das wäre völlig ausreichend gewesen.
        Im Übrigen sind die Franzosen, gleich ob männlich oder weiblich, stolz darauf, diesen ‚gewissen Blick‘ zu beherrschen und ich würde nicht auch nur im Entferntesten auf die Idee kommen, das als „rassistisch“ oder „nationalistisch“ zu bezeichnen.

        Maude „verwundert“ sich über einen Satz unter Jugendlichen und mein Bespiel. Eine weitere Begründung dazu erfolgt nicht einmal im Ansatz. Was ist das Deiner Meinung nach ?

        Gruss aus Frankreich
        H

  7. Puh, was soll man dazu sagen? Die Bilder sprechen mich zum Teil schon an, aber der Text dazu nicht. Das, was dich an deinen Models fasziniert, ist mir hier im Text zu persönlich aufbereitet, das ist nichts, was ich wissen möchte, das ist mir „zu privat“ und berührt mich zum Teil peinlich.

  8. Liest sich so, als ob eine Frau, die dem perfekten Klischee einer „schönen“ Frau entspricht, auch arrogant sein darf.

    Und was passiert, wenn jetzt mal eine Frau ohne perfekte Modellmaße arrogant ist?

    Und warum sind die äußeren Kriterien wichtiger als die „inneren Werte“.

    Mit diesem Text bleiben die Fotos oberflächlich, es ist Werbefotografie, flach, aber immerhin sind die Frauen total schön und deswegen auch begehrenswert. Aber halt auch irgendwie seelenlos. Da bringt der Satz mit „Blick hinter die Fassade“ dann auch nichts mehr.

    Handwerklich ist das aber alles gut gemacht.

    • Vielleicht kann mal jemand etwas deutlicher werden, was er oder sie in „vorher redlich verdient“ hineininterpretiert. Das scheint mir mehr zu sein als im Artikel steht. Vielleicht kann auch Cem noch etwas dazu sagen. Ich habe es bisher so verstanden, dass ständig *nur* Arroganz nicht funktioniert, sondern man vorher auch mal gemeinsam auf einer emotionalen Wellenlänge gewesen sein muss, um dann mit Arroganz oder Langeweile umgehen und schöne Bilder draus machen zu können. Davon, dass sie vorher toll aussehen muss und dann arrogant sein darf, lese ich da so konkret nichts. Aber auch meine Auslegung ist eine Interpretation, ich weiß.

      • Vielen Dank schon einmal an alle für die Resonanz.

        Der Begriff „schöne Frau“ war in diesem Satz unglücklich gewählt.

        Was ich damit ausdrücken wollte, ist für mich universell auf alle Menschen, egal welchen Geschlechts, anwendbar.
        „Arroganter Mensch“ ist ja in erster Linie nur eine oberflächliche Wahrnehmung,
        ein Vorurteil, das man sich über den anderen bildet, obwohl man meist nicht weiß,
        aus welchen Gründen das Gegenüber eine Distanz aufbaut.
        Gerade wenn mir ein Modell sympathisch ist, fordere ich es oft auf, ein stolzes, arrogantes oder gelangweiltes Gesicht zu machen, weil ich das dann toll finde.
        Mit „redlich verdient“, meine ich, dass der Mensch davor zeigen konnte, dass da ein guter Charakter dahinter steckt.
        Arrogante Menschen, die in meiner Sicht einen schlechten Charakter haben, empfinde ich als hässlich, egal wie alt, egal welches Geschlecht, egal wie „hübsch“.

      • cem sucht sich seine modelle ja aus. und zwar nach opitschen gesichtspunkten. sie muss ihm gefallen. und das schreibt er ihr dann auch so.
        und ich denke, dass sie arrogant sein darf, wenn sie ihm von ihrer schönheit etwas abgibt, gewillt ist, zu teilen. der voyeur hinter der kamera. sie bricht für ihn etwas die „arrogante fassade“ etwas auf. und schon kann das ergötzen an diesem besonderen moment beginnen. denn sie macht es ja nur für ihn. und er geht so drauf ab, dass er fast das fotografieren vergisst.

        um die dargestellten frau geht es nur irgendwie nie.

      • Nun hat Cem hier ja auch schon selbst etwas dazu gechrieben.

        Caterina hat doch eigentlich schon das wichtigste gesagt. Problematisch ist, meiner Meinung, das ausschließliche Ablichten von extrem schlanken, geschminkten, langhaarigen und weißen jungen Mädchen. Diese dürfen dann entweder zart und zerbrechlich wirken, oder auch ein bisschen Arrogant und unnahbar. Auf jeden Fall entsprechen sie dabei dem gängigen Schönheitsideal. Mal das gleiche Geschlecht in nicht typischer Pose fotografieren geht anscheinend nicht (ob es nun am_an der Fotografen_in liegt oder am Model ist ja im Grunde egal).

        In einem Absatz von Sexualität im Bezug auf das Shooting und von „sofern sie sich dieses schlechte Betragen im Vorfeld redlich verdient hat“ zu sprechen weckt bei mir in diesem Kontext die „Großvater-zeigt-dir-mal-einen-echten-Haasen-Assoziation“. Einen Absatz später dann von Jean-Baptiste Grenouille zu lesen setzt dem ganzen dann eine zynische Krone auf – es passt einfach perfekt in das zuvor beschriebene.

        Nun will ich den Autor aber nicht angreifen, oder in die Sexismus-Ecke drängen. Vermutlich waren die Textpassagen gar nicht so gemeint. Außerdem leben wir in einer patriarchalen und sexistischen Welt, wir alle sind davon geprägt und so aufgewachsen. Ich selbst möchte mich da in keiner Weise auslassen. Ich glaube aber, dass es für uns alle möglich und nötig ist das eigene Verhalten zu überdenken und sich seines Handelns bewusst zu werden. Ich probiere möglichst antisexistisch zu leben und bin froh, dass ich in einem Umfled lebe, in welchem es möglich ist auch als Mann mal einen anderen Mann eher „zart“ zu portraitieren ohne dass sich irgendwer schämen würde. Außerdem gibt es auch so viele schöne Frauen jenseits von Zart oder Arrogant. Angenehm ist auch, dass ich nicht ewig nach den perfekten Models suchen muss. Denn wenn du auch einfach mal normale Frauen und Männer fotografierst, dann musst du auch ncht so lange suchen. Denn ich finde in fast jedem Menschen (ob Frau, Mann oder Menschen die sich in dieses dichotome Geschlechterbild nicht einordnen möchten) schöne Seiten.
        Ich glaube, dass Schönheit auch nicht immer in äußerlich und „innere Schönheit“ getrennt werden kann. Beides gehört für mich zusammen, beides bedingt sich.

  9. Cem fotografiert, was er liebt.
    Das ist ein gutes Rezept für belebte und beseelte Fotos. Lasst es ihn doch einfach entspannt tun.
    Dass der eine oder die andere eine pauschale Langeweile beim Betrachten solcher Fotos empfinden, sollte nicht zu seinem Problem gemacht werden.
    Ich mag einige seiner Bilder sehr.

  10. Sehr schöner Artikel und vor allem Fotos dazu, spricht mir aus der Seele in vielen Punkten.
    Vor allem diese frontalen Portraits mit direktem Augenkontakt haben eine vibrierende Intimität die ich überragend finde.
    Ein super Beispiel dafür, dass Stimmung und Beziehung zum Sujet, sowie Thematik sehr viel mächtiger ist als aufwändige Belichtung und Nachbearbeitung.

    Danke für diesen perfekten Start in den Freitag! :)

  11. Ich kann die Aufregung nach dem Lesen des Artikels und der Kommentare sowie des Betrachtens der Aufnahmen nur begrenzt nachvollziehen. Bei mir entsteht viel mehr der Eindruck als ob sich einige Kommentatoren auf ein willkommenes Fressen werfen und die „patriarchalische und sexististe Welt“ betrauern
    .
    Aus meiner Sicht sind die abgebildeten Frauen alles andere als ideal dargestellt. Man findet Augenringe, Speckröllchen, nicht retuschierte Muttermale usw. Das passt nicht so recht zur „Beauty-Photographie“.
    Wecken die Bilder bei mir als Mann verlangen? Weitestgehend Nein.
    Kann ich Cem vorwerfen Motive zu photographieren, die ihm gefallen und Keativität in ihm wecken anstatt die besondere Herausforderung an einem dicken, alten, nicht-kaukasischen Mann zu suchen (um die zuvor in Kommentaren geforderten rassistischen Attribute zu wiederholen)? Nein.
    Mir wirft sich zudem die alte Frage auf warum die abgebildeten Damen sich auf diese Art der Photographie einlassen? Wahrscheinlich sind sie freiwillig da. Vielleicht handelt es sich um ein Pay-Shooting. Vielleicht gefallen ihnen Cems Bilder.

    Einzig gebe ich den Kommentatoren recht, dass der Text stellenweise sehr chauvinistisch und „grossväterlich“ daherkommt. Vielleicht sind das unglückliche Formulierungen, vielleicht der Versuch eine philosophische Sprache zu wählen. Mir egal, denn verwerflich finde ich ihn nicht.

    • Ja, stimmt Martin. Ich gebe dir weitestgehend Recht. Die Diskussion hat sich ein bisschen vom Text gelöst und hochgeschaukelt. Soetwas finde ich aber auch nicht verkehrt und absolut notwendig. Nur wäre dies an anderer Stelle sicher netter und vielleicht sinnvoller gewesen, weil so der Autor in ein sexistisches Licht gerückt wird/wurde in der er vielleicht gar nciht unbedingt steht.
      Ich finde aber schon, das die chauvinistische Sprache oftmals ein Wegbereiter von Sexismus etc. ist. Deshalb ist es nie verkehrt einmal mehr darauf aufmerksam zu machen.

      Hochgeschaukelt hat sich das ganze dann ja auch am Kommentar von Hauke. Leider kann ich diesem oben nicht mehr antworten (gibt es da eine Begrenzung an Kommentaren? Ist ja schade, wenn längere Dikussionen dann abgebrochen werden).

      Dazu dann also nur ein Link, für ein besseres Verständnis von positivem Rasissmus: http://no-nazi.net/gute-ideen-gegen-nazis/positiver-rassismus/

      • Ja, es kann nicht beliebig tief geantwortet werden, weil die Antworten ja eingerückt dargestellt werden. Nach ein paar Mal hätte die Antwort dann eine Breite von 0, das funktioniert nicht. ;) Einfach eine Ebene weiter oben antworten und schreiben, auf wen Du Dich beziehst, das passt schon.

  12. Sehr schön formuliert Rafael und Martin, so sehe ich das auch.
    Was hier an manchen Punkten hochgeschaukelt und in den Text reininterpretiert wird ist stellenweise nicht mehr feierlich.

    Was ich aus dem Text heraushöre, ist, dass die Beziehung zwischen Model und Fotograf als besonders wichtig angesehen wird und die Chemie bei einem Fotoshooting stimmen muss.
    Klar sind die Mädels in den Fotos hier jung und hübsch, aber deshalb kann man doch dem Herrn keinen Sexismus unterstellen. Von welchen Personen/Sujets er fasziniert und inspiriert ist ist doch eine persönliche Sache und muss kein politisch-korrektes Statement sein.