28. Juli 2012 Lesezeit: ~4 Minuten

Mänty Sketches

Wenn man sich ernsthaft mit der Landschaftsfotografie beschäftigt, merkt man schnell, wie zeitintensiv diese Kategorie werden kann. Um so offensichtlicher wird das, wenn man nicht damit seinen Lebensunterhalt verdient, aber trotzdem weiter an der Fotografie arbeiten möchte und (freie) Zeit zum Ausüben seiner Leidenschaft selten und kostbar ist.

Die Winter hier im Norden von Finnland sind lang und um die Zeit wenigstens ein wenig kreativ zu nutzen, wählte ich im letzten Winter ein Projekt, das mir schon seit einiger Zeit nahe lag und an dem ich in einer freien Minute immer wieder mal so zwischendurch arbeiten konnte.

Schon oft hatte mich der Anblick der mit frischem Schnee bedeckten Mänty (Waldkiefer) fasziniert und da diese Bäume hier praktisch überall wachsen, schien es ein geeignetes Projekt zu sein. Die richtigen Bedingungen waren nur noch eine Frage der Zeit.

Beginnend von Dezember habe ich bis Ende März dann immer wieder eine freie Minute genutzt, um an diesem Projekt zu arbeiten. Manchmal war es einfach. Eines meiner liebsten Bilder habe ich schlicht von meinem Schlafzimmerfenster aus gemacht, ein anderes von einem Parkplatz eines Supermarktes aus. Für einige andere wiederum musste ich länger Ausschau halten und auf frischen Schnee warten.

Meine Herangehensweise war der bei einem Portraitfotos nicht unähnlich. Entscheidend war es, möglichst auf Augenhöhe mit den Baumkronen zu kommen, da man nur hier diese interessanten Strukturen in den Ästen zusammen mit dem Kontrast der schneebedeckten Nadeln findet, der mich interessierte.

Mit einer durchschnittlichen Höhe der Bäume von 17 Metern war das jedoch nicht immer möglich. Falls vorhanden, versuchte ich, von einem höheren Standpunkt aus zu fotografieren. War keiner vorhanden, konnte ich jedoch mit Hilfe eines Tele-Objektivs und genügend Abstand zum Motiv, um Verzerrungen weitestgehend zu vermeiden, dann aber doch einen relativ flachen Winkel zu den Baumkronen zu bekommen und somit eher auf Augenhöhe kommen.

Vom praktischen Nutzen des 70-200mm Objektives abgesehen, war mir auch die entstehende Ästhetik wichtig: Durch die lange Brennweite konnte ich das ohnehin schon vorhandene Chaos in den Baumkronen weiter komprimieren, somit noch mehr verstärken und dadurch den Kontrast zwischen Nadeln und den Ästen auf die entstehenden Strukturen hervorheben.

Die besten Bedingungen fand ich in der Regel vor, wenn der Schnee frisch und nass genug war, um auf den Nadeln der Bäume liegen zu bleiben. Gewissermaßen nebenbei bekamen die Fotos durch den oft noch andauernden Schneefall einen leicht impressionistischen Touch. Um die Kamera vor dem nassen Schnee zu schützen, habe ich einfach ein Loch in eine Plastiktüte gemacht, durch dieses das Objektiv (in dieser Serie habe ich ausschließlich mein 70-200mm f/4 verwendet) gesteckt und das Ganze mit der Gegenlichtblende ein wenig festklemmt. Voilà, ein selbstgebauter Regen- und Schneeschutz für 10ct.

Ein wenig zur Bildbearbeitung

Im Gegensatz zu den Projekten, die ich während des letzten Jahres gemacht habe, war mir bei diesem Projekt von Anfang an klar, dass ich es in Farbe machen muss. Die Kompositionen würden in der sonst von mir bevorzugten Schwarzweiß-Konvertierung nicht nur ihre Wirkung verlieren, sondern auch eines ihrer essentiellen Charakteristiken beraubt werden: Der Kontrast in den Farben zwischen dem Blaugrün der Nadeln, dem Weiß des frischen Schnees und dem Orangerot der Äste und Stämme.

Bearbeitet habe ich die Bilder hauptsächlich in Lightroom 4 und lediglich zum Abschluss noch einmal ein wenig an den Kontrasten in Photoshop gearbeitet. Mit den verbesserten Kontrollen für Tiefen und Lichter in Lightroom 4 habe ich nunmehr alle Werkzeuge zur Verfügung, um die Bilder zu bearbeiten und der Schritt rüber zu Photoshop wird immer seltener nötig.

Für’s Erste betrachte ich diese Serie als mehr oder weniger abgeschlossen, halte mir aber durchaus die Möglichkeit offen, im nächsten Winter weiter daran zu arbeiten, sofern mir nicht ein anderes Thema einfällt, um die Wintermonate ein wenig kreativ zu nutzen.

Weitere Bilder dieser Serie könnt Ihr auf meiner Webseite betrachten.

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7 Kommentare

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  1. Interessante Serie. Spricht mich auch sehr an weil es um Strukturen und Kontraste geht.
    Ich glaube aber, dass die Serie gut in schwarz-weiß funktionieren würde. Denn dann könnte man, so meine ich zumindest, durch die Kontraste und Grauabstufungen das Chaos und die Strukturen der Äste und Nadeln samt Schnee gut herausarbeiten. Allerdings hast du natürlich recht, dass so zumindest der Kontrast zwischen Bäumen und Nadeln weniger herausstechen würde.

  2. Ein recht simples aber sehr interssantes Thema. Meine Frau fotografiert auch regelmäßig den Wald vor unserem Balkon aus. Ob man es nun glauben mag oder nicht, sich die Aufnamen später anzuschhauen und zu sehen wie die Natur sich von Woche zu Woche ändert ist wirklich interessant.
    Gruß
    Oli

  3. Blogartikel dazu: A Post About A Post | Too Much Latte