08. Oktober 2012 Lesezeit: ~2 Minuten

Moscheen

„In Deutschland finden sich Moscheen meist in Gewerbegebieten oder Hinterhöfen. Mit dieser Bildserie möchte ich typische Moscheen in Deutschland – zu Beginn in Köln – dokumentieren.“

Mit diesen Worten stellt Michael Timpe seine Serie „Moscheen“ vor. Als ich die Bilder das erste Mal sah, wusste ich nicht, was sie zeigten und konnte nicht viel damit anfangen. Ich sah recht trostlose Hinterhofgebäude dokumentiert. Die einfachen Aufnahmen, scheinbar ohne jegliche Bearbeitung, verstärkten die Tristesse.

Auf einigen Bildern fielen mir dann die Schilder mit den Aufschriften „Moschee“ und „Camii“ (Türkisch für Moschee) auf und ich begann, den kurzen Erklärungstext zu lesen. Michael beschreibt darin, wie er mit einem ägyptischen Kollegen in Köln eine Moschee suchte.

Dabei wurde ich nicht nur von der großen Anzahl und den vielen unterschiedlichen Arten von Moscheen überrascht, sondern auch von der Tatsache, dass die meisten Moscheen in sehr schlichten und nach außen praktisch unauffälligen Gebäuden – häufig in Gewerbegebieten aber auch in ganz normalen Wohnhäusern – untergebracht sind.

Ich sah mir nochmals die Bilder an und mir kam die Diskussion um die Zentralmoschee in Köln in den Sinn, deren Fertigstellung für Ende 2012 geplant ist. Sie entsteht anders als die bisherigen Gebetsmöglichkeiten innerhalb der Stadt und soll neben einem Gebetssaal für 1200 Gläubige auch verschiedene Zentren, eine Fachbibliothek und ein Museum für islamische Kunst beinhalten.

Nicht nur in der Größe wird sie sich damit von den anderen Moscheen unterscheiden. Auch fällt sie durch ihre moderne, ausgefallene und selbstbewusste Architektur auf, die in den Jahren vor Baubeginn zu kontroversen Diskussionen führte. Nicht zuletzt wurde um die Höhe des Bauwerks gestritten.

Wussten die Leute, die gegen diesen Moscheebau waren, von den vielen kleinen Gebetshäusern und wie es dort aussah? Und wenn ja, wie konnte man dann gegen den Bau eines so schönen Gebäudes sein? Meine Gedanken kreisten um verwaiste christliche Kirchen und ich dachte über Neid und Ängste nach.

Und ich erkannte die Kraft dieser Fotoserie, die so ganz ohne Effekthascherei auskommt. Sie zeigt einfach nur die Dinge, wie sie sind. Sie ist dabei nicht anklagend oder provozierend. Sie regt aber vielleicht gerade dadurch zum Nachdenken an. Deshalb wollte ich sie hier unbedingt vorstellen.

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21 Kommentare

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  1. ich stelle mir 2 fragen:
    1. wieso kann man nicht „daheim“ beten, egal ob christen oder muslime brauchen dafür eine xtra gebäude, das viel geld kostet; man könnte es doch viel besser nutzen!
    2. wieso, auch wenns mir persönlich egal ist, dürfen die christen quasi „keine“ kirchen im nahen osten bauen?
    meine meinung nach hat die KIRCHE (nicht mit der religion verwechseln) viel zu viel macht im XXI jh.
    ich weiss nicht wie es im islam ist, aber die christen die jeden sonntag in die kirche latschen sind zu 85% fanatisch !!
    peace

    • 1. viel besser nutzen für was?!? ein wettbüro? kino? puff? spielhalle? bank? versicherung?

      2. kirchen müssen im nahen osten nicht gebaut werden. dort stehen seit jahrhunderten schon kirchen, diese wurden nie abgerissen und auch nie verboten.
      bezüglich KIRCHE muss ich dir recht geben. diese hat mit dem christlichen glauben relativ wenig zu tun, da es sich um eine institution handelt.

      3. und? sie beten, sie glauben und verehren gott. ich verstehe nicht, warum sich menschen, wie du, darüber aufregen, dass andere an gott glauben und ihre religion ausüben. das ausüben religiöser pflichten ist kein fanatismus, es ist einfach nur überzeugung, dass es den allmächtigen gibt.

      • sag mir bitte zb was muss ein statt bezahlen wenn der pappst den besuch erstattet? und man könnte es viel besser nutzen und wenn du nur „wettbüro kino puff bank versicherung“ im kopf hast dann es tut mir leid.

        klar gibt es da kirchen, schließlich das christemtum stammt aus nazaret/jerusalem = israel = naher osten….ach ja, wenn wir schon hier sind: was ist der grund für die kämpfe in diesem gebiet? „das gehört uns“ sagen: juden, christen und muslime. und wieso? ja – weil auf diesem gebiet befinden sich nich nur die heiligen aber die HEILIGSTEN stätte des islams, christentum, und judentum! also die glaube/religion/kirchen sind – für mich – der grund für die kämpfe.

        sag mir noch was bitte: vor paar jahren wurde in polen eine umfrage gemacht und zwar zum tehema todesstraffe im polen. 80% der befragten sagte JA! zur info: in polen wohnen ca 38,5 mln menschen davon ca 35 mln gehören der christlichen kirche bei (sagt wikipedia). was der 5 gebot ist muss ich dir nicht sagen, oder?!

        religion war leider immer ein grund für blutvergießen…und ist immer nocht!
        ich glaube buddhismus ist da anders!

    • In diesem Fall kann ich die Kommentare auch nicht so wirklich nachvollziehen. Jedenfalls sind sie nicht „schlimmer“ als deine, wobei deine auch nicht wirklich „schlimm“ sind. Jeder mag eben andere Dinge und Stile, und „Kunst“ kann und muss jeder für sich selbst definieren. Einem anderen seine Sicht aufzwingen funktioniert eh nicht.

      Zur Serie: Ich finde die Fotos durchaus gelungen, weil sie durch das weglassen der Bearbeitung einfach viel trister wirken und somit der Lage und leider oft auch Akzeptanz perfekt illustrieren.

      Hier jetzt mit Islamophobie anzufangen halte ich für falsch. Ist auch nur ne (längst überholte und einschränkende) Religion wie das Christentum und alles andere. Ich bin da eher Atheist, aber so lange mir die Leute ihren „Glauben“ nicht aufzwingen wollen und ihn für sich behalten, können die das gerne machen. Leben und leben lassen.

    • ;-)

      also, ich finds gut. sehr gut.

      dass die moscheen fast immer an abgewrackten orten sind, ist mir auch schon aufgefallen. und ich habe mich gefragt, ob das „hinterhofdasein“ die gläubigen stört. vielleicht werden die moscheen da gebaut/eingerichtet, weil es dort einfach günstig ist. vielleicht, weil sie verdrängt werden, weil sie niemand an einem zentralen ort haben möchte.

      so gut ich auch die offene art der zentralmoschee mag, so gut finde ich auch den ansatz, unbelebte, trostlose orte als zentren des glaubens zu machen.

      • Also ich persönlich würde es bevorzugen meinen Ort des Glaubens lieber an einem ruhigen Ort zu haben, selbst wenn das dann eine etwas schäbige Gegend sein muss aber dafür hat man ungestört seine Ruhe.
        Was bringt mir eine Moschee in der gebetet wird, wenn diese mitten in einem noblen und sauberen Viertel liegt mit viel Frequenz wo man ständig Leute und Autos hupen hört.

        Ich finde die ruhige Gegend ist bestimmt sogar gewollt. Ich denke nicht, dass die viel lieber mit einem großen Aushängeschild irgendwo präsent dick auftreten wollen.

  2. Hihi, scheint ja den einen oder anderen zu überfordern, so ein Thema.

    Bleibt allerdings die Frage ob diese „Ästhetik“ der Bauten, die die Bilder ja ganz nüchtern dokumentieren, von Christen-Kultur aufgezwungen ist oder von Islam-Kirche gewollt.

    Verständlich dass man auch mal etwas selbstbewussteres will.
    Verständlich dass das Ängste weckt.

    Fazit: photographisch langweilig, kulturell interessant

    @lichtbildwerfer: aua

  3. Ich kann auch nicht so recht nachvollziehen, was hier manch einer fuer Probleme sieht. Es handelt sich ganz schlicht und ergreifend um eine klassische Fotoreportage. Vielleicht kommt hier auf der Seite der Reportageteil etwas zu kurz, aber dafuer gibt es ja den Link zu Flickr.
    Hier ueber den kuenstlerischen Anspruch der Bilder oder die gruendsaetzliche Sinnhaftigkeit von Religion zu diskutieren geht meiner Meinung nach am Thema vorbei.

  4. Tolles Projekt! Eine der großen Aufgaben der (Dokumentar)Fotografie ist es schließlich , das Nicht-Offensichtliche sichtbar zu machen, in unser Bewusstsein zu rücken. Das ohnehin Offensichtliche, Augenfällige und Schöne einzufangen, ist keine allzu Kunst, diese beginnt u.a. dort wo der Fotograf Dinge sieht, die anderen nicht auffallen und für diese sichtbar macht.
    So gesehen ist diese Serie fotografisch also höchstinteressant und ganz und gar nicht langweilig. Dass sie ästhetisch nicht dem entspricht, was man von „schönen“ Fotos erwartet, liegt hier in der Natur der Sache und gehört zum Konzept. Man kann damit gerne nichts anfangen dürfen, aber wer der Serie ihre „Hässlichkeit“ oder „Langweiligkeit“ vorwerfen will, hat den Sinn schlicht nicht verstanden.

  5. Bei geschätzten 2600 muslimischen Gebetsräumen in D eine super Idee. So, und ich hab schon Leute zwischen Gerümpel in Abstellkammern beten sehen, zeigt es in meinen Augen aber nicht „einfach nur die Dinge, wie sie sind“.

  6. Dokumentarisch ist diese Serie sehr interessant. Ansonsten ist das Thema (wie so viele andere) hochkomplex. Religion vermischt sich dabei allzu oft untrennbar mit Politik- und Machtinteressen. Rationale Diskussionen sind schwer, weil beide Seiten voll mit Vorurteilen sind.

    Die hier dokumentierten islamischen Zentren (wollen es wirklich Moscheen sein?) sehen überwiegend schäbig aus. Viele Deutsche mit Ihrem Zerrbild vom Islam werden das gut finden. Auf der anderen Seite gibt es zweifellos auch die von sogenannten Hasspredigern missbrauchten Zentren, die sicher kaum jemanden durch einen prächtigen Bau mit machtvollen Minaretten aufwerten will. Deshalb sind Pauschalurteile nicht angebracht und man kann nur jeden Fall einzeln beurteilen.

    Im arabischen Raum -also dem Kernland des Islam – kann man das genaue Gegenteil dieser eher schäbigen religiösen Orte finden. Die reichen Machthaber dort liefern sich einen regelrechten Wettkampf, wer die größte und schönste Moschee mit dem größten handgeknüpften Teppich, dem größten Kronleuchter usw. baut. Die weltweit meines Erachtens mit Abstand schönste ( und in vielen Aspekten auch größte) Moschee ist derzeit die Sheikh Zayed Mosque in Abu Dhabi.
    http://www.flickr.com/photos/hurzpurz/7492642006/in/set-72157630382881984/
    (und folgende Bilder)

    Zur Einordnung: Ich bin überzeugter Atheist, reise aber sehr gern durch arabische Länder und habe dort mehrheitlich überaus gastfreundliche und tolerante Menschen kennen gelernt.

  7. Also um es kurz zu machen:
    Bilder – Ist ne Serie, berührt mich nicht. An Kirchen ist eigentlich das innere das Interessante, der Schmuck, die alte Malerei.

    Glauben – Jeder soll glauben an was er will, bei mir ist es der glaube das es Aliens da draußen gibt. Ich werde aber deswegen NIEMALS einen Terror machen.
    Religion ist aus meiner Sicht Irrational und eine Behinderung der Weiterentwicklung der Menschen. Geld übrigens auch, die Wirtschaft bremst unsere Weiterentwicklung aus. Mal schauen ob wir noch rechzeitig hier wegkommen bevor wir den Planeten ganz zerstört haben.

  8. Blogartikel dazu: Männig | Sakralbauten