06. März 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Mobile Photo Awards 2012

Als Annie Leibovitz 2011 auf NBC das iPhone als Schnappschusskamera anprieß, ging ein Raunen durch die Fotografengemeinde: Eine Weltklassefotografin riet zu einem Mobiltelefon anstatt einer „richtigen“ Kamera zum Fotografieren.

Dass mit Mobiltelefonen wirklich großartige Fotos entstehen können, beweist der Wettbewerb Mobile Photo Awards. Wie der Name bereits verrät, geht es hier ausschließlich um Bilder, die mit Mobiltelefonen aufgenommen und bearbeitet wurden. Dabei ist es völlig egal, um welches Telefon es sich handelt.

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Lobende Erwähnung in der Kategorie „Kinder“ von Millo Salgado

Das kurzfristige Ziel der Mobile Photo Awards ist es, das Medium der mobilen Fotografie, seine Künstler, die Entwickler der Apps und natürlich die Schönheit der Bilder zu feiern. Wir glauben, dass, um die Bilder weiter in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken, das Medium sich über Online-Fotosharing hinausentwickeln muss.

Um dies zu erreichen, werden die Bilder nicht nur online präsentiert, sondern gedruckt, gerahmt und in Galerien ausgestellt. Für das Team der Mobile Photo Awards ist es wichtig, aufzuklären und zu zeigen, dass es vor allem auf die Bilder selbst ankommt und nicht auf das Werkzeug zur Erstellung.

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Lobende Erwähnung in der Kategorie „Tiere“ von Theodore Kaye

Wir glauben, dass mobile Fotografie nichts anderes ist, als das, was einige als „echte“ Fotografie bezeichnen. Mobile Fotografie ist echte Fotografie. Es ist eine einzigartige Kunstform, die von Millionen praktiziert wird – ein wachsendes, globales Öko-System von Künstlern und App-Entwicklern, von denen viele außergewöhnliche Bilder und Anwendungen erstellt haben. Und sie verdienen mehr Aufmerksamkeit als Instagram-Herzen oder Flickr-Favoriten.

Dies unterschreiben wir und bestaunen die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs mit seinen insgesamt 19 Kategorien.

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Gewinner in der Kategorie „Street“: „Hiding from the light“ von Oliver Lang

Die Gesamtgewinnerin der Mobile Phone Awards 2012 heißt Sarah Jarrett und wird bereits scherzhaft als App-Flüsterin bezeichnet, denn ihre Bilder erinnern durch die starke Bearbeitung am iPhone beinahe eher an Gemälde.

Die englische Fotografin setzte sich mit Abstand neben allen anderen Teilnehmern durch und stand bei allen sieben Jurymitgliedern als einzige auf der Top-Ten-Liste. Auch das Titelbild dieses Artikels stammt von ihr.

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Gesamtgewinnerin des MPA 2012: Sarah Jarrett

Alle Gewinner und lobende Erwähnungen könnt Ihr auf der Awardseite ansehen. Nehmt Euch einen Tee und etwas Zeit, denn es lohnt sich.

Ich sehe die mobile Fotografie nach diesen Fotos auf jeden Fall mit anderen Augen, beeindruckt von der Qualität und den Möglichkeiten, die mir bisher völlig unbekannt waren. Zu schade, dass mein Handy keine Fotos machen kann, denn sonst würde ich wohl jetzt direkt damit losziehen.

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7 Kommentare

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  1. „…dass es auf die Bilder selbst ankommt, und nicht auf das Werkzeug zur Erstellung“, sprachs und machte zum Beweis der These einen Wettbewerb, dessen Limitierung das zu benutzende Werkzeug ist.
    Gerade die Mobiltelephonographie, oder noch viel lieber genommen, iPhoneographie sind Themen, bei denen – durchaus solide Arbeiten – über die scheinbar limitierende Technik zu begeistern versuchen. Mir erschließt sich das nicht.
    Ich bleibe bei meiner These: Wäre dieser Wettbewerb ein: Es dürfen nur Point-and-Shoot Kameras der 99€ Kategorie sein, hätte kein Hahn danach gekräht, Leibovitz hin oder her.

    P.S.: Das Aufmacherbild gefällt mir ausgesprochen gut =)

  2. Toll!

    Die Bilder der Gewinnerin erinnern mich nicht an Gemälde, für mich sind das Gemälde. Ich will jetzt überhaupt nicht Ihre Arbeit schmälern – im Gegenteil, ich find das toll – aber ist das „noch“ Fotografie?

    6 von 10 der Artist of the year Liste bei mpa haben einen ähnlichen Ansatz. Irgendwie mehr Collage als Fotografie. Ich bin mir sicher, bei anderen Foto-Awards, bei denen der Fokus nicht auf mobile liegt, wird man das nicht so sehen. Woran liegt das?

    Weil man die kleinen Geräte intuitiver (mit dem Finger) bedienen kann? Lässt man sich dadurch mehr auf „Spielereien“ ein? Vielleicht liegt’s auch nur an den vorhandenen apps, die es so, zumindest in der Fülle, nicht für den Desktop Rechner gibt…

  3. Es gibt ja nun auch schon Belichtungsmesser und Photoshop für´s iPhone, warum also keinen Award für die entsprechenden Bildern?! Letztendlich ist es egal, mit welcher Kamera die Bilder geschossen wurden. Kitsch bleibt Kitsch und Kunst bleibt Kunst. Es sind aber teilweise auch richtig tolle Bilder dabei. ;o)

  4. Die Bilder sind gut, keine Frage, aber ob dafür der Umstand verantwortlich ist, dass man mit der verwendeten Kamera auch telefonieren kann …? ;-)

    Die Fokussierung auf die Hardware, ob nun high oder low end, ist ermüdend.

    Anbei: „mobile Fotografie“ halte ich für eine unglückliche Übersetzung. Ich fotografiere zwar nicht mit einer Handykamera, aber der Wald kommt trotzdem nicht zu mir ins Studio.

  5. Das wirklich Neue an der Handy-Fotografie ist doch die Möglichkeit der sofortigen Bearbeitung. Die meisten Bilder leben zum größten Teil von dieser Bearbeitung. Früher gab es mal die Diskussion um das Maß der Bearbeitung und überhaupt. Die Handy-Fotografie ist darüber scheinbar erhaben.