18. April 2012 Lesezeit: ~7 Minuten

Babys fotografieren

Im Folgenden möchte ich ein paar meiner persönlichen Erfahrungen, die ich in der Kinderportraitfotografie gesammelt habe, mit Euch teilen. Speziell Portraits von fremden Kindern erstelle ich seit etwa einem Jahr.

Als ich mit der Kinderfotografie begann, hatte ich viele Fragen. Bis dahin hatte ich ausschließlich Erwachsene vor der Kamera gehabt. Dass ich mein Wissen also nicht 1:1 übertragen könnte, war mir klar, denn kein Baby würde ruhig halten, während ich in Ruhe einen Weißabgleich mache oder das Licht bestimme. Babys halten auch nicht kurz eine Position oder neigen das Kinn auf Zuruf etwas höher.

Wie also herangehen? Ich habe zunächst viele Bilder von meiner eigenen Tochter gemacht. Alternativ kann man auch Freunde fragen. Wichtig ist, keinen Druck zu haben. Werden die Bilder am Anfang nichts, hat man für die nächsten dazugelernt.

Ich fand es zudem wichtig, mir vorher zu überlegen, welche Art von Bildern ich machen möchte. Ich habe mir viele Fotos angesehen und fand im Internet sehr viele, die mir selbst zu kitischig waren. Stark weichgezeichnete Babys in einem Weidenkörbchen oder nackt auf einem Bärenfell drapiert, wollte ich auf keinen Fall.

Ich wollte richtige Portraits machen. Interessant ist für mich, wie sich bereits bestimmte Gesichtszüge abzeichnen, der große im kleinen Menschen sichtbar wird. Das verstehen nicht immer alle Eltern. Die Bilder von Anne Geddes sind stark in den Köpfen vieler Menschen verankert. Ich finde diese Fotos auch nicht unbedingt schlecht, aber es ist für mich nicht das, was ich machen möchte. Das Kind soll bei meinen Bildern im Vordergrund stehen und nicht die Inszenierung.

Umsetzen kann ich meine Idee von Babyportraits am besten im Spiel mit den Babys selbst. Ich war sehr überrascht, wie offen die Kleinen sind und wie wenig Angst sie vor meiner Kamera haben. Mein erstes fremdes Baby vor der Kamera war sechs Monate alt und krabbelte mir nach einem kurzen Kennenlernen überall hin nach. So robbte ich nach und nach immer näher ans Terassenfenster, um genügend Licht zu haben.

Es zeigte mir alle seine Spielsachen und lächelte unentwegt. Kinder in diesem Alter sind meiner Meinung am einfachsten zu fotografieren, auch wenn sie sehr schnell sind und gerne zu nahe an die Kamera kommen. Das habe ich spätestens gemerkt, als das erste Kind mit der Rassel auf mein Objektiv schlug, während ich fokussierte.

Im Gegensatz zu Neugeborenen und Kindern im Alter von bis zu circa vier Monaten haben ältere Babys ihre Mimik bereits fest unter Kontrolle und führen auch nicht immer die Hände zum Mund. So ist es viel einfacher, schöne Portraits zu machen.

Neugeborene haben meist eine leicht fleckige Haut und eventuell kleine Pickelchen. Wenn sie sich aufregen oder gerade getrunken haben, ist die Haut auch oft rot und meist schlafen sie. Bei Neugeborenen plane ich deshalb immer viel Zeit ein. Nicht, weil ich sie besonders lange und ausgiebig fotografiere, sondern weil es schwierig ist, ein passendes Zeitfenster zu finden, in dem sie wach sind und sich wohl fühlen.

Am einfachsten ist es sicher, sie im Schlaf zu fotografieren. Schön ist es aber auch auf den Armen der Eltern. So habe ich auch gleich einen schönen Vergleich bildlich festgehalten, denn wie klein so ein Neugeborenes ist, wird erst so richtig deutlich.

Ich fotografiere die Kinder immer bei sich zu Hause, denn hier fühlen sie sich wohl, haben ihr Spielzeug und die Eltern bekommen ganz persönliche Bilder. Ich nehme auch keine Extras wie Mützchen oder süße Decken mit. Ich finde es wichtig, dass die Kinder im Bezug zu ihren eigenen Dingen gezeigt werden.

Mit den Eltern tausche ich mich bereits vor dem Shooting per E-Mail oder am besten telefonisch aus. Ich erkläre noch einmal genau, was für Bilder mir vorschweben und versuche herauszufinden, was sie von mir erwarten. Da sie mittlerweile einige meiner Fotos bereits vorab im Internet sehen können, ist es viel einfacher. Sie wissen genau, was sie bekommen werden und ich bekomme vermehrt Anfragen, die in meine eigene Idee von Kinderbildern passen.

Ich darf nur einen Bruchteil der Kinderbilder auch im Internet zeigen. Wollt Ihr also Bilder von Kindern machen, um damit Euer Portfolio zu erweitern, klärt diese Frage vorher auf jeden Fall mit den Eltern ab. Ich verstehe natürlich die Ängste der Eltern und auch wir haben die Frage nach Kinderfotos im Netz bereits gestellt. Schade ist es für mich als Fotografin jedoch trotzdem, denn die meisten Eltern entdecken mich doch eben durch meine Fotos.

Dadurch, dass jede Wohnung anders ist, ist auch jedes neue Kindershooting eine neue Herausforderung. Besonders das Licht ist immer wieder anders und ich muss neu herausfinden, wo ich die Bilder am besten aufnehme. Ideal ist ein großer, sehr heller Raum. Oft hatte ich bisher Glück und konnte direkt an einem Terassenfenster arbeiten. Mit meinem Rücken zum Fenster schaut das Kind in die Kamera zum Fenster und das Gesicht ist so ideal ausgeleuchtet.

Das funktioniert aber nicht immer so schön und oft krabbelt das Baby dann doch wieder in die dunklere Ecke. Egal wie schwierig das Licht ist, ich nutze keinen Blitz. Zum einen, weil ich Bilder mit dem Aufsteckblitz nicht schön finde und in den Wohungen auch keinen großen Blitzaufbau machen kann. Zum anderen aber auch, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass so ein Blitz besonders gut für so kleine Kinderaugen ist. Er würde für mich die Atmosphäre kaputt machen.

Ich vertraue deshalb auf mein lichtstarkes Objektiv und den Autofokus. Die Blende habe ich meist bei f/2.0. Der Vorteil dabei ist auch, dass der Hintergrund unscharf wird und so nicht zu stark vom Portrait ablenkt.

Bei Neugeborenen fotografiere ich mit einer 1/60 Sekunde, bei älteren Kindern geht das nicht mehr. Sie bewegen sich einfach zu schnell, sodass ich oft eine 1/100 Sekunde und weniger nutzen muss, um scharfe Bilder zu bekommen. Um dennoch in der Wohnung genug Licht auf’s Bild zu bekommen, reize ich die Lichtempfindlichkeit aus. ISO 500 oder ISO 800 sind keine seltenen Werte.

Ich habe meist die Blende und Belichtungszeit festgelegt und den ISO-Wert auf Automatik gestellt. So kann ich mich auf das Handeln des Kindes einlassen, ihm folgen und im Spiel immer kurz die Kamera zur Hand nehmen und schnell den Auslöser drücken, ohne die Lichtverhältnisse immer nachprüfen zu müssen.

Ich nutze dabei immer nur mein 50mm-Objektiv. Babys sind noch klein genug, um mit dieser Brennweite auch Ganzkörperportraits zu machen und ein Objektivwechsel ist für mich während des Shootings zu ablenkend. Ich drücke circa 200 mal auf den Auslöser, um dann am Ende die 20 besten Fotos für die Eltern auszuwählen und zu bearbeiten.

Wenn ich beginne, die entstandenen Babybilder zu sichten und zu bearbeiten, bekomme ich direkt gute Laune. Wie die Kinder in die Kamera lächeln und staunen, ergibt nicht nur für mich ein wunderschönes Foto, sondern natürlich vor allem für die Eltern.

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32 Kommentare

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  1. Sehr toller und interessanter Artikel. Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, wie man Kinder wohl am besten fotografiert. Finde es gut, dass du dich nicht nur auf den Aspekt bezogen hast, wie man am besten mit den Kindern umgeht und wie das Shooting abläuft sondern auch auf die technischen Details. :)

  2. Hallo Katja.

    Zuerst: Ein schöner Artikel. Ich stimme dir zu, viele Bilder von Babys (oder auch größeren Kindern) sind kitschig und Mist. Ganz schlimm finde ich die Fotos von kommerziellen Studios, wo die Kinder stocksteif vor der Kamera sitzen oder stehen… *würg*

    Ich habe ‚mal eine Frage, die mir schon ewig auf der Tastatur schlummert. Warum fotografiert man Babyfüße? Wo steckt da der Sinn?

    Bei vielen Menschen, die sich fotografieren lassen habe ich wirklich das Gefühl „Oben hui, unten Pfui“. Füße sind im Allgemeinen häßlich (ich habe schon viele Füße gesehen, und glaube mir, es war nicht immer schön *kotz*)…

    • Ich glaube, dass bei Füßen die ästhetische Bewertung sehr weit auseinander geht, weil sie nicht wie andere Körperteile so starken Idealvorstellungen unterliegen. Wie ein Fuß „sein sollte“, wird einfach so wenig in den einschlägigen Heftchen besprochen, dass da ausnahmsweise noch jeder selbst einen relativ unabhängigen Geschmack entwickelt. Ich bin zum Beispeil immer wieder überrascht davon, wie viele (vor allem Frauen) sich vor Füßen generell ekeln oder sie hässlich finden. Ich gehöre eher zur anderen Fraktion, die Füße generell toll findet und ich würde behaupten, dass ich noch nie ein Paar gesehen habe, das ich als „hässlich“ bezeichnen würde.

      Nunja und bei Babies… da ist es wohl ähnlich wie mit den Händen der Kleinsten: Sie sehen durch die winzigen Finger und Zehen am zerbrechlichsten aus und der Größenunterschied zum erwachsenen Menschen ist am beeindruckendsten. Gerade dieses „kleine Wunder“ wollen junge Eltern ja dokumentieren. Abgesehen davon, dass sie wohl in einfach jedes Detail ihres Sprösslings verliebt sind.

  3. Schöner Artikel. Zwei Anmerkungen:
    1. Wenn man den Aufsteckblitz seitlich oder nach hinten (über die Schulter) bounced, kann man eine sehr natürliche Lichtstimmung schaffen, ohne dass das Bild verblitzt aussieht.

    2. 20 aus 200 finde ich schon echt gut. Ich habe meistens so 8 bis maximal 10 Bilder aus 200, die ich wirklich gut finde.

    Beste Grüße,
    Chris

  4. Sehr schöner Artikel, der genau zur rechten Zeit kommt :)

    Was das Drapieren, Anblitzen und Arrangieren der Kinder betrifft bin ich absolut deiner Meinung – solche Fotos sollten so natürlich wie möglich sein.

    Freu mich schon auf das Fotografieren unseres kleinen Wurms <3

  5. Hallo Katja,
    du schreibst, dass du die Blende und die Verschlusszeit fest einstellst und nur die ISO (in einem festen Intervall?) auf automatik stellst, damit du dich nicht ständig um Lichteinstellungen kümmern musst.
    Was mich jetzt noch interessiert … Welche Lichtmessmethode verwendest du (am häufigsten), lässt du sie immer fest oder änderst du sie auch öffters während eines Shootings?

  6. Ich kann mich nun auch selbst an solchen Aufnahmen versuchen :) und finde die Art wie du fotografierst toll.

    Ich selbst versuche auch alles ohne Blitz zu fotografieren, da ich die Stimmung mit dem vorhandenen Licht einfangen will.

    Wie lange bist da ca. bei einer Session?

  7. Ganz toller Artikel der mir aus der Seele spricht und auch von mir hätte stammen können :-)

    Ich fotografiere zur Zeit ca. 1-2 Babys in der Woche nach genau diesem Ansatz: Ohne Blitzlicht mit viel Zeit und Ruhe in heimischer Umgebung. Allerdings habe ich immer ein paar Decken und Mützchen dabei. Ich weiß vorher nie welche Gegebenheiten ich vorfinde. Hauptsache die Kinder fühlen sich wohl – das steht immer an erster Stelle.

    Es macht so viel Freude diese kleinen Persönlichkeiten vor der Kamera zu haben und es ist eine tolle Herausforderung sich jedes mal neu auf Eltern, Kind und örtliche Gegebenheiten einzustellen.
    Einen Vorteil gegenüber der klassischen Studiofotografie sehe ich auch darin, die heimische Umgebung mit in die Bilder einzubeziehen. Ein toller Teppich, ein schöner Fußboden oder ein besonderes Möbelstück.
    So entstehen einfach tolle, natürliche und individuelle Bilder. Jedes Shooting ist anders und jedes mal lerne ich etwas dazu.

    Danke für diesen Artikel!
    Grüße aus Norden,
    Sonka Fliege

  8. Blogartikel dazu: Babys Fotografieren ‹ ‹ Martin Buchleitner | nitram FotografieMartin Buchleitner | nitram Fotografie

  9. Hallo Katja,
    auch ich möchte Danke sagen für diesen informativen Artikel, der mir einige wertvolle Tipps gegeben hat. Vor allem, was das Blitzen angeht!
    Ein Kind, auch wenn es noch so klein ist, hat schon eine Persönlichkeit und die sollte in einem Foto auch möglichst gut rüberkommen, da bin ich ganz Deiner Meinung.
    A.G.-Bilder sind Kunst, „echte“ Babys sehen anders aus und sollten möglichst natürlich wirken.
    Ich werde Deine Ratschläge auf jeden Fall ausprobieren.
    Lieben Gruß
    moni

  10. Der Artikel und die Bildauswahl hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ist ein Bild deiner Tochter unter der Auswahl?

    Ich weiß gar nicht, ob ich an meiner Kamera auch Auto-Iso einstellen kann. Das habe ich jedenfalls noch nie gemacht.

    Viele Eltern überlegen ja, wann man mit einem Baby mal zum Fotograf gehen sollte. (Oder sich jemanden nach Hause einladet.) Ich schwanke da etwas. Ich mag die Bilder von ganz frischen Säuglingen. Plane ich eine derartige professionelle Aktion nur einmal ein, würde ich allerdings warten, bis das Baby allein sitzt.

    Ich finde viele Familienfotos beim Fotografen etwas eigen. Männer mit freiem Oberkörper halten ihr Baby auf dem Unterarm. Ich möchte das gar nicht so bewerten. Ich schmunzel vielleicht etwas. Es ist oft so rührend. Es ist ja auch gut, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind.

    Was Katja würdest du denn sagen, wenn dir ein Kunde dir Posen vorschlägt, die nicht so zu dir passen? Oder kommt so etwas gar nicht vor?

    Viele Grüße von Heike

    • Viele Fotografen bieten mittlerweile auch Angebote an, in denen 3 Shootings enthalten sind; meist Schwangerschaft, Neugeborenenbilder und erster Geburtstag.

      Mir wurde bisher noch nichts vorgeschlagen, was gar nicht zu mir gepasst hat. Sollte es doch einmal vorkommen, muss ich natürlich abwägen. Schließlich bezahlt der Kunde für die Bilder. Aber die Eltern scheinen sich vorher gut umzuschauen und die Fotografen zu wählen, deren Bilder Ihnen am besten gefallen. Und Angebote für den jeweiligen Geschmack gibt es genug.

    • Also aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir zum Beispiel den Fotografen ausgewaehlt haben fuer das Babybauch-Fotoshooting, wo uns die Bilder am besten gefallen haben – und hier war die einzig nackte Haut der Babybauch ;)
      Ich denke auch, wie Katja schreibt, dass die Eltern sich den Fotografen schon vorher aussuchen. Aber ich denke auch, dass es wichtig ist fuer beide Seite gleich anfangs die Erwartungshaltung zu klaeren – welche Bilder sollen am Ende rauskommen.

  11. Blogartikel dazu: linkTime – Mai 2012 – #1 | linkTIME | bhoffmeier.de bhoffmeier.de

  12. Das sind ja superschöne und süße Bilder. Habe mich bisher nicht so für fremde Babys interessiert. Ich finde genial, wie prägnant die Bilder die Persönlichkeiten der kleinen Menschen zeigen und wie stimmungsvoll sie sind.

    LG Anna

  13. Hallo Katja,
    auch wenn dein Artikel nun schon ein wenig älter ist, war er doch sehr interessant für mich. Vielen Dank für die vielen Infos, sowohl technischer als auch menschlicher Natur!

    Vielleicht noch eine kleine Anmerkung von mir, auch wenn das scheinbar die meisten ohnehin intuitiv beherzigen. Uns wurde vom Kinderarzt gesagt, man solle die Kinder in den ersten 6 Monaten, wir haben das wohl bis nach dem ersten Geburtstag so gehandhabt, nicht mit Blitz fotografieren. Der Lidschlussreflex ist noch nicht ausreichend ausgeprägt und sehr viele Ärzte/Augenärzte raten hierbei zur Vorsicht. Wissenschaftliche Belege gibt es hier wohl nicht, aber aus meiner Sicht ist es doch so, dass sicher KEINER dem Baby weh tun möchte, bzw. ihm sogar einen eventuell dauerhaften Schaden zufügen möchte. Außerdem hat Katja das ja sehr schön beschrieben, welche Möglichkeiten es alternativ gibt, Lichtstarke Objektive, natürliches Licht, hohe ISO, etc. Da ergibt sich ein natürliches, stimmungsvolles Licht doch ohnehin viel „einfacher“ als mit Blitzanlage oder (externem oder) Aufsteckblitz.

    Viel Spaß euch allen beim Fotografieren der Kleinen und viele schöne Fotos!

  14. Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist hoffe ich ich bekomme noch eine Rückmeldung zu meinen Fragen ;) Mich interessieren Vorallem noch ein paar technische Einstellungen: Wie stellst du den Weißabgleich ein?
    Machst du Einzelbilder oder Reihenaufnahmen? Welche Belichtungs-Meßmethode benutzt du? Fokussierst du immer mit dem mittleren Meßpunkt oder legst du den Meßpunkt für den Autofokus für jedes Bild neu fest?

    Danke für die vielen hilfreichen Tips! :)