29. November 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Ganz unverfälscht, unverfälscht ich

Das intensive Fotografieren gehört erst seit knapp einem Jahr zu meinen größten Leidenschaften, doch schon nach kurzer Zeit haben sich „Grundsätze“ herausgebildet, denen ich nachgehe, wenn ich Bilder festhalte.

Spontanität – sobald mir eine Idee in den Kopf schießt, habe ich den Drang, sie so schnell wie möglich loszuwerden, indem ich sie in einem Bild einfange. Ich plane nicht groß im Voraus, mache keine riesigen Vorbereitungen für Shootings. Kreativität kann nicht erzwungen werden. Entweder fließen die Gedanken oder eben nicht.

Ich versteife mich nicht zu sehr auf meine Grundidee, denn es kommt immer anders als ich denke – zu oft war ich schon enttäuscht, wenn die Ergebnisse auf dem Display so viel schlechter aussahen als zuvor durch den Sucher. Doch sobald der Computer dann die Speicherkarte liest und ich anfange, die Bilder zu betrachten, zu bearbeiten und zusammenzustellen, entwickelt sich plötzlich etwas völlig Unerwartetes und manchmal bin ich viel begeisterter von diesem neuen Ergebnis als ich erwartet habe.

Zeitlosigkeit – Ich lasse meine Uhr zu Hause; fühle ich mich unbeschwert, ist es der Ausdruck im Bild auch. Musik hilft mir dabei insgeheim…

Ich lege nicht zu viel Wert auf eine teure Ausstattung oder die neueste Technik. Meistens gehe ich los mit meiner Kamera, ein, zwei Objektiven, dem Stativ und suche mir ganz simple Dinge, die mir meine Umgebung bietet. Oftmals höre ich auch „ein Bild ohne Photoshop ist zu simpel und nicht aussagekräftig!“ Ein Foto, dessen sämtliche Ecken und Kanten weggeschliffen werden, zeigt für mich nicht mehr die Wahrheit. Ich bin stolz und glücklich, wenn ich ohne aufwändige Nachbearbeitung ein tolles Foto erschaffen konnte, indem ich den Moment einfach nur mit meiner Kamera festhalte. Aus diesem Grund ist ein teures Bearbeitungsprogramm nicht so wichtig für mich, egal wie viele „Vorteile“ es doch zu haben scheint.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich nicht einfach nur irgendwelche Gesichter oder Gegenstände ohne Zusammenhang und Hintergrund fotografieren will. Meine Bilder sollen etwas von mir und meiner Welt erzählen – manchmal auch, wie ich sie gerne sehen möchte. Träume und Wünsche lassen sich in Fotos wundervoll verwirklichen.

Nach und nach hat sich auch meine Stärke herausgestellt: Collagen, Bilder aus zwei einzelnen Fotos, die nicht nur einfach nebeneinander stehen, sondern miteinander verbunden sind, sich gegenseitig ergänzen. Jedoch steckt hinter ihnen nie eine Struktur.

Die Zusammensetzung geschieht immer völlig unbewusst, sogar fast zufällig beim Bearbeiten und Angucken der Aufnahmen. Manchmal setze ich ein Bild von gestern mit einem zusammen, das schon mehrere Monate alt ist. Die Chemie muss einfach stimmen.

Häufig werde ich gefragt, warum ich meistens nur mich selbst fotografiere. Es ist einfach angenehmer und so viel leichter, wenn ich meine Gedanken nicht umständlich einer fremden Person nahe bringen muss, sondern mich einfach vor die Kamera stelle, die Position einnehme, die ich mir vorgestellt habe und den Fernauslöser betätige – gleichzeitig Fotografin und Modell bin.

Wenn ich mal andere Menschen vor der Kamera habe, dann bisher nur enge Freunde und Bekannte, die mich und meine Sichtweisen gut kennen und mit denen die Arbeit auch ohne große Worte funktioniert, denn auch hier muss das Verhältnis passen.

Nur dann stellt die Aufnahme meine wahren Gefühle dar, ganz unverfälscht, unverfälscht ich.

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13 Kommentare

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  1. Wundervolle Fotos, und deine einstellung ist Toll!

    Als ich deinen Standpunkt zu Photoshop sah, musste ich ein wenig schmunzeln, da ich unter den ziemlich gleichen Bedingungen (17 Jahre alt, noch nicht ein ganzes Jahr intensiv beschäftigt mit der Fotografie) fotografiere, und völlig einer meinung bin mit dir.

    Ich besitze keinen Photoshop, weil ich es schade finde wenn eine Stimmung so stark verfälscht wird, wie es halt mit Photoshop möglich ist. Ich fotografiere um Stimmungen möglichst echt einzufangen, und mein Ziel ist es, irgendwann Bilder zu machen, auf denen man die Emotionen förmlich spürt.

    D.h. nicht das ich ein Photoshop hasser bin, sondern eher, dass ich es nicht in meine Bilder fliessen lassen will.

    Ich musste auch aus dem Grund lachen, weil so viele erfahrene, langjährige Fotografen mit Photoshop arbeiten. Hatten die früher auch mal eine solche Einstellung? Oder werden wir irgendwann auch völlig unsere Meinung ändern und die Fotos mit anderen Mitteln entstehen lassen?

    Ja, genug philosophiert, nochmal ein Kompliment zu deinem tollen Artikel!

    Grüsse

  2. alter VW Bulli, um die Welt zu entdecken! Hej, in dem Alter?! Wenn ich das sage; in unserer Generation waren die Autos schon Kult.
    Kleiner Tip hierzu: Cornwall! Da wimmelt es nur so von alten T1 im Hippie Look!
    Btw.: schöne Bilder und -in meinen Augen- gesunde Einstellung zu Fotografie.

  3. Hey. Ganz klar zu erst; du hast gut Worte gefunden, für das, was du vermutlich ausdrücken wolltest. Ein toller Artikel, der einem einleuchtet, aber nicht nur rational, auch gefühlsmäßig. Manchmal heißt es „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – aber ein Bild über die eigene Art zu fotografieren, nun, das wäre kein Artikel. Kleine Anmerkung noch zu Luana (ich hoffe sie liest das :D ). Ich finde von euch beiden viele Bilder ganz wunderbar stimmungsvoll und gut getroffen. Das liegt sicher auch oft an den Szenen und Situationen. Ich als Lightroomliebender hätte sicher an einigen Stellen dran rumgefeilt (nein, nicht um die Stimmung zu verfälschen), aber das absolut nicht nötig. Grund dafür ist aber auch die Art der Fotografie. Wenn von Fotografen die Rede ist, dann heißt das meist; Fotografen, die ihre Bilder verkaufen. Klar kann man auch Fineart verkaufen, oder Livestyle-Bilder, aber wenn es zB um Hochzeitsfotografie oder Commercialzeugs für Konzerne geht, dann liegen die Ansprüche nicht nur in der Stimmung und der Echtheit der Fotos. Oft sogar sehr wenig im letzten Aspekt.

    Ich hatte selbst letztens einen Fotografen aus CZ zu Besuch, der seine Bilder bei Agenturen verkauft – ich war geschockt, welche Kriterien die haben. Aber es ist einfach eine andere Art zu fotografieren – würde ich einfach meinen :) Auch wenn das hier nur eine Ansicht ist, erklärts vielleicht doch bisschen was ;)

    Viele Grüße und weiter machen, ich bin sehr gespannt!

  4. Also ich finde jetzt nicht das nur, weil man etwas durchplant dass nichts mehr mit Kreativität zu tun hat. Manche Ideen sind halt so groß das man die nicht „eben spontan“ umsetzten kann. Hab ich die Idee jemand von einem Hochhaus hängend zu fotografieren kann ich nicht da hin rennen und mich/jemand da dran hängen und fotografieren. Da ist schon einiges an Planungen und Genehmigungen erforderlich. Das heißt aber nicht dass es Kreativität ausschließt.

    Finde es auch witzig das du Photoshop/Bildbearbeitung so stark in den Hintergrund stellst und Sachen so präsentieren möchtest wie sie eingefangen werden, aber dann Kollagen bevorzugst. Wenn man es streng nehmen wollte müsstest du die Situation dann auch als Collage einfangen. Ist jetzt nicht bös‘ gemeint, find nur das Zwielicht irgendwie interessant.

    • Hallo Sam,
      ich habe grundsätzlich auch nichts gegen das Planen von Shootings, bei vielen ist es auch nötig, da gebe ich dir Recht.
      Ich wollte lediglich damit ausdrücken, dass Kreativität schnell verloren gehen kann, wenn man versucht, „krampfhaft“ mit einer riesigen Vorbereitung und Aufmachung etwas zu inszenieren.
      Der Artikel repräsentiert halt meine eigene Sichtweise und für mich persönlich sind die kleinen, spontanen Momente und Ideen oftmals am vollsten mit Kreativität.

      Ich bin auch kein Photoshop-Hasser, klar bearbeite ich meine Bilder, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen.
      Ein Foto, das stark bearbeitet wurde, indem ganze Passagen herausgenommen oder reineditiert wurden usw., kann auch faszinierend und beeindruckend sein, doch stellt es für mich dann nicht mehr die Wahrheit dar und mir kommt es auf den „echten Moment“ an beim Fotografieren.
      Und meiner Meinung nach gehört das Zusammenfügen von zwei Bildern zu einer Collage nicht zu so einer starken Bildbearbeitung.

      Andere mögen dazu vielleicht eine andere Einstellung haben, ist ja auch gut so und die akzeptiere ich dann auch :)

  5. ich finde es bemerkenswert, wie schnell du auf diesem Niveau angelangt bist. Ich persönlich fotografiere seit 2 Jahren und habe noch einen sehr langen Weg vor mir. Am Besten gefällt mir hierbei die Anmerkung zu Photoshop. Außer Tonwerte zu korrigieren und zuschneiden verzichte ich auf Nachbearbeitung. Allerdings vermutlich eher aus Faulheit. Ich fotografiere lieber. Ist ja noch viel zu tun….
    Ich frage mich wie viele Versuche du für das Unterwasserselbstporträts benötigt hast. Find ich super!

    • Erstmal dankeschön :)

      Viel mehr als Tonwerte und Farbkurven ändern mache ich auch nicht. Faulheit ists bei mir aber ganz und gar nicht, ich könnte mich stundenlang mit dem Bearbeiten und Zusammenstellen von Fotos beschäftigen, solange die Aussage vom Ursprungsbild nicht vollkommen verfälscht wird, das ist mir halt sehr wichtig!

      So sehr viele Versuche habe ich für das Unterwassersellbstportrait gar nicht gebraucht, ich hatte dabei nur etwas Angst um meine Kamera :D

  6. Ja, das „Photoshoppen“ ist schon eine Seuche geworden. Nicht nur die Wahrheit bleibt auf der Strecke, es scheint mir auch dazu zu erziehen, bei Auswahl des Motivs und der Lichtverhältnisse einfach nicht mehr genau hinzuschauen und zu schlampen. Wie man oben schön sieht, hat das gute alte Schwarz-Weiß-Bild einfach seinen eigenen Charme.