03. Juni 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Bildvorstellung: Bertramskreuz

Ich hatte aus Zeitmangel lange keine eigenen Projekte mehr fotografiert. Dann sah ich einen Online-Workshop und wollte diese neuen Bearbeitungsmöglichkeiten testen. So ließ ich meine To-Do-Liste links liegen, packte kurz entschlossen meine Kamera ein und radelte los in den Wald. Dieses Mal ganz ohne Konzept.

Naja, fast ohne: Ich nahm drei kleine leere Breigläschen und Teelichter mit, ohne eine exakte Idee im Kopf zu haben. Im Wald bog ich dann vom Pionierweg in einen kleinen Pfad ein, den ich noch nicht erforscht hatte und entdeckte nach einer Weile auf der rechten Seite ein steinernes Kreuz mit Inschrift: I M + H Wernerus Bertram starb hier 16. Augusti 1689 GGDS.

Die Stelle sah so schön idyllisch aus, das Kreuz im Wald so irreal und mysteriös. Schnell beschloss ich, hier ein Selbsportrait zu fotografieren. Nun musste ein Konzept her und in meinem Kopf formte sich beim Anblick ein Bild: Ich sah mich trauernd vor dem Kreuz hocken, die Inschrift sollte lesbar sein, mein Gesicht jedoch verborgen. Mein Kleid passte perfekt in die Szenerie, da es recht zeitlos war. Die Breigläser mit den Teelichtern fanden auf dem Kreuz einen schönen Platz und ich stellte das Stativ auf.

Mit dem Selbstauslöser in der Hand setzte ich mich auf das Moos vor dem Kreuz und löste aus. Ich sah auf dem Display genau das Bild, das ich mir vorgestellt hatte. Nun fotografierte ich noch mehr von der Umgebung des Kreuzes, da ich den Bildausschnitt nachträglich erweitern wollte, wie ich es zuvor im Workshop gelernt hatte.

Diese Arbeit stellte sich am Abend in Photoshop als erstaunlich einfach heraus. Schnell hatte ich den Bildausschnitt nach oben hin erweitert, so dass ich ein quadratisches Bild erhielt.

Ich sah mir das Foto eine Weile an und merkte, dass mich das Grün im Bild störte, es passte einfach nicht zur trauernden Frau und der Symbolik. Ich beschloss deshalb, die Blätter ins Bräunliche zu verfärben. Zudem dunkelte ich einige Stellen im Bild ab und entfernte sehr helle unruhige Lichter im Blattdickicht, damit sie nicht vom Hauptmotiv abzulenken.

Diese Art starker Bearbeitung ist etwas, was ich enorm selten mache. Angestiftet dazu hat mich der Workshop und das zunächst fehlende Konzept. Das Bild entstand so erst im Laufe des Fotografierens und vor allem Bearbeitens. Eine Vorgehensweise, die für mich nicht typisch ist, aber mir dennoch ein tolles Ergebnis gebracht hat.

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15 Kommentare

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  1. Gut gelungenes Bild und auch sehr aussagekräftig. Dazu eben, wie du schon sagtest das zeitlose Kleid so das man nicht sagen kann, wann dieses Foto entstanden ist.

    Durch das verändern der Farben hat es eben auch einen touch von einem Horrorfilm.

    Gefällt mir sehr gut das Bild!!! Gratulation zu diesem Foto.

  2. Ach ja … das Titelbild gefällt mir persönlich besser als das eigentlich unten gezeigte. Grund ist, man ist näher am Geschehen und dennoch wirkt es etwas flacher und damit so als würde man von der ferne näher darauf blicken.

    Aber egal welches man lieber hat, es sind beide Versionen spitze :)

  3. Hallo Katja,
    vorne weg, das ist nicht „meine Art“ von Bild.

    Mir gefällt aber die Idee, die Umsetzung ist passend und in sich stimmig.
    Persönlich finde ich das rechteckige Format (Titelbildversion des Artikels) für Dein Bild jedoch passender, da es für mich die „bedrückende“ Stimmung (Stichwort Trauer) besser transportiert.

    Eine Schwarz/Weiß-Version würde ich gerne noch von Dir sehen.

    MfG
    Stefan

  4. Ist echt eine schöne Arbeit die du da abgeliefert hast. Zusätzlich noch alleine in dem Wald mit dem Outfit und dann noch vor einem Kreuz :-) Traust dich schon was! Das Endergebnis ist echt stimmig geworden. Das Kerzenlicht ist allerdings etwas „mickrig“ geworden. Was vielleicht auch noch interessant sein könnte, wenn du dir hier noch Engelsflügel hinzufügst.

    Im Dunkeln und nur das Kreuz und die Person bestrahlen, würde bestimmt auch einen grusligen Effekt erzielen. Durch ein hohes ISO hat man dann auch noch ein grusliges Rauschen dabei :D

    Ein weiters Szenario was hier noch interessant sein könnte, falls es dich wieder in den Wald zieht, eine Langzeitbelichtung (Bulp?) zu machen um eine Art „Geistereffekt“ zu erzielen, wo ein Geist für längere Zeit vor dem Kreuz hinkniet. Naja, ist wahrscheinlich übertrieben. Nunja dein Beitrag hat halt doch dazu geführt meine Gedanken laufen zu lassen.

    Also nochmals: Klasse Arbeit und regt mich an selbst mal kreativ zu werden, was ja wohl auch Sinn und Zweck eines Workshop sein soll.

  5. Hallo Katja

    Du musst/brauchst dich nicht zu rechtfertigen! 

    Das Ausgangsmaterial? Mmmmpf ;-) Aber das fertige Bild? Das hast du schlicht und einfach gut gemacht! Ich bin bin allerdings für deartige Nachbearbeitungen viel zu faul, um an PS „rumzudrehen“. 

    Um nur drei zu nennen: Pixlromatic, Snapseed und XnRetro auf iPad wie Mac sind meine bevorzugten Verfremdungstools, wenn es ans virtuelle Zerstören von Fotos geht.

    Und wenn da einer meint ich würde ja nur – vergeblich – versuchen miese Fotos so aufzupeppen… Bitte sehr, wir haben (zumindest auf dem Papier) Presse- und Meinungsfreiheit…

    Mit der Zeit bekommt man schnell ein Gefühl für stümperhaften Schrott und ansehnliche Retro-Effekte. Wobei ich immer wieder den Fehler mache, die jeweiligen „Workflows“ NICHT zu dokumentieren. Trotz der grundsätzlich möglichen 100% Reproduzierbarkeit, habe ich zum Schluss trotz „Digitalität“ in gewissem Sinn sogar Unikate ;-)

    Danke fürs Zeigen!

    Ralf

    • Ja das ist in der Tat ein interessanter Kommentar. Ich hab mich schon öfters gefragt, was die Profis eigentlich von solchen „Virtuellen Zerstörungstools“ ;-) halten oder diese vielleicht gar selber das eine oder andere mal in der Praxis einsetzen?

  6. Das Bild gefällt mir ausgesprochen gut!
    Der Blick wird quasi magnetisch ins Geschehen gezogen.
    Der Bildlook/Farbstuimmung passt hervorragend zur Szene.
    Das Grün wäre viel zu unruhig gewesen, sehr schön. Der enge Ausschnitt vom Titelbild ist noch eindringlicher.

    Gruß Peter